Analyse: Hauptsache drei Punkte

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“Wir sind überglücklich, dass wir endlich drei Punkte erringen konnten. Der Mannschaft ist es egal, wie der Sieg zustande gekommen ist. Ich hoffe, den Fans auch”, analysierte Mittelfeldspieler Daniel Beichler kurz und knackig das Spiel gegen den Tabellenletzten aus Mattersburg, das Sturm Graz nur wenige Minuten zuvor mit 1:0 gewinnen konnte. So kurz die Analyse des Neo-Nationalspielers auch ausfiel, so prägnant beschrieb sie die Situation, mit der Sturm Graz im Moment konfrontiert ist.
Seit der Rettung des Vereins Anfang 2007 hatten Fans und Mannschaft stets eine Einheit gebildet, Unzufriedenheit seitens der schwarz-weißen Supporter war – auch bei Niederlagen – so gut wie nie zu vernehmen. Der sportliche Erfolg war, nachdem Sturm Graz nur so knapp dem Tod entronnen war, einerseits nicht so wichtig, andererseits wusste uns die Mannschaft seither immer wieder positiv zu überraschen. Jedoch genau dieses Übererfüllen des sportlichen Solls und die mittlerweile vorhandene zeitliche Distanz zu den Ereignissen rund um den Zwangsausgleich haben das Anspruchsniveau in Liebenau wieder deutlich steigen lassen. Nach einem dem “Titel” des Winterkönigs 2007, der Qualifikation für den UI-Cup und in weiterer Folge für den UEFA-Cup und Rang zwei in der virtuellen Tabelle der Herbstmeisterschaft 2008 sollte – aus Sicht vieler Fans – im Jubiläumsjahr gefeiert werden und das nicht nur, weil Sturm Graz nun gerade seinen 100-jährigen Geburtstag begeht, sondern weil endlich wieder ein Pokal den Weg nach Graz finden sollte.
Die in den bisherigen Spielen des Frühjahrs gezeigten Leistungen trafen die Sturm-Familie, obwohl man durch den Einbruch des letzten Jahrs vorgewarnt gewesen war, mit voller Härte. Anstatt Siege einzufahren und unter den richtigen Umständen vielleicht doch noch in den Titelkampf einzugreifen, folgte eine Negativserie mit vier Niederlagen und einem Unentschieden in der Meisterschaft, sowie dem Ausscheiden aus dem Cup-Bewerb. Besonders die Cup-Niederlage gegen Austria Wien dürfte nach derzeitigem Wissensstand der Mannschaft nachhaltigen Schaden zugefügt haben. Nach dem verlorenen Auftakt gegen Kapfenberg brannten die Blackies gegen die Wiener auf Wiedergutmachung. Ein folgenschweres Foul in Nähe des eigenen Strafraums brachte nicht nur gegen die Austria die Wende zum Unheil, sondern hinterließ tiefe Spuren in der Psyche der Spieler.
Gegen den Tabellenletzten aus Mattersburg hatten sich viele den großen Befreiungsschlag erhofft. Mit zumindest drei Toren Differenz sollten die Schwarz-Weißen die Burgenländer doch aus dem heimischen Stadion schießen können. In Anbetracht des eigenen spielerischen Potentials und der derzeitigen Verfassung der Mattersburger könnten sie es auch, wäre da nicht die schwer angeschlagene Psyche der Grazer Spieler. Dementsprechend verunsichert agierte man auch am vergangenen Samstag. Zwar waren im Mittelfeld immer wieder gute Ansätze zu erkennen, die wurden jedoch dutzendfach durch unpräzise Zuspiele in Strafraumnähe zunichte gemacht. Sah man sich als Sturm-Fan kurzzeitig dazu hingerissen, sich an die spielerische Sicherheit der Herbstsaison zurückzuerinnern, konnte dies schnell zu stechenden Schmerzen im schwarz-weißen Herzbereich führen. Über beinahe die gesamte Distanz war es eine Qual unseren Kickern auf die Beine zu sehen und sie dabei zu beobachten, wie sie einen Angriff nach dem anderen verstolperten.
Wie aber von Daniel Beichler richtig angemerkt, ging es gegen Mattersburg gar nicht darum, einen Schönheitspreis zu gewinnen, sondern einfach darum, endlich drei Punkte einzufahren und den Negativlauf zu beenden. Nachdem in den vergangenen Wochen, Spiele viel zu oft – meist aus Eigenverschulden – eine Wendung zu Ungunsten der Blackies genommen hatten, war das Selbstvertrauen der Mannschaft am Boden. Nun musste einfach ein Sieg her, um in der Länderspielpause ruhig arbeiten und einen Neubeginn starten zu können. Gegen Mattersburg war es zwar nicht die Mannschaft, sondern das Elfmetergeschenk von Schiedsrichter Oliver Drachta, das Sturm auf die Siegerstraße brachte, aber wer wird in einigen Tagen danach fragen, denn Sturm konnte endlich einen Sieg in diesem Frühjahr feiern und zum ersten Mal drei Punkte auf seinem Konto gutschreiben. Das verschafft einerseits Platz nach hinten (Austria Kärnten verlor gegen Rapid) und verringert nach dem 1:1-Unentschieden der Wiener Austria gegen Red Bull Salzburg auch den Rückstand auf Platz drei – und das ist die Hauptsache.
Sturm Graz – Mattersburg 1:0 (0:0)
Stadion Liebenau, Graz, 9.105 Zuschauer, SR: Drachta
Tor
1:0 Muratovic (73./Elfmeter)
Sturm Graz
Gratzei – Lamotte (69./Jantscher), Feldhofer, Sonnleitner, Kandelaki – Hölzl (85./Shashiashvili), Kienzl (46./Hassler), Hlinka, Beichler – Muratovic, Haas
Mattersburg
Bliem – Mravac, Malic, Sedloksi, Velicky – Atan, Seidl, Stjepanovic, Schmidt (85./Lindner), Mörz (51./Pöllhuber) – Naumoski (77./Wagner)
Gelbe Karten
Feldhofer, Hassler bzw. Sedloski, Schmidt, Mörz, Naumoski, Atan
Rote Karte
Velicky (40./Foul)
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Pressestimmen zu Sturm gegen Mattersburg
Zum Nachlesen: Liveticker Sturm Graz – Mattersburg
Kommentare ( 5 )
Berichte & Analyse zum Sieg gegen Mattersburg…
Sturm – Mattersburg 1:0
Liebenauer Stadion, 21.3.2009, 9.105 Zuseher, Schiedsrichter: Drachta
Tor: 1:0 Muratovic (73.)
Spielbericht von District Six: LESEN
Analyse von Sturm12.at: LESEN…
FLEURQUIN am 23. März 2009 um 11:13Kluger und zutreffender Kommentar – schön so
etwas in “aufgeregten Krisenzeiten” zu lesen!
Fehlt jetzt nur noch, dass in Mattersburg der
nächste Schritt erfolgt: punkten und “gut”
spielen. Dann könnte der STURM-Zug wieder Fahrt
aufnehmen – auf dem Spielfeld und auch rundherum!
mlswg
Imperator am 23. März 2009 um 14:35Genialer Text! Sagt alles aus, wie es gerade um den Zustand der Mannschaft steht!
Ich glaube auch dass vor allem das Cup-Aus die meiste Schuld an den Leistungen danach hatte!
Clemens am 23. März 2009 um 15:30Ja, der Kommentar ist zutreffend. Trotzdem sehe ich das Problem, dass die Psyche der Mannschaft momentan hat weniger im Cup-Ausscheiden sondern viel mehr bereits in der Niederlage gegen Kapfenberg zu Saisonbeginn.
Als klar bessere Mannschaft 3-1 zu verlieren ist wirklich nicht schön. Klar, das Cupaus hat dann noch das Seinige dazu beigetragen, aber der Ursprung des Problems ist in der Niederlage gegen Kapfenberg begraben – denke zumindest ich.
Fredl am 23. März 2009 um 17:55Weltklasse kommentar, den sollten sich alle UNZUFRIEDENEN genau durchlesen, weil 3 punkte sind 3 punkte und aus!!!
danke dass es so objektive analysen von euch gibt!
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