12 Meter: Warum Mattersburg ein Schwachsinn war

“Ich bin […] kein Spezialist und ich kenne die Situation innerhalb der Mannschaft nicht” sagt Brigata-Mann Oliver Parfi hier auf Sturm12.at an anderer Stelle. Mit dieser Aussage hätte er sein Statement beginnen und auch gleich wieder beenden sollen. Was da…

© 2009 Sturm12.at

“Ich bin […] kein Spezialist und ich kenne die Situation innerhalb der Mannschaft nicht” sagt Brigata-Mann Oliver Parfi hier auf Sturm12.at an anderer Stelle. Mit dieser Aussage hätte er sein Statement beginnen und auch gleich wieder beenden sollen. Was da sonst noch alles zu lesen ist, ist mehr als entbehrlich. Mit diesem soliden Fundament schließt Parfi nämlich darauf, dass die Spieler nicht alles geben und in der Mannschaft etwas nicht stimmt. Gratuliere, sag ich da. Das ist mal eine Analyse mit Hand und Fuß.

Aufgrund einer solchen Expertise dann eine Aktion wie in Mattersburg letzten Samstag zu starten entbehrt jeder Grundlage und ist einfach nur als unnötig und mehr als überzogen zu bezeichnen. Klar ist man nach den Ergebnissen und Leistungen der letzten Wochen enttäuscht. Aber mit einer Busblockade und dem Auftritt einiger Fans am Samstag erreicht man genau zwei, wenig wünschenswerte, Dinge: Die Mannschaft wird noch verunsicherter als sie ohnehin schon ist und der Sturm-Anhang, der sich seit dem Abgang vom dicken Hannes so wohltuend von jenem in Rest-Österreich abgehoben hat, reduziert sich selbst auf ein äußerst gewöhnliches Niveau.

Selbst die Rapid-Ultras, die ja bisher hoffentlich nicht die Benchmark der Grazer Kurve waren, haben sich seinerzeit erst nach dem Rückfall auf den letzten Platz zu solch plumpem Aktionismus (Platzsturm) hinreißen lassen. Und bei Sturm blockieren wir den Bus auf Platz vier liegend, Platz drei in absoluter Griffweite? Das kann’s ja wohl nicht sein. Oliver Parfi würde (ohne es nur annähernd belegen zu können) sagen, dass sich aber ja die Spieler untereinander nicht mögen und außerdem haben ein böser Sturm-Spieler und Austrias Milenko Acimovic doch tatsächlich gemeinsam auf dem Platz gelacht, da kann man schon mal den Bus blockieren, eh klar.

Orientiert man sich an den Fakten, kommt man auf folgende Tatsache: Wer sich noch erinnern kann – vor der Saison wurde Sturm irgendwo in den unteren Tabellenregionen vermutet. So viele Abgänge, kaum zu kompensieren, hieß es. Wieder bildete sich aber nach kurzer Zeit, mit den nachrückenden Spielern, eine spielstarke Mannschaft, die an guten Tagen in Österreich jedes andere Team schlagen kann. Und schon in den Jahren zuvor war die Ausgangsposition für Franco Foda alles andere als einfach. Beinahe-Konkurs, immer wieder musste er mit sehr jungen Spielern ein neues Team formen. Es ist ihm noch jedesmal gelungen, dass der Mann kurz die Fassung verlor ist genauso nachvollziehbar wie die Enttäuschung der Fans nach einer schlechten Serie.

Trotzdem war es Fodas Initiative das Treffen zwischen Fanvertretern und Klubführung am Montag zu veranstalten. Das ist ihm, nach meinem Dafürhalten, hoch anzurechen und es bleibt zu hoffen, dass diese Aussprache eine Entspannung der Situation bewirkt. Es gibt eben keinen Titel im Jubiläumsjahr – verglichen mit den Prognosen vor Saisonbeginn ist Platz vier aber immer noch ein Erfolg. Platz drei und ein internationaler Startplatz sind realistische Ansprüche, das ist das neue Ziel, welches es zu verfolgen gilt. Die richtige Antwort wären 2000 Sturm-Fans in alter Form am Ostersonntag in Hütteldorf.

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Spielerprofil

Geboren 1978 im Spannungsfeld von DSV Alpine und KSV in Bruck an der Mur. Mit den ortsansässigen Fußballvereinen allerdings nichts anzufangen gewusst und bald nach Graz gestürmt. Dort den Fußballklub des Herzens entdeckt und, obwohl die Farbe der Liebe rot ist, war der Verein doch der Schwarze. Nach dem Ausscheiden im Finale des AHS-Cups fünf Jahre als CAD-Techniker Beton angerührt. 2005 wieder in die Offensive gegangen, gereift und aus politischen Gründen einen Vertrag bei Uni Wien unterschrieben. Seither Exil-Schwarzweißer, dafür momentan auf einem UEFA-Cup-Platz in der Uni-Liga, der Meistertitel in greifbarer Nähe. Auch als Rasenpfleger vermehrt aktiv und seit Frühjahr 2008 Redakteur beim Fußballmagazin Null Acht. An dieser Stelle schließlich kehrt die Seele heim und man lässt ihn einmal wöchentlich nur über die in Graz zurückgelassene Liebe schreiben.