Analyse: Launische Diva in Schwarz-Weiß

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„Samir hat natürlich einen Fehler vor dem Tor begangen, ansonsten war er aber sehr bemüht und hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Ja, die Leistung war OK“, kommentierte Sturm-Trainer Franco Foda nach dem 1:1-Unentschieden in Altach die Leistung von Sturm Graz-Spielmacher Samir Muratovic. Nun ist es hinlänglich bekannt, dass sich Foda stets schützend vor seine Spieler stellt und versucht die Mannschaft vor Kritik zu schützen, doch kann es der Deutsche in diesem Fall mit seiner Analyse nicht allzu ernst gemeint haben.
Vor einer Woche von Foda auf die Bank verbannt (gegen den LASK spielte Dominic Hassler auf Muratovics gewohnter Position), erwartete man vom 33-jährigen Bosnier gegen Altach eine entsprechende Trotzreaktion. Durch die Gelbsperre von Mario Haas hatte er den Weg zurück in die Anfangsformation der Schwarz-Weißen gefunden. Der “Mittelfeld-Stürmer” sollte in Altach endlich wieder an die Leistungen der Herbstsaison anschließen, als er sich zusammen mit Steffen Hofmann von Rapid Wien als bester Spieler der Bundesliga etablieren konnte.
Was die mehr als 300 ins Ländle mitgereisten Sturm-Fans von Muratovic schließlich zu sehen bekamen, war jedoch nicht einfach mit “sehr schwach” zu beurteilen (die Kleine Zeitung sprach sogar von Totalversager). Die gebotene Leistung grenzte an Arbeitsverweigerung. Über 90 Minuten wurden nicht nur eklatante spielerische Mängel in Form zahlreicher Fehlpässe sichtbar, auch der Kampfgeist des Bosniers erinnerte stark an eine launische Diva. Anstatt mit vollem Einsatz seinem Trainer klar zu machen, dass es ein Fehler war, ihn gegen den LASK auf der Bank zu lassen, agierte Muratovic – offensichtlich beleidigt über seine Nichtberücksichtigung in der Vorwoche – völlig lustlos. Besonders offensichtlich wurde seine Unlust in der 30. Minute. Nachdem sich Muratovic zuvor den Ball etwas zu weit vorgelegt hatte, ging er nicht entschlossen genug in den Zweikampf mit Dennis Mimm, der mit einem – wenn auch etwas glücklichen – Querpass Tomas Jun optimal bediente und schließlich das 1:0 für Altach zur Folge hatte. Auch wenn Muratovic nie als Kämpfer bekannt war, hätte ein Spieler seiner Klasse deutlich energischer versuchen müssen, seinen vorangegangenen Fehler wieder gut zu machen.
Ohne die Situation überbewerten zu wollen, fiel bereits vor der Partie auf, dass sich Muratovic von der restlichen Mannschaft separierte. Während der Spielfeldbegehung nahm er alleine auf der Spielerbank Platz, während sich seine Kollegen gemeinschaftlich auf das bevorstehende Spiel vorbereiteten. Auch beim Aufwärmen hinterließ der 33-Jährige einen nicht gerade motivierten und fokussierten Eindruck. Hätte seine Leistung in den folgenden 90 Minuten ein zumindest durchschnittliches Niveau erreicht, würden wir an dieser Stelle wohl kein Wort über die Aufwärmübungen Muratovics verlieren. Ebenso hätte man ihm jederzeit einen schlechten Tag verziehen, hätte der bosnische Nationalspieler nicht schon seit Beginn des Frühjahrs zahlreiche Spiele auf einem ähnlich schwachen Niveau abgeliefert.
Ohne Zweifel gehört Muratovic zum Besten, was die Bundesliga technisch und spielerisch zu bieten hat. Ebenso ist es bekannt, dass stilistisch ähnliche Spieler oftmals dazu neigen, in schwierigen Phasen launisch zu agieren. Nichtsdestotrotz muss man von Muratovic erwarten, dass er gerade in dieser, für Sturm so wichtigen, Situation – immerhin geht es um Platz drei und die damit verbundene Qualifikation für die Europa League – alles aus sich herausholt und im Notfall schwache Form mit entsprechendem Einsatz kompensiert.
Für die mangelnde Einstellung der letzten Wochen gibt es trotz der zwischenzeitlichen verletzungsbedingten Probleme keine Entschuldigung. Sich, nachdem man praktisch halbjährlich mit einem Wechsel kokettiert (Muratovic hatte sich im Winter intensiv um einen Wechsel nach Russland bemüht), darüber zu beschweren, dass “jeder im Verein glaubt … dass ich nach der Saison den Verein verlassen werde” grenzt an maßlose Arroganz. Muratovic weist mit seinen 33 Jahren bereits ein fußballerisch fortgeschrittenes Alter auf und hat damit seinen Zenit wohl schon überschritten. Sollte der Bosnier tatsächlich so viele Angebote haben, wie er selbst behauptet, sollte Sturm Graz so schnell wie möglich die Chance ergreifen und Muratovic die Möglichkeit geben, sein Glück an einem anderen Ort zu finden. Sturm kann die Ablösesumme mit Sicherheit gut gebrauchen und verfügt zudem mit Daniel Beichler über einen jungen und äußerst talentierten Ersatz, der im Falle eines Muratovic-Transfers endlich auf seiner Lieblingsposition zentral hinter der Spitze zum Einsatz kommen würde.
Altach – Sturm Graz 1:1 (1:1)
Stadion Schnabelholz, Altach – 8.500 Zuschauer – SR: Prammer
Tore
1:0 (30.) Jun
1:1 (43.) Hlinka
Sturm Graz
Gratzei – Lamotte, Shashiashvili, Sonnleitner, Kandelaki – Hölzl, Kienzl, Hlinka, Jantscher (80. Kaufmann) – Muratovic – Hassler (86. Salkic)
Altach
Schicklgruber – Gramann, Djordjevic, Guem – Mimm, Koch, Vorisek, Ze Elias, Schoppitsch (78. Konrad) – Jun (90. Stückler), Radonjic (64. Karatay)
Gelbe Karten
Vorisek bzw. Hassler, Kienzl, Lamotte, Muratovic, Jantscher, Shashiashvili
Gelb-Rote Karte
Mimm (50.)
SturmTifo.com
Tifo-Fotos
Sportpresse-Fotos
Trotz 40 Minuten Überzahl nur Remis
Pressestimmen: Altach gegen Sturm
Audio: Stimmen zum 1:1 gegen Altach
Zum Nachlesen: Liveticker Altach – Sturm Graz
Kommentare ( 11 )
Berichte & Analysen zum Remis im Altach…
Altach – Sturm 1:1
2.5.2009, Stadion Schnabelholz, 8.500 Zuseher, Schiedsrichter: Prammer
Tore: 1:0 Jun (30.), 1:1 Hlinka (43.)
Spielbericht von District Six: LESEN
Analyse von Sturm12.at: LESEN…
Aufpassen am 4. Mai 2009 um 23:57Ich glaube, ihr habt wiedermal die Grenze überschritten. Denkt mal nach, warum sich der Mura aufregt – Man muss immer die Hintergründe kennen bevor man hier versucht irgendetwas zu hinterfragen.
Stellt euch mal vor: Der Fernando Alonso würde dahinterkommen, dass der Nelson Piquet doppelt so viel verdient wie er. – Wie würde der wohl reagieren.
Ich hoffe mal die Message ist angekommen und ich muss nicht noch deutlicher werden.Ich möchte auch das Mura wechselt. Aber nicht aus den gleichen Gründen wie ihr alle, sondern weil ich für ihn hoffe, dass er einen Verein findet, der ihn auch zu schätzen weiß.
Zaungast am 5. Mai 2009 um 06:53Treffliche Analyse, schonungslos aufgezeigt wie es derzeit um den (noch) bosnischen Nationalspieler steht. Danke für die klaren Worte, weiter so!!!
ch am 5. Mai 2009 um 09:19Hallo “Aufpassen”: Du kannst gerne meiner Meinung in allen Punkten widersprechen, Drohungen wie “Ich hoffe mal die Message ist angekommen und ich muss nicht noch deutlicher werden.” lösen bei mir allerdings völliges Unverständnis aus. Ich und auch die anderen Autoren von Sturm12.at werden sich definitiv nicht einschüchtern lassen und sich vorschreiben lassen, welche Meinung sie hier publizieren dürfen. Kommentare, gegenteilige Meinungen, Kontroversen sind hingegen gerne willkommen.
FLEURQUIN am 5. Mai 2009 um 09:45Danke Herr Houben!
Eine kompetent-kritische Analyse, die man leider
in den Printmedien vergeblich sucht. Zum Kommentar
von “Aufpassen” ist zu sagen: “nebelige” Andeutungen
sind nie so wirklich hilfreich, wenn sie dann auch
noch an der Wahrheit weit “vorbeischrammen”! Wg. der
“Message”, dass ein Sportler doppelt soviel verdient
als ein anderer….
Aber nachdem Präsident Hans Rinner im “WEEKEND”-Inter=
view – für zukünftige Verhandlungen mit Spielern, Be=
ratern und anderen Klubverantwortlichen recht ungeschickt
– explizit Summen nannte, sollte man auch in der “Sache
Muratovic” nicht bei Andeutungen bleiben. Samir M. hat
wohl erfahren, dass ein anderer Spieler in der Gehalts=
pyramide über ihm angesiedelt ist ( was Fixum und Punkte=
prämien betrifft). Der Unterschied bewegt sich aber sicher
nicht im Bereich “doppelt soviel oder ein Drittel mehr”,
sondern weit darunter. Trotzdem bleibt festzuhalten: Ein
Spieler verdient mehr als Muratovic. Wieso, von wem und
vor allem aus welchen Motiven Mura davon erfahren hat, ist
eine der interessanten Fragen, die mglw. zum Kern der
Problematik führen. Die Reaktion des wahrlich nicht am
Gehaltshungertuch nagenden Samir M. ist natürlich auch
hinterfragenswert. Ungeklärt bleibt auch die Frage, ob und
wie die Vereinsspitze mit solchen Problemen umgeht und
ob sie überhaupt gewillt ist, mögliche Fehler zu korri=
gieren bzw. ob die internen Kommunikationsabläufe viel=
leicht ebenso verbesserungswürdug sind, wie die externen
– s.h.: Transparenz per kluger Außenkommunikation. Dafür
müßte man aber wahrscheinlich vom Prinzip der “One-Man-
Show” abrücken und andere und mglw. modernere Vereins=
strukturen schaffen. Fazit: Auch der “Fall Muratovic”
scheint nur ein weiterer Hinweis darauf zu sein, dass
bei zu großer Machtkonzentration ohne entsprechende
Kontrolle vieles aus dem Ruder zu laufen scheint. Sollte
ich da ganz falsch liegen, bitte ich höflichst um ent=
sprechende Aufklärung.
Aufpassen am 5. Mai 2009 um 12:04Ich muss mich als erstes einmal entschuldigen. Das sollte keinesfalls bedrohlich klingen – da hab ich mich leider im Wortlaut vergriffen.
Nur ist es leider Tatsache, das der Hlinka nicht nur um ein “bisserl” mehr verdient. Auch andere Spieler (Haas und Feldhofer) stehen in der Gehaltspyramide vor Mura.
Bei Haas weiß keiner so genau, was der jetzt wirklich abcasht. Im Falle von Hlinka allerdings geht es leider schon in Richtung des Doppelten eines Muratovic – und dass ist mMn eine bodenlose Frechheit.
Deshalb habe ich oben auch das Beispiel mit Alonso und Piquet angefügt, denn ich denke vom Leistungspotenzial her ist das ein guter Vergleich.Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass Mura von Hagmayr vertreten wird ist klar, dass der Maxl den Mura immer drängt zu wechseln (Wenns nach Hagmayr geht sollte jeder Spieler mindestens einmal im Jahr den Verein wechseln) steckt unsere Nummer 10 natürlich in einem Dilemma. Auf der einen Seite möchte er unbedingt bei Sturm bleiben, er sollte aber auf jeden Fall der Gehaltkrösus sein und kein Durchschnittssöldner.
Fenomeno am 5. Mai 2009 um 12:36Ich frage mich immer wieder, woher gewisse Leute wissen, was
der und der monatlich verdient….
Bitte um Aufklärung. Danke.
Clemens am 5. Mai 2009 um 14:01Ich finde den Vergleich Alonso – Piquet nicht passend – vorausgesetzt er zielt auf die sportliche Leistung ab, und so habe ich den Vergleich verstanden – bei Missverständnis bitte ich um Aufklärung.
Hlinka ist meiner Meinung nach einer der fixen Größen in der Mannschaft von Sturm (ebenso wie Muratovic). Ich kann mir eine Mannschaft ohne Muratovic allerdings durchaus vorstellen, vor allem, weil Hassler diese Position wirklich erfrischend spielt. Auf der Position von Hlinka sehe ich momentan im Grazer Kader keinen Spieler, der ihn ersetzen könnte (selbiges gilt für Kienzl). Die beiden sind Stabilisatoren im defensiven Mittelfeld ohne den beiden Sturm heuer um einiges schlechter abgeschnitten hätte.
Gruni am 6. Mai 2009 um 13:24Der Text ist echt eine Frechheit!!!
So Schlacht war mura gegn altach nicht! Er hat 2 Traumpässe auf hassler gespielt, macht der die beiden 100%igen rein is mura mit zwei assists der Held und hier würde Stehn: “muratovic wieder in hochform”
Also er kann echt nix dafür das hassler , von dem ich sehr viel halte, nicht machte!UNd mura muss gegn die austria spieln! Mura hatte immer wieder seine Formtiefs aber foda hat immer auf ihn gebaut deshalb kAm er immer stärker zurück! Siehe letztes Frühjahr oder ab dem Zürich-Match!
Also ich versichere euch das mura wieder stark wird!
Und nein wir solltn ihn nicht abgeben, weil er für mich unser wichtigster Spieler is!@Sturm 12: der Bericht ist einfach nur gegen die Leistung eines einzelnen Spielers, und atteckiert ihn. Glaub ihr das macht ihn besser?
Ganz,ganz scwach von euch so ein Bericht
Chefkoch am 6. Mai 2009 um 20:29In einem Interview soll Mura kürzlich gesagt haben, dass Foda glaube er sei ein Trainergott, ist er aber nicht, leider hat dieses Medium diese Passage nicht veröffentlich.
An @Aufpassen gilt festzuhalten, dass weder Haas noch Feldhofer mehr wie Mura verdienen und ein Hlinka auch nicht “sicher ein drittel” mehr verdient.
ginafranko am 8. Mai 2009 um 03:04Na ja !Gehalt hin oder her! Aber es fängt ja schon in der Jugend bei Sturm an! Wenn ein “Ic” im Namen ist, dann ist eine Karriere nur mit dem nötigen Kleingeld an die Trainer zu finanziern! Ich glaube ,wenn mehr ausländische talentierte Spieler die Möglichkeit einer BNZ-Ausbildung bekommen würden, dann hätten wir in eingen Jahren c.a: 10 “Muras”! Aber, hauptsache die Wiener machen es besser! Rapid-Amateure (80% eingebürgerte Ausländer),Austria (50%)! Davon spielen fast alle in österreichischen Nationalteams! Bei Sturm ist gerade Mal Rohdiamant “Dean Maric” im Profikader und kann wählen ob er für Kroatien, BIH oder Österreicht spielen wird! Versucht dieses radikale Aussortieren der Talente aufzuhalten und die Zukunft des Sk Sturm zu verbessern! Es ist Zeit für einen neuen jungen,krativen Balkan-Spielmacher!
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