Analyse: So wie einst gegen Rapid Wien

Auf dieses Deja-Vu konnten die Sturm-Fans gerne verzichten: Das 2:2 gegen die Wiener Austria erinnerte frappant an das Unentschieden gegen Rapid Wien am 19. Spieltag. Auch damals führten die Grazer bereits mit 2:0 und schienen wie der sichere Sieger. In beiden Spielen…

© 2009 SturmTifo.com
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Auf dieses Deja-Vu konnten die Sturm-Fans gerne verzichten: Das 2:2 gegen die Wiener Austria erinnerte frappant an das Unentschieden gegen Rapid Wien am 19. Spieltag. Auch damals führten die Grazer bereits mit 2:0 und schienen wie der sichere Sieger. In beiden Spielen wurde das Heft durch Eigenfehler und Nachlässigkeiten aus der Hand gegeben und so dem Gegner aus der Bundeshauptstadt ein Punkt geschenkt. Damals wie gestern wurden große Torchancen nicht genützt. Und sowohl am 23. November 2008 als auch am 9. Mai 2009 war der Schlusspfiff eine Erlösung für die schwarz-weiße Familie, denn statt den Hausherren hätten eher die Gäste noch einen Treffer nachgelegt. Sturm wirkte in beiden Spielen nach dem Ausgleich kraft- und ideenlos.

Rapid-Spiel als Wendepunkt. Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen den beiden Partien: So ging Sturm mental gestärkt durch eine  Siegesserie von sieben Bundesligaspielen ins Duell mit den Grün-Weißen. 75 Minuten lang zeigte die Foda-Elf die wohl beste Saisonleistung und blamierte Rapid mit selbstbewusstem Kombinationspiel und tollen Einzelleistungen.

Doch wie aus dem Nichts köpfete eine Viertelstunde vor Abpfiff der kleine Erwin Hoffer das Anschlusstor – eine Unachtsamkeit der Sturm-Abwehr ermöglichte den Treffer. Danach riss der Faden bei den Grazern völlig. Ein grün-weißer Angriff nach dem anderen rollte auf das Tor von Christian Gratzei. Die logische Konsequenz war der Ausgleich durch Hoffer in der 87. Minute. Sturm wirkte danach endgültig wie gelähmt, die Pacult-Elf fand noch gute Einschussmöglichkeiten vor. Letztendlich sollte das Rapid-Spiel zum Wendepunkt in dieser Saison werden: Wie nach einem Filmriss konnte Sturm danach nicht mehr an die großartigen Leistungen der Hinrunde anschließen.

Geschenke für die Austria. Ganz so spektakulär verlief das Match gegen die Austria nicht. Auch die Ausgangsbasis war eine andere: Beide Teams konnten im Frühjahr nicht recht überzeugen. Sturm hatte zwar wieder seit sechs Partien nicht verloren, dabei aber drei Mal unentschieden gespielt. Dennoch zeigten die Grazer in der ersten Hälfte die beste Leistung im Jahr 2009, ehe sie die Violetten ins Spiel zurückholten: Gegen Ende der Halbzeit ließ man die Austria im Mittelfeld plötzlich gewähren, diese versuchte es drei Mal innerhalb weniger Minuten mit einem Pass in die Tiefe auf Okotie. Zwei Mal schlug die Abseitsfalle zu, beim dritten Versuch hob Kienzl das Abseits auf. Sereinig sah unglücklich aus, hatte aber nur noch die Notbremse als Option.

Im Gegensatz zum Rapid-Match riss zwar der Faden bei Sturm nicht völlig, doch wirkte das Spiel der Mannschaft in der zweiten Hälfte verkrampft und unpräzise. Plötzlich war die bereits verloren geglaubte Unsicherheit wieder da. Die Austria gewann die Überhand und drückte Sturm in die Defensive. Hattenbergers Ausgleich war zwar ein Schock für die Sturm-Fans, aus heiterem Himmel fiel er allerdings nicht. Im Unterschied zu Rapid gaben sich die Violetten mit dem Punkt zufrieden und verwalteten das Resultat. Von Sturm gab es abermals keine Impulse mehr, die Mannschaft wirkte in den letzten zehn Minuten leer. Die Körpersprache nach dem Ausgleich war resignierend, es fehlte ein Antreiber: Haas und Feldhofer waren nicht mehr am Feld, Muratovic agierte zwar engagiert, steckt aber weiterhin in einer Formkrise.

Verlorene Punkte en masse. Zwei Spiele, eine Story: Sturm Graz vergeigt nach hervorragender Leistung noch eine 2:0-Führung und scheitert jeweils in erster Linie an sich selbst. Beinahe fahrlässig wird mit guten Torchancen umgegangen, Unachtsamkeiten in der Abwehr führen zu Gegentreffern. Dass sich die Schwarz-Weißen um die Früchte ihrer harten Arbeit bringen, blieb in dieser Saison aber nicht auf Heimspiele gegen Wiener Mannschaften beschränkt: Man denke an die unnötigen Niederlagen in Altach und Linz im Herbst, an die Abwehrpatzer bei der Heimpleite gegen Kapfenberg oder an die Frühjahrs-Unentschieden gegen Ried (1:1) und Kärnten (0:0), bei denen das Tor des Gegners wie vernagelt schien.

Es hätte schon genügend Gelegenheiten gegeben, um die Frage nach dem Europacup-Ticket zugunsten der Schwarz-Weißen zu entscheiden. Noch so ein Spiel wie gegen die Austria wird sich Sturm nicht erlauben dürfen: Angesichts des Restprogramms (Altach, LASK, Kärnten) ist mit keinem “Umfaller” der Wiener mehr zu rechnen.

Sturm Graz - Austria Wien 2:2 (2:1)
Stadion Liebenau, Graz – 15.327 Zuschauer – SR: Schörgenhofer

Tore
1:0 (1.) Jantscher
2:0 (35.) Hölzl
2:1 (45.+2) Okotie
2:2 (83.) Hattenberger

Sturm Graz
Gratzei – Lamotte, Feldhofer (39. Sereinig), Sonnleitner, Kandelaki – Hölzl, Kienzl, Hlinka, Jantscher – Muratovic – Haas (72. Hassler)

Austria Wien
Safar – Krammer (32. Troyanksy), Bak, Schiemer, Suttner – Hattenberger, Blanchard (70. Diabang), Acimovic, Sulimani – Bazina (84. Dragovic) – Okotie

Gelbe Karten
Muratovic, Hölzl bzw. Hattenberger, Bak, Schiemer, Troyanksy

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Eine Halbzeit Fußball ist zuwenig
Pressestimmen: Sturm gegen Austria Wien
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