Sportdirektor Oliver Kreuzer im Interview – Teil 2

Im zweiten Teil des Interviews zwischen Sturm12.at und Sportdirektor Oliver Kreuzer dreht sich alles um eventuelle Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen. Unter anderem mit Lamotte, Shashiashvili und Muratovic. Welche Auswirkungen hat die Qualifikation zur Qualifikation für die Europa League auf die Kaderplanung…

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Im zweiten Teil des Interviews zwischen Sturm12.at und Sportdirektor Oliver Kreuzer dreht sich alles um eventuelle Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen. Unter anderem mit Lamotte, Shashiashvili und Muratovic.

Welche Auswirkungen hat die Qualifikation zur Qualifikation für die Europa League auf die Kaderplanung von SK Sturm?
Wir machen die Kaderplanung nicht davon abhängig, ob wir jetzt Europa League spielen oder nicht. Wir wollen ja für die kommende Saison ohnehin wieder eine schlagkräftige Truppe zusammen bekommen. Die Europa League sollten wir, wenn es klappen sollte als angenehme Begleiterscheinung sehen. Sie wäre für die Mannschaft natürlich eine ganz tolle Sache. In diesen Qualifikationsspielen kann ich als Verein Geld generieren. Ich rede noch nicht von der Europa League, weil die ist extrem weit weg. Gleichzeitzig plane ich nicht mit der Europa League – sie ist auch nicht budgetiert. In diesen Spielen, und wenn es nur Qualifikationsspiele sind, da kann sich eine Mannschaft entwickeln, da kann eine Mannschaft reifen und wachsen. Daher wäre es ganz toll wenn wir international spielen würden, aber die Kaderplanung an sich machen wir nicht abhängig davon, ob wir es schaffen oder nicht.

Wie wird man in Sachen Kaderplanung konkret vorgehen?
Wir haben eine sehr gute Mannschaft, aber wir wissen natürlich, dass sich Mannschaften sich ständig verändern müssen. Man muss neue Reizpunkte setzen. Du kannst nicht fünf Jahre mit dem gleichen Kader spielen, da ist dann irgendwann die Luft raus. Du musst die Mannschaft punktuell, und da haben wir unsere konkreten Vorstellungen, verändern. Wir müssen in den nächsten Wochen schauen, was realisierbar ist. Wir haben Spieler im Auge, heimische Spieler aus Österreich, auch ausländische Spieler. Das müssen Spieler sein, von denen Franco und ich sagen: Die helfen uns weiter. Von denen müssen wir überzeugt sein, fußballerisch und charakterlich.

Können Sie sagen welche Spieler haben Sie konkret im Auge?
Könnte ich jetzt sagen, will ich aber nicht. Es sind wirklich interessante Spieler. Eigentlich wollen wir uns in jedem Mannschaftsteil verstärken. Wir haben die drittwenigsten Tore bekommen, die drittmeisten Tore geschossen und stehen am dritten Tabellenplatz. So eine Tabelle lügt nie. Aber wir wollen uns ja weiter verbessern. Vielleicht wollen wir ja einmal die meisten Tore schießen. Vorne drinnen täte uns schon noch ein Spieler gut. Mario Haas hat gegen die Austria in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt, auch Muratovic war in Ordnung, aber die werden auch nicht jünger. Da müssen wir langsam nach Alternativen schauen. Hassler haben wir in der Hinterhand, Salkic, den Beichler – es gibt Möglichkeiten, aber trotzdem hätten wir gerne noch einen Knipser vorne drinnen, einen der im Strafraum torgefährlich und kopfballstark ist. Dann suchen wir noch einen defensiven Mittelfeldspieler. Da sind wir auch dünn besetzt mit Hlinka und Kienzl. Zwei sehr gute Spieler, aber wenn einer mal ausfällt über einen längeren Zeitraum, dann haben wir nur Youngsters dahinter. Ein junger Spieler kann schon ein, zwei Wochen spielen, aber wenn sich Hlinka heute das Kreuzband reißt, brauchen wir Alternativen. Genauso in der Innenverteidigung. Uns schwebt vor, in jedem Mannschaftsteil etwas zu machen. Den jungen Bukva haben wir geholt für die linke Außenbahn, anstelle von Stankovic. Bukva ist für mich eine riesige Aktie. Ein Super Spieler und ich bin überzeugt davon Franco bringt ihn noch 30 bis 40 Prozent nach oben. Der hat riesiges Potential. Und auch Ehrenreich auf der rechten Seite.

Gerade die Verpflichtung von Bukva zeigt, dass Sie den Konkurrenzdruck auf gewissen Positionen erhöhen möchten, oder?
Das muss ja auch so sein. Wenn du immer mit den gleichen 22 Kaderspielern antrittst, dann setzt du keine Reizpunkte, dann gibt es keinen Konkurrenzdruck. Es ist wichtig, dass man sich im Training beweisen muss. Jantscher hat riesiges Potential, ist für mich auch ein überragender Spieler, wir wollen ihn solange wie möglich halten. Aber mit Bukva ist jetzt jemand da, wo auch der Jakob Gas geben muss. Wobei Bukva auch rechts spielen kann. Oder hinter den Spitzen. Das ist ein Teamspieler, ist ein junger Spieler und Franco kann ihn noch enorm forcieren. Der ist für mich eine Aktie, vielleicht können wir ihn irgendwann verkaufen, wie damals Leitgeb.

Wie lange wird der Vertrag von Bukva laufen?
Vier Jahre. Ich kann nicht mit Bukva einen Zweijahres-Vertrag machen. Dann spielt er ein Jahr bei uns, spielt sehr gut und nächste Saison hab ich schon Probleme. Entweder ich schütte ihn zu mit Geld oder er sagt: Herr Kreuzer in acht Monaten bin ich ablösefrei, Wiederschaun. So ist das halt im Fußball. Deswegen geben wir den Spielern auch immer lange Verträge.

Zum Thema Charakter: Wenn wir einen Blick auf den Kader von Sturm werfen, dann fehlt es an einem echten Führungsspieler. Wie wichtig wäre dieser Charakter?
Da bin ich ganz bei Ihnen. Wir haben von der Qualität her schon die Spieler, auch von der Aura her. Ein Mario Haas hat sehr viel Erfahrung, der könnte eigentlich in diese Rolle reinschlüpfen. Muratovic könnte das, auch ein Feldhofer könnte das machen, Petr Hlinka auch. Man muss diesen Charakter besitzen, man muss der Typ dafür sein. Die vier genannten sind da zu introvertiert. Sie überzeugen durch Leistung, aber sind nicht die Spieler, die das Heft in die Hand nehmen, wenn die Mannschaft Schwierigkeiten hat. Da fehlt es einfach. Oder wenn wir im Rückstand sind, die dann die Jungs auch verbal ein bisschen motivieren. Natürlich sind wir da auf der Suche.

Jetzt ist aber Manuel Weber, an dem Sturm Interesse hat, bekanntermaßen auch nicht der Führungsspieler.
Nein, Manuel Weber ist auch nicht dieser Spieler, das ist richtig. Aber wir haben noch andere Spieler in peto, wo wir eher überzeugt sind, dass das die Spielertypen sind. Aber letztlich definiert sich das über Leistung. Du schlüpfst in so eine Rolle rein als Leader, wenn du das durch Leistung definierst. Es bringt nichts, wenn ich nur einen Lautsprecher hab, der redet aber den größten Mist spielt. Dann bist du ja auch nicht akzeptiert in der Mannschaft. Letztendlich zählt primär die Leistung, wenn die stimmt, dann kannst du darüber hinaus als Leader fungieren.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie möchten, dass Spieler sich klar für Sturm Graz entscheiden. Jetzt muss sich Manuel Weber zwischen Wiener Neustadt und Sturm entscheiden.
Ja, da muss jetzt nächste Woche was passieren. Wir sind schon seit Monaten mit Manuel in Kontakt. Ich habe Verständnis, wenn man mehrere Angebote hat, dass man sich dann noch ein bisschen Zeit lassen will. Wir haben jetzt drei Wochen vor Saisonende und sich der Spieler wird sich jetzt einmal entscheiden müssen. Jetzt geht es wirklich nur mehr um Magna oder Sturm. Und ich hab zu Manuel auch gesagt: Er muss überlegen, wo er sich als junger Spieler am besten weiterentwickeln kann. Natürlich, Geld ist immer wichtig, aber die Entscheidung Magna oder Sturm Graz, da kann es für mich nur Sturm sein. Ich bin mir nicht sicher, wie es bei Magna weitergeht, ob Stronach weitermacht. Jetzt hat er den Stadionbau aufgeschoben. Jetzt spielen sie in den nächsten Jahren immer noch auf diesem Sportplatz. Ich hab gesagt:  Manuel, Franco Foda ist bekannt dafür, dass er junge Spieler formen kann. Hier spielst du regelmäßig vor 10.000 Zuschauern. Bei Magna spielst vor 1.500, oder maximal vor 3.000 Zuschauern. Es gab schon einige Gespräche zwischen Weber und Franco Foda. Franco hat ihm genau erklärt, was er sich von ihm erwartet. Bei Magna war das nicht der Fall. Ich sag zu ihm: Hast du schon mit dem Kraft gesprochen? Nein. Also das sind alles Dinge, wo ich sage: Manuel, jetzt musst du dich mal entscheiden.

Ein ähnliches Thema ist die Situation des Torhüters Kobras, der sich entscheiden muss ob er hier in Graz bleibt oder nach Altach wechselt. Wie sieht da die Situation aus?
Einerseits würden wir den Martin gerne halten. Das weiß er. Andererseits verstehe ich auch seine Situation. Er hat ein Angebot von Altach. Gut, Altach ist im Abstiegskampf, er würde natürlich lieber T-Mobile Bundesliga spielen als ADEG-Liga. Aber Martin weiß, da können wir nicht mehr allzu lange warten. Er weiß, dass wir auf Torhütersuche sind. Wir haben da auch einen Torhüter im Auge. Wenn sich da etwas ergibt, dann sitzt Martin zwischen den Stühlen. Wenn er sich nicht für Altach entscheiden sollte, dann ist die Tür zu hier bei Sturm. Ich hab ihm im Jänner schon gesagt, dass wir uns vorstellen könnten den Vertrag zu verlängern. Aber bis heute weiß er nicht, was er machen möchte.

Jetzt ist die Torhüterdiskussion nicht nur auf Kobras beschränkt – es gibt ja von Sturm-Seite auch die Möglichkeit, die Option auf Baotic zu ziehen.
Die Option läuft bis Ende des Monats, da müssen wir uns auch entscheiden. Diese Woche kommt sein Berater, dann werden wir analysieren, ob er zufrieden ist, ob er sich mehr erwartet hat, wie er sich das vorstellt. Wir sind generell eigentlich zufrieden. Aber in beide Richtungen ist alles möglich.

Es gibt ja auch die Diskussion um Kröpfl und Kaufmann, die angeblich über die Pack nach Kärnten wechseln sollen. Hat man diesen Spielern neue Verträge angeboten? Wie sehen Sie die Chance, dass die Spieler sagen:  Wir sehen noch eine Chance bei Sturm.
Ich hab mit beiden Spielern schon im Januar gesprochen. Beide Spieler haben im Januar ein Vertragsangebot abgelehnt. Die Situation ist diese, dass Kärnten offiziell Interesse bekundet hat an beiden Spielern. Beide Spieler haben auch klar signalisiert, dass sie interessiert sind, nach Kärnten zu gehen. Jetzt werden wir sehen, ob da was zustande kommt. Wir haben beide Spieler ausgebildet. Die fallen natürlich beide in diese Regelung der Ausbildungsentschädigung. Natürlich, Kärnten ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, wir wissen, dass es da momentan eine schwierige Situation gibt. Andererseits: ich wollte Bukva im Winter sofort verpflichten, als Ersatz für Stankovic. Da gab es eine Ausbildungsentschädigung, die von der Liga errechnet wurde. Canori kam uns damals in keinster Weise entgegen. Er wollte auf den Euro genau diese Summe. Im umgekehrten Fall, will jetzt Kärnten zwei Spieler von uns. Ich könnte, genauso wie Canori, diese Ausbildungsentschädigung auf den Euro genau verlangen. Wenn ich nicht will, dann können die beiden nie kicken in Kärnten. Der Vertrag läuft zwar aus, aber die Spielerpässe sind bei uns. Die Ausbildungsentschädigungen für die beiden sind natürlich um einiges höher als die nur für Bukva.

Im Fall Bukva, über welche Summe sprechen wir da bei der Ausbildungsentschädigung?
Einen fünfstelligen Betrag. Für Vereine wie Sturm ist das aber trotzdem viel Geld.

Wie stehen die Verhandlungen mit Shashiashvili und Lamotte?
Bei Georgi heißt es nicht heißt, dass wir den Vertrag nicht verlängern. Wir wollten uns nur Zeit geben. Wenn wir die Option gezogen hätten, dann hätte es uns die Möglichkeit genommen, uns nach anderen Spielern umzuschauen. Natürlich, es ist ein kleines Signal, dass man sich eher trennt. Trotzdem, es kann schon sein, dass er bei uns nochmal einen Vertrag unterschreibt. Es ist aber so, dass wir uns von diesen Spielern, auch von Georgi, noch mehr erwarten. Er ist georgischer Nationalspieler. Genau diese Spieler müssen auch Führungsspieler sein. Da muss mehr kommen. Jetzt gibt die Überlegung, auf diesem Niveau krieg ich vielleicht doch einen österreichischen Spieler. Fakt ist: beim Georgi ist alles offen, genau wie beim Fabian Lamotte.

Ist es eine Entscheidung zwischen den beiden Spielern?
Nein. Das sind zwei separate Dinge.

Der Trend der letzten Wochen spricht dennoch eher für Lamotte, oder?
Obwohl man differenzieren muss. Georgi ist ja normal Innenverteidiger. Das muss man ihm zugute halten. Er  ist ja ein Innenverteidiger, der nur zur Aushilfe mal rechts gespielt hat. Auch solide. Aber bei Fabian könnte es eher passieren, dass man noch einmal verlängert. Aber das hängt davon ab, ob wir die Spieler die wir wollen kriegen oder nicht. Wenn wir sie nicht kriegen, dann bleiben die zwei.

Und Samir Muratovic? Da heißt es ja auch immer, dass er den Verein verlassen will. Was ist da dran?
Die Unruhe hat Samir selbst reingebracht. Er ist im Jänner zu mir gekommen und hat gemeint, er will den Verein in Richtung Russland verlassen. Ich hab ihm gesagt: Okay, wenn ein Angebot kommt, dann können wir darüber reden. Es ist bis heute noch kein Angebot gekommen.

Auch nicht von Magna Wiener Neustadt?
Ich hab Peter Svetits in Gratkorn getroffen, er hat mir versichert, dass von Seiten von Magna kein Interesse an Muratovic besteht. Und der Franco und ich werden nicht hergehen und versuchen Muratovic zu verkaufen. Dafür ist er uns zu wichtig.

Danke für das Gespräch.

Das Interview führten Christopher Houben und Clemens Ticar.

Sportdirektor Oliver Kreuzer im Interview – Teil 1

Vertragssituation
Transferübersicht 2009/2010