Analyse: Probleme keine Momentaufnahme

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Wie bereits sechs Tage zuvor gegen Austria Wien verspielt Sturm Graz auch gegen Kapfenberg einen Zwei-Tore Vorsprung und musste sich schließlich mit einem Punkt zufrieden geben. Konnten die zwei Gegentore in der ersten Halbzeit noch mit einer überzeugenden Leistung und teilweise traumhaften Kombinationsfußball geschönt werden, versuchte die Mannschaft in den zweiten 45 Minuten lediglich den 2:3-Vorspung zu verwalten und wurde dafür letztlich bitter bestraft.

Durch das 3:3-Remis liegen die Grazer nun nicht nur zwei Punkte hinter der Austria, sondern laufen gleichzeitig auch Gefahr, Platz vier zu verspielen, der im Falle eines Cup-Siegs der Veilchen für einen internationalen Startplatz reichen würde. Ried ist nach dem 3:0-Heimtriumph über Rapid nur noch drei Punkte von Sturm entfernt. Können die Steirer am Donnerstag (15:30 Uhr, Stadion Liebenau) gegen – bereits als Meister feststehende – Salzburger keinen Sieg einfahren, droht am letzten Spieltag ein Endspiel um Platz vier – in Anbetracht der Rieder Heimstärke (Platz zwei der Bundesliga-Heimtabelle) kein leichtes Unterfangen.

Wo liegen nun aber die Ursachen für das Versagen von Kapfenberg? Zurückblickend auf den bisherigen Verlauf der Frühjahrssaison, zeigt sich, dass die Probleme, die gegen den KSV sichtbar wurden, keinesfalls einer Momentaufnahme entsprechen. Vielmehr liegen die Gründe in der fußballerischen und mentalen Struktur des derzeitigen Sturm-Kaders.

Mentale Schwächen
Es ist bezeichnend, dass Sturm in dieser Bundesliga-Saison kein einziges Mal in der Lage war, einen Rückstand in einen Sieg zu verwandeln. Gleichzeitig wurden alleine im Frühjahr gegen Austria Wien (Cup), Austria Kärnten, nochmals die Austria und schließlich am Freitag gegen den KSV insgesamt vier Mal – zum Teil deutliche – Führungen aus der Hand gegeben.

Steckte die Mannschaft gegen Kapfenberg den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 noch überraschend locker weg, verursachte der wunderschöne 2:3-Anschlusstreffer von Patrik Siegl in der 43. Minute einen mentalen Knacks, den die Sturm-Elf nicht mehr wegstecken konnte.

Keine Führungsspieler
Wie bereits nach dem 0:0 gegen Mattersburg ausführlich behandelt, fehlen der Mannschaft echte Leadertypen, die einerseits über die fußballerische Klasse verfügen, um von Gegnern und Teamkameraden respektiert zu werden, andererseits auch verbal das Kommando auf dem Feld übernehmen können.

Besonders in kritischen Situationen wären Führungsspieler gefragt, die das Spiel an sich reißen und die restliche Mannschaft nach vorne treiben. Sowohl gegen Austria Wien als auch gegen Kapfenberg hat sich Sturm trotz totaler Überlegenheit durch Anschlusstreffer knapp vor dem Halbzeitpfiff komplett aus der Ruhe bringen lassen und es dem Gegner ermöglicht, in ein bereits verloren geglaubtes Spiel zurückzukehren. Anstatt sich auf ihre Stärken im Angriffsspiel zu besinnen, zogen sich die Schwarz-Weißen in beiden Spielen zurück und verlegten sich darauf, den knappen Vorsprung über die Zeit zu schaukeln.

Weder Hlinka, Muratovic noch Haas sind von ihrer Persönlichkeit echte Leader, wie es auch Sportdirektor Oliver Kreuzer im Gespräch mit Sturm12.at bestätigte: Sie überzeugen durch Leistung, aber sind nicht die Spieler, die das Heft in die Hand nehmen, wenn die Mannschaft Schwierigkeiten hat. Da fehlt es einfach.”

Erfreulich, dass zumindest Mario Haas, immer mehr in seine Rolle als Kapitän zu wachsen scheint und bereits kurz nach Schlusspfiff deutliche Worte an seine Mannschaftskollegen richtete.

Die Bank
Der Kader von Sturm verfügt nicht über die Qualität, um verletzungsbedingte Ausfälle, Sperren oder Formschwächen von Stammspielern kompensieren zu können.

Seit Ferdinand Feldhofers Zusammenstoß mit Mario Bazina und seiner daraus resultierenden Knöchelverletzung hat Sturm in etwas mehr als drei Spielhälften insgesamt fünf Gegentore hinnehmen müssen. Weder Georgi Shashiashvili noch Mattias Sereinig waren auch nur annähernd in der Lage, den Vorauer zu ersetzen. Gegen Kapfenberg verschuldeten die beiden zwei der drei Gegentreffer und trugen so wesentlich dazu bei, dass Sturm mit nur einem Punkt die kurze Heimreise nach Graz antreten musste.

Keine Zeichen von der Seitenlinie
Trotz des dünnen Kaders, wäre es in kritischen Spielsituationen auch die Aufgabe des Trainers, durch Einwechslungen frische Kräfte zu bringen und der Mannschaft ein entsprechendes Zeichen zu geben, den Blick wieder nach vorne zu richten. Genau dieses Zeichen ließ Sturm-Coach Franco Foda gegen den KSV – wie auch schon in einigen Spielen zuvor – vermissen. Nachdem sich seine Mannschaft bereits seit Beginn der zweiten Halbzeit zunehmend von mutigen agierenden Kapfenbergern unter Druck setzen ließ und nur noch über Konter ihr Glück probierte, brauchte Foda bis zur 80. Minute, um mit Dominic Hassler, den ersten Wechselspieler zu bringen.

Will sich Sturm Graz tatsächlich für einen internationalen Bewerb qualifizieren, muss die Foda-Truppe bereits am kommenden Donnerstag gegen Red Bull Salzburg eine entsprechende Reaktion zeigen. Gegen den neuen Meister muss von Anfang bis Ende der unbedingte Wille sichtbar werden, sich den Weg nach Europa zu ebnen. Nur wenn die Mannschaft das umsetzen kann, hat sie schließlich einen internationalen Startplatz verdient.

Kapfenberg – Sturm Graz 3:3 (2:3)
Franz-Fekete-Stadion, Kapfenberg – 11.500 Zuschauer – SR: Plautz

Tore
0:1 (5.) Jantscher
1:1 (7.) Fukal
1:2 (25.) Hölzl
1:3 (33.) Jantscher
2:3 (43.) Siegl
3:3 (91.) Alar

Kapfenberg
Eisl – Taboga, Fukal, Akoto, Osoinik – Siegl, Hüttenbrenner (55. Lienhart), Liendl, Schellander – Sencar (46. Pavlov), Kozelsky (68. Alar)

Sturm Graz
Gratzei – Lamotte, Shashiashvili, Sonnleitner, Kandelaki – Hölzl (90. Sereinig), Kienzl, Hlinka, Jantscher – Muratovic – Haas (82. Hassler)

Gelbe Karten
Akoto, Hüttenbrenner, Osoinik bzw. Jantscher

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Zum Nachlesen: Liveticker: Kapfenberg – Sturm Graz
Audio: Stimmen zum 3:3 in Kapfenberg
Ein schmerzhaftes Déjà-vu-Erlebnis
Pressespiegel: Kapfenberg gegen Sturm


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Kommentare ( 4 )

Berichte & Analysen zum Remis in Kapfenberg…

Kapfenberg – Sturm 3:3
Franz-Fekete-Stadion, 15.5.2009, 11.500 Zuseher, Schiedsrichter: Plautz
Tore: 0:1 Jantscher (5.), 1:1 Fukal (7.), 1:2 Hölzl (25.), 1:3 Jantscher (33.), 2:3 Siegl (43.), 3:3 Alar (91.)

Bericht von District Six: LESEN
Analys…

SturmTifo.com .:. offizielle Foto & Videosite der Fangruppen des SK Sturm Graz am 18. Mai 2009 um 08:13

Das mit der dünnen Kaderdichte und BlaBla sind doch alles nur AUSREDEN, damit man groß am Transfermarkt zuschlagen kann um Kreuzer zu rechtfertigen.

Gludovatz hat also für die meisten Expertisen klasse Leute auf der Bank alá Ziegl oder Berger? Nicht böse sein, aber vielleicht auch einmal auf Fakten schauen, dass kein Spieler Routine bekommt wenn er nicht spielen darf!!!

Chefkoch am 18. Mai 2009 um 09:29

@Chefkoch Ich wollte hier eigentlich gar keine Ausrede liefern, sondern vielmehr sagen, dass es an Typen in dieser Sturm-Mannschaft fehlt. Die Gründe für diese Mängel sind mit Sicherheit auch darin begründet, dass es verabsäumt wurde, diese Spieler heranzuzüchten (siehe auch “Keine Zeichen von der Seitenlinie”). Dass Kaufmann und Kröpfl wohl mit ziemlicher Sicherheit nach Kärnten abwandern, ist in diesem Zusammenhang wenig verwunderlich. Dennoch sollte man aus meiner Sicht, Kreuzer eine Chance geben, um sich zu beweisen. Beurteilen kann man ihn wohl frühestens nach der nächsten Saison.

ch am 18. Mai 2009 um 09:40

Ich verstehe diese “Offensiv-führungsspieler” Debatte nicht, was bringt 1 Spieler, bei unserem Spielstil ist das in der Offensive mMn nicht notwendig, Defensiv braucht man so einen Spieler, aber in der Offensive eher weniger, dass ist ja noch Ansichtssache, ebenso die Kritik am Wechselverhalten des Trainers…

Aber jetzt (obwohl wir leider einige Punkte verschenkt haben)nach 8 Spielen, eine Reaktion gegen den Meister zu fordern, da wie uns sonst keinen internationalen Startplatz verdienen halte ich für bedenklich, denn einen internationalen Startplatz verdient man sich über eine ganze Saison, daher zeugt so eine Aussage meiner Meinung nach von Kurzsichtigkeit und schnellem Vergessen (der tollen Herbstsaison), denn auch wenn wir beide Spiele verlieren sollten und trotzdem irgendwie im UEFA-Cup landen sollten, so haben wir uns diesen Platz (über 36 Runden gesehn) sehr wohl verdient!

Mario am 18. Mai 2009 um 17:43

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