Pressespiegel: Foda bleibt bei Sturm

© 2008 Alex Barth (flickr)
Der Doch-Nicht-Wechsel von Franco Foda nach Kaiserslautern dominiert die Sturm-Schlagzeilen am Dienstag.
Das Spiel gegen die SV Ried ist – wohl auch, weil am gestrigen Feiertag keine Zeitungen erschienen – nur noch eine Randnotiz.
In einem Interview mit der Kleinen Zeitung nimmt Foda Stellung zum Rätselraten der vergangenen Tage:
Die Foda-Frage hat ganz Fußball-Österreich einige Tage beschäftigt. Bleibt er bei Sturm oder bleibt er nicht? Sie bleiben. Weshalb? Die letzten Tage waren wirklich nervig. Ich wollte keinen Wirbel, konnte ihn aber nicht verhindern. Ich verstehe die Aufregung ohnehin nicht. Ich bin nur der Franco Foda und nicht der Obama.
Aber Sturms Mannschaft trägt Ihre Handschrift. Mag sein. Ich bin auch mit dem Herzen hier dabei. Sturm ist in Österreich etwas ganz Besonderes. Keiner geht gerne aus Graz weg. Das hat man bei allen Spielern gesehen. Und die, die weggehen, kommen gerne wieder zurück. (…)
Sie sind aber nicht nur wegen der lieben Grazer Bevölkerung geblieben. Es war eine Entscheidung für Sturm und für meine Familie und nicht gegen Kaiserslautern. Obwohl. Deutschland wäre eine sehr reizvolle Aufgabe gewesen. Ich habe mit meiner Frau aber vereinbart, dass nur die Familie gemeinsam nach Kaiserslautern übersiedelt wäre. Das ist derzeit nicht möglich, weil mein Sohn Marco nächstes Jahr die Matura macht.
Ist Ihr bis 2010 laufender Vertrag verlängert worden? Nein, das ist für später geplant. Jetzt fahre ich einmal auf Urlaub.
Und wenn jetzt Leverkusen anklopft? Könnten Sie dann widerstehen? Ja! Ich habe mich für Sturm entschieden und mache meine Entscheidung nicht rückgängig. (…)
Wie sieht die Zielsetzung für die kommende Saison aus? Nachdem wir heuer nur den vierten Platz geholt haben, bleibt ja Luft nach oben. Wir wollen uns verbessern.
In der Kronen Zeitung kommt mit Markus Schupp ein weitere FCK-Wunschkandidat zu Wort.
Markus Schupp, der demnächst an der Seite von Huub Stevens in Salzburg seinen Dienst als Co-Trainer antreten wird, war von seinem Freund Stefan Kuntz auch kontaktiert worden, sagte dem Manager von Kaiserslautern aber gleich ab. “Ich hab in Salzburg unterschrieben, tut mir leid.” Dass Kuntz auch von seinem Wunschkandidaten Foda (…) einen Korb bekommen würde, ahnte Schupp voraus. “Franco hat gesehen, wie schwierig es für mich war, vier Jahre in Deutschland zu arbeiten, während die Familie in Graz ist.” Foda ist ein Familienmensch.
Am Sonntag sah es aber dennoch nach einem Abschied von Foda aus:
Als die mitgereisten Fans nach der 2:3-Niederlage in Ried Franco Foda mit Sprechchören minutenlang feierten und sich Foda mit der Welle von den Sturm-Anhängern verabschiedete, schien für viele sein Abschied aus Graz besiegelt. Doch gestern konnte die Sturm-Familie aufatmen! Am 1. Juni 2006 trat er sein zweites Traineramt bei Sturm an, am 1. Juni 2009 erklärte er sein Bleiben: “Es war sicher die schwierigste Entscheidung in den letzten Jahren”, sagte Foda, der gestern am Vormittag gemeinsam mit seiner Familie die Entscheidung fällte. (…) “Mein Bleiben hat nichts damit zutun, dass wir den Europacup-Platz geschafft haben! ” (Kronen Zeitung)
Dass der Verbleib Fodas in Graz überraschend ist, sieht auch die Wiener Zeitung:
Graz ist nicht die Welt. Das ist zwar auch Kaiserslautern nicht, die pfälzische Stadt ist sogar bedeutend kleiner, doch der dort ansässige Klubs hat halt doch einen Namen. Der 1. FC Kaiserslautern war viermal Meister, ist zwar gegenwärtig Zweitligist, dennoch eine gute Adresse im deutschen Fußball. Was also, wenn ein Verein wie Kaiserslautern in Graz anruft, einen ehemaligen Lauterer Spieler, der seit Jahren erfolgreich als Trainer in der Steiermark werkt, bittet, doch in die Pfalz zu kommen, um die Traditionsmannschaft wieder in die Bundesliga zu führen? Franco Foda sagt das Unerwartete, er sagt, was Klubchef Hans Rinner hören wollte: “Ich bleibe.” (…) Natürlich ist es nicht bloß die Familie gewesen, die Foda in Graz gehalten hat. (…) “Die Arbeit in Graz macht einfach großen Spaß. Jeder weiß, dass ich wegen Geld nicht wechseln würde”, sagt Foda. Noch dazu kann er sich in diesem Sommer gänzlich aufs Training konzentrieren. Im Vorjahr war er noch in Doppelfunktion als Sportdirektor tätig.
Dass Fodas Herzblut Sturm gehört, zeigt auch seine Reaktion auf die unnötige Niederlage in Ried:
2: 3 in Ried verloren, und das nach einer 2: 0-Führung. (…) Nur Trainer Franco Foda war nach dem Spiel in Ried stinksauer. “So eine Niederlage darf einfach nicht passieren. Wir haben uns ganz dumm verhalten.” (Österreich)
“Ich hab für den Sch… jetzt keine Zeit”, fauchte Foda, als ein Journalist nach dem Schlusspfiff eine Wortspende wollte. Der Trainer war geladen – aus gutem Grund. (…) “In den letzten 30 Minuten haben wir aufgehört Fußball zu spielen”, giftete sich Foda. Bei der Feier in Messendorf war der Ärger aber verraucht. Während die letzten Spieler um acht Uhr morgens in die Betten krochen, verabschiedete sich die sportliche Führung und Boss Hans Rinner (durfte auf der Heimfahrt von Ried in die Polizeikassa einzahlen) zeitig von der Party. (Kronen Zeitung)
Hocherfreut über den Ausgang des Spiels war man – trotz verpasstem Europacup-Ticket – natürlich in Oberösterreich.
Das “Wunder von Ried” hat zwar zum Saisonfinale am Pfingstsonntag nicht stattgefunden, ein wunderbarer Fußball-Nachmittag war es trotzdem. Nach dem Sieg über Sturm Graz wurde die Innviertler Erfolgself von den Fans gefeiert, als hätte sie den Meistertitel gewonnen. (…) Trainer Paul Gludovatz: “Wir haben dann (nach dem 0:2, Anm.) die Strategie geändert, um zumindest unsere Heimserie noch zu retten.” (…) Das neue taktische Rezept schmeckte den zu lässigen Grazern überhaupt nicht. (Oberösterreichische Nachrichten)
Die Kronen Zeitung blickt bereits auf die kommende (Europacup-)Saison:
Bis 13. Juni hat die Mannschaft (…) Urlaub, dann startet die Vorbereitung mit einem Laufcamp auf der Teichalm. (…) Am 18. Juli startet die Bundesliga in die neue Saison – zwei Tage vorher (16./23. 7.) steigen Sturm und Rapid (beide Klubs sind gesetzt) in die Europa-League-Quali ein, die am 22. Juni ausgelost wird. Mögliche Gegner? Minsk, Vaduz, Ujpest, Spartak Trnava, Rijeka. In der dritten Runde (30.7./6. 8.) wären nur noch Austria als Cupsieger und Rapid gesetzt, Sturm nicht, könnte schon auf Kaliber wie Roma, Fenerbahce, HSV, Eindhoven treffen. (…)
Sturm bestätigt: Foda bleibt
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Zum Nachlesen: Live-Ticker Ried gegen Sturm
Audio: Stimmen zum Saisonfinale in Ried
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