Sensation in Kharkiv – Sturm in Gruppenphase

Nach dem 1:1 in Graz schreibt Sturm Graz ein weiteres großes Kapitel in der 100-jährigen Vereinsgeschichte. Drei Jahre nach dem Konkursverfahren schafft die Mannschaft von Franco Foda den Sprung in die Gruppenphase der Europa League. In Kharkiv erkämpfen sich die…

Metalist KharkivNach dem 1:1 in Graz schreibt Sturm Graz ein weiteres großes Kapitel in der 100-jährigen Vereinsgeschichte. Drei Jahre nach dem Konkursverfahren schafft die Mannschaft von Franco Foda den Sprung in die Gruppenphase der Europa League. In Kharkiv erkämpfen sich die Schwarz-Weißen ein 1:0. Goldtorschütze war Daniel Beichler in der 32. Minute. Damit verlängert sich der Auftritt der Blackies in der Europa League um mindestens sechs Spiele.

Was hörte man für Reaktionen nach der Auslosung. Starker Gegner. Unbekannter Name. Kaum Chancen. Nach dem 1:1 im Hinspiel vergangene Woche gingen die Meinungen schon eher in die andere Richtung: Gut gespielt, aber ungünstiges Ergebnis. Ein echter Riese war Metalist Kharkiv in Graz nicht, allerdings wurde jegliche Euphorie wieder gebremst, wenn man sich die Heimergebnisse der Ukrainer letzte Saison im UEFA-Cup ansah. 4:1 gegen Besiktas Istanbul, 1:0 gegen Olympiakos Piräus, 2:0 gegen Sampdoria Genua.

Das ließ auf eine echte Heimstärke schließen. Was sich den 25.000 Zusehern, unter ihnen knapp 150 Schlachtenbummler aus Graz, dann auf dem Rasen bot, war anders als gedacht.

Zunächst schien der Abend in eine klare Richtung zu gehen. Kharkiv baute Druck auf und Sturm stand tief in der Defensive. Die Blackies waren von der Kulisse beeindruckt, die Nervosität ließ in der Anfangsphase einige Pässe verunglücken. Das Rezept der Hausherren, mit hohen Flanken und Weitschüssen erfolgreich zu sein, war aber nicht zielführend. Sowohl Christian Gratzei als auch die Verteidigung klärten ein um das andere Mal.

So wurde Metalist unruhig und fehleranfällig. Sturm gelang es nach einer guten halben Stunde, sich endlich zu befreien. Und wie: Durch einen furchtbaren Abspielfehler gelangt der Ball zu Samir Muratovic, dieser schickt Daniel Beichler mit einem Steilpass auf die Reise. Der Youngster lupft den Ball über Metalist-Keeper Olexandr Goriajnow zum 1:0-Führungstreffer.

Der Spielverlauf war damit auf den Kopf gestellt, aber wie entscheidend ein Spielverlauf für ein Ergebnis sein muss, hat Sturm bereits am vergangenen Sonntag erlebt. Nun waren die Gelb-Blauen gefordert mehr für das Spiel zu tun. Den Grazern wurden dadurch bis zur Pause eine Vielzahl an Kontergelegenheiten geboten, die aber nie einen Abschluss fanden.

Einfallslose Ukrainer – konternde Österreicher
Nach dem Seitenwechsel, als man eine Angriffswelle von Metalist erwarten durfte, änderte sich am Spielverlauf praktisch nichts. Die Angriffsschemata der Ukrainer änderten sich um keinen Deut. Auf einen Weitschuss folgte eine hohe Flanke und dann wieder ein Weitschuss. Wie bereits in Halbzeit eins, bereiteten diese Bälle der Sturmdefensive kaum Probleme. Sturm hatte auf der Gegenseite dagegen mehrere Gelegenheiten den Sack zuzumachen. Beichler scheiterte an Goriajnow und Andreas Hölzl schob den Ball – alleine vor dem Tor – meterweit vorbei.

Die letzten zehn Minuten brachen an und immer seltener wurde Kharkiv gefährlich. Verzweiflung machte sich bei den Hausherren breit, auf den Versuch einen Elfmeter herauszuholen, fiel Schiedsrichter Svein Oddvar Moen aus Norwegen aber nicht hinein.

Zittern nur außerhalb des Spielfelds
Die vier Minuten Nachspielzeit waren keine bangen Momente mehr, auch wenn egal ob vor dem Fernsehgerät, im Stadion bei den Fans oder auf der Betreuer- und Ersatzbank, gezittert wurde. Um 21:07 war Schluss und die Sensation geschafft. Die Stärke von Metalist Kharkiv war nach dem Spiel in Graz schon erkennbar, aber heute waren die Schützlinge von Myron Markewytsch über weite Strecken ungefährlich.

Sturm hingegen kam dem Versprechen von Franco Foda nach, der vor dem Spiel davon überzeugt war, mindestens einmal erfolgreich zu sein. Es hätte durchaus öfter im Kasten der Ukrainer klingeln können. Das interessiert aber nach Schlusspfiff niemanden mehr.

Harte Arbeit wurde heute belohnt. Einerseits finanziell, denn durch den Einzug in die Europa League-Gruppenphase ist mit Einnahmen von 900.000 Euro aufwärts zu rechnen, und andererseits sportlich. Sturm hat nun mindestens sechs weitere Begegnungen mit europäischen Spitzenvereinen vor sich. Für die Mannschaft sechs Gelegenheiten sich weiterzuentwickeln und Europa zu zeigen, wozu man fähig ist.

Metalist Kharkiv – Sturm Graz  0:1 (0:1)
Metalist Stadion, Kharkiv – 25.000 Zuschauer – SR: Svein Oddvar Moen (NOR)

Tore
0:1 (32.) Beichler

Gelbe Karten
Shelaev (37.)
Jajá (93.)
Hassler (94.)

SK Sturm Graz
Gratzei – Sonnleitner, Schildenfeld, Feldhofer, Kandelaki – Hölzl, Weber, Hlinka, Jantscher – Beichler, Muratovic (89. Hassler)

Ersatz:
Lukse – Bukva, Hassler, Ehrenreich, Prettenthaler, Maric, Foda

Metalist Kharkiv
Goriajnow – Maidana, Obradovic, Gueye, Pschenitschnich – Olijnik, Sliusar, Burkhardt (58. Phantskhava) , Devic (75. Zeze) – Jaja, Schelajew (46. Eremenko)

Ersatz:
Bazhan – Berezovchuk, Eremenko, Fredes, Phantskhava, Barilko, Zeze

Sturm12.at
Sturm12.at-Zeugnis: Metalist Kharkiv – Sturm
Sturm12.at-Liveticker: Metalist Kharkiv – Sturm Graz