Roman Wallner: “Hamann lässt uns einfach spielen”

“In der Schule gab’s für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball”, philosophierte einst der deutsche Nationalspieler Thomas Häßler und zeigte damit seine Liebe zum Volkssport Fußball. Auch Roman Wallner liebt das runde Leder – mit Höhen musste…

© 2009 LASK
© 2009 LASK

“In der Schule gab’s für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball”, philosophierte einst der deutsche Nationalspieler Thomas Häßler und zeigte damit seine Liebe zum Volkssport Fußball. Auch Roman Wallner liebt das runde Leder – mit Höhen musste sich der gebürtige Grazer in letzter Zeit allerdings sehr selten beschäftigen.

Nach vielen Schlagzeilen abseits der deutschen Fußballplätze, kam das einstige Fußballwunderkind 2005 nach Österreich zurück und wurde von Admira-Trainer Robert Pflug prompt zum Amateurspieler degradiert. Es folgten eine weitere missglückte Station bei der Austria sowie bittere Legionärs-Jobs in Schottland (Falkirk, Hamilton Academical) und Griechenland (Apollon Kalamarias, Skoda Xanthi), wo er voriges Jahr seinen absoluten Karrieretiefpunkt erlebte. Wallner spielt sein erstes Spiel mit Kalamarias gegen Meister Olympiakos Piräus und gewinnt sensationell mit 1:0 – der Meister legt jedoch Beschwerde ein und erhält in zweiter Instanz Recht. Das Spiel wird mit 3:0 für Olympiakos gewertet, da Roman Wallner nicht spielberechtig war. Der Grazer macht in dieser Saison kein Spiel mehr und ist bei der Europameisterschaft 2008 nur Zuseher.

Im Interview mit Sturm12.at spricht der mittlerweile 27-Jährige über seine Auferstehung beim LASK, Didi Constantinis Geschenke und warum die Linzer am Samstag gegen Sturm anders agieren müssen als im Spiel gegen Rapid.

“Der Standard” titelte gestern: “Südafrika wir kommen eher nicht”. Kann man dem, trotz zuletzt guter Ergebnisse der Nationalmannschaft, noch etwas hinzufügen?
Leider nicht. Im Prinzip ist es für uns vorbei, auch wenn wir rechnerisch noch Chancen haben. Aber so ehrlich müssen wir sein: Es braucht ein Wunder, um noch nach Südafrika zu kommen. Nichtsdestotrotz waren die letzten Spiele und Ergebnisse zufriedenstellend. Die Gründe für das Ausscheiden muss man schon viel früher suchen.

Du hast gegen die Faröer Inseln das erste Mal nach drei Jahren wieder für das Nationalteam gespielt. Noch dazu in deiner Heimatstadt Graz. War dieser Einsatz für dich die Bestätigung, dass du den Weg aus der Krise gefunden hast?
Ich bin Didi Constantini sehr dankbar. Er hat mich zurück in die Mannschaft geholt und er hat mich zurück auf das Spielfeld gebracht. Die zehn Minuten, die ich in Graz für Österreich spielen durfte, habe ich als Geschenk von ihm betrachtet. Auch wenn es nur zehn Minuten waren, war es für mich immens wichtig. Es war also definitiv eine Bestätigung für mich. Ich konnte den Leuten zeigen, dass ich wieder da bin und dass mit mir auch in Zukunft wieder zu rechnen ist.

Sämtliche Medien schreiben und sprechen in Bezug auf dich vom “Comeback des Jahres”. Jetzt bist du seit Jänner beim LASK und hast nach einem durchwachsenen Frühjahr sechs starke Herbst-Runden gespielt – überrascht dich die Schnelllebigkeit im Fußballgeschäft überhaupt noch?
Nein, ganz und gar nicht. Ich weiß es selbst am besten, wie schnell man unten ist und wie schnell man wieder nach oben kommen kann. Das ist im Fußball halt einfach so. Ich bin im Jänner zum LASK gekommen und war komplett unten. Dann hatte ich zum Glück mit Klaus Lindenberger und Hans Krankl zwei Trainer, die auf mich gesetzt haben und die mir die Spiele gaben. Man kann so viel trainieren wie man will, aber um wieder richtig in Form zu kommen braucht man einfach Spiele. Für die Mannschaft lief das Frühjahr nicht ideal, wir hatten einige Probleme und machten wenig Punkte. Für mich aber war es ein wichtiger Schritt zurück.

Als du bei Sturm gespielt hast sorgten Ivica Vastic, Mario Haas und Hannes Reinmayr als “magisches Dreieck” für Furore. Hast du beim LASK mit Thomas Prager und Christian Mayrleb dein eigenes “magisches Dreieck” gefunden? 15 der 19 bisherigen LASK-Saisontore gehen auf euer Konto.
Wir verstehen uns sehr gut und haben zurzeit alle drei eine gute Form – also gewissermaßen kann man uns schon als gut funktionierendes Dreieck bezeichnen. Vor allem die Laufwege sind schon sehr gut aufeinander abgestimmt und man sieht, dass sich auch drei sehr ähnliche Spielertypen im Spiel gut ergänzen können.
Mit der goldenen Sturm-Zeit kann man das aber nicht vergleichen. Dazu fehlen uns ganz einfach die internationalen Erfolge.

Angesprochen auf deine starken Leistungen zuletzt meinte Sturm-Kapitän Mario Haas: “Es war nur eine Frage der Zeit, bis er einen Trainer hat, bei dem er seine Qualitäten ausspielen kann.” Was hat Matthias Hamann, was so viele andere Trainer nicht gehabt haben?
Er lässt spielen, er lässt uns einfach spielen. Natürlich gibt es ein taktisches Konzept aber im Großen und Ganzen haben wir in der Offensive keine Vorgaben, an die wir uns halten müssen – das kommt mir natürlich zugute. Außerdem kann er ein Spiel sehr gut lesen und uns somit immer wieder kurzfristig wichtige Änderungen mitgeben. Er ist aber nicht nur am Platz für uns wichtig, sondern auch abseits. Bereits in dieser relativ kurzen Zeit hat er beim Verein einiges verändert, was für uns Spieler enorm wichtig war. (Anm.: Die medizinische Abteilung bei den Linzern war vor Hamann “mangelhaft” vorhanden.)

Wie wird euch der Trainer für das Spiel morgen in Graz einstellen?
Das weiß ich noch nicht. Ich bin gestern nur ein wenig gelaufen und stoße erst heute wieder zum Mannschaftstraining hinzu. Aber es wird für uns wichtig sein, defensiv sehr kompakt zu stehen. Im Grazer Stadion wird sicher ein enormer Wirbel sein und Sturm kann vor diesen tollen Fans immer frei drauf los spielen. Und das macht sie gefährlich. Sie haben viele technisch starke Spieler und können den Ball ganz schnell laufen lassen. Wir dürfen uns nicht überrollen lassen, so wie es uns gegen Rapid passiert ist – da war jeder Schuss der Wiener ein Tor.

Wie viele Tore werden wir am Samstag zu sehen bekommen? Dein Tipp: Wie geht das Spiel aus?
Ich kann jetzt natürlich nicht sagen, dass wir gewinnen. Damit macht man den Gegner nur heißer auf das Spiel. Also sage ich ganz diplomatisch: Ich hoffe, dass wir in Graz gewinnen und ich glaube auch, dass wir es schaffen können. Das mit dem Ergebnis lasse ich aber besser – da liege ich sowieso meistens daneben.

Roman, danke für das Gespräch.
Bitte.

Das Interview führte Markus Zottler