Analyse: Charakterschwächen

Das 7:1 und 4:0 von Red Bull Salzburg und Rapid gaben jedem Sturmfan nach dem lauen Sommerkick am Sonntag Nachmittag noch einmal genug Gründe, um die gesehene Leistung mit einem ratlosen Kopfschütteln und der entscheidenden Frage “Was können die, was…

© 2009 SturmTifo.com
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Das 7:1 und 4:0 von Red Bull Salzburg und Rapid gaben jedem Sturmfan nach dem lauen Sommerkick am Sonntag Nachmittag noch einmal genug Gründe, um die gesehene Leistung mit einem ratlosen Kopfschütteln und der entscheidenden Frage “Was können die, was wir nicht können?” zu quittieren. Welche Positionen personelle Verbesserungen nötig haben würden, das wurde in den letzten Wochen und Monaten schon lang und breit veranschaulicht. Nachdem Franco Foda jeden Vorwurf von mangelnder pysischer Fitness lautstark dementiert, muss das Problem in einem anderen Bereich liegen.

Im Verlauf der 93 Minuten lassen sich der Gedanken der Blackies gut nachverfolgen. In der Anfangsphase haben alle noch die letzten Worte des Trainers im Kopf und wollen die Kapfenberger nicht ins Spiel kommen lassen, was der Mannschaft auch gelingt. Kurz darauf findet man erste Gelegenheiten vor, vergibt diese aber. Auch die Fans sind sich nun sicher: Lange kann es nicht mehr dauern. Nach weiteren vergeblichen Torversuchen und einer zu Ende versandenden ersten Hälfte weiß man zwar nicht, warum keiner getroffen hat, ist sich aber nachwievor zuversichtlich, das Spiel noch für sich entscheiden zu können.

Mitte des zweiten Durchgangs kommt dann der Zeitpunkt, wo sich die Willens- und Fehlerkurve kreuzen und die Fans ungeduldig werden. Genau dann muss einer der Spieler die Initiative ergreifen und handeln. Sei es eine etwas ruppigere Aktion, vielleicht auch mit einer gelben Karte geahndet, oder andere visuelle oder akustische Zeichen. Irgendwer müsste in solchen Situationen die in Lethargie verfallenen Kollegen wachrütteln und ihnen weismachen, dass gegen Kapfenberg schön zu spielen nun mal nicht reicht.

Gibt es diesen Jemand bei Sturm Graz? Trotz langen Entscheidungsprozessen vor Transfers, im Bemühen einen Spieler zu finden, der sowohl technisch als auch charakterlich zur Mannschaft passt, ließ man oben genannte Aspekte völlig außen vor. Womöglich liegt es daran, dass Foda so einen “Typen” fürchtet, weil das Kllima im Team darunter leiden könnte. Oder hat der Chefcoach gar Angst um seine eigene Autorität, wenn einer am Feld das Kommando übernimmt?

Statistiken lügen nicht, sie zeigen Probleme über längere Zeitspannen auf. Und wenn man in punkto Gelbe Karten (keine einzige gegen den KSV) oder Fouls Sturm mit den restlichen Topklubs vergleicht, kann man einfach nicht aufhören, sich zu fragen, warum die sportliche Leitung dieses Problem nicht erkennt. Der Transfermarkt ist zwar geschlossen und – zugegeben – solche Charaktere kann man sich auch nicht aus dem Katalog bestellen, aber man kann psychisch an sich selbst arbeiten, beispielsweise mithilfe eines Mental-Coaches, der im heutigen Fußball für viele Aktive einen immer wichtiger werdenden Stellenwert bekommt. Auch Foda ist hier gefordert. Der Deutsche gilt zwar zurecht als absoluter Fußball-Fachmann mit entsprechendem fußballerischen und taktischen Know-How, gleichzeitig hat sich Sturm Graz unter der Führung des 43-Jährigen mental nicht weiterentwickelt.

Sturm hat zweifelsohne unter den Bundesligaklubs einen hohen Sympathiewert, auch über die Grenzen der Steiermark hinaus. Junge Spieler entwickeln technisch brillante Fähigkeiten die auch taktisch gut umgesetzt werden. Auch wenn es wieder einmal weh tut, so tief in der Phrasenkiste zu kramen, aber: Wen interessiert es, wie schön man gespielt hat, wenn der Coach nach jedem 0:0 oder 3:3 nach neuen Ausreden suchen muss?

Sturm Graz – Kapfenberg 0:0 (0:0)
Stadion Liebenau – 11.194 Zuschauer – SR: Gangl

Gelbe Karten
Felfernig (37. – Foulspiel)
Gansterer (66. – Foulspiel)
Hüttenbrenner (76. – Foulspiel)

Sturm Graz (4-4-1-1)
Gratzei – Ehrenreich, Schildenfeld, Sonnleitner, Kandelaki – Hölzl (83. Lavric), Hlinka, Weber, Jantscher (32. Bukva) – Muratovic (68. Hassler)- Beichler

Kapfenberg (4-4-1-1)
Wolf – Gansterer, Fukal, Rauscher, Osoinik (66. Hüttenbrenner) – Siegl, Sencar (61. Scharrer), Heinz, Majstorovic – Felfernig – Alar (52. Kozelsky)

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