Schmölzer – Teil 2: “Eine Budgeterhöhung ist derzeit schwer zu erreichen”

Im Jahr 2002 schloss Christian Schmölzer sein Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien ab. Er ist also nicht nur aufgrund seiner Position als Klubmanager von Sturm Graz prädestiniert dafür, über Budgetentwicklungen und die Möglichkeit eines puntigamerfreien Trikots zu sprechen….

© 2009 Sturm12.at
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Im Jahr 2002 schloss Christian Schmölzer sein Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien ab. Er ist also nicht nur aufgrund seiner Position als Klubmanager von Sturm Graz prädestiniert dafür, über Budgetentwicklungen und die Möglichkeit eines puntigamerfreien Trikots zu sprechen.

Außerdem versucht er die Position des Klubmanagers zu definieren und erklärt, warum er bei Spielen von Sturm Graz Spaß hat.

Wir haben schon gemerkt, dass Sie nach zwei Monaten bei Sturm Graz noch nicht wirklich konkret werden wollen. Versuchen wir es abstrakter: In Österreich haben die Fußballfans mit dem Begriff “Klubmanager” noch Probleme. Was muss ein Klubmanager können?
Es ist schwierig, darauf eine allgemeine Antwort zu geben. Die Tätigkeiten und Möglichkeiten eines Klubmanagers hängen von der Größe und dem Organisationsgrad des Klubs ab. Auch da sind wir bei Sturm natürlich am Beginn einer Entwicklung: Wir bauen hier eine Struktur auf, die eine hauptamtliche Geschäftsführung etablieren soll und außerdem auf ein Vieraugenprinzip baut. Es gibt einen Sportmanager und einen Klubmanager. Der Sportmanager ist für alle sportlichen Fragen verantwortlich und der Klubmanager ist für alle außer-sportlichen Bereich zuständig.

Der Präsident hat dann nur mehr eine repräsentative Aufgabe?
Der Präsident hat dann sicherlich Kontrollaufgaben und wird vereinspolitische Entscheidungen treffen – natürlich gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen. Man kann das mit Aktiengesellschaften vergleichen. Man hat einen hauptamtlichen Vorstand und ein übergeordnetes Gremium – wie auch immer man das nennt. Ich möchte auch betonen: Ich habe nie behauptet und werde nie behaupten, dass ich es besser oder anders machen könnte als der Präsident. Der Unterschied ist nur, ich bin jeden Tag im Büro und das ist meine Aufgabe. Ich muss die Zeit haben, weil ich dafür bezahlt werde. Der Präsident kriegt kein Geld dafür, es ist nicht seine Haupaufgabe und man kann ein Unternehmen, wie es der SK Sturm jetzt ist, nicht nebenbei führen.

Also wird es doch besser – da Sie ja mehr Zeit zur Verfügung haben…
Das hat dann aber nichts mit mir zu tun, sondern ist eine strukturelle Frage.

Bei Spielertransfers hat man die Verbindung zwischen Sportlichem und Wirtschaftlichem. Wie werden in Zukunft Spielertransfers bei Sturm ausschauen?
So wie bisher auch. Oliver Kreuzer hat das pouvoir und das Budget mit den Spielern zu verhandeln. Er hat einen vorgegebenen wirtschaftlichen Rahmen in dem er sich bewegen kann. Wir haben eine Budgetplanung und eine gewisse Summe für die Kampfmannschaft vorgesehen. Innerhalb dieses Budgets liegt es in der Verantwortung Olivers die besten Spieler zum günstigsten Preis zu holen.

Welche realistische Budgetentwicklung kann man sich bei Sturm Graz erwarten? Ist in der aktuellen wirtschaftlichen Lage überhaupt eine Aufstockung möglich?
Wiederum bin ich nach zwei Monaten sehr vorsichtig. Wir sind in einer finanziell sehr soliden Situation, leben aber in einem wirtschaftlich sehr schwierigen Umfeld. Steigerungen sind derzeit sehr schwer zu erreichen. Die zusätzlichen Einnahmen aus dem internationalen Bewerb sind natürlich sehr erfreulich. Auf der anderen Seite ist das nicht so viel Geld, als dass wir entscheidend an einer Kostenschraube drehen könnten. Der größte Kostenfaktor sind selbstverständlich die Spielergehälter und dort kann ich jetzt mit dem Geld aus der Europa League nicht auf einmal 20 Prozent in die Höhe gehen. Das kann ich mir vielleicht in den nächsten zwei Jahren leisten, dann aber nicht mehr. Die zusätzlichen Einnahmen aus der Europa League kann niemand garantieren. Bei einem Fußballverein gilt, wie für alle anderen Unternehmen auch: Die finanzielle Stabilität kannst du nur kostenseitig gewährleisten und nie einnahmenseitig.

Von Seiten der Fans kommt immer wieder der Wunsch, dass es einmal ein Trikot ohne Trikotsponsor gibt. Ist ein schwarz-weißes Trikot ohne Bier-Emblem realistisch?
Das ist aus wirtschaftlicher Sicht einfach unrealistisch, auch wenn ich den Wunsch verstehe. Hier muss man den Blick aber auch auf andere Teams richten, die mit Sponsoringthemen befleckt sind. Unser Dress ist relativ sauber, relativ klar. Es ist auch sehr schön für den Sponsor – der hat sicher eine Freude damit.

In einem Artikel der Wiener Zeitung sagen Sie selbst, dass es, ob ihrer Konzentriertheit im Stadion, keinen Spaß macht sich mit Ihnen zusammen ein Fußballspiel anzuschauen. Haben Sie selbst Spaß in Liebenau?
(schmunzelt) Ja, ich hab meinen Spaß. Fußball hat mich mein Leben lang begeistert. Und die Mannschaft spielt doch wirklich sehr attraktiven Fußball.

Herr Schmölzer, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führten Clemens Ticar und Markus Zottler.

Sturm12.at
Christian Schmölzer im Interview – Teil 1