Wichtiger Dreier im Spitzenspiel

Bei herbstlichen Temperaturen lud die Bundesliga heute Nachmittag in Graz-Liebenau zum Kultduell zwischen Sturm Graz und Rapid Wien. Höchstleistung erbrachte, vielleicht auch aufgrund der längeren Länderspielpause, keines der beiden Teams. Am Ende reichte ein astreiner Angriff, abgeschlossen durch Daniel Beichler,…

Sturm Graz - Rapid Wien
© SturmTifo.com

Bei herbstlichen Temperaturen lud die Bundesliga heute Nachmittag in Graz-Liebenau zum Kultduell zwischen Sturm Graz und Rapid Wien. Höchstleistung erbrachte, vielleicht auch aufgrund der längeren Länderspielpause, keines der beiden Teams. Am Ende reichte ein astreiner Angriff, abgeschlossen durch Daniel Beichler, den Blackies zu einem 1:0-Sieg.

Für die ersten Aufreger vor dem Spiel sorgen die beiden Fanlager. Das kürzlich erlassene Gesetz zum Verbot von Pyrotechnik in Österreichs Stadien wird sowohl von den Sturm- als auch von den Rapid-Fans nicht nur ignoriert, man lässt es da wie dort ordentlich krachen und rauchen.

Spielerisch nimmt dieses Spitzenspiel erst nach knapp zehn Minuten Fahrt auf. Dauerbrenner Daniel Beichler nützt den ihm gegebenen Raum für einen Distanzschuss, der jedoch deutlich zu unpräzise ausfällt. Praktisch im Gegenzug sofort Rapid: Langer Ball auf Nikica Jelavic, doch der seit Mittwoch teamerfahrene Christian Gratzei reißt die Hände gerade noch in die Höhe und wehrt zur Ecke ab.

Und die Wiener bleiben am Drücker. Martin Ehrenreich verliert ein Laufduell gegen Jelavic, dieser sieht den freistehenden Branko Boskovic in der Mitte, doch der Abschluss des Montenegriners wird mit vereinten Kräften aus der Gefahrenzone gebracht.

Durch etliche Zweikämpfe im Mittelfeld steigert sich die Chancenfrequenz nur langsam. An der Reihe ist dann aber wieder Sturm.  Das blinde Verständins zwischen Jakob Jantscher und Beichler beschert letzterem nach einer Flanke von links per Volley die beste Sturmchance, gut ein Meter fehlt auf eine schwarz-weiße Jubeltraube.

Wenn es bei den Hütteldorfen gefährlich wird, hat “Flying Fortress” Nikica Jelavic, der zudem durch seine enorme Beweglichkeit und Schnelligkeit in Erscheinung treten konnte, seine Beine im Spiel. Beispielsweise auch nach einer guten halben Stunde, als Christopher Drazan den Kroaten erneut von links gut in Szene setzt – der Ball geht aber klar über sein Ziel. Die äußerst kompakt stehenden Gäste verschaffen sich gegen Ende des ersten Durchgangs immer mehr Spielanteile. Sturms Offensivaktionen enden meist schon in der eigenen Hälfte, eine Tatsache, die dem Anhang bereits erste Pfiffe entlockt.

Unsicherheiten speziell bei Ruhepolen wie Petr Hlinka sorgen für etliche haarsträubende Aktionen bis zur Pause. Ilia Kandelaki bedient unbedrängt den Rapid-Kapitän Steffen Hofmann ideal, dieser leitet auf den völlig freistehenden Boskovic weiter, der das Kunststück vollbringt das Spielgerät über das Netz zu heben.

Manchem Fan ist daher durchaus Erleichterung anzusehen, als Referee Robert Schörgenhofer die Spieler zum ersten Mal in die Kabine bittet. Rapid nützte die relativ ausgeglichenen Spielanteile besser und profitierte auch von der Nervosität im Aufbauspiel der Grazer.

Im zweiten Spielabschnitt übernehmen die Blackies das Kommando. Ein langer Ball wird von Ragnvald Soma nur kurz geklärt – Beichler zieht sofort ab und überrascht damit Helge Payer, der nur noch zur Stange abwehren kann. Die Ansprache von Franco Foda scheinen sich die Gastgeber sehr zu Herzen genommen zu haben. Auch der nächste Angriff über Andreas Hölzl endet gefährlich, aber wieder ist bei Payer Endstation.

Nach zehn Minuten wird das selbstbewusste Auftreten belohnt. Einen Einwurf von Martin Ehrenreich lässt Samir Muratovic raffiniert auf Andreas Hölzl durch, der sprintet Richtung Rapid-Tor, spielt im entscheidenden Moment auf Beichler ab, der ohne Probleme die Führung herstellt. Für Beichler war es bereits das siebente Bundesliga-Tor im zehnten Spiel der Saison.

Die Probleme im Zweikampf stellt Sturm nach dem 1:0 von einer Sekunde auf die andere ab. Den Rapidlern nimmt das zu Beginn einiges an Wind aus den Segeln. Den durch die Nordkurve erzeugten Schwung vermag der SK Sturm nach dem Treffer aber nicht so recht umsetzen. Nicht zuletzt durch Standardsituationen gelingt es den Gästen für kollektives Atemanhalten auf den Rängen zu sorgen. Nach einem Distanzschuss von Steffen Hofmann muss sogar Gordon Schildenfeld die Rolle des Schlussmanns übernehmen und den Ball von der Linie kratzen.

In der letzen Viertelstunde beschränkt sich Sturm nur noch auf das Konterspiel. Der Druck der Rapidler hält sich in Grenzen. In den Schlusssekunden wird es noch einmal so richtig brenzlig. Nach einem Eckball der Pacult-Elf landet der Ball im Tor, blitzschnell hebt der Assistent die Fahne und entscheidet auf Abseits. Jelavic verliert deshalb die Nerven und wird mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Die Aufregung der Hütteldorfer war allerdings berechtigt. Manuel Weber hob das Abseits auf.

Nach dem Schlusspfiff war wieder Erleichterung spürbar. Der Grund ist diesmal aber ein ganz anderer. Nach dem mühsamen 0:0 gegen Kapfenberg ist dieser Sieg pure Genugtuung für alle Beteiligten. Zudem war es der erste Heimsieg für Sturm nach fünf Spielen ohne vollen Erfolg. Das letzte Mal hatte Sturm am 6. August in Liebenau gewonnen (5:0 gegen OFK Petrovac). Auch wenn erst die zweiten 45 Minuten überzeugten: Nichts macht eine Auswärtsreise nach Athen angenehmer als drei Punkte im Gepäck.

Sturm Graz – Rapid Wien 1:0 (0:0)
Stadion Liebenau – 15.323 Zuschauer (ausverkauft) – SR: Schörgenhofer

Tor
1:0 Beichler (56.)

Gelbe Karten
Jelavic (28. – Schwalbe)
Beichler (31. – Handspiel)
Kulovits (40. – Kritik)
Dober (44. – Foulspiel)
Pehlivan (60. – Foulspiel)
Hofmann (68. – Kritik)
Konrad (86. – Foulspiel)
Prettenthaler (90. – Foulspiel)
Schildenfeld (93. – Kritik)

Gelb-Rote Karte
Jelavic (94. – Kritik)

Sturm Graz (4-4-1-1)
Gratzei – Ehrenreich, Schildenfeld, Sonnleitner, Kandelaki – Hölzl (86. Bukva), Hlinka, Weber, Jantscher (77. Prettenthaler) – Muratovic – Beichler (92. Feldhofer)

Rapid Wien (4-4-1-1)
Payer – Dober, Soma, Patocka, Katzer – Hofmann, Pehlivan, Heikkinen (11. Kulovits), Drazan (62. Salihi) – Boskovic (78. Konrad) – Jelavic