Analyse: Die Siebzehn in der ersten Elf

Das 0:0 gegen Kapfenberg veranlasste mich vor zwei Wochen etwaige Charakterschwächen bei Sturm Graz zu orten, im vollen Bewusstsein nicht nur eine Kurzschlusshandlung ob eines müden Sommerkicks zu tätigen. Am Sonntag beendeten die Blackies zwar ihre Baisse, über ein Remis…

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© SturmTifo.com

Das 0:0 gegen Kapfenberg veranlasste mich vor zwei Wochen etwaige Charakterschwächen bei Sturm Graz zu orten, im vollen Bewusstsein nicht nur eine Kurzschlusshandlung ob eines müden Sommerkicks zu tätigen. Am Sonntag beendeten die Blackies zwar ihre Baisse, über ein Remis oder eine Niederlage hätte man sich gegen die über weite Strecken überlegenen Rapidler nicht beschweren dürfen. Den Zeilen vom letzten Mal ist damit nichts hinzuzufügen. Wer nun denkt es gäbe nichts Erfreuliches zu berichten, der irrt. Funkelnde Augen lügen nämlich nicht.

In der Mixedzone herrscht Hektik. Journalisten ranken sich um Spieler und Trainer und versuchen den ein oder anderen treffenden Sager zu ergattern. In der bisherigen Saison sind es oft die Herren Daniel Beichler, Jakob Jantscher oder Andreas Hölzl, die quasi schon ein Abonnement auf einen O-Ton haben. Martin Ehrenreich war von dieser Fragenflut noch kaum betroffen. Dabei sah man dem ehemaligen Gratkorner an seinem strahlenden Blick an, wie stolz er darauf ist, endlich bei Sturm angekommen zu sein.

Diskussionen um seine Person, sein Verhältnis zu Franco Foda und weitere Spekulationen sollten damit dem Ende angehören. Mit selbstbewussten und flinken Vorstößen in der zweiten Hälfte, hatte Ehrenreich nämlich bei den rar gesäten schwarz-weißen Angriffen meistens seine Beine im Spiel. Gerade dieser Aspekt dürfte Fabian Lamotte seine Rückkehr in die Startelf erschweren.

Probleme hatte der Blondschopf, wie er selbstkritisch zugab, mit technisch brillierenden Gegenspielern, wie zuletzt Christopher Drazan. Zur Zeit dürfte er allerdings die besten Karten haben, weiter Franco Fodas Rechtsverteidiger Nummer eins zu sein, was auch am funktionierendem Duo Mario SonnleitnerGordon Schildenfeld liegt.

Der Grundtenor, um bei den Stimmen zum Spiel zu bleiben, war unverkennbar. Wichtig war er, dieser knappe Sieg. Schließlich war es der erste Erfolg vor dem zuletzt immer unruhiger werdenden Grazer Pubilkum seit mehr als zwei Monaten. Die Tabelle gibt den Anhängern nicht wirklich Grund zur Nervosität. Im Gegenteil. In der letzten Spielzeit – richtig, in jenem goldenen Herbst – hatte man zum selben Zeitpunkt drei Zähler weniger, als aktuell.

Auf das mit Spannung erwartete Gastspiel in Athen folgen in der Bundesliga insgesamt drei Partien – auswärts in Wiener Neustadt und Mattersburg sowie zu Hause gegen Austria Kärnten -  bei denen Sturm jeweils die Favoritenrolle inne haben wird. In letzter Zeit eine Position, die man ungern einnahm. Mit einem achtbaren Ergebnis bei Panathinaikos sollte die Psyche zumindest nicht daran hinderlich sein, um in Niederösterreich, im Burgenland und gegen die Kärntner die volle Beute zu ergattern. Sollte – so wie gegen Rapid – das eine oder andere Mal dafür Glück von Nöten sein, auch kein Problem, schließlich gilt es doch, den einen oder anderen unnötig liegengelassenen Punkt zurückzuerobern. Nur bei zumindest sieben Punkten aus den angesprochenen drei Spielen darf sich Sturm endgültig als Spitzenteam bezeichnen.

Sturm Graz – Rapid Wien 1:0 (0:0)
Stadion Liebenau – 15.323 Zuschauer (ausverkauft) – SR: Schörgenhofer

Tor
1:0 Beichler (56.)

Gelbe Karten
Jelavic (28. – Schwalbe)
Beichler (31. – Handspiel)
Kulovits (40. – Kritik)
Dober (44. – Foulspiel)
Pehlivan (60. – Foulspiel)
Hofmann (68. – Kritik)
Konrad (86. – Foulspiel)
Prettenthaler (90. – Foulspiel)
Schildenfeld (93. – Kritik)

Gelb-Rote Karte
Jelavic (94. – Kritik)

Sturm Graz (4-4-1-1)
Gratzei – Ehrenreich, Schildenfeld, Sonnleitner, Kandelaki – Hölzl (86. Bukva), Hlinka, Weber, Jantscher (77. Prettenthaler) – Muratovic – Beichler (92. Feldhofer)

Rapid Wien (4-4-1-1)
Payer – Dober, Soma, Patocka, Katzer – Hofmann, Pehlivan, Heikkinen (11. Kulovits), Drazan (62. Salihi) – Boskovic (78. Konrad) – Jelavic

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