Reich und schön, aber wehrhaft

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Panathinaikos Athen, so heißt der kommende Gegner von Sturm Graz in der Gruppenphase der Europa League. Der Kultklub aus Athen, unter den griechischen Rivalen als “Verein der Reichen und Schönen” verschrien, weiß in der Hauptstadt eine große Zahl von Anhängern hinter sich. Die Fanszene ist bunt durchmischt, nicht explizit politisch, aber doch wehrhaft. Sturm12.at bringt dazu ein Portrait der Fanszene.
1966 – Gate 13 wird geboren
1966 war das Jahr, in dem alles begann. Während der Engländer Geoff Hurst im WM-Finale gegen Deutschland das berühmte Wembley-Tor erzielte (oder eben nicht), gründeten einige junge PAO-Anhänger den wohl bekanntesten Fanklub des aktuellen griechischen Europa-League-Teilnehmers: Gate 13, benannt nach dem Tribüneneingang an der Westkurve des Apostolos-Nikolaidis-Stadions. In den folgenden Jahren entwickelte sich diese Gruppierung zu einem Vorbild für weitere Fans, die ihrerseits nachzogen und neue Gruppen ins Leben riefen, darunter die ebenfalls legendären N.O.P.O. und Green Devils. Dieser sich entwickelnden Vielfalt wurde jedoch bald Einhalt geboten. Als Panathinaikos im Jahr 1979 von Georgios Vardinogiannis übernommen wurde und zahlreiche Gewaltexzesse Panathinaikos-Matches begleiteten, war eine Entfremdung zwischen Klub und Fans die Folge.
Verbot, Neugründung und Wendepunkt
Der neue Vereinseigentümer gründete die Fanorganisation Palefip und ließ alle anderen Fanklubs verbieten. Doch die Anhängerschaft setzte sich zur Wehr. Nach Vorbild des Gate 13 wurden Anfang der 90er-Jahre der Green Cockney Club, die Mad Boys und der Fan Club Zografou gegründet. Wieder folgten Ausschreitungen der Fans und ein erneutes Verbot durch den Präsidenten, wieder durfte nur Palefip als einzige Gruppierung bestehen bleiben. Doch es wären nicht Panathinaikos-Fans, wenn sie nicht auch dafür eine Lösung gefunden hätten. Alle heute existierenden Fanklubs sind vom Verein unabhängig und nach ihrer Stadt oder Region benannt.
Ein besonderes Merkmal der Ultrà-Kultur bei Panathinaikos sind – neben der heißblütigen Chants und spektakulären Pyro-Shows – die farbenprächtigen Graffitis, die man in den Straßen rund um die Heimstätte der Athener findet. In der jüngsten Vergangenheit dienten diese auch dazu, Fehlentwicklungen im Verein gegenzusteuern. “Kein Mast ohne Plakat, keine Wand ohne gesprayte Ankündigung”, so lautete das Motto im Vorfeld des großen Fanaufmarsches am 13. April 2008.
“Verkaufe und verschwinde”
Ganz Athen war damals lahmgelegt, als sich 30.000 PAO-Fans zum Apostolos-Nikolaidis-Stadion aufmachten, um den Klubbesitzer, Ioannis Vardinogiannis, zum Verkauf zu drängen. Der Grund: Neben den schon erwähnten Repression, unter der die Fans zu leiden hatten, war auch sportlich nicht mehr viel zusammengelaufen. Einige Wochen nach dem Aufstand der PAO-Fans war der Spuk vorbei. Vardinogiannis verkaufte den Verein, gestaffelt über mehrere Jahre, an eine Investorengruppe, die sich aus mehreren griechischen Industriellen und einigen ehemaligen Klubgrößen zusammensetzte.
Bei der griechischen Konkurrenz beobachtete man diese Entwicklungen mit Argusaugen. Zwar gönnte den Athenern niemand, dass der Hauptstadtklub nun für Investoren offen stand, die ersten Nachahmer ließen aber nicht lange auf sich warten. So sorgten unter anderem die Anhänger von Aris Saloniki dafür, dass Klubpräsident Lambros Skordas seine Mehrheitsanteile am Verein an ein Konsortium abgab.
Messerstecher und verbrannte Banner
Der Rivalität unter den Fans in Griechenland tat dies keinen Abbruch. Größter Rivale von Panathinaikos ist Olympiakos Piräus, das – anders als Panathinaikos – Fans in allen griechischen Landesteilen hat. Vor allem seit dem Jahr 2007, als Olympiakos-Anhänger im Rahmen eines Frauen-Volleyballspiels einen 25-jährigen PAO-Fan erstachen, gab es mehrere handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen beiden Fan-Lagern. Neben Olympiakos zählt AEK Athen zu PAOs Erzrivalen, was sich in den letzten Jahren vor allem durch das Verbrennen von gestohlenen Spruchbänder äußerte.
Provoziert werden gegnerische Fans gerne mit den europäischen Erfolgen beziehungsweise dem größeren Renommee des Klubs im Vergleich zu den anderen Vereinen. Vor allem das Erreichen des Europacup-Finales 1971 und die Champions-League-Halbfinal-Teilnahme 1996 reibt man den Gegnern noch immer gerne unter die Nase – am liebsten den Anhängern von Olympiakos, das auf internationaler Ebene oft schon früh scheiterte. Heuer dürfen die PAO-Fans hoffen, Olympiakos wieder die Schau zu stehlen – auch wenn der Konkurrent einen Stock höher, in der Champions League, tätig ist.
Tribut an die Fans
Panathinaikos bleibt nur zu wünschen, dass der für das Jahr 2010 geplante Umzug in ein neues Stadion im Athener Stadtteil Votanikos der Stimmung im Rund keinen Abbruch tut. Anstelle des altehrwürdigen Apostolos-Nikolaidis-Stadions wird ein Stadtpark entstehen, in dem auch ein Vereinsmuseum beheimatet sein soll. Auf die Fans wird dabei übrigens nicht vergessen: Als Tribut an die Anhängerschaft soll die legendäre Westtribüne rund um das Gate 13 stehen bleiben. Es ist ein kleiner Hinweis auf den Stellenwert, den dieser Fanklub in Athen genießt.
Sturm12.at
Vorschau: Wiedersehen mit Panathinaikos
Andreas Ivanschitz: “Panathinaikos ist das Aushängeschild Griechenlands”
Liveticker: Panathinaikos – Sturm Graz
Kommentare ( 8 )
Funaki am 20. Oktober 2009 um 09:35Wirklich interessant und für Leute wie mich, die die internationale Fanszene gar nicht im Blick haben! Vielen Dank!
RJSturmGraz am 20. Oktober 2009 um 09:53Alles schön und gut aber trotzdem verlier Panathinaikos gegen Sturm
fan2009 am 20. Oktober 2009 um 15:55RJSturmGraz du hast vollkommen Recht.
____________________________________________________________Gute Nachricht für Alle STURMFANS: HAAS ist MORGEN WIEDER DABEI.
schwoaze am 20. Oktober 2009 um 16:42@fan2009 du meinst übermorgn oder? Also wird er zuerstmal auf da bank sitzn?!
Philipp am 20. Oktober 2009 um 17:10Sehr interessant. Ich wusste nicht, dass Olympiakos eher landesweit verstreut mehr fans hat als PAO. Ich schliesse daraus dass PAO die Athener Austria und Olympiakos das Athener Rapid ist. Fanfreundschaft ade…;)
MatthiasH am 20. Oktober 2009 um 20:29@Philipp ja so kann man es sagen! Und vor allem hat Rapid ja eine Fanfreundschaft mit PAO bzw. den Ultras von dort!
Sprich eine Fanfreundschaft kommt mir denen eigentlich GARNICHT in Frage!
MatthiasH am 20. Oktober 2009 um 20:30Verdammt, jetzt hab mich gleich verschrieben
PAO ist eigentlich eher Rapid und Olympiakos eher Austria! Kann man nicht so vergleichen wie bei uns!
Philipp am 21. Oktober 2009 um 16:21Matthias, ich hab mich auf die Verbindung Rapid-PAO bezogen und darauf, dass Olympiakos als landesweiterer Klub ja eher Aehnlichkeiten zum Rapid Anhang hat. Zur Klarstellung.
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