12 Meter: Grüne Wochen und der Peter aus Floridsdorf

Grüne Wochen stehen im Moment auf dem Speiseplan der Blackies. Die Vorspeise aus Hütteldorf wurde, zwar nicht unbedingt genüßlich aber doch, am Sonntag vernascht. Ein Sieg, der Sturm gemeinsam mit der Austria und dem FC Aluminium im Spitzenfeld hält. Der…

© 2009 Sturm12.at

Grüne Wochen stehen im Moment auf dem Speiseplan der Blackies. Die Vorspeise aus Hütteldorf wurde, zwar nicht unbedingt genüßlich aber doch, am Sonntag vernascht. Ein Sieg, der Sturm gemeinsam mit der Austria und dem FC Aluminium im Spitzenfeld hält.

Der Hauptgang wartet dann morgen Abend in Athen. Die dortigen Spezialitäten bekommen den Gourmets aus Graz in der Regel gut, vor acht Jahren gab es in der Champions League zwei Siege für die Schwarz-Weißen. Also, es ist angerichtet und wir haben Appetit. Ein kleiner Exkurs zum originellen Verhalten und den Rechtschreibkenntnissen von Peter Pacult sei außerdem gestattet.

Zu Beginn nochmal ganz kurz zum Thema der letzten Woche: Die eigenartige Berichterstattung über die Vorfälle in Gralla war der Kleinen Zeitung offenbar nicht genug. Daniele Marcher stand ihrem Kollegen vom Nebentisch um nichts nach und sah sich veranlasst in einem Bericht über den Überfall auf ein Grazer Lokal, völlig ohne Not, in einem Nebensatz eine Verbindung zur Grazer Sturmflut herzustellen. Einer der Täter “soll” amtsbekannt sein und er “soll” Mitglied des Fanclubs Sturmflut sein… Was “soll” das? Wir bleiben an dem Thema jedenfalls dran…

Zum Rapid-Spiel am Wochenende: Es hat sich auch gezeigt, dass, bei allen derzeitigen Erfolgen, Peter Pacult in meinen Augen niemals ein sehr guter Fußballlehrer sein wird. Das hat einerseits mit seiner Aufstellung zu tun, andererseits mit seinem Verhalten nach dem Spiel. Klar, Rapid war die bessere Mannschaft in der ersten Halbzeit, hatte mehr Torchancen und hat in der Nachspielzeit ein reguläres Tor erzielt. Trotzdem konnte sich Sturm in einer, an sich sehr schwachen ersten Hälfte, über die linke Seite mit Jakob Jantscher und Daniel Beichler, der als Spitze dann immer über diese Seite kam, einigermaßen entlasten. Und das hatte schlicht mit einem Aufstellungsfehler von Pacult zu tun. Anstatt Hofmann zentral hinter den Spitzen spielen zu lassen, wie  in den letzten Spielen auch erfolgreich durchgeführt, ließ er ihn wie früher im alten 4-4-2 rechts spielen. Diesen zieht es aber ständig in die Mitte – Hofmann-Loch (Copyright Martin Blumenau) auf rechts inklusive. Rechtsverteidiger Andreas Dober war wieder großteils auf sich gestellt und wer weiß was Kandelaki an diesem, für ihn rabenschwarzen Tag, mit einem richtigen Gegenspieler alles angerichtet hätte. Danke dafür, Peter Pacult.

Fast schon belustigend war dann der Auftritt von Pacult bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Ewiges Gejammer über ach so große Benachteiligung von Rapid, als hätte noch keine andere Mannschaft der Welt jemals ein reguläres Tor aberkannt bekommen, einen Elfer wegen Handspiels will er auch gesehen haben (wo?) und überhaupt sei es dann ja logisch, dass seine Spieler so viele gelben Karten bekommen würden, in einer derart ungerechten, bösen Welt wo man sich so sehr aufregen muss. Schließlich verstieg sich der Peter aus Floridsdorf auch noch zu einem Reis(s)fleisch-Bonmot über den Schiri-Assistenten, das auf gröbere Rechtschreibdefizite schließen lässt. Oder glaubt Peter Pacult, dass dieses Gericht so heißt weil das Fleisch dabei in kleine Stückchen gerissen wird? Man weiß es nicht… Erlösend jedenfalls die trockene Replik von Franco Foda: “Ja, Rapid wurde ein reguläres Tor aberkannt, der Eckball der zum Tor geführt hat war allerdings auch kein Eckball”.

Vom Peter aus Floridsdorf nun zu wichtigeren Dingen und nach Athen, wo Sturm12-Boss Christopher Houben schon seit gestern die Stadt unsicher macht und sich heute um 20:00 für einen Live-Chat zur Verfügung stellt, morgen dann live vom Spiel berichten wird. Verlieren die Schwarz-Weißen morgen im Spiros-Louis nicht, sind alle Chancen in Gruppe F intakt. Panathinaikos ist Favorit, das war allerdings auch Galatasaray in Istanbul am letzten Spieltag. Können die Grazer wieder so eine beherzte Leistung abrufen, steht einem erneuten Punktgewinn sicher nichts im Weg. Zudem hat PAO zuletzt in der Meisterschaft ein wenig geschwächelt und Sturm kommt mit viel Selbstvertrauen nach dem Sieg gegen Rapid. Der war zwar nicht unbedingt souverän, genau solche Spiele muss man aber gewinnen. Und genau solche erkämpften Erfolge können der Mannschaft vielleicht einen größeren Schub bringen als ein klarer Sieg. Die Vorzeichen für den Hauptgang könnten also schlechter sein…

Schlussbemerkung: Ja, okeee, Ehrenreich war nicht so schlecht gegen Rapid, hat mit einem schnellen Einwurf auch den Treffer eingeleitet. Kann man lassen, im Großen und Ganzen. Ich muss allerdings dem Kollegen Terler schon auch widersprechen. Von einem funktionierenden Duo Schildenfeld-Sonnleitner habe ich am Sonntag nichts gesehen. Und ob Martin Ehrenreich tatsächlich bei Sturm angekommen ist, wird sich noch weisen. Eine Partie, die besser war als jene von Fabian Lamotte an guten Tagen, hat er bisher auch noch nicht gespielt. Man muss hier immer mitdenken von welchem Ausgangsniveau wir hier gestartet sind. Wir wollen es Ehrenreich aber  in jedem Fall wünschen. Morgen wäre ein guter Tag um endgültig anzukommen, in Athen, 21:05, Olympiastadion…

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Spielerprofil

Geboren 1978 im Spannungsfeld von DSV Alpine und KSV in Bruck an der Mur. Mit den ortsansässigen Fußballvereinen allerdings nichts anzufangen gewusst und bald nach Graz gestürmt. Dort den Fußballklub des Herzens entdeckt und, obwohl die Farbe der Liebe rot ist, war der Verein doch der Schwarze. Nach dem Ausscheiden im Finale des AHS-Cups fünf Jahre als CAD-Techniker Beton angerührt. 2005 wieder in die Offensive gegangen, gereift und aus politischen Gründen einen Vertrag bei Uni Wien unterschrieben. Seither Exil-Schwarzweißer, dafür momentan auf einem UEFA-Cup-Platz in der Uni-Liga, der Meistertitel in greifbarer Nähe. Auch als Rasenpfleger vermehrt aktiv und seit Frühjahr 2008 Redakteur beim Fußballmagazin Null Acht. An dieser Stelle schließlich kehrt die Seele heim und man lässt ihn einmal wöchentlich nur über die in Graz zurückgelassene Liebe schreiben.