Analyse: Lehrgeld bezahlt, Erfahrung gewonnen

Bitter musste gestern Abend auf dem Rasen und den Rängen zu Kenntnis genommen werden, dass sich der erfolgreiche Tanz am internationalen Parkett für Sturm Graz noch etwas zu schwierig gestaltet. In entscheidenden Belangen wie etwa Effektivität sind wesentlich erfahrenere Teams wie Panathinaikos oder Galatasaray den Blackies einfach überlegen. Jedoch sollte nie vergessen werden, dass mit [...]

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© SturmTifo.com

Bitter musste gestern Abend auf dem Rasen und den Rängen zu Kenntnis genommen werden, dass sich der erfolgreiche Tanz am internationalen Parkett für Sturm Graz noch etwas zu schwierig gestaltet. In entscheidenden Belangen wie etwa Effektivität sind wesentlich erfahrenere Teams wie Panathinaikos oder Galatasaray den Blackies einfach überlegen. Jedoch sollte nie vergessen werden, dass mit dem Einzug in die Europa League Gruppenphase niemals spekuliert wurde und der Auftritt der Grazer daher in erster Linie eines sein soll und auch ist, nämlich lehrreich.

Taktische Belange waren sicherlich nicht der Grund für diese Niederlage. Vor der Partie stand zwar eine Variante mit zwei Sturmspitzen Daniel Beichler und Klemen Lavric im Raum, sowie der Versetzung von Samir Muratovic in das defensive Mittelfeld, auf kosten von Sandro Foda, Coach Franco Foda vertraute aber richtigerweise dem bewährten System. Der Vorwurf einer zu feigen Ausrichtung fände im Prinzip-Foda kein Verständnis, da es seiner Meinung nach immer auf die Spieler ankommt, die sich in die Offensive einschalten und nicht, wieviele nominelle Angreifer am Feld stehen. Außerdem ist es bei den Blackies immens wichtig, dass ein System eingespielt ist, besonders wenn man an das Offensivspiel denkt. Eine kurzfristige Änderung hätte wahrscheinlich noch mehr spielerische Probleme mit sich gebracht.

Die Einstellung der Gäste machte es natürlich auch nicht einfach für Sturm. Hätte das Spiel für die Athener einen wichtigeren Charakter gehabt, sprich, hätten sie mehr Druck erzeugen müssen, wären für Andreas Hölzl und Co. mehr Räume frei gewesen. So nahmen die Kleeblätter die Herausforderung druckvoll zu spielen nicht an, sondern setzten mit deutlich mehr Ballbesitz nur selten Ausrufezeichen nach vorne und kontrollierten das Geschehen auf diese Weise.

Wer einen weiteren Grund für die Unterlegenheit haben möchte, möge sich die Ersatzbänke der beiden Teams einmal ansehen. Im Gegensatz zu einem jungen, unroutinierten Marvin Weinberger, oder einem – sich seinen Möglichkeiten nicht bewusst seienden -  Haris Bukva kann Panathinaikos eben mit Kalibern wie einem Sotiris Ninis oder Sebastian Leto aufwarten, Spieler, die mit ihrer Erfahrung das Geschehen sofort an sich reißen können. Viel zu schnell vergisst man bei den Grazern auch die bitteren Ausfälle eines Mario Kienzl beziehungsweise Petr Hlinka, die sich gerade gegen robustere Gegenspieler schon mehr zutrauen, als Manuel Weber oder Sandro Foda, auch wenn dessen positive Entwicklung von Spiel zu Spiel klar erkennbar ist.

Unglücklicherweise erwischten die zuletzt so spielfreudigen Jakob Jantscher und Daniel Beichler gestern einen weniger guten Abend. Für sie – als Paradebeispiele wenn es um das Thema Ausbildungsverein geht – gilt vielleicht mehr als für andere: Lehrgeld bezahlt, Erfahrung gewonnen. Dass sich gerade für die beiden Youngsters die Teinahme am internationalen Geschäft auch ohne Erreichen der nächsten Runde weiter auszahlen könnte, wird man eventuell schon in der Winterpause sehen, wenn man jüngsten Gerüchten Glauben schenken darf.

Bei aller Rücksicht muss sich Sturm allerdings einen Kritikpunkt gefallen lassen. Den Wert von Standardsituationen scheint man nicht zu erkennen. Genau in Spielen wie gegen die Griechen kann eine einstudierte Freistoß- oder Eckballvariante den Unterschied ausmachen. Ruft man sich die teilweise katastrophalen Ausführungen gestern in Erinnerung, muss man sich wirklich fragen welch geringen Part des Trainings das Einstudieren und die Zuteilung bei ruhenden Bällen einnimmt.

Neben zwei weiteren Chancen sich auf internationaler Ebene zu beweisen, liegt der schwarz-weiße Fokus nun ganz klar auf der Bundesliga. Und in dieser geht es vor der Länderspielpause kommenden Sonntag gegen einen direkten Konkurrenten im Spitzenfeld, der Wiener Austria, um besonders wertvolle Punkte.

Sturm Graz – Panathinaikos Athen 0:1 (0:0)
Stadion Liebenau, 15.322 Zuschauer (ausverkauft) – SR: Kralovec (CZE)

Tor
Katsouranis (71.)

Gelbe Karten
Spiropoulos (59. – Foulspiel)
Hölzl (87. – Kritik)

Sturm Graz (4-4-1-1)
Gratzei – Ehrenreich (80. Bukva), Schildenfeld, Sonnleitner, Kandelaki – Hölzl, Weber, Foda (83. Weinberger), Jantscher – Muratovic – Beichler (60. Lavric)

Panathinaikos Athen (4-4-1-1)
Tzorbas – Gabriel, Vintra, Sarriegi, Spiropoulos – Salpingidis (67. Leto), Katsouranis, Gilberto, Karagounis (39. Ninis) – Simao – Cissé (91. Rukavina)

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Kommentare

Ich hab eben folgenden link gefunden mit einigen entscheidenden Spielszenen http://www.livesoccertv.com/match/108320/sturm-vs-panathinaikos/
Ich finde, daß beim Tor der Griechen Gratzei unnötig weit vor seinem Tor stand, sonst wäre der Schuß zu erkennen und möglicherweise haltbar gewesen.

Was unsere vermeintliches Abseitstor betrifft: Ist es nicht so, daß der Verteidiger der Athener das Abseits aufhebt, in dem er zurück läuft?
Das mit den Standardsituationen sehe ich genau so wie der Autor. Da muß Franco Foda einfach mehr im Training machen!

gernotluder says:

danke für den link, hab mir das spiel bzw. die highlights gerade nochmal angesehen.
aber wo siehst du bitte die schuld von gratzei bei dem gegentor?? was soll denn der bitte machen wenn auf einmal ein spieler aus 10 metern zum schießen kommt und den ball auch noch platziert in die ecke schießt?
und auch beim abseitstor?? wo siehst du bitte einen spieler der das abseits aufhebt?? lavric lenkt den ball ab und jantscher ist dann sicherlich 1,5 meter im abseits, so ehrlich muss man sein!!

Wenn man genau hinsieht spielt der Verteidiger den Ball zu Jantscher. Da dies aber nicht gewollt ist war das Abseits korrekt!

Auf Laola1.at gibt es immer Zusammenfassungen, von Buli und EL
Man müsste die Standards wirklich mehr trainieren..

Pingback: SturmTifo.com .:. offizielle Foto & Videosite der Fangruppen des SK Sturm Graz

bin mit dem bericht sehr zufrieden!
muss ehrlich sagen, für das spiel hätte ich mir auch die variante mit lavric vom start weg gewünscht, doch finde es auch korrekt, dass man nicht das system ändern sollte!
möchte hier aber noch mit folgendem anschliessen: soweit ich mal erinnern mag, hat beichler einmal in einem interview gesagt, er spiele lieber hinter den spitzen, denn als einziger stürmer! und soweit ich informiert bin, ist er auch gar kein gelernter goalgetter sondern mittelfeldspieler oder nicht?
schlussentlich macht der trainer die aufstellung, doch ich als “sofa-trainer” würde es mal doch probieren, den muratovic vom OM ins ZM/DM zurückzuziehen, den beichler auf muratovic’s possition spielen zu lassen und den lavric als einzige sturmspitze!
es werden sich jetzt sicher ein paar denken, das sei ja die angesprochene variante mit lavric doch kommts mir da auf die interpretation des systemes an! foda spielt für mich ein 4-2-2-1-1 system – sprich einen “tannenbaum”. die viel disskutierte aufstellung mit lavric wäre – meiner meinung – ein 4-1-3-2 oder 4-4-2. ich würde halt das system 4-2-2-1-1 belassen und nur muratovic und beichler nach hinten verschieben. denn dann würde auch ATs zitat “…da es seiner Meinung nach immer auf die Spieler ankommt, die sich in die Offensive einschalten und nicht, wieviele nominelle Angreifer am Feld stehen.” immer noch zutreffen und beichler ist für wie gesagt kein nomineller angreifer (sprich für mich ist das ein Stürmer)! weiss nicht was andere davon halten…

Diese Variante von t-homy könnte ich mir auch gut vorstellen, zumindest bis Mario Haas wieder voll da ist (ja wenn er überhaupt noch genest!).
Vielleicht macht uns FF hat bald einmal den Gefallen, gegen die Austria z.B.*gg*
Wie ist das Wetter in Graz? Zur Zeit gibt’s sehr billige Flüge von Graz nach Mallorca ab 49,-€ *gg*
Hab schon umgekehrt überlegt jetzt mal zu einem Sturmspiel anzureisen. Aber dann möchte ich auch bitte einen Sieg miterleben!

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