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In der fünften Ausgabe seiner zwölfmal jährlich erscheinenden Kolumne “Chants & Goals” geht Heimo Mürzl zusammen mit seinem SK Sturm ins Finale der Herbstsaison 2009. Auch im Dezember – zwischen den Spielen gegen Dinamo Bukarest und Galatasaray – kombiniert er dabei – wie gewohnt – seine Leidenschaft für Fußball und Musik.
03.12.2009: Dinamo Bukarest – Sturm Graz 2:1 (Sonnleitner)
Del Amitri: “Nothing Ever Happens”
Nicht nur die etwas mehr als 200 mitgereisten Sturmfans hatten gehofft, dass nach einem sehr enttäuschenden Sturm-November mit dem letzten Euro League-Auswärtsspiel in Bukarest ein echtes Aufbäumen gegen die vorwinterliche Tristesse beginnen würde und ein stürmischer Dezember das Jahr noch erfreulich ausklingen lassen könnte. Doch weder das Führungstor von Mario Sonnleitner durch einen Kopfballtreffer und der engagierte Auftritt der Stürmer-Hoffnung Marvin Weinberger, noch die bemühte Unterstützung der mitgereisten Aficionados, deren “SK Sturm, SK Sturm wir sind dein 12. Mann / heast wir san die Jungs aus Graz ” im fast leeren Stadion gut zu vernehmen war, konnten eine unrühmliche 1:2 Niederlage gegen zehn Bukarester Spieler verhindern.
So blieb nur die ernüchternde Erkenntnis, dass die schottische Band Del Amitri in ihrem grandiosen Popsong “Nothing Ever Happens” wohl sehr treffende Textzeilen gefunden hatte, die die Stimmung vieler Sturmfans treffend beschrieb:” Nothing Ever Happens, nothing happens at all / the needle returns to the start of the song / and we all sing along like before”.
06.12.2009: Sturm Graz – Red Bull Salzburg 0:0
Alice In Chains: “Check My Brain”
Dass sportlicher Erfolg nicht nur von körperlicher Fitness abhängig ist, sondern auch mentale Stärke eine nicht unwesentliche Rolle spielt und Spielfreude und ein “freier Kopf” den Weg zum Punktegewinn erleichtern, hatten die Sturm-Verantwortlichen wohl schon immer gewußt. Vor dem Spiel gegen den ebenso “neureichen” wie ungeliebten Marken-Verein Red Bull Sazburg war es aber scheinbar gelungen, die festzustellende Lethargie zu durchbrechen und mit etwas mehr Konzentration, Elan und Esprit ans fußballerische Werk zu gehen. Vielleicht trug auch die Feierstimmung im Stadionrund ein wenig dazu bei – die Fangruppe Brigata Graz beging mit einer gelungenen Choreographie ihr Jubiläum, das unter dem Mottio ” 15 Jahre Chaos und kein Ende in Sicht ” stand. Mit einer Überrollfahne und dem Text “Freiheit fürs Kultlogo” über den ein Puntigammer-Schriftzug gezogen wurde, nahm die Nordkurve auch erneut – ebenso engagiert wie eindeutig – in der Logo-Diskussion Stellung, was die Vereinsverantwortlichen und Puntigamer-Vertreter aber nicht daran hinderte, ihre Entscheidungen diesbezüglich emotions- und traditionslos zu treffen… So blieben ein ansehnliches Spiel, ein verdienter Punktegewinn, eine gelungene Choreographie und ein bis zum heutigen Tage rätselhaftes Transparent im Fansektor – ” Finger weg vom Hackher Löwen ” – in Erinnerung und die wiedergewonnene Hoffnung auf ein versöhnliches Saisonende.
13.12.2009: Sturm Graz – Austria Wien 2:2 (Hölzl, Jantscher)
XTC: “grass”
Hatte man eine Woche zuvor das 15-jährige Bestehen der Fangruppe Brigata Graz gefeiert, so bot das Spiel gegen Austria Wien den Anlass, die ersten fünfzehn Jahre der Jewels Sturm würdig zu begehen. Was mit einer schönen Stadionchoreographie auch wunderbar gelang: eine Überrollfahne mit dem Jewels-Wappen, ein Banner mit dem Schriftzug “Hochkarätige Jungs gehen ihren Weg” und einem zentral platzierten Bild ebendieser Jungs bot ein prächtiges Bild und ein überzeugend-lautstark vorgetragenes “Der SK Sturm ist wieder da ” sorgte auch für einen entsprechenden akustischen Rahmen. Als dann auch noch Andreas Hölzl und Jakob Jantscher knapp vor dem Pausenpfiff für eine 2:1-Führung sorgten und auch die Längsseitenbesucher stimmgewaltig den Kurvenhit “Wenn wir hier stehen, sind wir wie benommen” anstimmten, schien dieser kalte Sonntag ein das Sturm-Herz wärmender Freudentag zu werden. Der unmittelbar nach dem Wiederanpfiff erzielte Ausgleich trübte zwar kurzzeitig die Stimmung, wäre aber heute längst vergessen, hätte nicht eine Spielszene in Minute 87 für eine andere Art des “Benommen-Seins” gesorgt. Der schon in seinen bisherigen Einsätzen eher glücklos agierende Last-Minute-Transfer Klemen Lavric vermochte es nämlich nicht den Ball – nach idealem Zuspiel von Jakob Jantscher wenige Meter vor dem leerstehenden Tor stehend – ebendort unterzubringen – ja mehr noch “gelang” es ihm, den Ball etliche Meter neben die Torstange zu setzen, was für ebensoviele erstaunte wie entsetzte Gesichter im Stadionrund sorgte, wie auch für eine selten in Liebenau festzustellende Stille. So blieb an diesem kalten Dezemberabend nicht nur die Frage offen, wie man so eine Chance nur vergeben konnte, sondern manche stellten sich auch die Frage: Sollte man Gras über die Sache wachsen lassen oder doch daran denken, wie entspannend und besänftigend die Wirkung von Gras doch sein konnte…
16.12.2009: Sturm Graz – Galatasaray 1:0 (Beichler)
The Dead Weather: “I Cut Like A Buffalo”
Mumford & Sons: “Little Lion Man”
Girls: “Lust For Life”
Dieses Saisonabschlußspiel stand unter dem Motto Schwarz-Weiß “Die Farben denen wir folgen – ein ganzes Leben lang ” und sollte letztlich wirklich für ein versöhnliches Saisonende sorgen. Ein in Entstehung wie auch Abschluss nicht eben unglücklicher Siegestreffer von Daniel Beichler sorgte bei Spielern, Betreuern und Fans für fast euphorische Jubelszenen, der weder der Qualität noch der Bedeutung des Spieles angemessen schien. Aber zu lange hatte man auf das Gefühl eines Sieges warten müssen, zu schwer lastete der Druck des “Nicht-Gewinnen- Könnens” auf den Schultern der Spieler, als dass man nun beim erlösenden Feiern eines so lange angestrebten Zieles Zurückhaltung hätte üben sollen. So schallte auch knapp vor Spielende das Geburtstagsständchen “100 Jahre SK Sturm ” in beeindruckender Lautstärke durchs Stadionrund und die Nordkurve intonierte noch einmal das letztlich durchaus berechtigte “Die Schwoazn in Europa”. So bleibt nur zu hoffen, dass diese gute Stimmung mit ins Frühjahr genommen wird und die Mannschaft entsprechend der Songauswahl ab dem ersten Frühjahrsspiel mit der nötigen Aggressivität und Spielfreude ans Werk geht um zur “Lust For Life” ihren Teil beizutragen.
Chants & Goals: Der November
Chants & Goals: Der Oktober
Chants & Goals: Vom LASK bis zum KSV
Chants & Goals: Mit Sturm Graz von Spiel zu Spiel
Heimo Mürzl
Jahrgang 1962, verbrachte seine Kindheit fern großer Fußballstadien in Mariahof, einem kleinen Ort in der Obersteiermark. Die Fußball-WM 1970 in Mexiko, die unvergessene Ajax-Jahrhundertmannschaft rund um Johan Cruijff und das so unglücklich endende Messestädte-Cup-Duell von Sturm Graz gegen Arsenal London machten den von Kleinauf selbst kickenden Buben zum späteren Fußballverrückten. Mit dem Studiumbeginn in Graz wurde es ihm auch endlich möglich, sein Fantum nicht nur vor dem Fernsehschirm auszuleben, sondern selbst im Liebenauer Stadion und in der Gruabn Teil der kollektiven Emotionen zu werden. So verbringt er auch heute noch sehr viel Zeit in den diversen Weihetempeln des runden Leders, wo Sehnsüchte erzeugt und mitunter auch gestillt werden. Mit großer Freude schreibt er für das Extra der Wiener Zeitung und das SturmEcho, das Klubmagazin des SK Sturm Graz.
Motto
Allen Individualisierungen, Rationalisierungen und Trennungen zum Trotz – kollektive Emotionen sind das Herzstück und die bewegende Kraft allen, also auch des rational gezügelten sozialen Lebens. ” (Karl Otto Hondrich)
Sturm12.at ist ein privates und unabhängiges, journalistisches Medium, das seinen Fokus auf die Berichterstattung über den Fußballklub SK Sturm Graz gerichtet hat. Gegründet wurde Sturm12.at am 20. Februar 2009 von Christopher Houben und Julia Wendl. Das Hauptaugenmerk der Arbeit bei Sturm12.at liegt auf der tiefgreifenden Analyse von Sturm Graz und des österreichischen Fußballs.
bezüglich “…ein bis zum heutigen Tage rätselhaftes Transparent im Fansektor – ” Finger weg vom Hackher Löwen ”” beim spiel gegen red bull:
ende november ist der hackher-löwe am schloßberg von unbekannten weiss überpinselt worden. mehr hier ->
http://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/graz/2220323/raetsel-um-den-weissen-loewen.story
und da ich schon mal angemeldet bin;)
es heisst “heats (hört) wir san die jungs aus graz” nicht heast…
aber bis auf diese beiden details, ein wie gewohnt äußerst gelungener beitrag!
Bzgl. des Hackher-Löwen war mir schon klar, dass es um die
Überpinselung ging….nur hätte ich gerne gewußt, wieso Teile der Fankurve das zu einem Transparent-Thema machten..
als einer, der gerne über Hintergründe, Ursachen und Beweg=
gründe Bescheid weiß…..aber nicht mehr über allzu gutes Gehör zu verfügen scheint (Danke für die Korrektur bzgl. heats/heast)!
da es ohnehin von mindestens der hälfte “falsch” bzw. eben anders gesungen wird, trifft das gehör an sich da eigentlich eh keine schuld. also keine sorge;-)
bezüglich hackher-löwen kann ich zwar nur für mich sprechen, aber nennen wir es meinetwegen lokal-patriotismus oder so. stichwort 1809, verteidigung des schlossberges gegen napoleon. und da mann denkmäler im allgemeinen meiner meinung nach nicht verschandelt (auch wenn ehrlich gesagt ein strahlendes weiss im gegensatz zu verwitterter bronze durchaus zu gefallen weiß), darf man als stolzer grazer ruhig dazu stellung beziehen. auch wenn die betreffende person eigentlich ein wiener war…
Lust for Life? Yeah! Und: Lust auf weitere Chants & Goals 2010