100 Jahre Sturm Graz – Platz 7 | Fritz Longin

Ohne ihn würde es Sturm Graz wohl nicht geben. Vor allem aber: Ohne seinen Ball würde es Sturm kaum geben. Fritz Longin nimmt unter allen Gründungsmitgliedern eine Sonderstellung ein. Im Augarten und später auf diversen Grazer Fußballplätzen durchaus erfolgreich, meinte…

Fritz Longin © Wir sind Sturm!
© Wir sind Sturm!

12 Persönlichkeiten

Ohne ihn würde es Sturm Graz wohl nicht geben. Vor allem aber: Ohne seinen Ball würde es Sturm kaum geben. Fritz Longin nimmt unter allen Gründungsmitgliedern eine Sonderstellung ein. Im Augarten und später auf diversen Grazer Fußballplätzen durchaus erfolgreich, meinte es das Leben an anderen (Kriegs-)Schauplätzen nicht immer gut mit dem gebürtigen Obersteirer.

Longin wurde von unserer Jury auf Platz sieben gewählt. Zur Erinnerung: Die Frage für die Sturm12.at-Serie lautete: “Wer war in hundert Jahren wirklich wichtig?”

Platz 7: Fritz Longin

Der Ur-Schwoaze

Am Anfang war der Ball. Nicht irgendein Ball. DER Ball – aus Leder und im Besitz von Fritz Longin.

Mit diesem Ball begann die Geschichte des Sportklubs Sturm Graz. Geburtsort war der Augartenpark direkt am linken Murufer. Dort grätschte und dribbelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen mit vielen anderen Schülern und Lehrlingen auch der junge Fritz Longin. 1893 in St. Stefan ob Leoben geboren, übersiedelte seine Mutter mit ihm nach dem frühen Tod des Vaters in die steirische Landeshauptstadt.

Ein Lederball war für die jungen Kicker zu jener Zeit eine Sensation. Ein beinahe unbezahlbarer Schatz, der aus einem wilden Haufen Jugendlicher eine wettbewerbsfähige Fußballtruppe machte. So wurde der SK Sturm (in Anlehnung an den „DBC Sturm Prag“) im Mai 1909 aus der Taufe gehoben.

Die „Longin-Elf“ als Ursprung
Doch nicht nur Fritz Longin ist es zu verdanken, dass heute Tausende „Schwoaze“ benommen und verrückt auf und nieder hüpfen. Einen mindestens ebenso großen Anteil hat sein um 17 Jahre älterer Bruder Arthur. Der Maschinenbauingenieur bei der Firma Andritz schenkte Fritz den Ball, mit dem die Vereinsgeschichte begann.

Im Jubiläumsbuch „Wir sind Sturm“ beschreibt ein weiteres Gründungsmitglied, Richard Ott, die Bedeutung des runden Leders, der bei Regen übrigens sofort eingezogen wurde: „Wir 12- bis 13-Jährigen bildeten darauf die nach dem Ballbesitzer genannte Schülermannschaft, die ,Longin-Elf’. Durch vorbildliche Kameradschaft entstand eine Einheit, die über Jahre anhielt und uns zur besten Mannschaft des Augartens entwickelte.“

Der laut Chronist Herbert Troger mit „Charisma und Führungskraft“ gesegnete Longin besuchte zum Zeitpunkt der Vereinsgründung bereits die Lehrerbildungsanstalt, um wie sein Vater Pädagoge zu werden. Seine Lehrverpflichtung führte ihn 1913 zurück nach Leoben. Doch Longin blieb Sturm treu: Jedes Wochenende fuhr er mit dem Rad nach Graz und spielte als Verteidiger (damals: „back“) im schon damals schwarz-weiß gestreiften Dress.

Der erste Weltkrieg beendete die Sportkarriere von Longin: Der Leutnant der k.u.k.-Armee erlitt 1916 an der Ostfront einen Knieschuss. Bis zum Ende des Schlachtens 1918 diente er in Villach und organisierte von dort Nachschub für die Truppen am brutal umkämpften Isonzo.

Schuldirektor, Bürgermeister, Kriegsgefangener
Nach außen hin entfernte sich Longin nach dem Ersten Weltkrieg vom Fußball: Der Kriegsinvalide wurde Hauptschullehrer, später Schuldirektor und sogar Bürgermeister von Göss bei Leoben. Im Zweiten Weltkrieg überlebte er sechs Jahre in der Wehrmacht und vier Jahre in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr 1949 war Longin bis zur Pensionierung 1959 Hauptschuldirektor. Im selben Jahr erhielt er bei der 50-Jahre-Feier von Sturm die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

1972 verstarb jener Mann, ohne den es den Sportklub Sturm Graz wohl nicht geben würde.

Tipp: Ein Gespräch mit seinem Sohn Helmutt Longin, ehemaliger Generaldirektor von RHI (Hersteller von Feuerfestprodukten), findet sich im Buch „Wir sind Sturm“.

Ein Porträt von Jakob Traby

Dieses Porträt ist Teil der Sturm12.at-Serie “Wer war in hundert Jahren wirklich wichtig?”. Von 25.12. bis 05.01. wird täglich eine Person vorgestellt. Gewählt wurden die zwölf Spieler, Trainer und Funktionäre von einer hochkarätig besetzten Jury.

Fritz Longin wurde auf Platz sieben gewählt

100 Jahre Sturm Graz – 12 Persönlichkeiten
Platz 12: Franco Foda
Platz 11: Helmut Senekowitsch
Platz 10: Hans Gert
Platz 9: Bozo Bakota
Platz 8: Hans Fedl
Platz 7: Fritz Longin
Platz 6: Karl Assmann
Platz 5: Mario Haas
Platz 4: Gernot Jurtin
Platz 3: Hannes Kartnig
Platz 2: Ivica Vastic
Platz 1: Ivica Osim