Chants & Goals: Jänner-Extra

In der sechsten Ausgabe seiner Kolumne Chants & Goals blickt Heimo Mürzl zurück auf die Herbstsaison – vom schönsten Treffer über den emotionalsten Moment bis hin zu den ärgerlichsten Spielen reicht der Blick – und wagt zudem einen hoffnungsvollen Vorausblick…

© 2009 Sturm12.at
© 2009 Sturm12.at

In der sechsten Ausgabe seiner Kolumne Chants & Goals blickt Heimo Mürzl zurück auf die Herbstsaison – vom schönsten Treffer über den emotionalsten Moment bis hin zu den ärgerlichsten Spielen reicht der Blick – und wagt zudem einen hoffnungsvollen Vorausblick (inklusive einiger Wünsche) auf die bevorstehende Frühjahrssaison. Und all das verknüpft er auf gewohnte Art und Weise mit anregenden Klängen aus der populärmusikalischen Wunderkammer.

Das schönste Tor: Andreas Hölzls Treffer zum 2:0 gegen Austria Kärnten
Animal Collective: “My Girls”

Obwohl auch die Treffer von Daniel Beichler gegen Wiener Neustadt, Galatasaray und Metalist Kharkiv und der Prachtschuss von Jakob Jantscher in Kärnten es durchaus verdient hätten zum schönsten Tor gewählt zu werden, fiel meine Wahl auf Andreas Hölzls Treffer im Heimspiel gegen Austria Kärnten. Hier stimmte einfach alles und dass das Zusammenspiel von begabten Individualisten erst im Kollektiv ein wunderbares Ergebnis zeitigt, bewies dieser in Entstehung und Abschluss attraktive Treffer. Er erinnerte auch wieder an die in der Herbstsaison fast verloren geglaubten Sturm-Stärken: schnelle Konter, flottes Kombinationsspiel, große Spielfreude und attraktive Tore. Ein öffnender Pass von Beichler, eine Idealflanke von Muratovic und ein perfekter Volleyschuss von Andreas Hölzl – mehr braucht es manchmal nicht für einen Ausstoß von gar nicht so wenigen Glückshormonen.

Der emotionalste Moment: Der Sieg in Kharkiv und der damit verbundene Aufstieg in die Gruppenphase der Europa League
Wolfmother: “New Moon Rising”

Die Herbstsaison hatte viele Längen und es fehlte letztlich immer wieder der entscheidende “Kick”, um die Flamme der Begeisterung nicht nur lodern zu lassen, sondern das Feuer frisch zu entfachen. Einzig der Abend des Auswärtsspiels gegen Metalist Kharkiv vermittelte so etwas wie kollektive Freude und befreiende Begeisterung über etwas Gelungenes. Nach diesem grandiosen Auswärtssieg und dem damit verbundenen Aufstieg in die Gruppenphase der Europa League lagen sich nicht nur Spieler und Fans in Kharkiv jubelnd in den Armen, auch in Graz, in der Steiermark und über die Bundeslandgrenzen hinaus feierten die Sturm-Fans – und -Sympathisanten ausgelassen und befreit. An diesem Abend zeigten sich sogar die größten Kritiker für wenige Stunden zufrieden und glücklich.

Die euphorischen (4) Tage: Vom 27. bis zum 30.08. war die (Sturm)Welt für alle Aficionados in Ordnung
We Were Promised Jetpacks: “It’s Thunder And It’s Lightning” und “Quiet Little Voices”

Die vier Tage vom Auswärtssieg in Kharkiv bis zum – so lange ersehnten – Auswärtssieg in Ried waren zweifellos die vier zufriedenstellendsten und glücklichmachendsten der gesamten Herbstsaison. Für wenige Tage schienen der Mannschaft und den Fans kaum Grenzen gesetzt und manche begannen schon zu träumen….

Die ärgerlichsten Spiele: Ohne Zweifel die beiden Unentschieden gegen den LASK ( 3:3 – heim und 2:2 – auswärts)
Beck: “Loser”

Natürlich sind Niederlagen immer bitter und sehr oft auch ärgerlich – besonders wenn auch die Leistung selbst, unabhängig vom Resultat, jeder Beschreibung spottet und einfach nur als enttäuschend bezeichnet werden muss. Als Paradebeispiel in der Herbstsaison darf die 0:2 – Heimniederlage gegen Ried herangezogen werden. Doch kein Spiel verursachte mehr berechtigten Ärger und mitunter kaum unterdrückten Zorn als die zwei Spiele gegen den LASK. Gelang der Mannschaft im Heimspiel das “Kunststück” in nur fünfzehn Minuten einen 3:0 – Vorsprung zu verspielen, so sorgte sie im Auswärtsspiel für ein schmerzhaftes Deja-vu-Erlebnis bei allen Fans, auch wenn es dieses Mal “nur” eine 2:0-Führung war, die leichtfertig verspielt wurde.

Der stärkste Kurven-Auftritt: Das Auswärtsspiel gegen Rapid
The Gun Club: “She’s Like Heroin To Me”

Das Auswärtsspiel gegen Rapid bewies einmal mehr,dass die Qualität des Supports weniger von der Anzahl der Mitgereisten abhängt, als von deren Motivation, dem Gegner auf dem Rasen und dem Gegenüber auf den Tribünen. Paßt das alles zusammen, kann auch eine unglückliche Niederlage als intensiver Fußballabend in Erinnerung bleiben und für jene Emotionen sorgen, die wohl entgegen anderslautenden Wünschen auch zum Ereignis Stadionbesuch dazugehören.

Für die bevorstehende Frühjahrssaison verknüpfe ich einige Hoffnungen mit dazugehörigen Wünschen:

Ein Frühjahrsauftakt, der einen daran glauben lässt, dass man aus den Fehlern (?) der vergangenen Wintervorbereitungszeiten gelernt hat und ein Sieg im Cupspiel gegen Red Bull, der neue Euphorie erzeugt.
The Hidden Cameras: “Smells Like Happiness”

Eine Nordkurve, die wieder mit frischem Esprit, großer Verve und authentischer (Aus)Gelassenheit agiert und so ihren Teil dazu beiträgt, neue Begeisterung zu entfachen.
Kasabian: “Fire”

Ein Trainer, der etwas mutiger agiert, was das Wechseln und den Einsatz von Talenten betrifft (wer einen Prettenthaler “ehrt”, ist einen Klem nicht wert) und etwas kommunikativer wird, was “kritische” Journalisten und talentierte Nachwuchsspieler betrifft.
Peaches: “Talk To Me”

Eine Sturm-Familie, die persönliche Befindlichkeiten wieder etwas in den Hintergrund rückt und das gemeinsame Ganze als erstrebenswertes Ziel erkennt.
The XX: “Crystalised”

Chants & Goals: Der Dezember
Chants & Goals: Der November

Chants & Goals: Der Oktober

Chants & Goals: Vom LASK bis zum KSV

Chants & Goals: Mit Sturm Graz von Spiel zu Spiel

Heimo Mürzl
Jahrgang 1962, verbrachte seine Kindheit fern großer Fußballstadien in Mariahof, einem kleinen Ort in der Obersteiermark. Die Fußball-WM 1970 in Mexiko, die unvergessene Ajax-Jahrhundertmannschaft rund um Johan Cruijff und das so unglücklich endende Messestädte-Cup-Duell von Sturm Graz gegen Arsenal London machten den von Kleinauf selbst kickenden Buben zum späteren Fußballverrückten. Mit dem Studiumbeginn in Graz wurde es ihm auch endlich möglich, sein Fantum nicht nur vor dem Fernsehschirm auszuleben, sondern selbst im Liebenauer Stadion und in der Gruabn Teil der kollektiven Emotionen zu werden. So verbringt er auch heute noch sehr viel Zeit in den diversen Weihetempeln des runden Leders, wo Sehnsüchte erzeugt und mitunter auch gestillt werden. Mit großer Freude schreibt er für das Extra der Wiener Zeitung und das SturmEcho, das Klubmagazin des SK Sturm Graz.

Motto
“Allen Individualisierungen, Rationalisierungen und Trennungen zum Trotz – kollektive Emotionen sind das Herzstück und die bewegende Kraft allen, also auch des rational gezügelten sozialen Lebens.” (Karl Otto Hondrich)