12 Meter: Kienast and more

Winterpause ist Transferzeit. Nachdem sich in den letzten Wochen entschieden hat, dass sowohl Jakob Jantscher als auch Daniel Beichler noch bis zum Sommer in Graz bleiben, gibt es nun den ersten Neuzugang bei den Schwarz-Weißen zu vermelden: Roman Kienast. Liest…

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Winterpause ist Transferzeit. Nachdem sich in den letzten Wochen entschieden hat, dass sowohl Jakob Jantscher als auch Daniel Beichler noch bis zum Sommer in Graz bleiben, gibt es nun den ersten Neuzugang bei den Schwarz-Weißen zu vermelden: Roman Kienast.

Liest man die Kommentare unter der Transfermeldung, beschleicht einen dieses Gefühl: Breite Zustimmung zu einem neuen Stürmer geht irgendwie anders. Ziemlich viel wird da geschimpft und geraunzt, die Zustimmer und Abwarter sind, gefühlt, in der Minderheit. Da ist nach meiner Ansicht ziemlich viel unqualifizierter Mist dabei und dem möchte ich Einiges entgegenhalten. Auch an zwei anderen Transferzeit-Geschichten soll kurz angestreift werden.

Was hat denn der bisher schon zusammengebracht? Der ist doch wie der Lavric, wozu brauchen wir den? Wir haben doch schon fünf Stürmer im Kader, wozu noch einen? Der verstellt doch nur dem Weinberger den Weg! – In diese Richtung geht ein Großteil der ablehnenden Kommentare zur Verpflichtung von Roman Kienast. Es zeigt offensichtlich, dass Kienast in Österreich einen nicht allzu guten Ruf genießt. Aber worauf gründet diese Ablehnung? Kienast hat immerhin alle drei Partien bei der Europameisterschaft gespielt und ist zehnfacher Teamspieler.

Klar, seine Karriere hat mit dem Abstieg in die dritte norwegische Liga und seiner Knieoperation im Sommer einen Knick erhalten. Die ihm Böses wollen, sagen außerdem: Was ist schon Fußball in Norwegen? Dem möchte ich entgegenhalten, dass es Kienast hoch anzurechnen ist, den Schritt ins Ausland überhaupt gewagt zu haben. Er wollte spielen und sich für die englische Liga empfehlen, wie so viele (z.B.: Paul Scharner) über den Umweg Norwegen. Das hat (knapp) nicht geklappt, ok. Hat es bei vielen anderen auch nicht. Für die Persönlichkeit eines Spielers war es aber noch nie schlecht, das enge Österreich zu verlassen und eine neue Perspektive zu bekommen. Auch wenn am Ende nicht alle Ziele erreicht wurden.

Und man darf bei solchen Diskussionen nicht vergessen, in welchem Land wir hier Fußball spielen. Aus Norwegen kommen mehr Klassespieler als aus Österreich, siehe auch das weit stärkere Nationalteam. Aus Norwegen wechseln regelmäßig Spieler in die Premier League, die stärkste Liga der Welt. Und da wollen wir einen geringschätzen, der von dort zu Sturm wechselt? Zudem Kienast im Moment ein absolutes Schnäppchen ist und sicher heiß darauf endlich wieder zu spielen. Und wie viele ablösefreie, österreichische Angreifer, die für Sturm erschwinglich sind, gibt es denn gerade auf dem Markt? Vorschläge werden unten angenommen…

Ich will Roman Kienast hier nicht in den Himmel loben, aber ich versuche einer doch merkwürdigen Vorbeurteilung entgegenzuwirken, die jeglicher Grundlage entbehrt und einfach aufgrund der merkwürdigen Selbsteinschätzung der eigenen Liga zustande kommt.  Auch die Argumente, Kienast würde einem Marvin Weinberger den Platz verstellen oder Sturm würde nicht noch einen Stürmer brauchen, sind Unsinn. Weinberger ist ein komplett anderer Spielertyp und wenn es ganz blöd läuft, sind im Sommer drei Stürmer weniger im Kader. Die jetzt maulen wir hätten zu viele Angreifer, kommen dann daher und raunzen über den zu dünnen Kader, garantiert.

Ich halte also diese Verpflichtung für absolut sinnvoll und nachvollziehbar. Genauso, wie ich es sehr begrüßen würde Gordon Schildenfeld weiterhin in Graz zu sehen. Dass Oliver Kreuzer sich hierfür “mächtig ins Zeug legen” will ist zu unterstützen. Der Spieler will in Graz bleiben, hoffentlich lassen ihn auch die Verantwortlichen von Besiktas Istanbul. Bleibt noch die Personalie Mark Prettenthaler, der mit dem LASK in Verbindung gebracht wird. Dem Vernehmen nach ist der Spieler nicht abgeneigt und ich meine man sollte ihn ziehen lassen. Mit Christian Klem gibt es eine Alternative zu Ilia Kandelaki auf der linken Abwehrseite und Prettenthaler hat zudem seine Chancen im Herbst nicht genützt. Ich sehe, ehrlich gesagt, auch nicht viel Potential nach oben, ein Wechsel wäre wohl für beide Seiten das Beste.

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Spielerprofil
Geboren 1978 im Spannungsfeld von DSV Alpine und KSV in Bruck an der Mur. Mit den ortsansässigen Fußballvereinen allerdings nichts anzufangen gewusst und bald nach Graz gestürmt. Dort den Fußballklub des Herzens entdeckt und, obwohl die Farbe der Liebe rot ist, war der Verein doch der Schwarze. Nach dem Ausscheiden im Finale des AHS-Cups fünf Jahre als CAD-Techniker Beton angerührt. 2005 wieder in die Offensive gegangen, gereift und aus politischen Gründen einen Vertrag bei Uni Wien unterschrieben. Seither Exil-Schwarzweißer, dafür momentan auf einem UEFA-Cup-Platz in der Uni-Liga, der Meistertitel in greifbarer Nähe. Auch als Rasenpfleger vermehrt aktiv und seit Frühjahr 2008 Redakteur beim Fußballmagazin Null Acht. An dieser Stelle schließlich kehrt die Seele heim und man lässt ihn einmal wöchentlich nur über die in Graz zurückgelassene Liebe schreiben.