Nordkurve schweigt für 45 Minuten

Das Thema Pyrotechnik in Stadien wurde vergangenes Jahr zum Politikum. Das Innenministerium erließ ein Gesetz, das ab Jänner 2010 das Zünden von Pyrotechnik bei öffentlichen Sportveranstaltungen verbietet. Bereits in der Herbstsaison demonstrierte die Grazer Nordkurve gegen diesen Beschluss. Nun setzt…

Nordkurve Graz
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Das Thema Pyrotechnik in Stadien wurde vergangenes Jahr zum Politikum. Das Innenministerium erließ ein Gesetz, das ab Jänner 2010 das Zünden von Pyrotechnik bei öffentlichen Sportveranstaltungen verbietet. Bereits in der Herbstsaison demonstrierte die Grazer Nordkurve gegen diesen Beschluss. Nun setzt man zum Frühjahrsauftakt gegen Red Bull Salzburg morgen im ÖFB-Cup ein deutliches Zeichen und schweigt – 45 Minuten lang. In einer  Presseaussendung geben die Fanclubs Jewels Sturm, Brigata Graz und die Grazer Sturmflut ihre Meinung und ihr Vorhaben kund.

Stiller Protest
Die neue Gesetzessituation rund um die Anwendung von Pyrotechnik bei Sportveranstaltung zwingt uns – die organisierten Fanklubs der Nordtribüne – heute zu einer lange nicht mehr getätigten Maßnahme: Wir werden den lautstarken Support heute für die ersten 45 Minuten einstellen!

Warum?
Das von Innenministerin Fekter ausgearbeitete Gesetz sieht die Anwendung von Pyrotechnischen Gegenständen als offensichtlich kriminelles Vergehen. Nicht zuletzt die angesetzten Geldstrafen von bis zu 4360€ (!!!) für das Abbrennen von Bengalischen untermauern diese Ansicht.
Wir sehen dies als den ersten massiven Schritt von öffentlicher Seite, die Fankultur in ihren Grundfesten nicht nur zu erschüttern, sondern völlig auszuradieren. Die Vorgangsweisen in Deutschland und Italien zeigten vor Jahren ein ähnliches Muster. In Italien gleichen die Stadien seit den Verboten von Transparenten/Trommeln/Fahnen eher einem Friedhof denn einem Stadion mit südländischer Atmosphäre.
Die Maßnahmen stehen in keiner Relation zu den von Ministerin Fekter strapazierten Argumenten der Verletzungsgefahr – in den vergangenen 10 Jahren haben sich mehr Sturmfans beim Befestigen von Transparenten an Zäunen, als beim Abbrennen von Bengalen verletzt.
Auch der Zusammenhang zwischen Bengalischen Feuern und Gewaltdelikten ist schlichtweg aus der Luft gegriffen. Jeder kennt die mediale Beliebtheit von Pyro-Bildern von Sportgroßveranstaltungen, die zum Transfer einer positiven, euphorischen Stimmung verwendet werden. Weder im heimischen Fußball, noch im Skisport kommt es zu Gewaltexzessen mit Pyrotechnika.

Wie?

Aus den oben genannten Gründen sehen wir uns gezwungen, diese unpopuläre Aktion zu setzen und somit die Zukunft in Österreichs Fußballstadien aufzuzeigen: Ein halbleeres Stadion ohne Leidenschaft und Emotion, ohne Fahnen und Transparente. Vielleicht sehen die Verantwortlichen in diesen 45 Minuten, was ihre Gesetze bewirken – die Auslöschung er Fankultur durch Kriminalisierung des Fußballfans.

Wir möchten betonen, dass sich diese Aktion ausdrücklich nicht gegen unsere Mannschaft richtet. In der zweiten Hälfte werden wir unsere Gesänge mit voller Inbrunst zelebrieren, um den Unterschied zu verdeutlichen.Diese Aktion ist ein erster Schritt der Ablehnung der organisierten Österreichischen Fans gegenüber dem neuen Gesetz. Weitere landesweite Aktionen werden folgen, wir lassen uns unsere Leidenschaft nicht mit Gesetzen verbieten!

Für weitere Informationen geht in den nächsten Tagen die Homepage www.pyrotechnik-ist-kein-Verbrechen.at online.

JEWELS STURM – BRIGATA GRAZ – GRAZER STURMFLUT
Im Namen der organisierten Fangruppen der Nordtribüne

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