12 Meter: Cup-Notizen

Fußballspiel war das keins, gestern Abend in Liebenau, da sind wir uns glaube ich einig. Diese Cup-(Schneeball)Schlacht erinnerte eher an den ersten Langlauf- oder Biathlonbewerb in Vancouver. Der Dank dafür richtet sich auch nach Kanada, Winterolympia ist Mitverursacher dieses absurden…

© 2009 Sturm12.at

Fußballspiel war das keins, gestern Abend in Liebenau, da sind wir uns glaube ich einig. Diese Cup-(Schneeball)Schlacht erinnerte eher an den ersten Langlauf- oder Biathlonbewerb in Vancouver. Der Dank dafür richtet sich auch nach Kanada, Winterolympia ist Mitverursacher dieses absurden Termins, dazu später mehr.

Unterm Strich bleibt Positives: Sturm ist eine Runde weiter und ein paar Lichtblicke (nicht nur sportlich) waren auch zu sehen, soweit das der Schnee zugelassen hat. In den folgenden Cup-Notizen eine kleine Zusammenfassung des gestern gesehenen, inklusive der Nebengeräusche dieses Auftakts zum Fußballjahr 2010.

Bevor wir zum gestrigen Spiel kommen, ein kurzer Exkurs zum leidigen Termin-Thema. Fußball-Österreich ist alle Jahre wieder völlig verblüfft, dass es im Februar noch Winter ist. Das zeigt sich an der völlig hirnrissigen Terminplanung der Bundesliga. Drei Runden werden im verschneiten Februar gespielt, noch dazu parallel zu den Olympischen Spielen, da kann man sich den regen Publikumszuspruch jetzt schon ausmalen. Wieso bitte schön muss mit Gewalt im Februar schon Fußball gespielt werden? So viele Spiele, geht sich sonst alles nicht aus, heißt es dann immer. Würden wir Konzepte wie dieses einmal ernsthaft in Erwägung ziehen, könnte man da schon ein wenig Abhilfe schaffen. An die Idee einer Kalendermeisterschaft wagt hierzulande ja kaum jemand auch nur zu denken, eine Ausnahme hier.

Der Cup ist allerdings Angelegenheit des ÖFB, deshalb hat die Liga mit der Sache gestern ausnahmsweise nichts zu tun. Beim Fußballbund läuft das anders, man hat überrissen, dass es wenig sinnvoll ist, parallel zu Olympia Fußball zu veranstalten. Erstes Länderspiel daher erst danach, erstes Cup-Spiel schon davor, also gestern. Das aber nur deshalb, weil beim ÖFB offensichtlich niemand auch nur angedacht hat, dass es ein österreichischer Vertreter über die Gruppenphase der Europa League hinaus schafft. Eine Cup-Runde wurde deshalb justament für 9.-10. März angesetzt, am 11. März würde in der Europa League das Achtelfinale gespielt werden. Sollten die Dosen also Standard Lüttich ausschalten = Terminkollision – grandiose Planung!

Nun aber zum Spiel: Immer die Umstände der Begegnung im Auge behaltend, war Sturm der verdiente Sieger im gestrigen Aufeinandertreffen. Ein reguläres Tor und ein Elfer vorenthalten, dafür einen fragwürdigen Strafstoß bekommen und das ganze Spiel über dominant. Das ergibt unterm Strich einen verdienten Aufstieg und hält die Möglichkeit der Qualifikation für internationale Aufgaben auf diesem Wege aufrecht. Unabhängig davon gab es einiges an Lichtblicken auf dem Feld und den Tribünen zu sehen, sowohl sportlich, als auch von Seiten der Fans.

Klemen Lavric zeigte sich körperlich stark verbessert, ackerte auf dem schweren Geläuf ohne Ende und war der Mann des Spiels. Christian Klem überzeugte bei seinem Debüt in der “Ersten” von Beginn an und zeigte keinerlei Schwächen. Und Roman Kienast erzielte mit seiner ersten Ballberührung für die Schwarz-Weißen sein erstes Tor, noch dazu ein absolut sehenswertes. Das sollte dem Neuzugang in jedem Fall Selbstvertrauen für anstehende Aufgaben geben. Drei Beispiele, die einen für die Frühjahrssaison positiv stimmen, obwohl der gestrige Abend natürlich spielerisch nicht sehr aufschlussreich war.

Auch von der Nordkurve gibt es Positives zu vermelden, zwar nicht für die Schotter-Mitzi, aber für uns. Nach 45 Minuten Schweigeprotest gab es nach der Pause eine wundervolle Pyro-Show der Nordkurve zu sehen – großes Kino, wenn man mich fragt. Gutes Signal gegen das völlig absurde Verbot seit Jänner, Respekt für die Fanclubs von meiner Seite. Den Vogel hat übrigens ORF-Mann Thomas König abgeschossen: So viel Unsinn sei da schon passiert, das Verbot sei deshalb schon ganz gut, plapperte er in sein Mikro. Da kennt man am Küniglberg offenbar den Unterschied zwischen Knallkörpern und Bengalen nicht. Und es ist halt so: Worüber man nichts weiß, sollte man nicht reden…

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Spielerprofil

Geboren 1978 im Spannungsfeld von DSV Alpine und KSV in Bruck an der Mur. Mit den ortsansässigen Fußballvereinen allerdings nichts anzufangen gewusst und bald nach Graz gestürmt. Dort den Fußballklub des Herzens entdeckt und, obwohl die Farbe der Liebe rot ist, war der Verein doch der Schwarze. Nach dem Ausscheiden im Finale des AHS-Cups fünf Jahre als CAD-Techniker Beton angerührt. 2005 wieder in die Offensive gegangen, gereift und aus politischen Gründen einen Vertrag bei Uni Wien unterschrieben. Seither Exil-Schwarzweißer, dafür momentan auf einem UEFA-Cup-Platz in der Uni-Liga, der Meistertitel in greifbarer Nähe. Auch als Rasenpfleger vermehrt aktiv und seit Frühjahr 2008 Redakteur beim Fußballmagazin Null Acht. An dieser Stelle schließlich kehrt die Seele heim und man lässt ihn einmal wöchentlich nur über die in Graz zurückgelassene Liebe schreiben.