Analyse: Träumen wegen hoher Bälle?

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Zählt man das Galatasaray-Spiel vor der Winterpause dazu ist Sturm seit sechs Partien ohne Punktverlust. Eine beeindruckende Bilanz. Diese Erfolge an der Person Klemen Lavric festzumachen ist ohne Zweifel übertrieben, dennoch hat er und seine Art und Weise zu spielen einen erheblichen Anteil an diesem Erfolg.
Spiele gegen Ried oder gegen den LASK sind alles andere als einfach zu gewinnen. Das musste Sturm in der Vergangenheit des öfteren schmerzlich zu Kenntnis nehmen. Vor allem Ried steht sehr kompakt, stand auch am Samstag meist mit zehn Spielern hinter dem Ball. Für eine Mannschaft die spielerisch zum Erfolg kommen will natürlich eine Katastrophe wenn keine Räume entstehen. Zusätzlich sind die Platzverhältnisse im Stadion Liebenau momentan wirklich katastrophal, das haben die Spieler beider Mannschaften gestern bestätigt, was es für eine Mannschaft, die spielerisch zum Erfolg kommen möchte, auch nicht leichter macht. Sturm ist aber keine solche Mannschaft. Nicht mehr.
Wunderwaffe Standardsituation
In allen im Jahr 2010 ausgetragenen Pflichtspielen entstand aus einer Standardsituation das erste Tor. Lavric war gegen Red Bull Salzburg und Mattersburg per Elfmeter erfolgreich. Gegen Kärnten verwertete Daniel Beichler einen Flankenball von Jakob Jantscher gegen LASK und Ried war es Lavric. Noch im Herbst hat man über die schlechten Standardsituationen von Sturm geschimpft. Meist ging die Kritik in Richtung Jantscher und Samir Muratovic – vermutlich zu Unrecht. Ganz ohne Zweifel, man hat an den Standardsituationen gearbeitet, dennoch wartet mit Klemen Lavric im Strafraum ein Stürmer der genau solche Bälle liebt. Einen Stürmer dieser Art hat es in Graz vermutlich seit Sergey Yuran nicht mehr gegeben.
Die Gefährlichkeit bei Standardsituationen macht Sturm viel unausrechenbarer für den Gegner. Sturm muss nicht mehr mit Kurzpass-Spiel und Klein-Klein zum Erfolg kommen. Da kann schon mal die Brechstange zum Einsatz kommen. Jakob Jantscher hat sich mit dieser Tatsache bereits angefreundet. Immer wieder sorgt er mit Flanken in die Mitte für Gefahr. Gegen Ried liefen alle Offensivaktionen über links, also über Jantscher und Christian Prawda. Die Offensivaktionen über die rechte Seite lassen noch zu wünschen übrig.
Problemzone Rechts
Andreas Hölzl hat an einer Magen-Darm-Grippe laboriert, klar dass da noch nicht spritzige Flankenläufe gestartet werden können. Sein Kollege auf rechts Fabian Lamotte ist ohnehin kein Spieler, der zu unwiderstehlichen Vorstößen neigt. Und genau deshalb sollte Franco Foda seine Aufstellung überdenken. Martin Ehrenreich könnte mit seiner Schnelligkeit viel eher für Gefahr sorgen als der deutsche Positionskollege. Zusätzlich ist Lamotte auch defensiv nicht der Sicherste. Und trotzdem hat es den Anschein, dass die Gegner von Sturm viel weniger Chancen bekommen, als das noch im Herbst der Fall war. Klar, solche Ausrutscher wie gegen Ried gestern, finden in der Regel einen Gegner der Danke sagt und den Ball ins Tor schiebt. Passiert das nicht, werden die Mannschaften gegen Sturm den Kürzeren ziehen. Sturm braucht aufgrund der neuen Stärke namens Standardsituation nämlich nicht einmal eine solche Chance. Geträumt darf trotzdem noch nicht werden. Spielerisch läuft bei Sturm Graz nämlich noch nicht viel zusammen.
Ende März bis Mitte April
Wie stark die Schwarz-Weißen wirklich sind, wird sich dann zwischen 20. März und 10. April zeigen. In dieser Phase muss zwei Mal gegen Kapfenberg gespielt werden, außerdem warten jene drei Mannschaften, die in der Tabelle noch vor Sturm liegen. Um gegen diese Gegner zu bestehen ist noch eine Leistungssteigerung notwendig. Dass diese möglich ist, steht aber außer Frage. Sturm ist nämlich nach wie vor eine spielerisch starke Mannschaft, das hat sich auch durch die Aufstellung von Klemen Lavric nicht geändert. Gar nicht auszudenken was mit dieser Mannschaft alles möglich wäre wenn es spielerisch auch wieder so läuft wie es sich Foda und alle anderen Mitglieder der großen Sturmfamilie wünschen.
Zusätzlich wird der Konkurrenzdruck im Training auch nicht geringer. Mario Kienzl steht ebenso ante portas wie Klaus Salmutter. Gegen Ried war Ilia Kandelaki nicht im Kader, genauso Haris Bukva und Christian Klem. Das sind fünf Spieler, die im Herbst oder in letzter Zeit durchaus in der Startformation standen. Von Mario Haas und Samir Muratovic gar nicht zu sprechen. Solange Sturm weiter gewinnt wird es für die genannten sieben Spieler – man muss sich vorstellen, das ist eine vollbesetzte Ersatzbank an ehemaligen Fixspielern oder aufstrebenden Talenten, ein Ersatztorwart, Ferdinand Feldhofer und Martin Ehrenreich noch gar nicht genannt – verdammt schwer sich in die Startaufstellung zu kämpfen. Was aber wenn Sturm zwei Mal verliert? Ist man dann in dem Tief, in dem man sich jedes Jahr nach der Winterpause befand? Oder sind dann Haas, Muratovic und möglicherweise Marvin Weinberger bereit die Arbeit zu übernehmen, die Klemen Lavric und Konsorten momentan so vorzüglich ausführen?
Und wenn die Welt unter gegangen wäre…
Den Ausschlag für diese momentane Effizienz im Angriffsspiel und die Souveränität in der Defensive hat zweifelsohne das Spiel gegen Red Bull Salzburg gegeben. Es ist ganz klar, dass die Sturm-Spieler in das Spiel gingen und im Hinterkopf die schlechten Frühjahrsstarts vergangener Jahre waren. Geht ja gar nicht anders, es wurde ja in den Medien – auch Sturm12.at - rauf und runter geschrieben. Und plötzlich schlägt man den Meister im Cup mit 2:0 und ist eine Runde weiter. Schlechter Frühjahrsstart war also keiner mehr möglich, die Köpfe befreit. Klar, das Spiel fand unter Bedingungen statt, die normalerweise kein Fußballspiel zulassen. Das ist für die Psyche, für das Selbstvertrauen, aber komplett egal.
Trotzdem: ein ähnliches Selbstvertrauen wird auch Magna Wr. Neustadt haben. Immerhin gelang es der Truppe von Neo-Trainer Peter Schöttel Rapid und Red Bull Salzburg jeweils einen Punkt abzuknöpfen. Das gilt es zu bedenken, wenn Sturm nächstes Wochenende nach Wiener Neustadt fährt. Dass dort ein heißer Tanz auf die Grazer wartet steht wohl außer Zweifel. Wenn man dort bestanden hat, kann man sich auf die kommenden Aufgaben konzentrieren. Denn (ja, einen Euro in das Phrasenschwein) das nächste Spiel ist immer das Wichtigste.
Sturm Graz – Ried 1:0 (1:0)
Bundesliga – 23. Runde
Samstag, 6. März 2010 – 18:00 Uhr
Stadion Liebenau, Graz – 8.552 Zuschauer – SR: Harald Lechner
Tore
1:0 Lavric (29. – Assist: Jantscher)
Gelbe Karten
Weber (65. – Foulspiel)
Lavric (81. – Unsportlichkeit)
Sturm Graz (4-4-2)
Gratzei – Lamotte (78. Ehrenreich), Schildenfeld, Sonnleitner, Prawda – Hölzl (81. Muratovic), Hlinka, Weber, Jantscher – Beichler, Lavric (88. Kienast)
Ersatz
Kropfhofer – Feldhofer, Muratovic, Haas, Ehrenreich, Kienast, Foda
Ried (3-3-3-1)
Gebauer – Grasegger, Burgstaller, Stocklasa – Brenner (74. Carril), Hadzic, Mader – Lexa, Drechsel (74. Huspek), Schrammel – Nuhiu
Ersatz
Auer – Sturm, Carril, Hammerer, Huspek, Reifeltshammer
Kommentare ( 16 )
Berichte & Analysen zum Sieg gegen Ried…
Sturm – SV Ried 1:0
6.3.2010, Liebenauer Stadion, 8.500 Zuseher, Schiedsrichter: Harald Lechner
Tor: 1:0 Lavric (29.)
Spielbericht von District Six: LESEN
Analyse von Sturm12.at: LESEN
Spielbericht von SturmInsider.at (vormals ABWG): LESEN
…
SKSturmfan55 am 7. März 2010 um 21:56FEHLER!
Wiener Neustadt hat heuer Rapid nicht 3 Punkte abgeknöpft sondern einen! 2-2 ging das Spiel aus!
Lg
kalte09 am 7. März 2010 um 22:01@ sturmfan55
ja genau das selbe wollt ich auch anmerken…
murliking am 7. März 2010 um 22:02wieder mal habt ihr sehr gute arbeit geleistet.
bekommt ihr eigentlich feedbacks von offizieller sturm seite?und weiß wer wie das eine lied geht dass man gestern für gratzei gesungen hat, ER STEHT IM TOR, IM TOR, IM TOR…
BlackLuke am 7. März 2010 um 22:13ich sehe auch desswegen einen vorteil in standards, weils davon bis jetzt fast keine guten videoaufnahmen von de schwoazn gab. somit keine mölichkeitn für den gegner sich drauf einzustellen.
hoffe ganz stark, dass magna am di über 120 min gehen muss, damit sie am sa in der 2ten hälfte einbrechen und so sturm seine schnelligkeit voll ausspielen kann
alex am 7. März 2010 um 22:19sehr gute analyse !
mal ne andere Frage: Gibts es im Raum Leoben einen Sturm Graz Fanklub ?
ausser die Murtalfront .swg
g0dlike am 7. März 2010 um 22:26und wir dahinter. egal ob ried rapid gak oder inter!
RayDonas am 7. März 2010 um 22:28@ alex: Elite Nord!
zuggi68 am 7. März 2010 um 22:47Treffende Analyse.
Glaube dennoch an einen Sieg gegen Wr. Neustadt.Die müssen die weite Reise (für österreichische Verhältnisse) nach Lustenau antreten. Dazu dann noch das Cupspiel was sicherlich nicht einfach wird.
Solange es gut läuft, sollte man eigentlich nichts verändern. Wäre trotzdem für Ehrenreich als RV.
alex am 7. März 2010 um 22:53@ raydonas danke, aber haben die wirklich den sitz in LE ?
beatrice am 8. März 2010 um 00:46Zur Zeit macht es wieder richtig Freude Sturm-Fan zu sein!
austrianfox am 8. März 2010 um 03:07Video zum Sieg:
http://www.youtube.com/watch?v=QmbX6PeErBM
GazzaII am 8. März 2010 um 14:18Bis auf den Lamotte/Ehrenreich Vergleich kann ich Euch überall zustimmen, aber im Herbst hat Ehrenreich gespielt=> für welche Gefahr het er Eurer Meinung nach gesorgt? Er ist zwar schneller als Lamotte (wer auch nicht) aber für Gefahr hat er mMn nie gesorgt, ich finde sogar (wenn er in Form ist), dass das Passspiel von Lamotte um einiges besser ist als das von Ehrenreich.
ct am 8. März 2010 um 19:03Bis zu einem gewissen Grad richtig. Nein, Ehrenreich hat auch nicht wirklich für Gefahr gesorgt. Ja, Lamottes Passspiel ist recht gut – siehe Assist zu Webers Tor…
Trotzdem bin ich der Meinung, dass Ehrenreich mit seiner Schnelligkeit Spieler in die Defensive zwingt.
Nightey am 9. März 2010 um 13:42Welcher fatale Fehler fällt hier auf? “Andreas Hölzl hat an einer Magen-Darm-Grippe laboriert, klar das da noch nicht spritzige Flankenläufe gestartet werden können.”
ct am 9. März 2010 um 16:21Danke.
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