12 Meter: An einem Sonntag im Mai

Nicht auszudenken, wäre das schief gegangen am Sonntag. Und es war recht knapp zu Beginn – Elferalarm, Großchance von Hannes Aigner, die Blackies hatten Glück nicht ein schnelles Tor zu bekommen. Der erste Titel seit elf Jahren hing an einem seidenen Faden. Am…

© 2009 Sturm12.at

Nicht auszudenken, wäre das schief gegangen am Sonntag. Und es war recht knapp zu Beginn – Elferalarm, Großchance von Hannes Aigner, die Blackies hatten Glück nicht ein schnelles Tor zu bekommen. Der erste Titel seit elf Jahren hing an einem seidenen Faden.

Am Ende konnte die völkerwandernde Neigungsgruppe Sturm Graz aber dann doch die geplante Party feiern. Klemen Lavric köpfelte und Klagenfurt bebte, wahrscheinlich zum letzten Mal für lange Zeit. Beobachtungen zu einem schönen Sonntag im Mai.

Schon zu Mittag, lange vor dem Anstoß, war der Grillmeister beim Stadionwirt gegenüber der Nordtribüne dem Kollaps nahe. Bratwürste gingen im Akkord weg, das eine oder andere Bier wurde auch getrunken und viele schwarz-weiß gekleidete Menschen waren schon bester Laune. Die ersten Gesänge und selbstgebastelten Cup-Pokale machten die Runde und alle hatten sich lieb, die Polizei nur interessierter Beobachter. Das hatte natürlich auch damit zu tun, dass der Gegner außer den eigenen Nachwuchsmannschaften inklusive Betreuungspersonen nicht viel mehr Fans in den Süden mitgebracht hat.

Hätte der Gegner Rapid geheißen, wäre die Szenerie vor dem Spiel wohl anders abgelaufen. So aber war angerichtet, wie man so schön sagt. Beste Laune allerorts, vieles zu diskutieren – nur eines kam nicht einmal am Rande vor: Eine etwaige Niederlage der Schwarz-Weißen an diesem Nachmittag. Ein klassischer Fall von “verlieren verboten”. Niemand wollte im Entferntesten daran denken, dass das Häufchen aus Wr. Neustadt den Pokalsieg feiert und 25.000 Sturmfans schauen zu. Bereits über eine Stunde vor dem Spiel war die Nordtribüne voll besetzt und Goalie Gratzei wurde schon beim Aufwärmen lautstark gefeiert.

Einigkeit herrschte auch über die wirklich prächtige Arena am Wörthersee und an jeder Ecke war das Bedauern darüber zu hören, dass auf absehbare Zeit hier kein Profifußball mehr stattfinden wird – einige Länderspiele ausgenommen. “So ein Stadion bräuchten wir”, hieß es auch immer wieder. In der Tat beginnt man sich zu fragen, wieso damals die Damen und Herren der steirischen Politik den Euro-Standort Graz versemmelt haben. Macht schon was her, die Wörthersee-Arena in schwarz-weißem Gewand. Vielleicht haben sich die zahlreichen aktuellen und vormaligen steirischen Landespolitiker ähnliches gedacht, als sie sich am Sonntag ein bisschen im Lichte des Erfolges sonnen wollten. Am Rande des Finales gab es auch Gespräche zur “doch-noch-Rettung” des Spitzenfußballs in Kärnten. Und kein Scherz, hier der Beweis, da war auch ein alter Bekannter dabei. Hätte man es nicht selbst gesehen, man würde es nicht glauben.

Anpfiff. Die Stimmung erreicht einen ersten Höhepunkt. Recht schnell wird es aber wieder ein bisschen stiller. Wr. Neustadt startet gut, hätte auch beim Durchbruch von Sadovic ganz zu Beginn eigentlich einen Elfer bekommen müssen. Die ganze erste Hälfte bekommt Sturm das Spiel nicht recht in den Griff, von Torgefahr gar nicht erst zu sprechen. Zu statisch die Doppelspitze Lavric-Kienast. Jantscher bemüht sich, Salmutter auf der anderen Seite kann kaum Akzente setzen. Die Stimmung auf den Rängen wird zusehends nachdenklicher. Die werden doch nicht…

Nach der Pause hat Sturm das Spiel im Griff, bleibt aber weiter ungefährlich. Aber dann kommen Beichler und vorallem Mario Haas und Samir Muratovic. Das brachte Schwung, ein merklicher Ruck ging durch die Mannschaft. Und die beiden Oldies sollten es dann auch, in Kooperation mit Klemen Lavric, richten. Haas auf Muratovic, Maßflanke, einmal einnicken und fertig. Die Dämme brechen, die Nordtribüne wackelt bedrochlich und es war klar – da passiert nix mehr. Man macht sich bereit zur kollektiven Heiterkeit, der Dezibelpegel steigt und steigt. Schlusspfiff.

Jubeltraube, die Ordner geben es bald auf, die auf den Rasen stürmenden Fans zu bremsen. Verzückte Gesichter und abklatschen auf den Tribünen und gemeinsames Warten auf die Pokalübergabe. Captain Haas stemmt ihn dann in den Klagenfurter Himmel und man freut sich. Eine lange Durststrecke von elf Jahren ging zu Ende, der SK Sturm hat sich wieder in die Annalen des österreichischen Fußballs eingetragen. Und man merkt wie sehr sich die Sturm-Gemeinde nach so einem Erfolg gesehnt hat. Nach all dem Scheiß, der jahrelang passiert ist. Ein Treppenwitz der Geschichte, dass der Verursacher leise klatschend auf der Tribüne sitzt. Wie auch immer, Fußball ist eine schöne Sache, speziell an so einem Sonntag im Mai.

P.S.: Einen Saisonrückblick, der auch die unerfreulichen Entwicklungen dieser Spielzeit beinhalten wird, gibt’s dann am Freitag.

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Spielerprofil
Geboren 1978 im Spannungsfeld von DSV Alpine und KSV in Bruck an der Mur. Mit den ortsansässigen Fußballvereinen allerdings nichts anzufangen gewusst und bald nach Graz gestürmt. Dort den Fußballklub des Herzens entdeckt und, obwohl die Farbe der Liebe rot ist, war der Verein doch der Schwarze. Nach dem Ausscheiden im Finale des AHS-Cups fünf Jahre als CAD-Techniker Beton angerührt. 2005 wieder in die Offensive gegangen, gereift und aus politischen Gründen einen Vertrag bei Uni Wien unterschrieben. Seither Exil-Schwarzweißer aber an dieser Stelle schließlich kehrt die Seele heim und man lässt ihn einmal wöchentlich nur über die in Graz zurückgelassene Liebe schreiben.