SturmEcho: Nulldiät und Klonversuch

Was wurden in der Ära Hannes Kartnig bloß viele Spieler geholt. Klar, es waren gute dabei, wirklich gute. Schlechte aber auch. Wirklich schlechte. Das SturmEcho hat sich in der neuen Ausgabe mit den elf größten Transferflops der Ära Kartnig auseinander…

© GEPA pictures
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Was wurden in der Ära Hannes Kartnig bloß viele Spieler geholt. Klar, es waren gute dabei, wirklich gute. Schlechte aber auch. Wirklich schlechte. Das SturmEcho hat sich in der neuen Ausgabe mit den elf größten Transferflops der Ära Kartnig auseinander gesetzt. Sturm12.at-Leser erhalten vorab eine Leseprobe aus der kürzlich erschienenen Nummer 326 des SturmEchos.

Daniel Hoffmann (16 Spiele, 2001–2003)
„Ich bin nicht dick, ich hab ein zu enges Trikot bekommen”, behauptete Hoffmann, nachdem viele seine Körperfülle für magere Leistungen im Sturm-Tor verantwortlich machten. Im Winter 2003 sah er es ein und machte eine Nulldiät: Elf Tage nur Wasser und Gemüsesäfte. Zehn Kilo leichter nahm er den Test gegen Rosenborg in Angriff. Half alles nix – vier Gegentore mit zwei Patzern später wurde er endgültig auf die Bank verbannt und bald darauf gekündigt. Danach klagte er sein ausstehendes Gehalt ein. „Damit geh ich endlich wieder fein essen”, sollen seine letzten Worte gewesen sein.

Radovan Radakovic (17 Spiele, 2004–2005)
„Es gibt 722 Fliegenfänger und zwei gute Torleute. Einen von diesen beiden müssen wir holen”, forderte Kartnig 2004. Da befand sich Radakovic gerade im Probetraining, wusste zu gefallen und wurde verpflichtet. Bis zu einer Verletzung in der 11. Runde schien er einer der Auserwählten zu sein, doch dann folgte das Comeback: Im Derby gegen den GAK verschuldete er drei von vier Gegentoren. Das bringt uns zu einer anderen Zahl: 721. So viele Fliegenfänger blieben Sturm erspart, leider war Radakovic aber trotzdem einer.

Michael Bochtler (20 Spiele, 1998–2000)
„Schnell wie Cerny, ein harter Arbeiter, der auch von hinten rausspielen kann. Auch Foda spricht nur gut von ihm. Und Osim macht ja aus jedem einen Kicker. Ein halbes Jahr hat er Zeit”, war selbst Kartnig im Jänner 1998 leicht skeptisch, als der 22-jährige Stuttgarter Bochtler zu Sturm kam. Aus dem halben Jahr wurden fast drei, in denen der Deutsche zwischen Kurzeinsätzen und Tribüne wandelte. Im Winter 2000 ging Bochtler wieder zurück in die Heimat, wo er auch wieder richtig spielen durfte. In der Regionalliga Süd. Selbst Osim stößt einmal an seine Grenzen.

Ajibade Babalade (15 Spiele, 1998–1999)
„Der Libero der Zukunft”, die Journaille überschlug sich mit Lobeshymnen auf den Teamverteidiger Nigerias, der 1998 nach Graz wechselte. „Der stoppt die Gegner im Alleingang”, jubilierte gar Kartnig. Nach einem mäßigen Herbst, den er meist auf der Bank verbrachte, wurde es leise um Babalade. „Er war zu nervös, es lässt sich bisher nicht sagen, was er kann”, sagte Manager Schilcher im Winter. Es war nicht viel. Im Sommer war Babalade wieder weg. Besser so, die Zukunft hieß ja auch Viererkette, nicht Libero.

Robert Golemac (35 Spiele, 2002–2004)
Was für ein Tausch mit Bregenz! Perspektiveloser 23-jähriger Slowake gegen 25-jährigen zukünftigen Teamspieler. Golemac wurde tatsächlich in den ÖFB-Kader berufen, kam aber nie zum Einsatz. Bei Sturm spielte er bald auch nicht mehr, bis er 2004 zu Kärnten abgeschoben wurde. Da war der Slowake Peter Hlinka schon bei Rapid und wurde gerade Meister. Heute spielt er nach erfolgreicher Rückkehr zu Sturm bei der Austria. Golemac pendelte ab 2005 zwischen Vereinslosigkeit und dritter bzw. vierter Liga. Was für ein Tausch? Eben.

Martin Pregelj (35 Spiele, 2001–2003)
Manchmal sind Nachfolger schnell gefunden. Als Markus Schopp zu Brescia wechselte, stand Martin Pregelj bereits ante portas. Dank gleicher Frisur und gleicher Statur das perfekte Double. Das Problem: Als Slowene war er damals Nicht-EU-Ausländer und von denen hatte Sturm zu viele. Also suchte Kartnig dem Neuen eine Frau. Im Sturm-Sekretariat wurde er fündig und schon war Pregelj spielberechtigt. Nur fußballerisch hatte der Klon seine Defizite. Was blieb, war eine Erkenntnis: Gut, dass man Schopp klonen wollte und nicht Trifon Ivanov, nicht jeder findet gleich eine Frau.

Giuseppe Giannini (17 Spiele, 1996–1997)
„Wir hatten Angebote von Marseille, Sampdoria Genua, Fiorentina sowie Extremadura. Das von Sturm Graz war aber mit Abstand am interessantesten”, meinte der Manager von Giannini als der ehemalige italienische Teamspieler und Roma-Kapitän nach Graz kam. „Ich will Sturm zum ersten Titel verhelfen”, meinte „il principe” selbst. Nach mäßigen Leistungen und ein bisschen Heimweh, flüchtete er bald zurück nach Italien. Hannes Kartnig war im Nachhinein ungewohnt einsichtig: „Sturm Graz und Giannini, das war wahrscheinlich ein großer Irrtum.” Nur wahrscheinlich?

Horst Heldt (45 Spiele, 2001–2002)
„Er trainiert ordentlich, kann kicken und ist sympathisch”, sagte Schilcher einst über Heldt, „aber irgendwas passt nicht”. Auch bei den Fans war der Deutsche beliebt: „Horsti, Horsti”, hallte es immer durchs Oval, über Kurzeinsätze kam er aber nie hinaus. „Horst ist gut, aber nur offensiv. Spieler wie er brauchen Wasserträger”, erklärte Osim. Wasserträger gab es in Stuttgart offenbar genug, dort spielte Heldt nach seiner Sturm-Zeit wieder regelmäßig von Beginn an. Sogar in der Champions League.

Alain Masudi (59 Spiele, 2001–2003)
„Wir müssen uns verstärken. Aber wenn ich einen Neuen kaufen will, bekomm ich keine Antwort. Osim soll sich deklarieren”, diktierte Kartnig wöchentlich den Medien. „Gut, dass es bei uns keinen Masudi gibt”, scherzte Osim nach dem UI-Cup-Aus gegen Lausanne. „Jackpot”, dachte Kartnig und schlug zu. Doch Mausdi überzeugte nur kurze Zeit, dann widmete er sich unbezahlten Luxuskarossen. Mit selbigen fuhr er dann zu schnell nach Frankreich, während der Vorbereitungszeit, unentschuldigt und ohne Führerschein versteht sich.

Ronald Brunmayr (44 Spiele, 2003–2005)
Der Unentschlossene unter den Bundesliga-Stürmern der letzten Jahre – er spielte für FC Linz, Austria, Ried, GAK und Kärnten – kam 2003 vom Stadtrivalen zu Sturm. „Der GAK ist Vergangenheit, Sturm ist die beste Adresse Österreichs. Ich werde die Fans mit meinen Leistungen überzeugen”, glaubte er an sich. Hätte mit der GAK’schen Quote von 50 Toren in 92 Spielen sicher funktioniert, neun Tore in 40 Spielen waren den Sturm-Fans dann aber doch zu wenig. Bleibt nur die alte Weisheit: Als ehemaliger Roter hast du’s schwer – schießt du keine Tore, umso mehr.

Charles Amoah (87 Spiele, 2001–2003)
72 Millionen. So viel wollte St. Gallen ursprünglich. Etwa 54 Millionen Schilling waren es am Ende, außerdem Teil des Vertrags: Die Schweizer bekommen noch einmal Geld, wenn Amoah weiterverkauft wird. Vastic und Kocijan sollen über den Transfer nicht so begeistert gewesen sein, was Kartnig poltern ließ: „Sie verkraften wohl den Konkurrenzdruck nicht, die hören noch was.” Nichts mehr gehört hat übrigens Sturm von St. Gallen: Von der Leihsumme, die Salzburg für den Ghanaer zahlte, wollten sie keinen Cent. Gut, waren halt nur 150.000 Euro.