Hlinka: “Ich war bereit über alles zu sprechen”

Zwei Mal spielte Peter Hlinka bereits für Sturm Graz – 2001 und zuletzt zwischen 2008 und 2010. Ebenfalls das zweite Mal verdient der Slowake jedoch nun seine Brötchen in Wien. Während er von 2004 bis 2007 in Hütteldorf bei Rapid…

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Zwei Mal spielte Peter Hlinka bereits für Sturm Graz – 2001 und zuletzt zwischen 2008 und 2010. Ebenfalls das zweite Mal verdient der Slowake jedoch nun seine Brötchen in Wien. Während er von 2004 bis 2007 in Hütteldorf bei Rapid arbeitete, ist es diesmal der Stadtrivale aus Favoriten.

2010 musste Hlinka Sturm Graz verlassen. Er sei zu teuer, berichteten manche Medien. Stimmt alles nicht, beteuerte der Mittelfeldspieler stets. Zum zweiten Teil des Austria-Doppels kommenden Samstag sprach Sturm12.at mit Peter Hlinka, der zwar gerne in Graz geblieben wäre, jedoch akzeptiert, dass das Fußballgeschäft so ist, wie es ist.

Peter, du bist vergangenen Sommer von Sturm zur Austria gewechselt. Wie schwer ist dir dieser Abgang gefallen, auch wenn es den Anschein hatte, dass du quasi dazu gezwungen wurdest?
Es war nicht so, wie es immer dargestellt wurde. Wir haben fast keine Vertragsverhandlungen geführt, das ist an und für sich auch okay. Ich habe damals nur die Art und Weise kritisiert, wie ich in den Zeitungen dargestellt wurde. Das hat nicht der Wahrheit entsprochen und war der Grund, warum es den Wirbel um mich gegeben hat. Allerdings – ich wollte gerne bleiben, habe immer gesagt, dass Sturm Graz für mich die erste Adresse ist, weil ich mich sehr wohl gefühlt habe. Ich weiß jedoch auch, dass das Fußballgeschäft sehr hart und unberechenbar ist – daher ist das in Ordnung, was passiert ist, das gehört zum Fußballerleben.

Es gab Gerüchte du seist Sturm zu teuer gewesen und musstest deswegen den Verein verlassen.
Nein, das stimmt überhaupt nicht. Wenn ich Sturm zu teuer gewesen wäre, dann wäre ich nie zu Sturm aus Deutschland zurückgekommen. Ich weiß nicht, von wem diese Aussage gekommen ist, aber sie stimmt nicht. Jedoch ist das Vergangenheit und ich beschäftige mich damit nicht mehr. Ich habe mit der Austria einen guten Verein gefunden, es passt im Moment alles, ich bereue den Schritt nach Wien nicht.

Hat man dir in Graz relativ schnell klar gemacht, dass du den Verein verlassen musst oder gab es anfangs doch Versuche dich zu halten?
Ich habe im Winter, in der Türkei, ein interessantes Gespräch mit Oliver Kreuzer geführt, wir waren bereit über alles zu reden. Leider ist eine Vertragsverlängerung nicht zustande gekommen. Ich weiß auch nicht genau, was da passiert ist. Wir haben uns einfach auf die Spiele konzentiert, wir wollten den Cup-Titel holen und alles andere war nebensächlich. In dieser Phase habe ich immer wieder betont, dass ich mich in erster Linie auf das Spielen konzentieren will. Schlussendlich kam keine Einigung mehr zustande. Ich bin froh, dann mit der Austria einen guten Verein gefunden zu haben.

Hattest du andere Angebote, außer jenem von der Austria auch?
Ja, es gab auch andere Angebote.

Kommen wir zum Sportlichen: Wie war es vergangenen Sonntag für dich wieder als Gegner nach Graz zu kommen?
Es war schon witzig: Als wir uns den Platz angesehen haben, bin ich automatisch auf die rechte Seite gegangen, wo Sturm immer aufwärmt. Dort habe ich natürlich meine Ex-Kollegen getroffen und mit ihnen geplaudert. In Graz zu spielen ist aber generell immer etwas Besonderes, allein schon aufgrund der Atmosphäre im Stadion. In Graz sind die Wiener Vereine nicht besonders willkommen, daher ist es immer eine spannende Angelegenheit, wenn die Austria oder Rapid nach Liebenau kommen. Für einen Fußballer sind es genau diese Spiele, die er gerne macht. Es geht mehr als nur um Punkte. Es geht ums Prestige, um den Ruf des Vereins.

Letztes Wochenende habt ihr in Graz gewonnen, die Austria hat ihre Serie in Graz prolongiert (seit 2006 in Liebenau nicht mehr verloren, Anm.). Was wird am Samstag in Favoriten anders werden?
Man muss davon ausgehen, dass Sturm sich für die Niederlage revanchieren wollen wird. Sie werden auf jeden Fall anders auftreten, als zu Hause und mit allen Mitteln versuchen zu gewinnen. Schon letzten Sonntag hätte Sturm zu Beginn in Führung gehen können, dann ist uns aber ein Tor gelungen. Spannend wird es also mit Sicherheit wieder. Ich freue mich darauf und hoffe, dass die Zuschauer einiges für ihr Geld geboten bekommen werden.

Mit Roman Kienast und Imre Szabics hat Sturm zwei unterschiedliche, aber brandgefährliche Angreifer. Muss die Austria die beiden kaltstellen, um nicht zu verlieren?
Roman Kienast und Imre Szabics sind zwei Stürmer, die gut harmonieren. Ich freue mich besondres für Roman, dass es so gut für ihn läuft. Sturm ist aber als gesamte Mannschaft sehr gefährlich, sie zählen zu den besten Teams in Österreich.

Sturm hat zahlreiche Spieler verloren und ist dennoch aktuell der beste der “Großen Vier”. Ist das der Verdienst von Franco Foda?
Man muss dazu sagen, dass der Stamm im Prinzip geblieben ist. Mario Kienzl, Manuel Weber, Andi Hölzl, Ferdinand Feldhofer, Gordon Schildenfeld und so weiter – die sind ja geblieben. Aber natürlich ist das ein Verdienst von Franco Foda. Er ist ein Topmann.

Was, glaubst du, ist für euch und aber auch für Sturm in dieser Saison noch drinnen?
Für mich ist Sturm eine der besten Mannschaften und ich denke, dass sie auch heuer vorne mit dabei sein werden. Die Austria hat sicher auch eine gewisse Klasse – wir haben gegen die sogenannten “großen Vereine” sieben Punkte geholt. Wir wissen selbst, was wir können und wir wollen um die Spitze mitspielen. Wenn alle Spieler gesund sind, wir einen Lauf bekommen und wir unsere Leistung abrufen können, bin ich überzeugt, dass wir uns vorne positionieren werden können.

Abschließend: Traust du dich einen Tipp für Samstag abgeben?
Ich bin kein Tipper, aber ich hoffe natürlich, dass die Austria gewinnt.

Danke Peter, dass du dir die Zeit genommen hast.
Bitte gerne.

Das Interview führte Jakob Dohr.