Feuerprobe in Hütteldorf

Zwei Wochen lacht der SK Sturm nun von der Tabellenspitze der österreichischen Bundesliga. Doch nun kommt es zur Feuerprobe, wenn die Grazer auswärts auf die schwer krisengeschüttelte Rapid Wien treffen. Denn unterschiedlicher könnte die Ausgangslage gar nicht sein. Der selbsterkorene…

© 2010 SturmTifo.com
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Zwei Wochen lacht der SK Sturm nun von der Tabellenspitze der österreichischen Bundesliga. Doch nun kommt es zur Feuerprobe, wenn die Grazer auswärts auf die schwer krisengeschüttelte Rapid Wien treffen. Denn unterschiedlicher könnte die Ausgangslage gar nicht sein. Der selbsterkorene Rekordmeister rangiert überraschend nur auf Platz sieben, lediglich einen Punkt vor dem Kapfenberger Sportverein und neun Punkte hinter den Blackies, die zusätzlich ein Spiel weniger zu verzeichnen haben. Sturm12.at sprach zudem mit Topscorer Roman Kienast, der sich selbstbewusst zeigte.

Mit breiter Brust nach Hütteldorf
Die Grundvoraussetzung könnte besser kaum sein – Sturm Graz, nach Verlustpunkten stärkstes Auswärtsteam, trifft auf Rapid Wien, die ihrer Form verzweifelt hinterherhecheln. Sturm wäre zwar nicht die erste Mannschaft, die im Hanappi-Stadion Federn lassen würde, dass die Festung jedoch gehörig wackelt, lässt sich kaum leugnen. Mit Niederlagen gegen Wiener Neustadt, Austria Wien, CSKA Sofia und Besiktas Istanbul schlichen die Wiener rund um Steffen Hofmann bereits vier Mal als Verlierer vom Platz –  der Nimbus wankt. Doch neben all den negativ Ergebnissen gab es auch Lichtblicke: Das heroische Weiterkommen in der Europa League Qualifikation gegen Aston Villa sowie die beiden 0:2 Auswärtserfolge in Sofia und Graz – ausgerechnet gegen den SK Sturm.

Kienast: „Wir werden die Tabellenführung halten!“
Ein Wiedersehen wird es für Roman Kienast geben, dem aktuell führenden der Torschützenliste. Er spielte bereits in der Jugend der Hütteldorfer. Sturm12.at erreichte den 26-jährigen Mittelstürmer drei Tage vor der wichtigen Partie. „Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut und wir werden die Tabellenführung in Graz behalten,“ so ein zuversichtlicher Roman Kienast. „Wir freuen uns schon unglaublich auf die Partie. Für mich wäre es etwas ganz besonderes, den Ex-Verein zu besiegen. Rapid wird sicher alles geben, sie stehen mit dem Rücken zu Wand – so werden sich für uns sicher Räume öffnen.“ Von einer etwaigen Müdigkeit auf Seiten des Gegners will der baumlange Angreifer nichts wissen: “Dafür sind sie Profi genug.”

Die Leistungskurve konstant negativ
Aber trotz der vereinzelten Erfolgserlebnisse ist bei den Hütteldorfern der Wurm drinnen. Das Werkel läuft einfach nicht, was bei dem mehr oder minder glücklichen 1:1 Auswärtspunkt gegen Red Bull Salzburg augenscheinlich wurde – denn spielerisch war diese Partie von beiden Seiten eine Bankrotterklärung. Lediglich eine wunderschöne Flanke von Joker Christopher Drazan, der den Ball punktgenau auf Markus Heikkinens Kopf platzierte, rettete einen Punkt für die grün-weißen. Welch schwerer Druck auf den Akteuren lastet, zeigte auch Peter Pacults Verbannung auf die Tribüne – er trat eine Flasche mit voller Wucht aufs Spielfeld.

Leben Totgesagte länger?
Unterschätzen darf die Elf von Trainer Franco Foda den 16-fachen Wiener Meister jedoch nicht. Rapid steht mit dem Rücken zur Wand. Aber auch personell ist die Ausgangslage von Rapid alles andere als rosig – neben Stürmerstar Venegoor of Hesselink wird wohl auch Kapitän Steffen Hofmann w.o. geben müssen. Ihn plagt eine hartnäckige Adduktorenverletzung – jene, die Ex-Sturmspieler Jürgen Säumel bereits eine Saison seiner Karriere kostete. Somit wird Veli Kavlak, wie auch schon in Salzburg, die Rolle als kreativer Part im zentralen Mittelfeld zu teil. Für Christopher Trimmel wird wohl Drazan in die Startelf rücken.

Jedoch wäre es nicht Steffen Hofmann, wenn er kurz vor Spielbeginn sein überraschendes Comeback feiern würde. Der Linzer Thomas Hinum laboriert weiterhin an seinem gebrochenen Arm und auch Helge Payer ist nach seinem Muskelfaserriss noch nicht voll im Saft. Er könnte jedoch den Formschwachen Raimund Hedl in naher Zukunft aus dem Rapid-Tor verdrängen.

Das Grazer Lazarett lichtet sich
Besser schaut die Situation bei den Schwarz-Weißen aus. Einser-Torhüter Christian Gratzei hat seine Fiebererkrankung überwunden und steht wieder voll im Training. Er wird Silvije Cavlina, der gegen Wacker Innsbruck ein gutes Spiel machte, zurück auf die Bank verdrängen. Auch von Klaus Salmutter gibt es positive Fortschritte zu vermelden, jedoch ist er noch kein Thema für das Spitzenspiel am Sonntag. Laut Sturm-Doc Athanasius Puskuris stieg auch Flügelspieler Haris Bukva nach seiner Adduktorenmuskelverletzung wieder ins Lauftraining ein. Dennoch wird Christian Klem auf Grund seiner tollen Leistungen gegen Kapfenberg und Wacker Innsbruck den Vorzug erhalten.

Der Schlüssel zum Erfolg
Sturm Graz darf von seiner bisherigen Spielanlage bei Auswärtspartien nicht abkommen: Konzentriert auf die Chance warten, Geduld zeigen und mit eiskalter Effizienz zuschlagen. Auch wenn dies oft alles andere als schön anzuschauen ist – letztendlich zählen lediglich die Punkte. Rapid wird aggressiv und aufgestachelt von Trainer Peter Pacult auf die Grazer Abwehrreihen zustürmen. Da heißt es Tempo rausnehmen und mit einem kontrollierten Spielaufbau entgegenzuwirken. Kann Sturm diese Stärken ausspielen, ist auch eine weitere Woche an der Tabellenspitze möglich.

Facts & Figures
Gesamtbilanz: 169 Spiele / 88 S / 38 U / 43 N – Tore: 330:186
Heimbilanz: 84 Spiele /  61 S / 10 U / 13 N – Tore: 222:80
1. Spiel gegeneinander: 25.10.1942 (4:0)
1. Heimspiel gegeneinander: 18.04.1943 (7:1)

Höchster Sieg: 12:1 (24.09.1950)
Höchster Heimsieg: 12:1 (24.09.1950)
Höchste Niederlage: 0:4 (05.04.1975) / 1:5 (15.09.2007)
Höchste Heimniederlage: 1:5 (15.09.2007)

Die letzten drei Bundesliga-Spiele

Rapid WienSturm Graz
vs. Red Bull Salzburg 1:1 (auswärts)vs. Wacker Innsbruck 2:0 (heim)
vs. Wiener Neustadt 1:1 (auswärts)vs. Kapfenberg 4:0 (auswärts)
vs. Wacker Innsbruck 1:1 (heim)vs. Ried 0:1 (heim)

Spieldaten
Rapid Wien – Sturm Graz
Bundesliga – 14. Runde
Sonntag, 7. November 2010, 15:00 Uhr – Gerhard Hanappi-Stadion, Wien

Wettervorhersage
Witterung: Bewölkt aber trocken
Höchsttemperatur: 15° C
Tiefsttemperatur: 5° C

Offizielle
Schiedsrichter: Gangl Thomas
1. Assistent: Strudl Mario
2. Assistent: Winsauer Matthias
4. Offizieller: Ouschan Thomas

SK Rapid  (4-5-1)
Hedl – Katzer, Sonnleitner, Soma, Kayhan – Heikkinen, Pehlivan, Kavlak, Saurer, Drazan – Salihi

Ersatz
Königshofer – Dober, Eder, Patocka, Trimmel, Gartler, Nuhiu

Sturm Graz (4-4-2)
Gratzei – Standfest, Schildenfeld, Feldhofer/Burgstaller, Perthel – Hölzl, Kienzl, Weber, Klem – Szabics, Kienast

Ersatz
Cavlina – Ehrenreich, Pürcher, Burgstaller/Feldhofer, Mevoungou, Bukva, Kainz, Haas

TV
ORF 1 (ab 14:55 live)
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