Kommentar

Neue Wege führten ans Ziel

Andi Hölzls neuer Job als nomineller Linksaußen eröffnete Sturm am Samstag mehrere Möglichkeiten im Offensivspiel, verlangte aber auch mehr Laufarbeit in der Rückwärtsbewegung.

© 2011 SturmTifo.com

Wenn der letzte Transfer getätigt, das letzte Fax geschickt (ob es auch ankommt, ist eine andere Frage), das letzte Testmatch beendet und der letzte Expertentipp abgegeben ist, wird endlich wieder Fußball gespielt. Wenn er dann auch so aussieht wie am Samstagabend in Liebenau, kann man durchwegs zufrieden sein. Speziell mit neuen und sich ergänzenden Wegen in der Offensive.

Das Mittelfeld der Grazer ist ein breites. Nun gab es mit Haris Bukva, der sich nach der letzten Vorstellung des LASK noch mehr als Abstiegskämpfer beweisen muss, einen Abgang und mit Patrick Wolf einen Neuen im Team. Neben Wolf sind Andreas Hölzl und Florian Kainz auf dem rechten Flügel eine Option, links ist es zusätzlich zu Klaus Salmutter und Christian Klem erneut ein Andi Hölzl, wie uns gegen Kapfenberg eindrucksvoll bewiesen wurde. Es herrscht also wieder Betrieb auf den schwarz-weißen Außenbahnen. Sowohl was den Kampf um ein Leiberl in der Startelf, als auch was das Offensivspiel am Feld betrifft.

“Linker” Hölzl ermöglicht ein “3-5-2″
Patrick Wolf kam schon mit Vorschusslorbeeren nach Graz, rechtfertigte diese auch voll und ganz. Der Grazer, der seine Fußballerkarriere ja schon einmal an den sprichwörtlichen Nagel hängen wollte, ist ein Typ, wie ihn Sturm brauchen kann. Um keinen Distanzschuss verlegen, gleichzeitig mit gutem Auge für die Kollegen. Vom Antritt undvon der Sprintstärke ganz zu schweigen.

Andi Hölzl hatte vergangenen Herbst mit seiner Form zu kämpfen, konnte irgendwie nicht an schon gezeigte Leistungen anschließen. Jetzt sollte der Rechtsfuß auch noch ungewohnt auf der linken Seite einlaufen. Konnte das gut gehen? Ja. Aber nicht weil der Tiroler seinen Arbeitsraum auf die linke Seitenbahn beschränkte, sondern weil es ihn, ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt, stark in die Mitte zog. Dadurch ergab sich nicht zuletzt das 1:0, welches Hölzl mustergültig vorbereitete, sowie die große Kopfballgelegenheit des 25-Jährigen kurz nach der Pause.

Funktionieren konnte diese Spielweise nur, weil Timo Perthel bei Angriffen Sturms konsequent den Weg ins Mittelfeld ging, Hölzl also quasi “ersetzte”. Durch diesen zusätzlichen Mann erzeugte man ein Übergewicht im Mittelfeld. Das erklärt auch den zeitweise deutlichen Ballbesitz zu Gunsten der Grazer. Dass das viele große Teams so spielen, sei dahingestellt. In Liebenau ist es ein Fortschritt.

Kreativität fordert Laufarbeit
Franco Foda ließ es nach dem Spiel nicht so wirken, als ob Hölzl planmäßig für diese Neuordnung in der Vorwärtsbewegung sorgte. Seine Spieler dürften im Spiel auf das gegnerische Tor immer kreativ sein und niemals statisch. Das bewiesen genauso Manuel Weber, der sich seine Aussagen im Sturm12.at-Interview zu Herzen nahm und erfolgreich das Spiel an sich riss, sowie Marvin Weinberger, der sich, so scheint es, mit Imre Szabics sehr gerne um einen Platz neben Roman Kienast streiten will.

Kreativität nach vorne ist aber, so bin ich mir sicher, im System Foda nur legitimiert, wenn auch die Rückwärtsbewegung stimmt. Die beste Chance der Falken in Halbzeit eins zeigte, dass Sturms offensive Spielart auch schnell Räume für den KSV öffnen konnte. Perthel spielt, bereits ein gutes Stück in der gegnerischen Hälfte, einen Fehlpass, fehlt dadurch beim schnellen Gegenstoß der Falken, seine Kollegen versuchen zu retten, doch Erkinger gelingt der öffnende Pass auf Gregoritsch. Christian Gratzei machte den Winkel entscheidend zu und somit die Aktion harmloser, als sie hätte werden können. Eines aber zeigt diese Aktion: Offensives Übergewicht fordert viel Laufarbeit. Diesem Team ist nach dem bisher Gezeigten zuzutrauen,  diese Arbeit zu bewältigen. Bleiben noch auftretende Unkonzentriertheiten abzustellen, die diesmal aber das Bild nicht trüben wollten.

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Kommentare

Gute Analyse. Aber jetzt wissen Peter Pacult und Huub Stevens wie wir spielen ;)

Keine Sorge, Pacult kann nicht lesen ;)

Böse, aber wahr!

Nein im Ernst: Gerade gegen Rapid oder Szbg. die derzeit sehr spielschwach sind wäre das wieder mal eine super Gelegenheit einen Toten zu Leben zu erwecken-.-

Gegen salzburg, rapid od austria wird ein solches System (3-5-2) glaube ich, eh nicht gespielt. Is doch viel zu riskant. @Qu: :-) :-) :-)

archaeopterix says:

Ein “Kreatives System ” wäre natürlich viel effizienter als ein statisches System !? – Diese Frage wird erst auftauchen wenn Szabics wieder spielen kann ! Jedenfalls wäre das eine zusätzliche Erfolgskomponente ! —

Naja, im Herbst war es ja leider oft der Fall, dass die Dynamik auf den Seiten gefehlt hat. Das wird auch sicher FF aufgefallen sein. Bin jedenfalls am Samstag positiv überrascht worden.

Wird das 3-5-2 dann so ausschauen, falls es zustande kommt?
Gratzei-
Ehrenreich/Standfest, Gordon, Feldohfer/Burgstaller/ Pürcher ????
Hölzl, Weber, Kienzl, Perthel, Wolf ????
Kienast, Weinberger/Szabics

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Ich hoffe es bleibt beim 4-4-2!
Um genau zu sein, die Formation ist ” fast egal” nur die Tore müssen so und so gemacht werden. !!

Ich meine nicht, dass das Grundsystem von Sturm umgestellt werden wird. Lediglich in der Vorwärtsbewegung war es am Samstag so, dass aus dem 4-4-2 manchmal ein 3-5-2 wurde, also mit Hölzl oft zentral und Perthel links im Mittelfeld. An dem 4-4-2-Grundsystem wird sich auch nichts ändern, da bin ich mir sicher.

steirerbluat says:

Guter Kommentar!
In der Kurzbeschreibung des Autors ist glaub ich ein Rechtschreibfehler passiert. Ich denke, du meinst die “Muße” und nicht die Muse. Ist nicht das Gleiche…

Danke “steirerbluat”! Völlig richtig erkannt. Sind natürlich zwei verschiedene Dinge. Und ich meinte natürlich die Muße.

ich denke, die umstellung in der offensive auf 3-5-2 ist nichts neues, das praktizieren (oder versuchen zumindest zu praktizieren) auch die unterklassigen amateurmannschaften. es kann durchaus sein, dass dies jetzt bewusster und mit noch mehr nachdruck gemacht wird, aber gravierend hat sich meiner meinung nach nichts geändert. ich denke der hauptgrund, warum das auffällt ist der – ob gewollt/bewusst oder nicht – dass hölzl auf links immer wieder in die mitte zieht und somit den LAV mehr oder weniger dazu zwingt, nachzurücken. hat mir gut gefallen, denn auch wenn das spiel über die flanken nach wie vor wichtig ist, so ist es vielleicht genau diese kreativität/variabilität – eben nicht nur starr über die flanken, sondern auch mal in die mitte zu ziehen und genau hier ein übergewicht zu erzeugen – die uns vielleicht im frühjahr zum herbst oder zu den vorjahren unterscheidet. so gesehen beim 1:0, hölzl tauchte plötzlich frei in der mitte auf und spielte den idealen pass auf kienast. wenn das bewusst so gedacht/trainiert wurde, sehr gut, wenn nicht ist es auch egal, solange wir damit erfolg haben ;-)

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