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Kommentar

Meistertitel als wirtschaftliches Risiko?

Kann sich der SK Sturm einen Meistertitel überhaupt leisten? Eine Frage, die niemals diskutiert hätte werden dürfen. Der Teller ist eine Chance, die Sturm aber auch nutzen muss. Kostenkontrolle allein reicht dafür nicht.

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Bei aller Euphorie, die in Graz nun bereits seit einigen Wochen rund um Sturm und einen möglichen dritten Meistertitel herrscht, mischen sich auch immer wieder kritische Stimmen: “Kann sich der SK Sturm einen Meistertitel überhaupt leisten?” Besonders angeheizt wurde die Debatte von Sturm-Sportdirektor Oliver Kreuzer, der in einem spornet.at-Interview mit der Aussage: “Der Titel wäre ein Verlustgeschäft für Sturm” aufhorchen ließ.

Im Falle eines tatsächlichen Titelgewinns, von dem die Grazer natürlich noch etwas mehr als einhundertundachtzig Minuten entfernt sind, müsste Sturm eine Meisterprämie an Spieler und Betreuer zahlen und eine Meisterfeier organisieren. Auch wenn die Kosten vor allem prämienseitig wenn überhaupt nur sehr grob zu quantifizieren sind, dürfte es sich dabei um keinen unerheblichen Posten handeln. Präsident Gerald Stockhenhuber spricht in einem Interview mit der Kleinen Zeitung von einer notwendigen Budgeterhöhung um fünf Prozent. Bei einem – ebenfalls von Stockenhuber bestätigten – Gesamtbudget würden sich aus einer einfachen Rechnung Kosten von rund 550.000 Euro ergeben. Ob darin auch eine eventuelle Meisterfeier enthalten ist, ließ der Topfunktionär der Schwarz-Weißen offen.

Fakt ist, dass der Meistertitel kurzfristig eine Belastung für das Sturm-Budget darstellt. Zudem gibt es kaum Möglichkeiten, diese Kosten zu reduzieren. Gut, bei der Meisterfeier könnte man an dem einen oder dem anderen Eck sparen, die Prämien sind jedoch vertraglich vereinbart und damit in ihrer Höhe fixiert.

Einnahmensseitig sind die kurzfristig erreichbaren positiven Effekte überschaubar. Natürlich profitiert der Verein von der höheren Stadionauslastung in den letzten Heimspielen. Zudem könnte ein Titelgewinn auch Auswirkungen auf den Dauerkarten- und Fanartikelverkauf haben. Besonders verlockend erscheint aber vor allem der Geldstrom, den eine Qualifikation für die Champions oder Europa League mit sich bringen würde. Das einzige Problem dabei – diese Einnahmen sind nicht kalkulierbar. Besonders die Europacup-Millionen stehen auf äußert wackligen Beinen. Sie in eine Budgetplanung für die Saison 2011/2012 aufzunehmen wäre nicht nur äußerst risikoreich, sondern einfach dumm. Sturm wird sich – sicher auch wegen der prägenden Erfahrungen aus der Kartnig-Ära – davor hüten dieses Risiko einzugehen, wie auch Sportdirektor Kreuzer gegenüber Journalisten mehrfach bestätigte.

Mit dem eingeschlagenen Weg Budgetüberschreitungen tunlichst zu vermeiden, sind die Grazer nicht alleine im österreichischen Fußball. So hat sich unter anderem auch Rapid Wien dazu verschrieben, keine neuen Schulden zu machen, auch wenn dies nicht immer Zuspruch unter den eigenen Anhängern findet. Zwar haben nachwievor einige Vereine mit finanziellen Problemen zu kämpfen, wie vor allem das Beispiel Wacker Innsbruck zeigt. Die Tiroler erhielten die Lizenz für die kommende Spielzeit erst in zweiter Instanz. Dennoch zeigen die letzten Jahre einen positiven Trend. Die Bundesliga-Klubs haben gelernt ihre Kosten unter Kontrolle zu halten und so Konkurse zu vermeiden.

Während man im Umgang mit Ausgaben also durchaus aus der Vergangenheit gelernt hat, fehlen einnahmenseitig nach wie vor die großen Ideen. Budgets werden auch heute noch viel zu oft als vorgegeben gesehen, auf die das kaufmännische Management der Klubs keinen Einfluss hat. Der Erfolg eines Fußballvereins wird aber nicht allein durch die Qualität der Arbeit am grünen Rasen determiniert. Er ist vielmehr das Ergebnis aus dem Zusammenspiel zwischen sportlicher und wirtschaftlicher Leistung.

Gerade bei Sturm hat sich in den letzten Jahren die Meinung etabliert, dass die Steuerhebel zur Verbesserung der Ergebnisse nur auf der sportlichen Seite zu suchen sind. Dies ist aus Sicht der sportlichen Leitung durchwegs verständlich, da ihre Aufgabe nun mal das Sportliche ist. In einer Gesamtbetrachtung greift diese Ansicht aber viel zu kurz.

Natürlich wird es den Grazern niemals gelingen auch nur ansatzweise an die zur Verfügung stehenden Geldmittel von Red Bull Salzburg heranzukommen. Auch die deutlich geringeren öffentlichen Förderungen, die Sturm im Vergleich mit den Wiener Vereinen erhält, stellen einen gewissen Wettbewerbsnachteil dar. Dennoch konzentriert sich die Vereinsführung viel zu oft auf das Suchen nach Ausreden, anstatt mit voller Entschlossenheit und Professionalität das Potential auf wirtschaftlicher Seite auszuschöpfen.

Auch unter Berücksichtigung der Vereinstradition und der damit verbundenen notwendigen Vorsicht in Sachen Kommerzialiserung wurden bisher bei weitem nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Man bedenke dabei vor allem die Sponsorenstruktur. Neben dem Hauptsponsor Puntigamer verfügen die Schwarz-Weißen über keinen weiteren potenten Großgeldgeber. Eine Pyramide, die die Sponsoren in klaren Kategorien einteilt und etwa in Deutschland gang und gäbe ist, sucht man bei den Blackies vergeblich.

An dieser Stelle werden – gerade am heutigen Tag – einige Einspruch erheben. Immerhin hat Sturm heute den Sponsorvertrag mit Magna offiziell bestätigt. Jetzt möchte ich an dieser Stelle nicht näher auf die Frage eingehen, ob eine Partnerschaft mit Frank Stronach nun tatsächlich eine gute Lösung für den Verein darstellt. Klar ist aber – und soweit lehne ich mich aus dem Fenster – dass die Zusammenarbeit mit Magna nicht unbedingt ein Produkt professioneller wirtschaftlicher Arbeit ist. Sie beruht vielmehr auf der Leistung einzelner Personen und vor allem dem Gönnertum des Austrokanadiers. Ohne den Einfluss des Wirtschaftsmagnaten wäre die Magna-Marketingabteilung wohl nicht darauf gekommen, die schwarz-weißen Fußballer zu unterstützen. Aus diesem Grund kann der Vertrag, der bis 2014 läuft, auch kein Gradmesser für die wirtschaftliche Leistung von Sturm sein.

Gerade wenn es den Grazern tatsächlich gelingt, den Titel nach 12 Jahren wieder in die steirische Landeshaupstadt zu holen, wird es an der wirtschaftlichen Führung liegen, daraus auch wirklich Profit zu ziehen. Dazu braucht Sturm die notwendige Professionalität, die richtigen Personen und vor allem die Bereitschaft alte Strukturen aufzubrechen und hart an Verbesserungen zu arbeiten.

Sollte Sturm in den nächsten Jahren nochmals in eine ähnliche Situation kommen, darf es keine Diskussion mehr darüber geben, ob der Meistertitel nun ein wirtschaftliches Risiko darstellt. Der Teller ist eine Chance. Die muss man aber auch nutzen.

Ein Kommentar von Christopher Houben