LichtSchatten
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12 Meter

Licht und Schatten

Eine Mischung aus Licht und Schatten, so kann man die aktuelle Großwetterlage über dem SK Sturm Graz bezeichnen. Sowohl sportlich als auch administrativ ist, je nach Sichtweise, beides vorhanden. Eine Geschichte über Fehlstarts, Europacup-Siege, Franco Almighty und Fettnäpfchen, die mit Anlauf genommen werden.

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© 2011 Sturm12.at

Die Pflicht ist also erfüllt. Der SK Sturm konnte sich diese Woche mit dem 1:0 über den FC Zestafoni zumindest einmal für die Europa-League-Gruppenphase qualifizieren, höhere Weihen bleiben auch noch möglich. Das ist natürlich eine tolle Sache und zurecht gebührt der Mannschaft und dem Trainerteam dafür Respekt. Zumal diese Qualifikation für den Verein schon fast von essenzieller Notwendigkeit gewesen ist. Die durch die Verletzung von Matthias Koch in Kapfenberg noch weiter ausgedünnte Personaldecke macht ein Handeln auf dem Transfermarkt unabdingbar. So hatte Franco Foda am Mittwoch mit Manuel Weber, nach dem kurzfristigen Ausfall seines Sohnes beim Aufwärmen, gerade noch einen defensiven Mittelfeldspieler übrig, und Samir Muratovic musste als Notnagel herhalten. Als Dauerlösung nicht unbedingt zu forcieren.

Durch den Aufstieg ist hier ein Reagieren nun möglich. Coach Foda forderte einen Transfer auf dieser Position auch unmittelbar nach dem Spiel ein. Es wäre zwar auch auf der Außenverteidigerposition durchaus noch Ergänzungspotenzial da, in der Mitte brennt aber durch den langfristigen Ausfall von Koch der Hut. Es ist natürlich gut, dass jetzt Geld fließt und diese Lücke geschlossen werden kann. Andererseits ist aber auch ein bisschen besorgniserregend, dass der Finanzhaushalt bei Sturm derart prekär zu sein scheint und den Blackies ohne Aufstieg die Hände gebunden gewesen wären (gab es nicht angeblich Geld von einem gewissen Austro-Kanadier?). Und so zeigt sich insgesamt gerade das Bild des SK Sturm Graz – man sieht dort und da ein Licht, es gibt aber auch sehr viel Schatten.

So wurde es etwa erst im allerletzten Moment verhindert, dass die gesamte Nordkurve aus Protest gegen die Preisgestaltung der Tickets am Mittwoch vor dem Stadion bleibt. Nun ist es hier in diesem Rahmen nicht der Anspruch, die Für und Wider durchzuargumentieren. Was wirklich sauer aufstößt in dieser Causa, ist wie sie vom Verein, und hier insbesondere von Präsident Gerald Stockenhuber, gehandhabt wurde. Zunächst gab es ein Kompromissangebot, das Preisreduktionen für die folgenden Europacup-Spiele vorsah, allerdings nur für die Sektoren der Nordkurve. Dieser Vorschlag wurde von den Fanvertretern völlig zurecht abgelehnt, geht es doch dabei um alle Fans, nicht nur um solche, die in bestimmten Sektoren stehen. Völlig ins Reich der Absurdität einzuordnen ist dann die Begründung, warum die Karten für die Tribüne gegen Zestafoni in die Kategorie eins angehoben wurden und jene für den VIP-Bereich dagegen billiger als sonst zu haben waren. “Der Vergleich hinkt. Es geht nur um 30 bis 40 VIP-Karten. Noch dazu handelt es sich um eine abgespeckte Variante mit kleinerem Catering”, erklärte Stockenhuber Sturm12.at. Diese Argumentation ist nicht nachvollziehbar. Weil es nur um wenige VIPs geht, sind die Karten billiger? Weil es weniger zu mampfen gibt als sonst, gibt es Rabatt? Und die Kohle holt man bei der Masse, weil da zahlt es sich richtig aus?

Solche Aussagen zu treffen, noch dazu angesichts der angespannten Lage, ist ein Ohrfeige für die Anhänger und ein erneutes Zeichen dafür, dass Stockenhuber nahezu jedes Fettnäpfchen mit Anlauf nimmt und Sensibilität für die richtigen Formulierungen vermissen lässt – auf Dauer kann das nicht gut gehen. Man muss dem Verein aber zugute halten, dass danach noch einmal das Gespräch gesucht wurde und ein vorläufiger Kompromiss für das Champions-League-Spiel erzielt werden konnte. Der SK Sturm wird sich in den nächsten Wochen allerdings ranhalten müssen, den Fanvertretern geht es nämlich nicht nur um zu hohe Ticketpreise. Schlechte Kommunikationspolitik, mangelhafte Arbeit im Mitgliederwesen und einige “Baustellen” mehr orten die Fans. Insgesamt wollen sie einen fanfreundlicheren Fußballclub haben, der sein brachliegendes Potenzial in diesem Bereich besser nützt. Ein Anliegen, dass auch an dieser Stelle nachhaltig Unterstützung findet. Viele Punkte sind auf der Agenda der Fanvertreter, die hier seit, inzwischen sind es Jahre, immer wieder eingefordert werden. Mit Lippenbekenntnissen und dem üblichen Aussitzen wird es von Seiten des SK Sturm diesmal nicht getan sein, zu entschlossen wirken die Fans.

Dabei gibt es gerade punkto Kommunikation seit dieser Saison Fortschritte. “Neue Pressearbeit loben”, steht seit einigen Wochen im 12 Meter-Notizbuch. Mit Peter Siegmund ist ein merkbarer Professionalisierungsschub hinsichtlich der Medienarbeit bei den Schwarz-Weißen festzustellen. Das betrifft das ganze Paket und man hat erstmals das Gefühl, dass der Verein ein Interesse hat, eine vernünftige Informationspolitik zu fahren. Zumindest im sportlichen Bereich. Ob das für den Vorstand auch schon zutrifft, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Jedenfalls sollte der Präsident öfter auf diese Ressource zurückgreifen, beziehungsweise sich vor seinen öffentlichen Äußerungen mit dem Pressemann abstimmen. Einiges an Missverständnissen hätte in den letzten Wochen dadurch möglicherweise verhindert werden können. Zum Beispiel hätte ein Fachmann Stockenhuber nachdrücklich nahe gelegt, beim Schildenfeld-Transfer nicht davon zu sprechen, auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein. Unklar bleibt, warum der Verein diese Expertise von außen holt und niemanden mit diesen Aufgaben im Klub hauptberuflich anstellt. Der vergangene Saison für die Medien zuständige Markus Hatzl hat den Verein sogar mit Ende Juli verlassen.

Wenn man auf die sportliche Performance schaut, ist es derzeit noch eher schattig, obwohl der eine oder andere Sonnenstrahl durchblinzelt. Die Leistungen in der Meisterschaft waren zum Teil auf sehr niedrigem Level, die Niederlage in Kapfenberg wirklich sehr übel anzusehen. Zum einen hätte man sich vielleicht ein bisschen Kummer erspart, wenn man auf den logischen Abgang von Gordon Schildenfeld früher reagiert hätte. Im Grunde vermute ich die Gründe für den gar so schlechten Start in die Meisterschaft aber auch ein wenig in den Köpfen der Spieler. Man ist überraschend Meister geworden, die Pause war extrem kurz und es ist nur allzu oft zu beobachten, dass speziell die unerwarteten Titelträger danach in ein Loch fallen. Umso höher ist es der Mannschaft anzurechnen, dass die Hürde Zestafoni überstanden wurde und man sich wieder für die Gruppenphase eines europäischen Bewerbes qualifiziert hat. Und das als wahrscheinlich dreieinhalb Mal die schlechtere Mannschaft in dieser Qualifikation. Es zeugt von Standhaftigkeit und Moral, da trotzdem als Sieger hervorzugehen. Und man hat sich zwar erst sehr spät verstärkt, nach meiner Ansicht aber dann doch mit den richtigen Leuten. Sowohl Milan Dudic als auch Darko Bodul machten in ihren ersten Einsätzen einen guten Eindruck und sollten der Mannschaft helfen können. Es bleibt abzuwarten, wen man für die 6er-Position noch bekommen kann.

So etwas ähnliches wie einen Nachfolger für Oliver Kreuzer hat man inzwischen auch installiert. Mit Hans Lang übernimmt ein alter Bekannter den Job als Sportkoordinator des SK Sturm. Auch diese Personalie kann man auf zweierlei Arten ins Licht setzen. Möchte man es negativ sehen, könnte man sagen, dass mit Lang ein besserer Adjutant von Franco Foda geholt wurde, der auf Zuruf des immer einflussreicher werdenden Trainers agiert. Der Eindruck verstärkt sich, wenn man dieses aktuelle Interview mit dem neuen Sturm-Angestellten liest. Die letzte Entscheidungsinstanz ist demnach Foda, ein nicht unwesentlicher Unterschied zur Aufgabenverteilung mit Kreuzer. Hans Lang könnte aber auch ein Glücksgriff gewesen sein. Wenn man die Ziele und Aufgabengebiete, die er bearbeiten soll, ernst nimmt, dann ist das ein Weg, der schon längst intensiver beschritten gehört hätte. Aufbau eines Scouting-Netzwerkes und ein sinnvolles Bindeglied zwischen Nachwuchs und Profi-Sektion gehören unter anderem dazu. Greifen da die Rädchen ineinander und bekommt Lang vom Vorstand und Franco Almighty die nötige Unterstützung, kann da schon einiges heraus schauen. Zudem der neue Sportkoordinator durchaus über ein gutes Händchen verfügt. Leute wie Seb Prödl oder Jürgen Säumel fanden mit und durch ihn zum SK Sturm.

Bitter ist und bleibt, dass es hinsichtlich einer Professionalisierung der Vereinsstrukturen noch immer keine Bewegung gibt. Das Thema AG scheint vom Tisch, der aktuelle Vorstand macht nicht den Eindruck, da auch nur irgendetwas ändern zu wollen. Bis das Gegenteil bewiesen ist, werden wir wohl davon ausgehen müssen, dass man sich der Provinzkaiser-Gebahrung zu Hause fühlt und das gerne auch so beibehalten möchte. Dass es dringender denn je notwendig wäre, endlich den entscheidenden Schritt in Richtung erwachsener Fußballklub zu machen, ist offenbar wurscht. Zudem ist das in den meisten Medien kein Thema, und einem Großteil der Anhängerschaft ist diese Causa ebenso egal. Man muss also niemanden fürchten und kann das gute alte Süppchen weiter kochen. Da bleibt es weiterhin leicht, an allen Instanzen vorbei auf eigene Faust populistische Vertragsverlängerungen durchzuführen und allzu transparente Finanzgebarung ist auch nicht nötig. Wäre ja auch unangenehm, wozu also?

Weil es mir bei einer Vielzahl der User-Kommentare hier die Haare aufgestellt hat, noch ein kurzer Vermerk zum CL-Playoff-Gegner BATE Borisov: Jedem der die Weißrussen als “schlagbar”, “gutes Los” oder “machbare Aufgabe” bezeichnet, dem sei hinter die Ohren geschrieben, dass diese Mannschaft in der vorjährigen Europa League gegen die Gruppengegner AZ Alkmaar und Dinamo Kiew aufgestiegen und erst in der KO-Runde gegen Paris St. Germain ausgeschieden ist – aufgrund der Auswärtstorregel. Sturm ist gegen diese Mannschaft Außenseiter, wenn nicht krasser Außenseiter. Vor allem dann, wenn die Schwarz-Weißen sich bis zum Hinspiel in zwei Wochen nicht erheblich steigern können.