BATE Borisov - Sturm Graz
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1:1 in Minsk

Die Hand auf der Schnalle...

…zum Tor der Sterne hat Sturm nach einem 1:1 im PlayOff-Hinspiel bei BATE Borisov. Durch eine kompakte und konzentrierte Leistung, speziell vor der Pause, hat man sich diesen Teilerfolg auch redlich verdient. Weber (12.) brachte die Blackies in Front, Simic (59.) glich aus.

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“Wir müssen aggressiv spielen”, mahnte Franco Foda bei der Pressekonferenz am Montag. Bei seiner Mannschaft fand die Forderung des Trainers Gehör. Eine äußerst offensiv aufgestellte Mannschaft von BATE Borisov, selbst wenn nominell nur mit einem Stürmer agierend, versuchte den Grazern von Minute eins an das Leben schwer zu machen. Diese wussten sich aber entsprechend zu wehren, auch wenn, inmitten frenetischer Anfeuerungen der BATE-Fans, das eigene Wort im Stadion kaum verständlich schien. Sturm wusste um die Schwächen des Gegners und spielte konsequentes Pressing. Und dass sollte sich unverzüglich bezahlt machen.

Zwölf Minuten waren vorbei, als Manuel Weber in der gegnerischen Hälfte nachstocherte und den Ball einfach nicht aufgab. Doppelpass mit Imre Szabics, der Ungar schob den Ball ideal in den Raum und durch die Beine von BATE-Keeper Aleksandr Gutor schoss der Kärntner ein. Was für ein Auftakt in Schwarz-Weiß. Die mitgereisten Sturm-Fans, die vor dem Anpfiff ihrem Ärger über die Nicht-Organisation eines Fanflugs des Vereins per Transparent (“Wir sind da mit Reisebus, da kein Flug nach Belarus. Danke für nichts.”) noch einmal Luft machten, waren aus dem Häuschen. Im Gegenzug versuchte BATE sofort zum Ausgleich zu gelangen, Vitali Rodionov sah nach einer Schwalbe allerdings Gelb.

Die Zeit nach dem Führungstreffer gehörte klar den Hausherren, die mit gut 60 Prozent Ballbesitz versuchten den österreichischen Meister in dessen Hälfte einzuschnüren. So offensiv die Weißrussen auch standen, so schien die blau-gelbe Offensive aber keinem wohldurchdachten Masterplan zu folgen. Zudem wusste Sturm im Stellungsspiel und in etlichen Zweikämpfen zu überzeugen. Echte Chancen von BATE blieben aus, also war es nach 26 Minuten Sturm, das durch einen Kopfball von Thomas Burgstaller nach einer Ecke wieder in die Nähe des gegnerischen Tores gelangte.

Ein Blick auf die Gegenseite, drei Minuten später: Artem Kontsevoi verzieht aus großer Distanz klar. Ein Versuch Marke Verzweiflungsschuss. Nach 30 Minuten. Wiktor Gontscharenko musste auf der Trainerbank schlucken. Seine 1,5-Liter-Wasserflasche hatte er da schon fast ausgetrunken.

Und doch sollte sie kommen, die große Ausgleichschance. Egor Filipenko sprang der Ball nach einem Freistoß vor die Füße. An einem guten Tag versenkt der 23-Jährige so einen vielleicht, diesmal ging er knapp daneben. Kurz nachdem sich Christian Gratzei den Schweiß von der Stirn wischte, war auf der Gegenseite Imre Szabics im Strafraum frei. Sein Kopfball nach Flanke von Roman Kienast blieb aber harmlos. Die Konter. Sturms Rezept zum Erfolg? Fast. Fünf Minuten vor der Pause war es wesentlich knapper. Kienast konnte den Stanglpass von seinem Angriffspartner aber nicht erreichen. Und dann war da noch Milan Dudic. Seine Gelegenheit nach einem Freistoß von Jürgen Säumel war noch größer. Während BATE auf Abseits spielte, segelte der Serbe alleine vorm Tor am Ball vorbei.

So hätten sich die Weißrussen, aufgrund der Größe der Torchancen, über ein 0:2 zur Pause nicht beschweren dürfen. Weil Sturm kompakt spielte. Kompakt und clever.

Wie konzentriert die Foda-Elf auch nach der Wiedereröffnung durch Referee Svein Oddvar Moen im Spiel blieb, zeigte sich in einer einfachen Aktion. Ecke für BATE, via Doppelpass kurz abgespielt, die Grazer Viererkette rückte heraus – ein Pfiff: Abseits. So blieben dem siebenfachen weißrussischen Meister weiterhin nur Distanzschüsse. Und die blieben (frei nach sky-Kommentator Erich Auer, der in Kapfenberg mit folgenden Worten noch Sturms Zweikampfverhalten beschrieb) “so gefährlich wie alkoholfreies Bier”.

Was Mannschaften wie BATE in solchen Situationen allerdings retten kann sind Standardsituationen. Und nach knapp einer Stunde war ein Freistoß der Weißrussen Rettungsanker. Marko Simic stieg nach einem Freistoß von Filipenko höher als die in Ehrfurcht erstarrten Sturmverteidiger und schon war der Ausgleich da. Fehler passieren, in diesem Fall kann man aber vielleicht sogar von Bestrafung für eine zu maue Chancenauswertung in Durchgang eins sprechen.

Sturm konnte sich daraufhin erneut befreien, aber nicht mehr so oft und gefährlich wie noch vor der Pause. Auch wenn die totale Offensive nach dem 1:1 ausblieb ging BATE dennoch weiter hohes Tempo. Doch auch Sturms Spiel war aufwändig. Andreas Hölzl sollte bis zu seiner Auswechslung insgesamt über 12 Kilometer abgespult haben, ähnlich Jürgen Säumel. So nahmen die individuellen Fehler auf beiden Seiten unvermeidbar zu, als noch zehn Minuten zu spielen waren.

Bei Sturm war mittlerweile Samir Muratovic am Feld, doch Ballbesitz sollte weiterhin bei guten 60 Prozent pro BATE liegen, auch in der Schlussphase. Und der Druck stieg. Es waren nur noch Achtungserfolge, die Sturm in den Schlussminuten in der gegnerischen Hälfte feierte. Roman Kienast war, wenn es soweit war, aber zumeist auf sich alleine gestellt.

Einmal musste Sturm noch durchatmen: Mikhail Godeychuk schupfte eine Hereingabe übers Tor, als die Spieluhr fast 93 Minuten anzeigte. Doch dann war Schluss und das, für so viele als ideal bezeichnete, Resultat war erreicht. Sturm drückt schon fest auf die Schnalle am Tor der Sterne, jetzt darf man nur nicht davon abrutschen.

Haradski-Stadion Playoff-Hinspiel Zuschauer: 13.000

BATE Borisov
16.08.2011, 20:45 Uhr
1:1
(0:1)

SR: Svein Oddvar Moen (NOR)

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Manuel Weber (Imre Szabics) 12. Minute
59. Minute Marko Simic (Egor Filipenko)
Spieler Karten Spieler
14. MinuteVitali Rodionov (Gelb)
Jürgen Säumel (Gelb)52. Minute
74. MinuteFilipp Rudik (Gelb)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Aleksandr Gutor   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Aleksandr Yurevich   Joachim Standfest - Abwehr
Abwehr - Maksim Bordachev   George Popkhadze - Abwehr
Abwehr - Marko Simic   Thomas Burgstaller - Abwehr
Abwehr - Egor Filipenko   Milan Dudic - Abwehr
Mittelfeld - Dmitri Baga   Manuel Weber - Mittelfeld
Mittelfeld - Oleg Patotskiy   Andreas Hölzl - Mittelfeld
Mittelfeld - Pavel Nekhajchik   Haris Bukva - Mittelfeld
Mittelfeld - Edgar Olekhnovich   Jürgen Säumel - Mittelfeld
Mittelfeld - Vitali Rodionov   Roman Kienast - Angriff
Angriff - Artem Kontsevoi   Imre Szabics - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
46. Minute Mikhail Gordejchuk für Oleg Patotskiy
69. Minute Filipp Rudik für Vitali Rodionov
Samir Muratovic für Imre Szabics 72. Minute
82. Minute Aleksandr Volodjko für Dmitri Baga
Martin Ehrenreich für Andreas Hölzl 88. Minute