1:1 in Minsk

Die Hand auf der Schnalle...

…zum Tor der Sterne hat Sturm nach einem 1:1 im PlayOff-Hinspiel bei BATE Borisov. Durch eine kompakte und konzentrierte Leistung, speziell vor der Pause, hat man sich diesen Teilerfolg auch redlich verdient. Weber (12.) brachte die Blackies in Front, Simic (59.) glich aus.

© 2011 Sturm12.at

“Wir müssen aggressiv spielen”, mahnte Franco Foda bei der Pressekonferenz am Montag. Bei seiner Mannschaft fand die Forderung des Trainers Gehör. Eine äußerst offensiv aufgestellte Mannschaft von BATE Borisov, selbst wenn nominell nur mit einem Stürmer agierend, versuchte den Grazern von Minute eins an das Leben schwer zu machen. Diese wussten sich aber entsprechend zu wehren, auch wenn, inmitten frenetischer Anfeuerungen der BATE-Fans, das eigene Wort im Stadion kaum verständlich schien. Sturm wusste um die Schwächen des Gegners und spielte konsequentes Pressing. Und dass sollte sich unverzüglich bezahlt machen.

Zwölf Minuten waren vorbei, als Manuel Weber in der gegnerischen Hälfte nachstocherte und den Ball einfach nicht aufgab. Doppelpass mit Imre Szabics, der Ungar schob den Ball ideal in den Raum und durch die Beine von BATE-Keeper Aleksandr Gutor schoss der Kärntner ein. Was für ein Auftakt in Schwarz-Weiß. Die mitgereisten Sturm-Fans, die vor dem Anpfiff ihrem Ärger über die Nicht-Organisation eines Fanflugs des Vereins per Transparent (“Wir sind da mit Reisebus, da kein Flug nach Belarus. Danke für nichts.”) noch einmal Luft machten, waren aus dem Häuschen. Im Gegenzug versuchte BATE sofort zum Ausgleich zu gelangen, Vitali Rodionov sah nach einer Schwalbe allerdings Gelb.

Die Zeit nach dem Führungstreffer gehörte klar den Hausherren, die mit gut 60 Prozent Ballbesitz versuchten den österreichischen Meister in dessen Hälfte einzuschnüren. So offensiv die Weißrussen auch standen, so schien die blau-gelbe Offensive aber keinem wohldurchdachten Masterplan zu folgen. Zudem wusste Sturm im Stellungsspiel und in etlichen Zweikämpfen zu überzeugen. Echte Chancen von BATE blieben aus, also war es nach 26 Minuten Sturm, das durch einen Kopfball von Thomas Burgstaller nach einer Ecke wieder in die Nähe des gegnerischen Tores gelangte.

Ein Blick auf die Gegenseite, drei Minuten später: Artem Kontsevoi verzieht aus großer Distanz klar. Ein Versuch Marke Verzweiflungsschuss. Nach 30 Minuten. Wiktor Gontscharenko musste auf der Trainerbank schlucken. Seine 1,5-Liter-Wasserflasche hatte er da schon fast ausgetrunken.

Und doch sollte sie kommen, die große Ausgleichschance. Egor Filipenko sprang der Ball nach einem Freistoß vor die Füße. An einem guten Tag versenkt der 23-Jährige so einen vielleicht, diesmal ging er knapp daneben. Kurz nachdem sich Christian Gratzei den Schweiß von der Stirn wischte, war auf der Gegenseite Imre Szabics im Strafraum frei. Sein Kopfball nach Flanke von Roman Kienast blieb aber harmlos. Die Konter. Sturms Rezept zum Erfolg? Fast. Fünf Minuten vor der Pause war es wesentlich knapper. Kienast konnte den Stanglpass von seinem Angriffspartner aber nicht erreichen. Und dann war da noch Milan Dudic. Seine Gelegenheit nach einem Freistoß von Jürgen Säumel war noch größer. Während BATE auf Abseits spielte, segelte der Serbe alleine vorm Tor am Ball vorbei.

So hätten sich die Weißrussen, aufgrund der Größe der Torchancen, über ein 0:2 zur Pause nicht beschweren dürfen. Weil Sturm kompakt spielte. Kompakt und clever.

Wie konzentriert die Foda-Elf auch nach der Wiedereröffnung durch Referee Svein Oddvar Moen im Spiel blieb, zeigte sich in einer einfachen Aktion. Ecke für BATE, via Doppelpass kurz abgespielt, die Grazer Viererkette rückte heraus – ein Pfiff: Abseits. So blieben dem siebenfachen weißrussischen Meister weiterhin nur Distanzschüsse. Und die blieben (frei nach sky-Kommentator Erich Auer, der in Kapfenberg mit folgenden Worten noch Sturms Zweikampfverhalten beschrieb) “so gefährlich wie alkoholfreies Bier”.

Was Mannschaften wie BATE in solchen Situationen allerdings retten kann sind Standardsituationen. Und nach knapp einer Stunde war ein Freistoß der Weißrussen Rettungsanker. Marko Simic stieg nach einem Freistoß von Filipenko höher als die in Ehrfurcht erstarrten Sturmverteidiger und schon war der Ausgleich da. Fehler passieren, in diesem Fall kann man aber vielleicht sogar von Bestrafung für eine zu maue Chancenauswertung in Durchgang eins sprechen.

Sturm konnte sich daraufhin erneut befreien, aber nicht mehr so oft und gefährlich wie noch vor der Pause. Auch wenn die totale Offensive nach dem 1:1 ausblieb ging BATE dennoch weiter hohes Tempo. Doch auch Sturms Spiel war aufwändig. Andreas Hölzl sollte bis zu seiner Auswechslung insgesamt über 12 Kilometer abgespult haben, ähnlich Jürgen Säumel. So nahmen die individuellen Fehler auf beiden Seiten unvermeidbar zu, als noch zehn Minuten zu spielen waren.

Bei Sturm war mittlerweile Samir Muratovic am Feld, doch Ballbesitz sollte weiterhin bei guten 60 Prozent pro BATE liegen, auch in der Schlussphase. Und der Druck stieg. Es waren nur noch Achtungserfolge, die Sturm in den Schlussminuten in der gegnerischen Hälfte feierte. Roman Kienast war, wenn es soweit war, aber zumeist auf sich alleine gestellt.

Einmal musste Sturm noch durchatmen: Mikhail Godeychuk schupfte eine Hereingabe übers Tor, als die Spieluhr fast 93 Minuten anzeigte. Doch dann war Schluss und das, für so viele als ideal bezeichnete, Resultat war erreicht. Sturm drückt schon fest auf die Schnalle am Tor der Sterne, jetzt darf man nur nicht davon abrutschen.

Haradski-Stadion Playoff-Hinspiel Zuschauer: 13.000

BATE Borisov
16.08.2011, 20:45 Uhr
1:1
(0:1)

SR: Svein Oddvar Moen (NOR)

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
12. Minute Manuel Weber (Imre Szabics)
Marko Simic (Egor Filipenko) 59. Minute
Spieler Karten Spieler
Vitali Rodionov (Gelb) 14. Minute
52. Minute Jürgen Säumel (Gelb)
Filipp Rudik (Gelb) 74. Minute
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Aleksandr Gutor   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Egor Filipenko   Milan Dudic - Abwehr
Abwehr - Aleksandr Yurevich   Joachim Standfest - Abwehr
Abwehr - Maksim Bordachev   George Popkhadze - Abwehr
Abwehr - Marko Simic   Thomas Burgstaller - Abwehr
Mittelfeld - Dmitri Baga   Manuel Weber - Mittelfeld
Mittelfeld - Oleg Patotskiy   Andreas Hölzl - Mittelfeld
Mittelfeld - Pavel Nekhajchik   Haris Bukva - Mittelfeld
Mittelfeld - Edgar Olekhnovich   Jürgen Säumel - Mittelfeld
Mittelfeld - Vitali Rodionov   Roman Kienast - Angriff
Angriff - Artem Kontsevoi   Imre Szabics - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Mikhail Gordejchuk für Oleg Patotskiy 46. Minute
Filipp Rudik für Vitali Rodionov 69. Minute
72. Minute Samir Muratovic für Imre Szabics
Aleksandr Volodjko für Dmitri Baga 82. Minute
88. Minute Martin Ehrenreich für Andreas Hölzl

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Kommentare

superduke2704 says:

Sehr gute Leistung der gesamten Mannschaft. Im Rückspiel wirds aber wohl um nichts leichter….

skorpion05 says:

die waren Körperlich top hatt man gesehen die letzten 10 min wie die noch gasgeben haben , mein Bauchgefühl sagt mir das es beim Rückspiel wieder ein 1-1 geben wird und wir in der 118 min das 2-1 schiessen Torschütze Mario Haas , es wartet noch ein hartes Stück Arbeit , der Fokus muss jetzt voll auf dieses Spiel sein , Sonntag ´gegen Salzburg würde ich nicht so grossen Stellenwert geben der einzug in die CL ist das Spiel des Jahres alleine schon die 7,1 mill Startgeld wäre ein Segen über Jahre hinaus . alle kräfte sammeln für Mittwoch das ist eine einmalige Chance die die nächsten 10 jahre nie mehr kommen wird voller FOKUS auf Mittwoch Salzburg sollte in diese Phase egal sein das muss in den Köpfen der Spieler rein das sie Fussballgeschichte schreiben können AUF DIE SCHWORZEN !

Weber war mit Abstand der beste heute

Schade das Sturm kein 2tes tor geschossen hat.

Hätte lieber Bodul oder Haas statt Mura gesehen.

gute spiel, gibt hoffnung für nächste woche

SCHELMISH says:

seh ich auch so ! und vor allem hätte man früher tauschen müssen !! bei dem arbeitspensum das viele geleistet haben sehr wichtig .

Ja, da muß Foda noch lernen. Osim hätte in der Schlußphase einen schnellen Mann gebracht! Erinnerungen an Hopfer damals gegen Rapid in H*dorf werden wach… ;) Wir hätten ja einen Flo Kainz!
Mura war eine Vorgabe und hat überhaupt nichts gebracht.

LoopingLouie says:

Ich könnte mir vorstellen, dass Foda Muratovic als Reaktion auf den Wechsel bei BATE gebracht hat: Dort wurde ja der (von Säumel und Weber meist schon vor den IV neutralisierte) Stürmer ausgetauscht und ein OM/ZM gebracht. Muratovic als eigene OM/HS zu bringen half dann insofern, da sich der neue OM stärker um Muratovic kümmern musste und sich deswegen nach vorne weniger gut einschalten konnte…nur mal so als Gedanke, da ich nicht glaube, dass Foda grundlos / ohne tieferen Sinn wechselt…
Aber: Ja, ansonsten wären frühere Wechsel teilweise vl. hilfreich gewesen – Kienast z.b. war doch ziemlich KO am Ende…

archaeopterix says:

Ein ideales Wunschergebnis erreicht , Gratulation an alle!!– Endlich nach internationalen Vorbild pressing gespielt und die Ballführenden attackiert – so war Borisow in HZ 1 abgemeldet !! Leider auch wieder zuviele Passfehler & Kopfballschwäche , was sich in derCL noch weiter verbessern
müßte bis Mittwoch … !??

Chrisi2408 says:

Erstens einmal: Guter Titel!!! :)
Zweitens: Ich bin über das Ergebnis sehr zufrieden, nur irgendwie doch nicht vollends
glücklich da heute wirklich mehr drinnen gewesen wäre.
Zu den Akteuren: Weber hat mir heute auch am besten gefallen, zudem war die Defensive
sehr sicher und Kiensast war auch sehr viel unterwegs. Totalausfälle waren für mich heute
Hölzl(der hoffentlich nächste Woche Wolf weichen muss und dann nicht auf links gestellt
wird wo er noch schwächer ist) und mit Abstrichen auch Szabicz. Zu Mura sag ich sowieso
nix mehr, da krieg ich einen Anfall wann ich ihn lustlos über den Platz schleichen seh!
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Zuletzt noch eine wichtige Frage: Wie schaut es jetzt eigentlich mit dem brasilianischen Spielmacher Bresson an von Borisov der ja angeblich so stark sein soll und heute gesperrt war. Laut einem transfermarkt-user ist der auch nächste Woche gesperrt:
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http://www.transfermarkt.at/de/4-cl-quali-runde-bate-borisov/topic/ansicht_107_8193_seite3.html
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Bei der ORF-Übertragung hat aber keiner etwas in diese Richtung gesagt, sondern nur, dass man auf ihn nächste Woche besonders aufpassen muss. Weiß da vielleicht irgendwer mehr?????

Pingback: Sturm12.at | Pressespiegel: BATE Borisow – Sturm Graz

Ein Wahnsinn wie stark wir gestern in den Zweikämpfen und im Nachsetzen waren. Ich glaub nämlich nicht, dass BATE so schlecht ist – sondern Sturm einfach nix zugelassen hat. Das einzige was ich nicht verstanden hab, war dass Foda in den letzten Minuten Kienast nicht erlöst hat? Der war ja schon halbtot – mehr als ein Verletzungsrisiko oder die Gefahr, dass er mal zu langsam im Zweikampf ist und Gelb oder Rot bekommt war da ja nicht mehr. Und ein bissl Zeit häts auch gebracht. Naja wie auch immer: Glückwunsch der Mannschaft.

12ter Mann says:

Ein riesen Kompliment an die gesamte Mannschaft, das war die mit Abstand beste Saisonleistung bisher und eine tolle Bewährungsprobe für die Champions League. Gestern hat schon sehr, sehr viel gestimmt. In den Aktionen hat Sturm Graz immer sicher gewirkt und so, als würden sie immer genau wissen, was sie machen müssen. Das war bei BATE keineswegs der Fall. Franco Foda hat die Mannschaft einfach gut auf den Gegner eingestellt, mir kam’s so vor, als wäre die Mannschaft auf alles vorbereitet.
Zweikampfverhalten, frühes Attackieren und Stören schon in der Hälfte des Gegners, Passgenauigkeit, Ruhe im Spiel … Das waren gestern die Dinge, die bei Sturm Graz einfach besser geklappt haben und genau so sollte Sturm immer spielen. Die Spieler haben in fast jeder Aktion entschlossen und absolut konzentriert gewirkt, das Ziel “Champions League Gruppenphase” zu erreichen.
Ich wünsche mir jetzt einfach nur, dass die Fans diese Leistung anerkennen und am Mittwoch alle ins Stadion kommen. Das Stadion MUSS einfach ausverkauft sein, die Chance ist riesig. Noch mal so eine konzentrierte Leistung und wir spielen in der Champions League Gruppenphase!!

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