Chants & Goals

Der Oktober

Ein Monat mit Leistungen zwischen Kopfschütteln und Zungenschnalzen mit Musik von Bob Dylan bis Anna Calvi. Das war der Oktober.

02.10.2011: Sturm Graz – SV Ried 1:0 (Szabics)
KINGS OF LEON: “Fans”
WILD FLAG: “Romance”

Wenige Tage nach dem doch überraschenden Auswärtssieg in Athen wartete auf den SK Sturm Graz und seine zahlreichen Aficionados der Ligaalltag in Form des vorbildlich arbeitenden und sympathischen “Provinz”vereins SV Ried. Während der in dieser Hinsicht allzu bekannte Stadionsprecher Ludwig Krentl wieder einmal versuchte sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, präsentierte sich Teilzeitvorsänger Thomas Lang in seiner unverwechselbaren Mischung aus DJ und Pfarrer in Hochform und überzeugte mit Witz und Selbstironie, was auch zur guten Stimmung in der Nordkurve mit beitrug. Mit einem Transparent – ” Sonderzug Jetzt Oder Nie – Auf nach Brüssel !!! ” – wurde für den Sonderzug zum Auswärtsspiel gegen RSC Anderlecht geworben, der neue Sturm Graz – Roar wurde ebenso begeistert wie begeisternd einer Optimierung zugeführt und die Grazer Sturmflut versuchte mit einer “Hände in die Höh”-Vorwipp-Animation den Spaßfaktor im Sektor 10 zu erhöhen. Der Rahmen an diesem Fußballsonntag passte also – das von Taktik geprägte und gehemmte Spiel konnte da nicht ganz mithalten, wobei das Resultat – Imre Szabics sorgte mit einem überlegten Kopfballtreffer für ein glückliches Ende für den SK Sturm Graz – letztlich über so manche misslungene Aktion hinwegtröstete. Knapp vor dem Spielabpfiff wurde per Spruchband auch wieder darauf hingewiesen: ” Im Übrigen sind wir der Meinung, dass der Sponsor aus dem Vereinswappen entfernt werden muss”. Das sollte in Zukunft durch ein weiteres Spruchband ergänzt werden: ” Notwendige Professionalität, die richtigen Personen und neue Strukturen – Jetzt oder Nie!!!”

16.10.2011: Mattersburg – Sturm Graz 3:3 ( Wolf, Haas, Hölzl )
IRON MAIDEN: “Wasted Years”
BLACK SABBATH: “Paranoid”

Nach der länderspielbedingten Spielpause folgte die Auswärtsfahrt ins Burgenland zum “Angstgegner” aus Mattersburg. Ein wunderschöner, sonnendurchfluteter Herbsttag ließ einen voll Vorfreude “auf Lepschi gehen”, um in Mattersburg einen echten Fußball-”Mulatschag” zu feiern. Die wunderbar schmeckenden und sehr preiswerten Käsesalzstangerl des Mattersburger Buffets hatte man gerade verspeist, als einem die Leistung der Mannschaft schwer verdaulich im Magen zu liegen begann. Ganze dreißig Minuten brauchte die Sturmelf um auf Touren zu kommen und erst der von Manuel Weber wunderbar vorbereitete Ausgleichstreffer durch Patrick Wolf bedeutete quasi den Startschuß für fünfzig Minuten gepflegten Kombinationsfußball der Marke Sturm Graz. Zwei ebenso schön herausgespielte wie spektakulär erzielte Tore von Mario Haas und Andreas Hölzl krönten diese fünfzig Minuten Sturm-Fußball. Dass dieser Fußballsonntag für alle Sturmfans in unrühmlicher Erinnerung blieb, lag an den zwei in der Nachspielzeit erhaltenen Gegentoren, die den schon zur Gewohnheit gewordenen Fehlern wie mentaler Schwäche, temporärer Unkonzentriertheit und individueller Fehleranfälligkeit gschuldet waren.  Die organisierten Fanclubs vergaßen auch dieses Mal nicht darauf hinzuweisen: “Im Übrigen sind wird der meinung, dass der Sponsor aus dem Vereinswappen enfernt erden muss.”  PS: ” Notwendige Professionalität, die richtigen Personen und neue Strukturen – Jetzt oder Nie!!!”

20.10.2011: Sturm Graz – RSC Anderlecht 0:2
CAGED ANIMALS: “Teflon Heart”
DAWES: “Fire Away”

Das Euro-League-Spiel gegen RSC Anderlecht bot abseits des Resultates alles, was sich ein echter Aficionado von so einem internationalen Auftritt erhofft: Eine gewisse Brisanz vor und nach dem Spiel, einen vollen Gästesektor, einen renommierten Gegner, ein engagiertes und motiviertes Heimpublikum, ein (fast) volles Stadion und eine ambitioniert und konzentriert spielende Sturmelf. Auch Neo-Teamchef Marcel Koller und Sicherheits-Kommisar Michael Kuchenbäcker – das Spiel war als Hochrisikospiel eingestuft worden – waren anwesend und wurden Zeugen eines 60-minütigen Schlagabtausches, der durch eine Aneinanderreihung von individuellen Fehlern der Sturmmannschaft innerhalb von wenigen Minuten entschieden wurde. So blieb die überaus gelungene Choreographie der Nordkurve – vor tausenden hochgehaltenen blauen Zetteln wurde ein riesiges Stoffflugzeug hochgezogen und per Spruchband die Botschaft “Fasten Your  Seatbelts” vermittelt – zu Beginn der zweiten Halbzeit der einzige Grazer Erfolg an diesem Abend, der auch von Zusehern und Medien entsprechend akklamiert und gewürdigt wurde. Trotzdem galt es darauf hinzuweisen: “Im Übrigen sind wir der Meinung, dass der Sponsor aus dem Vereinswappen entfernt werden muss.” PS: “Notwendige Professionalität,die richtigen Personen und neue Strukturen – Jetzt oder Nie!!!”

23.10.2011:  Sturm Graz – Red Bull 2:1  (Weber, Szabics)
MELVINS: “Black Santa”
RYAN ADAMS: “Lucky Now”

Ein Song der THERMALS im musikalischen Vorprogramm und gute Stimmung unter den 12000 Zusehern versprachen einen unterhaltsamen Fußballabend in Liebenau. Die Vorfreude wurde nur kurz durch eine überdimensionale Puntigamer-Flasche auf dem Spielfeld beeinträchtigt, ehe ein intensives Bundesligaspiel mit einer konzentriert und mit echtem “Sturmgeist” agierenden Heimmannschaft seinen erfreulichen Verlauf nahm. Wunderschön herausgespielte Tore von Manuel Weber und Imre Szabics sorgten trotz eines tendentiell und konsequent gegen Sturm entscheidenden Schiedsrichters für einen 2:1-Sieg der Blackies gegen den unsympathischen Dosenverein aus der Festspielstadt. Während die Anzahl der mitgereisten Fans der Dosentruppe gerade einmal zwei Handvoll ereichte, kannte der Jubel der Sturmfans aufgrund einer großteils überzeugenden Leistung der Heimmannschaft und des spannenden Spielverlaufs keine Grenzen und sorgte bei einem 166 cm großen weiblichen Leichtgewicht für exzessiven Jubel in lichten Höhen. In Summe ein sehr erfreulicher Fußballabend, der nicht ohne das gewohnte Spruchband endete: “Im Übrigen sind wir der Meinung,dass der Sponsor aus dm Vereinswappen entfernt werden muss.” PS: ” Notwendige Professionalität, die richtigen Personen und neue Strukturen – Jetzt oder Nie!!! ”

26.10.2011: Sturm Graz – Admira Wacker 3:1 ( Bodul 2, Hölzl )
THE THERMALS: “A Pillar Of Salt”
RAM JAM: “Black Betty”

Da der Cupbewerb in Österreich aufgrund seiner stiefmütterlichen Behandlung von offizieller Seite weiterhin im Dornröschenschlaf verharrt, überraschte die enttäuschende Zuseherzahl von 3359 Besuchern trotz des Bundesliga-Überraschungstabellenführers aus Maria Enzersdorf als Gast nicht wirklich. Noch weniger überraschte der vorhersehbare Auftritt von Stadionsprecher Ludwig Krentl, der mit seiner Dreifachnennung der Torschützen und seiner selbstverliebten “Danke-Bitte”-Performance einmal mehr bewies, dass ihm Begriffe wie Eigenständigkeit und Unverwechselbarkeit wohl fremd sind. Darko Bodul, dem immer wieder sehr viel Talent und Potential attestiert wird, bewies mit seinen zwei Toren – eines mit Köpfchen, eines durch einen direkten Freistoß erzielt – dass er durchaus mehr als ein Versprechen sein könnte und sorgte innerhalb von wenigen Minuten dafür, dass der zwischenzeitliche Rückstand in eine Führung verwandelt wurde. Während die Nordkurve einen neuen Chant erprobte, gelang Andreas Hölzl nach einem Bilderbuchkonter über Popkhadze und Szabics das erlösende und aufstiegssichernde Tor zum 3:1-Endstand.  Konsequenterweise durfte “Im Übrigen sind wir der Meinung, dass der Sponsor aus dem Vereinswappen entfernt werden muss” an diesem Fußballabend in Liebenau auch wieder nicht fehlen. PS: “Notwendige Professionalität, die richtigen Personen und neue Strukturen – Jetzt oder Nie!!!”

29.10.2011: Rapid – Sturm Graz  3:2 (Bodul 2)
METALLICA: “Sad But True”
BOB DYLAN: “Ring Them Bells”

Obwohl eine Auswärtsfahrt nach Hütteldorf innerhalb Österreichs die wohl attraktivste und emotionalste Fanfahrt darstellt und dieses Spiel die Besonderheit bot, dass Sturm Graz auf Hütteldorfer Boden statt der sogennanten Rapid-Viertelstunde eine Sturm-Viertelstunde realisierte, blieb dieses Mal das Geschehen auf dem günen Rasen  nicht erinnerungswürdig. 75 Minuten lang war die Sturm-Vorstellung eines aktuellen Meisters nicht würdig – böse Zungen sprachen von einer desaströsen Leistung – ehe der Teilzeitbomber Darko Bodul mit zwei schönen Toren noch für eine entsprechende Ergebniskosmetik sorgte. Diese zwei Treffer und die spannenden Schlussminuten – Bodul hätte zwei Mal noch beinahe den unverdienten Ausgleich erzielt – verhinderten – ein letztes Mal? – eine heftigere Artikulierung der Fan-Unzufriedenheit auf Grazer Seite. Die Rapid-Anhänger hatten mit zahlreichen Spruchbändern auf denen Spieler und Vorstand kritisiert wurden, für Aufsehen gesorgt und mit einem entrollten Transparent ihren Unwillen explizit kundgetan:” Rapid ist kein Verein mit Fans. Wir sind Fans mit einem Verein, und jetzt reden wir!” Der SK Sturm Graz kann sich glücklich schätzen, dass seine organisierten Fangruppen ihre Anliegen mit Stil und Seriosität vorbringen und trotz vieler Vereinshürden weder Engagement noch Enthusiasmus vermissen lassen. Ein Grund mehr, ein wenig auf die Ideen und Verbesserungsvorschläge dieser Gruppen, wie auch jener anderer Initiativen einzugehen. In diesem Sinne dürfen Statements wie ” Im Übrigen sind wir der Meinung, dass der Sponsor aus dem Vereinswappen entfernt werden muss” an keinem Spieltag fehlen. PS: ” Notwendige Professionalität, die richtigen Personen und neue Strukturen – Jetzt oder Nie!!!”

BONUSTRACKS (für alle Brüssel-Reisenden):
ANNA CALVI: “Desire”
THE RAMONES: “Blitzkrieg Bop”

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Kommentare

Wie schön! Peter Strasser schreibt heute, dass “informierte Wut lebendig macht, gewiss. Wut kann, weil sie lebendig macht, zum Selbstläufer werden; in der Lage, auf Dauer ein Gefühl der Lebendigkeit zu vermitteln, ist sie aber nur dann, wenn sie sich steigert.” In diesem Sinne freu ich mich über einen Heimo Mürzl, so lebendig wie noch nie. Und das zu Allerheiligen!

Ja, finde auch ich schön zu lesen diese Retrospektive.
Verrückte Ergebnisse – irgendwie! Ein neuer goalgetter mit Bodul!
Ich als ewiger Altsturmfan könnte eigentlich zufrieden sein – wäre da nicht der Burgstaller, der dringend eine Pause benötigt und das “innige Verhältnis” das Franco Foda anscheinend zu ihm hat.

“I don’t remember were we wild and young
All that’s faded into memory
I feel like somebody I don’t know
Are we really who we used to be
Am I really who I was”

Die beste Nummer hier.

Wie fast immer mein liebster und ausgiebigst gehoerter beitrag des monats. Nur zur choreo gg. Anderlecht haette ich diesmal ein eher bitteres addendum:

The Cranberries-Copycat

Arch Stanton says:

Zu lesendes und gehörtes wie immer in erfrischender Eintracht.
Darko Bodul vereint wohl Talent mit RocknRoll, und beides ist sehr erfrischend.

Danke HM, weiter so!

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