Sturm Echo #331

Kurze Pässe, harte Fouls

Die medizinische Abteilung des SK Sturm steht im Zentrum der neuen Ausgabe vom Sturm Echo. Als Online-Kostprobe gibt es diesmal aber einen Lokalaugenschein bei einem Spiel der Sturm Damenmannschaft.

© 2011 Sturm Echo

Auch in den letzten Tagen entspannt sich die Verletztensituation bei Sturm Graz nicht unbedingt. Die neue Ausgabe vom Sturm Echo wirft daher einen genaueren Blick auf die medizinische Abteilung der Schwarz-Weißen und hat sich mit Athanasius Puskuris über Möglichkeiten der Sportmedizin, Pech und Anspannung während Spielen unterhalten.

Nicht nur bei den Männern geht es am Fußballfeld hart zu Sache, auch die Damen schenken sich nichts. Davon konnte sich Clemens Ticar überzeugen, der sich das Spiel der Grazer Damenelf gegen Erlaa ansah.

Seine Eindrücke gibt es diesmal als Kostprobe von Nummer 331 des Sturm Echos.

Die neue Ausgabe gibt es ab sofort in den Fanshops. Online kann man das Magazin hier abonnieren. Einzelne Ausgaben kann man via echo(at)sksturm.at bestellen.

Kurze Pässe, harte Fouls

Wenn ehrgeizige Väter auf der Tribüne wie die Rohrspatzen schimpfen und Großmütter beim kleinsten Körperkontakt des eigenen Schützlings voller Entsetzen die Hände über den Kopf zusammen schlagen, dann wird irgendwo Amateurfußball gespielt. Oder Damenfußball in Stattegg.

Samstag, 14:50 Uhr, Sportanlage Stattegg: „Heit gemma Vullgas, wir Buam vom SK Sturm…“ dringt aus den Boxen, rund 150 Zuseher beobachten Sturm Graz vor dem Aufwärmen für das Ligaspiel in der 2. Bundesliga. Wie das geht? Ganz einfach! Seit dieser Saison tritt Sturm Graz mit einer Damen-Mannschaft in diesem Bewerb an – kooperiert wird hier mit Stattegg. Die Professionalisierungsphase ist im vollen Gange. „In den ersten Monaten ist bereits sehr viel weiter gegangen“, ist Mario Karner, Sektionsleiter des Damen-Fußball bei Sturm Graz und selbst der Trainer der U-13 Mannschaft, zufrieden. Dass Sturm beinahe zeitgleich mit der erfolgreichen Damen-Weltmeisterschaft in Deutschland eine Damen-Mannschaft ins Leben gerufen hat, ist Zufall. „Das ist viel eher aufgrund der großen Nachfrage in der Schule entstanden“, erklärt Karner, der neben seinem Sektionsleiter- und Trainerposten auch noch Lehrer ist. Und Platzsprecher in Stattegg. „Es war einfach noch nicht die Zeit, diesen Posten anders zu besetzen“, schmunzelt Karner, nachdem er die Aufstellung der Sturm-Damen und die der Gegner aus Erlaa angesagt hat.

Der Anspruch

Die Mannschaften laufen unter großem Applaus ein. „Heute können wir zufrieden sein mit dem Besuch“, erklärt der ehemalige Sturm-Kicker nachdem er sich einen Überblick über die Besucherzahl gemacht hat. Ob sehr viele Eltern kommen? Ja, aber auch andere Zuschauer. „Einige Gesichter sieht man wirklich jedes Mal.“ Ein Zuschauer zieht an seiner Zigarette. „Ich war noch jedes Mal da, komme immer mit dem Fahrrad.“ Und danach gleich nach Liebenau „Selbstverständlich, da habe ich ja eine Dauerkarte.“ Schnell erklärt er noch, wer die stärksten Damen bei Sturm sind, dass die Sturm-Damen sehr attraktiven Fußball spielen. Das kann der Sektionsleiter bestätigen. „Das fängt schon im Nachwuchs an. Auch wenn im Nachwuchs der Erfolg ausbleibt, wir wollen, dass die Mädls Fußball spielen. Kurzpassspiel.“

Von Isabella Posch und Nina Semlitsch ist Karner besonders angetan. Beide spielen in Nachwuchsauswahlen von Österreich. Posch war in dieser Saison in den ersten acht Spielen bereits sieben Mal erfolgreich. „Da merkt man ganz einfach, sie strotzt vor Selbstvertrauen“, sagt er stolz, als sie ihre Gegenspielerin zum wiederholten Male überspielt. Das Spiel gegen Erlaa ist anders als die bisherigen. „Ein so hartes Spiel hatten wir noch nie. Schön, dass die Mädls da dagegenhalten. Das müssen sie auch lernen“, erklärt Karner. Und stöhnt auf, als ein Konter unpräzise fertig gespielt wird.

Und plötzlich ist der Ball im Netz. Karner springt hoch, jubelt. Veronika Hammer ist die vermeintliche Torschützin. Der Schiedsrichter hat aber etwas dagegen, pfeift Abseits. „Das war nie Abseits, ich war auf Mauerhöhe“, beschwert sich Hammer beim Trainer-Duo Josef Glauninger und Alexandra Preiß, als sie um einen Schluck Wasser Richtung Ersatzbank kommt. Verärgert ist sie. Pausenpfiff. 0:0. Karner verschwindet in die Sprecherkabine. „Mittel- bis langfristig ist unser Ziel in der Bundesliga zu spielen, die Nummer Eins in der Steiermark zu sein. Das muss der Anspruch von Sturm Graz sein“, erklärt er, nachdem er den Halbzeitstand angesagt hat. Drei Mal in der Woche trainieren die Damen. „Es ist wunderbar zu sehen, mit welchem Ehrgeiz sie bei der Sache sind. Sie wollen nicht geschont werden, ganz im Gegenteil.“ Die Mannschaften kommen zurück, Karner marschiert wieder in die Sprecherkabine. 46. Minute und plötzlich der Torwalzer. Angelika Alter ist für die Sturm-Damen erfolgreich. „Wie war das?“, fragt Karner, der das Tor nicht gesehen hat. Ein Eckball, ein Kopfball. „Hat sie diesmal den Kopf nicht eingezogen“, schmunzelt er. Bereits in der ersten Hälfte hätte Alter per Kopf treffen können. Eigentlich müssen. Nun machen sich auch die Wiener Eltern bemerkbar. Der Unmut über das Auftreten der eigenen Mannschaft wird größer. Der über den Schiedsrichter sowieso. Von beiden Seiten wird hart eingestiegen. „Bei den Herren marschiert man nach so einem Foul“, schüttelt Karner den Kopf. Der Ball läuft bei Sturm nun deutlich besser. „So ein Tor befreit gewaltig.“

Das vermeintliche Frauenfußball-Problem

„Oida, wos is“, schimpft Posch in Richtung Schiedsrichter. Zum wiederholten Male war sie nach einem Zweikampf zurückgepfiffen worden. Die Wiener Fans sind mit den Abseitsentscheidungen nicht einverstanden. „Weißt du was das schlimmste am Frauenfußball ist? Die Schiedsrichter“, erklärt einer. Er ist Trainer, weiß Bescheid. Und wird nicht müde das zu betonen. Als Karner ihm widerspricht, fragt der Wiener nach, wo Karner denn gespielt habe. „Bei Sturm“, erklärt Karner. Plötzlich Ruhe, plötzlich ist der Schiedsrichter nicht mehr so schlecht. Immerhin gibt es im Damen-Fußball erst ab der höchsten Liga Linienrichter. „Dann muss er sich halt umso mehr bewegen“, meint ein unzufriedener Wiener Vater aus der Reihe davor. Und plötzlich 2:0. Ein toller Angriff über die rechte Seite, wo Außenverteidigerin Jasmin Zorec gewaltig für Dampf sorgt, ein schöner Querpass und Melanie Schweiger stellt auf 2:0. Da muss auch die Wiener Fraktion anerkennend nicken.

Zwei junge Fans haben sich mit einer Trommel hinter dem Tor breit gemacht. „Ein Bruder“, schmunzelt Karner. Die Damen motiviert es. Das 2:0 aber noch mehr. Angriff um Angriff rollt in Richtung Tor der Mannschaft aus Erlaa. Die Zweikämpfe werden wieder härter, die Grazer lassen sich davon aber nicht beeindrucken, spielen ihr Spiel mit vielen Pässen in die Tiefe weiter. „Gegen einen Stürmer ist es immer schwer zu spielen“, erklärt der Wiener Trainer, der Bescheid weiß. 4-2-3-1 spielen die Sturm-Damen. „Selbstverständlich ist Taktik wichtig. Das hat man bei der Frauen-Weltmeisterschaft schon gesehen. Da wurden die meisten Partien über die Taktik entschieden.“, meint Karner. Und der Torwalzer. Katrin Hermann schließt einen Angriff der Sturm-Damen zum 3:0 ab. Karner ist zufrieden. Die Wiener Fans weniger. „Das ist gar nix“, im tiefsten Wienerisch hört man von allen Ecken der Tribüne. „Das war heute gemein“, meint eine Wiener Großmutter als der Schiedsrichter abpfeift. Offenbar ist ihre Enkelin einmal zu oft gefoult worden.

Ausgelassene Stimmung herrscht hingegen bei den Sturm-Damen. „Wia spüln guat, jede Wouchn, mit Power ungebrouchn…“, klingt aus der Box. Der Fan dämpft seine Zigarette aus, erklärt noch, dass er 1996 bei den Aufnahmen mitgesungen hat, „mit Vastic´ und allen“, schwingt sich auf sein Fahrrad und fährt nach Liebenau.

Text: Clemens Ticar / Foto: Arno Friebes

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden



Kommentare

das lesen hat spaß gemacht, bitte öfters und mehr davon! :)

Hinterlassen Sie einen Kommentar