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12 Meter

Armer Meister

Der SK Sturm, heißt es, hätte derzeit weniger Sponsoreinnahmen auf der Habenseite als vor dem Meistertitel. Angesichts der gerade wieder aufflammenden Debatte um Puntigamerschriftzug im Logo und Vereinsnamen, eine brisante Angelegenheit. Der Vorstand verhält sich wie immer: Unbedarft.

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© 2011 Sturm12.at

“Aktuell hat Meister Sturm so wenig Geldgeber wie selten zuvor, hört man aus der Vorstandsetage”, heißt es ganz lapidar am Ende eines Berichtes der Kleinen Zeitung von gestern Abend. Dieser Satz verschwindet nahezu am Ende dieses Artikels. Den aufmerksamen Beobachter muss das allerdings mehr als stutzig machen. Man wurde Meister, das erste Mal seit mehr als zehn Jahren, und der Vorstand schafft es nicht, mehr Geld aus diesem Erfolg zu lukrieren?

Und offenbar macht man daraus auch gar kein Geheimnis, glaub man dem Beisatz “hört man aus der Vorstandsetage“. Das ist angesichts der aktuell wieder aufkeimenden Geschichte rund um die Initiative Freiheit für Sturm eine mehr als brisante Angelegenheit. So wird nämlich im gleichen Bericht Georg Kleinschuster, Mitglied der Initiative, wie folgt zitiert: “Wir sind der Meinung, dass ohne der Dominanz des Hauptsponsors, mehrere kleine Sponsoren einsteigen”. Fügt man die Gerüchte aus der Vorstandsetage und dieses Statement zusammen, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass Sturm Graz im Moment mit einer schlechteren Sponsorperformance aufwartet, als vor dem Titel. Kein Ruhmesblatt für die derzeitige Führungsetage der Schwarz-Weißen, sollte das tatsächlich der Fall sein.

So ist es ja auch nicht von der Hand zu weisen, dass sich potentielle Sponsoren durchaus abgeschreckt zeigen können, wenn ein Verein sogar so heißt, wie sein Hauptsponsor. Potentielle zusätzliche Geldgeber wie Imtech, damals Sponsor des Schildenfeld-Transfers, sind jedenfalls weit und breit keine zu sehen. Auch auf den Hosen der Blackies, der zweitwertvollsten Werbefläche nach der Brust, ist nicht mehr die Kleine Zeitung zu finden, sondern der steirische Energiekonzern ESTAG, der bereits davor im Nachwuchs und bei den Amateuren als Sponsor vertreten war. Ob es dabei zu einer Erhöhung des insgesamten Sponsorbeitrages kam, wurde noch nirgends bisher bestätigt. Nicht ausgeschlossen, dass das innerhalb des schon bestehenden Sponsorpakets passiert ist. Das alles sei hier einmal zur Disposition gestellt, eines kann es aber trotz allem nicht geben: Ein Verein, der gerade einen der größten Erfolge der Klubgeschichte eingefahren hat, soll hinsichtlich der Sponsorgelder nun schlechter da stehen als vorher? Und man bedenke: Da war ja auch noch ein gewisser Herr Stronach, der angeblich einen nicht unerheblichen Betrag in den Verein gesteckt hätte.

So oder so, es würde nur allzu gut ins Bild passen. Man betrachte nur die Performance, die Sturm-Präsident Gerald Stockenhuber und seine Kollegen rund um die jüngste Entwicklung bezüglich der Initiative Freiheit für Sturm abgeben. Bei der Generalversammlung im Jänner 2011 wurde der Antrag eingebracht, über die Entfernung des Sponsors (Puntigamer) aus dem Vereinsnamen und dem Logo abzustimmen. Der Verein bot eine Alternativlösung ein, die von den Antragsstellern akzeptiert wurde. Eine Arbeitsgruppe wurde ins Leben gerufen, zusammengesetzt aus Fanvertretern und Vorstandsmitgliedern. Diese sollte die Möglichkeiten ausloten und der Vorstand verpflichtete sich innerhalb eines Jahres eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen. Diese steht numehr quasi vor der Tür – passiert ist bis dato wenig. Drei Treffen gab es bisher, eine Koordinationssitzung, eine zur Erarbeitung der Rahmenbedingungen für eine Studie zum Werbewert und schließlich eine am letzten Freitag, wo der Verein eine von Sport und Markt erarbeitete Analyse zum Wert des Namens im Vereinslogo präsentiert hat.

Während der Vorstand im Anschluss von einer konstruktiven Zusammenkunft gesprochen hat, haben die Fanvertreter diese Termin als Farce wahrgenommen, wie den gesamten Prozess dieser Arbeitsgruppe seit Jänner diesen Jahres. Der Werbewert des Logos, der von Sport und Markt mit 230.000 Euro beziffert wird, sei nur ein Teil des vereinbarten Pakets und deshalb nicht zur Gänze aussagekräftig, monieren die Fanvertreter. Es sei hier von Seiten des Vereins bloß eine Studie vorgestellt worden, “die einen möglichen Einnahmenverlust beziffert. Nachdem diese Studie nur ein Teilergebnis darstellt, keine alternativen Einnahmequellen berücksichtigt (Fanartikelverkauf, zusätzliche PR-Arbeit, Zusatzsponsoren, etc.) oder Lösungsvorschläge beinhaltet, kann die Ausarbeitung nicht als repräsentativ angesehen werden”, heißt es in einer Stellungnahme von Freiheit für Sturm. Zudem sei diese Arbeit zum Logo heimlich in Auftrag gegeben worden und sie solle eben nicht dem ausgemachten Umfang der Analyse entsprechen, heißt es weiter.

Damit konfrontiert, reagiert Sturm-Präsident Stockenhuber ablehnend: “Eine solche Studie kann keiner erwarten, wir würden da von einem Preis im sechsstelligen Bereich reden, soviel Geld hat Sturm auch wieder nicht”. Die Vereinsvertreter halten dem entgegen, dass man einen Grazer Universitätsprofessor an der Angel habe, der eine solche Studie kostengünstiger durchgeführt hätte. Allein, Sturm Graz habe darauf fünf Monate lang nicht reagiert. Fakt ist jedenfalls, dass in der Generalversammlung vom Jänner 2011 vom gesamten Werbewert die Rede war, und nicht bloß vom Wert des Logos ohne Einbeziehung weiterer Komponenten. Daran kann sich Stockenhuber aber offenbar nicht mehr erinnern. Genauso, wie sich der Präse heute nicht mehr daran erinnern kann oder mag, dass auch Ex-Finanzvorstand Christian Jauk als Vermittler zwischen Verein und Fanvertretung an den Freiheit für Sturm-Treffen teilnehmen hätte sollen. Stockenhuber dazu lapidar: “In diesem Punkt kann ich mich aber auch irren.” Jedenfalls war Jauk bei den letzten Treffen nicht mehr eingeladen. Es ist ihnen nicht übel zu nehmen, dass eine Vielzahl von Leuten, und speziell die Vertreter von Freiheit für Sturm, das Gefühl bekommen, dass Sturm Graz ganz bewusst versucht dieses Thema zu verschleppen und mit so wenig Greifbarem wie möglich in eine Abstimmung bei der anstehenden Generalversammlung zu gehen.

Dieses, vorsichtig gesagt, merkwürdige Verhalten des Vereins in dieser Causa ist wiederum nur die Fortsetzung einer Reihe von Seltsamkeiten, Intransparenzen und  Versäumnissen, die unter diesem Vorstand immer wieder stattfinden. Seien das Transferangelegenheiten (Schildenfeld-Ersatz, Kreuzer), die Einsetzung einer professionellen Vereinsstruktur (das AG-Konzept liegt seit vielen Monaten in der Schublade) oder schlicht eine transparente, vernünftige Kommunikationspolitik in wichtigen Angelegenheiten. Was in der gerichtsanhängigen Causa Heinz Palme noch passiert, man wagt gar nicht daran zu denken. Und am Ende noch einmal zurück zum kolportierten Werbewert von 230.000 Euro des Puntigamer-Schriftzuges im Logo. Befragt man damit vertraute Personen, bekommt man zu hören, dass das ungefähr der Summe entspricht, die der Schriftzug auf der Hose des Trikots der Blackys wert sei. Sollte also die ESTAG diesen Platz ohne Erhöhung ihres Etats erhalten haben, wäre das gar nicht so schwer zu errechnen, wie man sich diese Live-Spielankündigung im Teletext zukünftig sparen könnte.