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12 Meter

Dilettantenstadl

Die Vertragsverlängerung von Franco Foda wurde bereits hinausposaunt und schon bald darauf ist wieder alles anders. Die Reihe der Peinlichkeiten des dilettantisch agierenden Sturmvorstandes setzt sich fort. Wann ist es genug?

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© 2011 Sturm12.at

Nachdem die Vertragsverlängerung von Franco Foda in den letzten Tagen noch fix schien, war dann am Wochenende nach dem Austria-Spiel alles ganz anders. Mit Ende Mai 2012 soll der Noch-Sturmcoach Graz nun doch verlassen. Über die Gründe wird wild spekuliert, es sei wegen einer Ausstiegsklausel, die der Trainer verlangt hätte, sagt der Präsident. Foda kontert, er hätte noch in jedem seiner Verträge eine solche Klausel gehabt. Im Radio sagte der Mainzer außerdem noch, es hätte in den letzten Monaten schon mehrere Kleinigkeiten gegeben.

Wie auch immer man nun zur Person Franco Foda steht, ob man seinen möglichen Abschied befürwortet oder nicht, man ist versucht sich in diesem Fall auf seine Seite zu schlagen, welche Kleinigkeiten er auch immer gemeint hat. Zu viel “Dreck” hat dieser Vorstand schon am Stecken, man mag sich gar nicht vorstellen, wie diese Geschichte wieder gelaufen ist. Es reicht außerdem, sich die schon erschreckend lange Liste der Merkwürdigkeiten, Ungereimtheiten und Gerichtsanhängigkeiten anzusehen, die dieser aktuelle Sturm-Vorstand (und teilweise Protagonisten des letzten Vorstandes unter Hans Rinner) bereits hingelegt hat. Wir fassen noch einmal zusammen: Da waren die Vorgänge rund um die Trennung von Manager Christian Schmölzer nach nur ein paar Monaten, der Abgang von Sportdirektor Oliver Kreuzer, dessen Vertragsabschluss man wochenlang hinauszögerte, das anstehende Gerichtsverfahren rund um die Klage von Heinz Palme und nun auch noch die “Akte Foda” – um nur die wichtigsten zu nennen.

Jedesmal wenn der SK Sturm mit jemanden einen Vertrag abschließen will oder Verhandlungen führt, kommt am Ende dabei entweder gar nichts, gröbere Meinungsverschiedenheiten oder eine Klage gegen den Verein heraus. Und das sind nur die Personalien. Da ist das dilettantische Vorgehen in der Causa “Freiheit für Sturm” (man siehe nur diesen unsäglichen Kompromissvorschlag) oder die ständigen Patzer im Bereich Fanservice noch gar nicht erwähnt. Insgesamt ist diese Liste inzwischen zu lang, als könnte das Pech oder Zufall sein. Es verdichtet sich immer mehr der Verdacht, als hätte die Unfähigkeit System. Allein nur der Aspekt, dass der Präsident ungeniert Verhandlungsinterna in der Öffentlichkeit herumposaunt (im Gegensatz zu Foda), ist an Unprofessionalität nicht zu überbieten. Und zudem lässt er es zu, dass die Causa in einer Phase ausbricht, in der Foda als Hauptverantwortlicher mitten in den Vertragsverhandlungen mit vielen relevanten Spielern steht.

All diese Vorgänge gehen dem SK Sturm Graz schön langsam an die Substanz. Auf Dauer wird der Klub immer wieder kehrende Unzulänglichkeiten nicht verkraften. Zudem man das Gefühl hat, dass in dem gesamten Gefüge niemand Willens ist, etwas an den derzeitigen Zuständen zu ändern. Die “der SK Sturm ist ein Selbstläufer”-Mentalität dominiert das Handeln. Vorausschauen, strategisch planen – Fehlanzeige. Zudem wird die Schaffung von Strukturen, um den Verein langfristig auf gesunde Beine zu stellen, aus opportunistischen Gründen nicht vorangetrieben. Und man muss sich erst einmal vergegenwärtigen: Ein Verein, der 2006, voll der Euphorie, eine Art Wiedergeburt erlebt hat und in kürzester Zeit wieder enorm erfolgreich geworden ist, steht im Grunde vor einem Scherbenhaufen. Cupsieg und Meistertitel zum Trotz, rebellieren die Fans, wird der Trainer nicht verlängert und sogar die ansonsten streichelweiche Haus und Hof-Presse schlägt schon kritischere Töne gegenüber dem Vorstand an.

Jene müssten nun auf den Plan treten, denen Foda bereits zu stark gewesen sei und der Vorstand müsse nun Verantwortung übernehmen und zeigen, dass sie es ohne Foda schaffen, schreibt Peter Klimkeit in der Kleinen Zeitung vom Sonntag. Außerdem kolportierte die Kleine unlängst, man hätte trotz des Titels heuer weniger Sponsoreinnahmen. Das muss man erst einmal zustande bringen, so ein Bild abzugeben, in Zeiten von fast dauerhaftem Erfolg. Und es brodelt ja auch innerhalb dieses Pleiten-Pech-und-Pannen-Zirkels offenbar schon. Uneinigkeit hinsichtlich des Foda-Vertrages, grundsätzliche Auffassungsunterschiede und Amtsmüdigkeit einzelner Protagonisten werden kolportiert. Insgesamt zeichnen diese Ereignisse ein Bild, von dem sich jeder ernsthafte Sturmfan nur mehr mit Grausen abwenden kann.

Demnächst steht eine außerordentliche Generalversammlung an und es wird gemunkelt, im Vorstand könnte es Änderungen geben. Kollege Peter Altmann bei laola1 schreibt: “Man muss Präsident Stockenhuber und seiner Vorstands-Crew fraglos die Chance geben, die sportliche Leitung neu aufzustellen.” Dem halte ich entgegen: Ein ehrenamtlicher Vorstand, müsste dazu zunächst einmal an einem Strang ziehen, um die wirklich wichtigen Fragen ernsthaft behandeln zu können. Und wer so nachhaltig und wiederkehrend über Jahre hinweg seine Unfähigkeit zur professionellen Vereinsführung unter Beweis gestellt hat, dem traue ich auch die Neuaufstellung der sportlichen Leitung nicht zu. Deshalb, personelle Änderungen bei der Generalversammlung – sehr gerne. Und Personen ans Ruder, die es endlich in die Hand nehmen, diesem Verein die notwendige Struktur zu geben, weg von dieser unsäglichen Ehrenamtlichkeit. Eine Struktur in Form einer AG, die den SK Sturm nicht mehr der Unzulänglichkeit einzelner, überforderter Personen ausliefert.