Juli - September

Die Bate-Enttäuschung

Die Feierlichkeiten um die dritte Meisterschaft von Sturm Graz waren beendet, als schon die Qualifikation zur Champions-League vor der schwarz-weißen Tür stand. Euphorie und Freude, gefolgt von Herzschmerz und der bitteren Realität.

© 2011 SturmTifo.com

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Der Verein Sturm Graz hatte gerade erst den dritten Meistertitel der Klubgeschichte eingefahren, als man sich bereits mit der näheren Zukunft auseinanderzusetzen musste. Nun war man amtierender österreichischer Fußballmeister und es galt sich in der bevorstehenden Champions-League-Qualifikation bestmöglich zu präsentieren. Schließlich hatte man vor gut zehn Jahren das vorerst letzte Mal die Chance sich für die Champions League zu qualifizieren. Trotzdem klammerten sich viele in Graz an den Glauben, dass sich die Erfolge der 90er Jahre womöglich wiederholen ließen.

In anderen Sphären
Schließlich sollte man die erste Begegnung der Champions-League-Qualifikation, datiert am 13. Juli 2011, im Wörtherseestadion in Klagenfurt austragen – gegen den amtierenden ungarischen Meister FC Videoton. Die Mannschaft von Franco Foda spielt zwar keinen besonders großen Fußball, beweist aber Effizienz. Roman Kienast und Imre Szabics verschafften Sturm Graz eine gute Ausgangslage für das Rückspiel in Ungarn.

Eben dieses sollte sich zu einer der legendärsten Begegnungen der schwarz-weißen Europacup-Geschichte entwickeln. Akos Elek (27.) und György Sandor (32.) brachten ihre Mannschaft innerhalb von nur fünf Minuten gleich zweimal hintereinander in Führung, Andreas Hölzl (28.) und Ferdinand Feldhofer (39.) konnten jeweils wenige Augenblicke später den zwischenzeitlichen Ausgleich wiederherstellen. Mit dem Unentschieden wäre Sturm Graz bereits aufgestiegen, doch Zoltan Liptak (45.) sollte den amtierenden ungarischen Meister FC Videoton ein weiteres Mal vor der Halbzeitpause in Führung bringen. In einer hart umkämpften Begegnung, sollte der Gastgeber letztendlich den Kürzeren ziehen. Anhand der Auswärtstore sollte der steirische Traditionsverein mit einem Quäntchen Glück letztendlich in die dritte Runde der Champions-League-Qualifikation aufsteigen.

Mit dem FC Zestafoni bekam man schließlich einen Verein mit einer interessanten Geschichte zugelost. Durch die Zeiten der Insolvenz verlor der Klub nicht nur einmal sein wahres Gesicht. Unter anderem Namen feierte man zwar auch auf internationaler Ebene Teilerfolge, die Menschen kommen aber erst seit der letzten Umbenennung in “FC Zestafoni” wieder regelmäßig in die Heimstätte des jungen Traditionsvereins. Eine historische Partie für zwei Spieler. Florian Neuhold feierte sein Debüt in schwarz-weiß und ein gewisser George Popkhadze wechselte just von jener georgischen Mannschaft im Sommer zu Sturm Graz. “Videoton war physisch stärker, als es Zestafoni ist”, so seine ersten Worte im Rahmen einer Pressekonferenz im Vorfeld der bevorstehenden Begegnung in Tiflis.

Auf fremden Terrain machte Sturm Graz abermals keine gute Figur. Von Minute zu Minute schien es fast so, als würden die Protagonisten des österreichischen Meisters schwächer und schwächer werden. Die Spieler des FC Zestafoni hingegen pflegten konsequenten und permanenten Angriffsfußball. Mit einer Schnelligkeit und Präzision, wie man sie in Österreich selten sieht. Letztendlich sollten die Gastgeber, spät aber doch, durch Nikoloz Gelashvili verdient in Führung gehen. Ein Umstand, welcher die Mannschaft von Franco Foda zu motiveren schien und ein aufmerksamer Patrick Wolf einen Moment der georgischen Ruhe ausnutzte und mit einem Heber à la bonne heure den Ausgleich wiederherstellen und einen wichtigen Auswärtstreffer für das Rückspiel in Graz erzielen konnte.

Wie schon im georgischen Tiflis taten sich die Blackys auch beim Heimspiel schwer, dieses in die Hand zu nehmen. Gegen ein Gegenüber, welchem es im Gegensatz zum Hinspiel sichtlich an Ideen fehlte. Letztendlich sollte Roman Kienast mit seinem Tor in der 68. Minute alle dem SK Sturm Graz verbundenen Menschen erlösen und dem FC Zestafoni im weiteren Spielverlauf jegliche Möglichkeit aus der Hand nehmen dieses Spiel noch auszugleichen oder gar zu drehen.

Nun war es an der Zeit. BATE Borisov, so hieß der Gegenüber im  anstehenden Champions-League-Playoff. Im Dinamo-Stadion in Minsk brachte Manuel Weber seine Mannschaft bereits nach zwölf Minuten in Führung. Die Euphorie erreichte erstmals ihren Höhepunkt. Es schien tatsächlich möglich, dass sich für den steirischen Traditionsverein die Pforten zur Champions League öffnen würden. Jedoch hatte das Schicksal etwas anderes vorgesehen. Chance für Chance vergaben die schwarz-weißen Protagonisten leichtfertig. Und frei nach dem Sprichwort: “Wer die Tore nicht macht, der bekommt sie”, war es Marko Simic, welcher einen der wenigen Abwehrfehler von Sturm Graz prompt ausnützte. Es sollte sich nichts mehr am Spielstand ändern. 1:1.

Ausverkauft war das Stadion Liebenau beim Rückspiel schon seit mehreren Wochen und zum ersten Mal in dieser Saison. Ein Jahrzehnt dauerte es, ehe die offizielle Hymne mit der Präsenz von Sturm Graz in der steirischen Landeshauptstadt erklingen sollte. Doch das Schicksal hatte nichts Gutes für die Mannschaft von Franco Foda vorgesehen. In einem hart umkämpften Spiel ging BATE Borisov mit als Sieger (2:0) hervor. Für die Schwarz-Weißen blieb immerhin die Teilnahme an der Europa League, aber die Ernüchterung und der Herzschmerz einer vergebenen Möglichkeit.

Weitere Sturm-Spiele des dritten Quartals gibt’s auf der nächsten Seite!

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Kommentare

Verweigerer says:

Auswaerts gegen VIDI war’s spielerisch gesehen schlichtweg ein Graus. Aber die abgehobenen Ungarn (lt. Medien- u. Internetberichten) haben’s verdient, nicht aufzusteigen. Weniger ob der Mannschaft (die war meines Erachtens kőrperlich besser beinander als die Unsrigen), vielmehr ob der kotzigen ungarischen Journaille. Naja… und gegen BATE zu Hause bin ich im Stadion aus’zuckt… Verdammte Standards. Ich hoffe, man lernt endlich daraus!

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