Das letzte Viertel des Kalenderjahres 2011 glich für Meister Sturm Graz einem Wechselbad der Gefühle. Auf souveräne und manchmal furiose Siege folgten zugleich bittere Pleiten, besonders bei Auswärtsspielen in der Bundesliga boten die Blackys teils desaströse Leistungen. In Summe lief es während dieser Phase in der Bundesliga und im ÖFB-Cup überwiegend gut für die Schwarz-Weißen, wohingegen man in der Europa League deutlich die Grenzen aufgezeigt bekam und sich zurecht verabschiedete. Die Sturm-Spiele von Oktober bis Dezember im Überblick – wobei ein Heim(Fest-)spiel besonders in Erinnerung bleibt.
Verlorene Punkte im Burgenland
Der 2. Oktober sollte sich als guter Tag für Sturm Graz herausstellen, denn da gelang ein wichtiger, knapper 1:0-Heimsieg über eine überraschend zahme SV Ried. Sturm hatte über weite Strecken das Geschehen bestimmt und war in der 50.Minute durch Imre Szabics verdient in Führung gegangen, der eine präzise Flanke von Patrick Wolf per Kopf verwerten konnte. Ried war an diesem Abend schlicht zu harmlos gewesen, um die Blackies ernsthaft in Gefahr zu bringen.
Auch im nächsten Match auswärts bei Außenseiter SV Mattersburg hätten die Grazer voll punkten müssen, denn sie lagen bis zur 91.Minute eigentlich ungefährdet mit 3:1 in Führung. Doch Mattersburg-Topscorer Patrick Bürger und Enfant Terrible Ilco Naumoski trafen noch in der Nachspielzeit und holten so noch ein 3:3 heraus – eindeutig zwei verlorene Zähler für den fahrlässig agierenden Meister, der sich selbst um den sicheren Erfolg gebracht hatte.
Zwei Horrorminuten gegen Anderlecht
Es folgte wieder eine bittere (vermeidbare) Enttäuschung für die Grazer bei der 0:2-Heimpleite gegen den belgischen Topklub RSC Anderlecht in der Europa-League-Gruppenphase. Sturm war dem klaren Favoriten ebenbürtig gewesen, ehe zwei Horrorminuten alles zunichte machten. Ein Missgeschick von Silvije Cavlina und Thomas Burgstaller nützt Guillaume Gillet in der 66.Minute eiskalt zur Führung aus, wenig später fliegt Burgstaller wegen einem unnötigen Foul an der Mittellinie mit Gelb-Rot vom Platz. Matias Suarez entschied dann in der 75.Minute die Partie zugunsten der Belgier. Die Grazer konnten sich aber von dieser Pleite erfangen und bezwangen daheim ein ideenloses Red Bull Salzburg mit 2:1. Ein zu diesem Zeitpunkt essentieller Sieg, um den Anschluss an die Spitze zu wahren. Eine gute Leistung boten die Blackies auch im darauffolgenden Match gegen den damaligen Tabellenführer Admira im Cup-Achtelfinale, welches man dank Doppeltorschützen Darko Bodul verdient mit 3:1 für sich entscheiden konnte. Die gute Form konnten die Schwarz-Weißen aber auswärts bei Rapid Wien nicht beibehalten und verloren trotz eines erneut starken Boduls zurecht mit 2:3.
Desolate Pleite gegen Wiener Neustadt
Der November begann mit dem Retourspiel in der Europa League beim RSC Anderlecht und einer klaren 0:3-Niederlage, die bereits frühzeitig alle internationalen Träume der Steirer zunichte machten. Es hatte die Cleverness und das Quäntchen Glück gefehlt, um den Favoriten in die Knie zu zwingen, doch zumindest in Sachen Fan-Support behielt Sturm die Oberhand. 1000 mitgereiste Sturm-Anhänger hatten für fantastische Stimmung gesorgt, ihre belgischen Gegenüber in den Schatten gestellt und ihre Europa-League-Tauglichkeit fraglos erneut unter Beweis gestellt. Sie peitschten Sturm vor der Länderspielpause zu einem enorm wichtigen 1:0-Derbyerfolg gegen Abstiegskandidat SV Kapfenberg, den Bodul erst in der 96.Minute! fixiert hatte.
Es folgte am 19.November beim schauerlichen 1:3 auswärts gegen Wiener Neustadt die wohl schlechteste Leistung Sturms im Kalenderjahr 2011. Clevere Niederösterreicher machten aus drei Chancen drei Tore und ließen den äußerst schwachen Meister ganz schlecht aussehen. Den Blackies gelang aber rasch die Wiedergutmachung für diese Pleite mit einem 3:1-Heimerfolg gegen eine schwächelnde Admira, und das trotz (dummen) frühen Ausschlusses von Haris Bukva und mehr als 50 Minuten in Unterzahl. Der eingewechselte Martin Ehrenreich hatte mit seinen ersten zwei Treffern im Sturm-Dress die Mödlinger k.o. gesetzt, besonders das 3:0 hatte er im Stile eines Goalgetters eiskalt erzielt.
Doch wie so oft gelang es den Grazern keine richtige Siegesserie in dieser Saison zu starten und konstant gute Leistungen zu bringen. Die 1:3-Pleite auswärts bei Lok Moskau am 1.Dezember in der Europa-League-Gruppenphase zeigte erneut die Grenzen Sturms am internationalen Fußballparkett auf, denn selbst wenig überzeugende Russen bezwangen mit einer durchschnittlichen Leistung die Grazer klar. Im darauffolgenden Match auswärts bei Wacker Innsbruck gelang den Blackies keine Wiedergutmachung, ganz im Gegenteil – Wacker-Akteur Christopher Wernitznig traf in der 63.Minute zum entscheidenden 1:0 für die Tiroler. Damit gelang in der 17.Liga-Runde erneut kein Auswärtssieg der Schwarz-Weißen, was einem Armutszeugnis für einem regierenden Meister gleicht.
Glanzleistung gegen die Austria
Dann kam aber der 10.Dezember, der vielen Sturm-Fans wohl noch in guter Erinnerung bleiben wird. Tabellenführer Austria Wien war im letzten Ligaheimspiel 2011 in Liebenau zu Gast, gegen den man sich in der Vergangenheit stets schwer getan hatte. Mehr als 10.000 Zuseher sorgten für eine prächtige Stimmung auf den Rängen und sahen entfesselte Schwarz-Weiße, die wie ein Sturm über machtlose Veilchen hinwegfegten. Topscorer Bodul brachte die Grazer in der 30.Minute in Führung, als Heinz Lindner einen scharfen Wolf-Schuss nicht festhalten konnte und der Stürmer trocken abstaubte. Vor der Pause kam die Austria noch einmal auf und erzielte durch einen Kopfballtreffer (!) von Regisseur Zlatko Junuzovic den Ausgleich – vier Grazer Verteidiger hatten dem kleinen Austrianer beim Köpfeln nur zugesehen.
Nach der Pause gab es für den Meister-Orkan aber kein Halten mehr, wobei besonders der endlich fitte Roman Kienast seinen großen Auftritt hatte. Mit einem lupenreinen Hattrick (47., 57., 70.) schoss sich Kienast aus seiner (Tor-)Krise und zeigte damit wieder einmal, wie wichtig er für die Blackies ist. Die Austrianer konnten Sturm nichts entgegensetzen, selbst die Wechsel vom (jetzigen Ex-)Coach Karl Daxbacher brachten keinen Umschwung zugunsten des damaligen Tabellenführers. Im Gegenteil, nach einem sehenswerten Konter donnerte Bodul den Ball in der 88.Minute zum verdienten 5:1 in die Maschen und markierte damit den Schlusspunkt einer denkwürdigen Partie. Mit diesem Kantersieg blieben die Steirer in der Herbstsaison 2011 daheim ungeschlagen und konnten somit die eklatante Auswärtsschwäche zumindest ein wenig abfedern.
Auswärtsunserie bleibt bestehen
Wenige Tage später verabschiedeten sich die Schwarz-Weißen mit einer (bedeutungslosen) 1:3-Heimniederlage gegen AEK Athen und nur drei Punkten aus sechs Matches aus der Europa-League-Gruppenphase. Coach Franco Foda hatte damit sein Ziel verfehlt, mehr Punkte als beim letzten Europa-League-Auftritt 2009 zu sammeln, denn damals hatte man gegen Dinamo Bukarest, Panathinaikos Athen und Galatasaray Istanbul noch vier Zähler geholt. Zum Jahresabschluss musste Sturm noch auswärts bei der SV Ried bestehen und setzte dort mit einem 1:1 seine sieglose Auswärtsserie fort. Trotz Führungstreffers vom starken Wolf in der 36.Minute reichte es nicht zum Sieg, denn Ivan Carril-Regueiro netzte noch in der letzten Spielminute per Freistoß zum Ausgleich ein.
In den letzten drei Monaten des Jahres 2011 holte Sturm Graz in 15 Matches sechs Siege, kassierte sieben Niederlagen und spielte zweimal Remis. Konstanz sieht anders aus, doch da die anderen Titelkandidaten auch ebendiese vermissen ließen, hält sich der Schaden in Grenzen. Sturm hat als Sechster nur fünf Zähler Rückstand auf die punktegleichen Leader Rapid und Ried und ist noch dazu im Cup weiter vertreten, in dem im April im Viertelfinale daheim gegen Zweitligist Hartberg eine mehr als lösbare Aufgabe wartet. Das Abenteuer Europa League wird man nicht fortsetzen können, doch aufgrund der damit verbundenen Strapazen wäre dieses im Titelkampf 2012 womöglich noch zum entscheidenden Handicap geworden.
Die Sturm12.at-Spielberichte zu den Pflichtspielen von Oktober bis Dezember:
Bundesliga
10.Runde, 2.10.2011 Sturm – Ried 1:0
11.Runde, 16.10.2011 Mattersburg – Sturm 3:3
12.Runde, 23.10.2011 Sturm – Salzburg 2:1
13.Runde, 29.10.2011 Rapid – Sturm 3:2
14.Runde, 6.11.2011 Sturm – Kapfenberg 1:0
15.Runde, 19.11.2011 Wiener Neustadt – Sturm 3:1
16.Runde, 27.11.2011 Sturm – Admira 3:1
17.Runde, 4.12.2011 Innsbruck – Sturm 1:0
18.Runde, 10.12.2011 Sturm – Austria 5:1
19.Runde, 17.12.2011 Ried – Sturm 1:1
ÖFB-Cup
Achtelfinale, 26.10.2011 Sturm – Admira 3:1
Europa-League-Gruppenphase
3.Runde, 20.10.2011 Sturm – Anderlecht 0:2
4.Runde, 3.11.2011 Anderlecht – Sturm 3:0
5.Runde, 1.12.2011 Lok Moskau – Sturm 3:1
6.Runde, 14.12.2011 Sturm – AEK Athen 1:3
In Zusammenarbeit mit SturmTifo.com gibt es die besten Bilder des letzten Viertel des Jahres 2011:

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