planet
© (Flickr.com User: PlanetObserver)

Analyse

Jauk's World

Es verdichten sich die Gerüchte, dass nach der morgigen GV ein alter Bekannter wieder eine gewichtige Rolle bei Sturm spielen wird. Ex-Vorstand Christian Jauk steht vor einem Comeback. Sturm12.at hat sich angeschaut, wohin die Reise unter einem Sturm-Boss Jauk gehen könnte.

© Sturmtifo.com

Was sich in den vergangenen Tagen bereits abgezeichnet hat, wird nun wohl immer konkreter. Mit dem ehemaligen Finanzvorstand Christian Jauk dürfte bei der Generalversammlung am morgigen Dienstag ein alter bekannter an die Vereinsspitze von Sturm Graz treten. Mit ihm sollen Friedrich Santner, der gegenüber Sturm12.at zwar dementierte, und Ernst Wustinger unter anderem zwei Kaliber aus der steirischen Wirtschaftsszene den Vorstand bilden. Santner ist Geschäftsführer der Anton Paar GmbH und Aufsichtsratsvorsitzender der Styria Media Group (u.a.: Kleine Zeitung, Presse). Wustinger zeichnete als Vorstandsvorsitzender bei der Pankl Racing Systems AG verantwortlich und machte sich als Sanierer von in Probleme geratenen Unternehmen einen Namen. Die Kleine Zeitung brachte am Samstag zusätzlich den Namen des derzeitigen Energie Steiermark-Chefs, Oswin Kois, als weiteres Mitglied des neuen Vorstandes in Umlauf. Kois wird demnächst sein Amt als Vorstandssprecher der ESTAG zurücklegen und gilt – so wie die anderen genannten Personen – als großer Sturm-Fan.

Von den führenden Personen des alten Vorstandes dürfte Vizepräsident Günter Niederl dem neuen Team erhalten bleiben. Nach Sturm12.at vorliegenden Informationen war es auch Niederl, der in entscheidenden Fragen immer wieder eine Oppositionsrolle zum scheidenden Präsidenten Gerald Stockenhuber eingenommen hatte. Allgemein soll der Vorstand von derzeit fünf (Hans Fedl nimmt laut Vereinsregister keine offizielle Vorstandsrolle bei Sturm ein) auf sieben Personen erweitert werden. Dies bestätigt Niederl in der heutigen Ausgabe der Steirerkrone.

© SturmTifo.com

Eine Rückkehr von Ex-Präsident Hans Rinner in den Vereinsvorstand scheint indes sehr unwahrscheinlich, wie auch Günter Niederl in der Kronen Zeitung betont. “Hans Rinner wird mit Sicherheit nicht dem Vorstand angehören, das hat er definitiv ausgeschlossen”, so der derzeitige Vizepräsident der Blackies. Rinners Rücktritt als Sturm-Präsident im Mai 2009 wurde in der Öffentlichkeit stets als freiwillige Entscheidung dargestellt, die Realität sah damals aber etwas anders aus. Im damaligen Vorstand, dem auch Jauk angehörte, gab es durchaus immer wieder Unverständnis für den Führungsstil Rinners. Dennoch spielt der derzeitige Bundesliga-Präsident im Zusammenhang mit der Neuordnung des Vereins eine nicht ganz unwesentliche Rolle, verfügt er doch nachwievor über gute Kontakte im Sturm-Umfeld. In der vergangenen Woche gab es mehrere Gespräche zwischen Jauk und Rinner, der laut Kleine Zeitung wohl in beratender Funktion bei den Schwarz-Weißen mitmischen wird.

Sollte es am kommenden Dienstag im Brauhaus Puntigam tatsächlich zur Wahl des neuen Vorstandes in der genannten Konstellation kommen, was würde das für den Verein Sturm Graz bedeuten? Sturm12.at blickt ein wenig in die Glaskugel und analysiert, was ein Präsident Jauk mit diesem Team bei den wichtigsten Themen rund um die Blackies für eine Rolle spielen könnte.

Wird Sturm Graz dann eine AG?

© Flickr.com: Hansdorsch

Wie Christian Jauk unlängst gegenüber Sturm12.at erwähnte, ginge es ihm im Falle seiner Involvierung in erster Linie um die Schaffung professioneller Vereinsstrukturen und erst danach um ausführende Köpfe im neuen Vorstand. Dass das aus seiner Sicht sehr wohl die Umwandlung in eine AG heißen könnte, wäre naheliegend, gibt es doch schon aus seiner Zeit als Finanzvorstand ein fix fertiges Konzept für diese Neuausrichtung des SK Sturm in der Schublade des Präsidiums, ausgearbeitet von – Christian Jauk selbst. Es wäre also wenig verwunderlich, wenn er die Sache, die er damals wegen des Widerstandes aus den eigenen Reihen nicht zu Ende bringen konnte, nun umsetzen würde. Der Vorstand unter Präsident Stockenhuber griff diese heiße Eisen nicht an und brachte als Grund dafür immer wieder die steuerlichen Nachteile dieser AG-Umwandlung vor. Der scheidende Präsident geht auf diesen Punkt auch in seiner Rücktrittsaussendung ein: Er sehe, so wie sich die Dinge entwickelt haben, keine Perspektiven mehr, den Klub über die Saison hinaus erfolgreich zu führen. Es zeige sich neuerlich “dass es unabdingbar ist, die steuerlichen Bedingungen für Vereine zu ändern und die Gründung von Aktiengesellschaften zu vereinfachen.” Nur so sei es eben möglich, weitreichende Entscheidungen auf breiter Basis zu fällen.

Auch Sturm12.at hat sich schon mehrmals mit dem Thema einer AG-Umwandlung und den dazugehörigen steuerlichen Fragen beschäftigt. Sturm müsste demnach als AG für jede verkaufte Eintrittskarte 20 Prozent an das Finanzamt abgeben, anstelle der derzeit für einen Verein geltenden zehn Prozent. Das würde einen kolportierten Einnahmenverlust von 500.000-600.00 Euro per Anno bedeuten. Die Bundesliga bestätigt das auch. So betonte Reinhard Herovits, Bundesliga-Vorstand für Finanzen und Lizenzierung, schon im August letzten Jahres gegenüber Sturm12.at: „Es stimmt, derzeit wäre es wohl für die Klubs eher nachteilig. Deshalb ist es notwendig, dass vom Finanzministerium aus keine Nachteile entstehen.“ Derselben Meinung war damals auch schon Wiener Austria-Manager Markus Kraetschmer, dessen Verein bereits vor mehr als drei Jahren in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde: „Es sollte schon zu denken geben, wenn es in der Oper oder beim Zirkus einen begünstigten Steuersatz gibt (Anm: 10%). Das sollte auch beim Fußball möglich sein.“ Und Kraetschmar erwähnte auch die aus seiner Sicht schwerer wiegenden Vorzüge einer AG: „Wir fühlen uns vollinhaltlich bestätigt. In der Post-Magna-Ära profitieren wir davon, da wir interne Vorgänge professioneller abwickeln können.“ Eine Sichtweise, die wahrscheinlich auch ein neuer Sturm-Präsident Christian Jauk teilen würde. Bei der Austria hat man jedenfalls die geringeren Zuschauereinnahmen in Kauf genommen. Kraetschmar gab aber im August 2011 zu, dass diese bei der Austria wohl geringer als bei Sturm seien.

Die Zukunft von Trainer Franco Foda

© SturmTifo.com 2011
© SturmTifo.com

Im Dezember schien das Band zwischen Sturm und Meistertrainer Franco Foda bereits komplett zerschnitten. Nach dem Rücktritt von Präsident Stockenhuber meldete Foda diese Woche aber erstmals auch wieder öffentlich Interesse an einem Doch-Verleib in Graz an. Mit Christian Jauk an der Vereinsspitze würde eine Vertragsverlängerung aber nicht gerade wahrscheinlicher werden. Das Verhältnis zwischen ihm und Foda verlief nicht immer spannungsfrei. Jauk sieht in der zunehmend einflussreicher gewordenen Position des Chefcoachs durchaus eine problematische Konstellation und er würde die Machtverhältnisse im sportlichen Bereich gerne neu ordnen. Das heißt in erster Linie die Verantwortung auf mehrere Personen mit klar umrissenen Aufgabengebieten verteilen. Eine wichtige Rolle soll hierbei ein neuer Sportdirektor spielen. Als Namen werden in diesem Zusammenhang immer wieder Heribert Weber, mit dem es bereits Gespräche gegeben haben soll, und der ehemalige Co-Trainer von Foda, Thomas Gerstner, genannt. Der Deutsche, der zuletzt als Cheftrainer bei den Kickers Offenbach tätig war, gilt aber nicht gerade als Freund von Foda. In seiner Zeit bei den Schwarz-Weißen hat er sich jedoch damals mit seinem sympathischen Auftreten viele Freunde in Graz gemacht. Sollte tatsächlich ein Sportdirektor Gerstner seinen Dienst in Messendorf antreten, rückt ein möglicher Verbleib von Foda in noch weitere Ferne.

Dass der Mainzer nun schon öffentlich zurückrudert und sich eine Verlängerung durchaus vorstellen kann, dürfte zudem nicht von ungefähr kommen. Falls er auf den Posten als Hertha BSC-Trainer spekuliert hat, ist diese Tür längst wieder zugefallen und es hat sich die Geschichte wiederholt. Bis auf wenige Ausnahmen war Franco Foda in Deutschland maximal im Gespräch, konkrete Angebote gab es, trotz Meistertitel und Cupsieg mit Sturm, kaum. Auch vom ÖFB setzte es schlussendlich eine Absage, auch wenn es manche, irrende, Stimmen gibt, die sagen Foda hätte selbst abgesagt. In einer Saison, wo es derzeit alles andere als nach einem Titel aussieht, könnte der Meistercoach ab Juni durchaus auch arbeitslos dastehen. Da wäre es dann aus seiner Sicht schon auch schön, hätte man die Option Sturm Graz doch auch wieder im Talon.

Freiheit für Sturm

Logo ohne Sponsor

Durch den Stockenhuber-Rücktritt wurde der eigentliche Grund der außerordentlichen Generalversammlung am kommenden Dienstag, die Abstimmung über den Vereinsnamen und das Vereinslogo ohne Sponsor, stark in den Hintergrund gedrängt. Welchen Standpunkt der mögliche neue Vorstand in dieser Frage einnimmt, ist derzeit noch unklar. Bekannt ist aber, dass gerade Christian Jauk in der Vergangenheit oft den Kontakt mit den organisierten Fangruppen gesucht hat und sich bei wichtigen Themen der Anhängerschaft meist aufgeschlossen zeigte – so auch gegenüber der Initiative “Freiheit für Sturm”. Anlässlich der letzten Generalversammlung im Jänner 2011, bei der Jauk als Finanzvorstand zurückgetreten war, wurde er auch in die Arbeitsgruppe rund um die Namens- und Logofrage nominiert. Dass er in einer solchen teilgenommen hätte, dazu ist es dann aber nie gekommen.

Jauk zeigte sich darüber auch wiederholt verstimmt und dem Vernehmen nach fühlte er sich in dieser Causa durchaus auch übergangen. Welche Art von Beitrag der Banker also hier geleistet hätte, lässt sich nicht sagen, nahmen von Vereinsseite doch ausschließlich damalige Vorstandsmitglieder und Karin Hambrusch an diesen Treffen teil. Fakt ist jedenfalls, dass ein Präsident Christian Jauk in dieser Angelegenheit ein gewisses Vorschussvertrauen der Fans genießen würde, wie er mit dieser Situation im Spagat zwischen Sponsor- und Faninteressen schlussendlich umgehen würde, bleibt aber abzuwarten.

Finanzen

© Flickr.com: Bashed

Dass die finanzielle Situation von Sturm keine große Flexibilität zulässt, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch wenn diese Informationen nur äußerst schwer überprüft werden können, wird aus dem Sturm-Umfeld immer wieder darauf hingewiesen, dass vor allem die Sponsoreneinnahmen zuletzt stark rückläufig gewesen wären – und das trotz des Meistertitels, der nach Ansicht vieler Kritiker zu einem deutlichen Anstieg der verfügbaren Gelder hätte führen müssen. Jauk, Santner, Wustinger und Kois zählen im Gegensatz zu ihren Vorgängern zu den absoluten Größen der steirischen Wirtschaftsszene. Sie sollten über ausreichend Kontakte zu den Entscheidungsträgern im Top-Management vieler Unternehmen verfügen. Zudem waren zumindest Jauk, Wustinger (damals bei der Graz AG) und Kois bereits an der Rettung von Sturm im Rahmen des Konkursverfahrens beteiligt.

Hinsichtlich der Kaderzusammenstellung, wäre unter Jauk wohl eher wieder der Weg in Richtung Akademie und der Entwicklung junger Spieler zu erwarten, die man dann an größere Vereine gewinnbringend verkaufen könnte. Zudem scheint Jauk dem Konzept “Rising Stars”, dass etwa in Österreich die Wiener Austria anwendet, nicht abgeneigt. Dabei lässt man sich entwicklungsfähige Fußballer von privaten Investoren finanzieren, die in Folge dann an den (bei Erfolg gestiegenen) Ablösesummen mitkassieren dürfen.

Eine Reihe von abzuarbeitenden Punkten würde also auf Christian Jauk und sein kolportiertes Team warten. Es bleibt also nicht nur bis Dienstag Abend und der möglichen Neuwahl des Vorstandes spannend. Auch danach wird einiges unter den Nägeln der neuen Crew an der Spitze der Schwarz-Weißen brennen.

Mitarbeit: Jürgen Pucher und Markus Zottler