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12 Meter

Erste Weichenstellungen

Wie erwartet ist Christian Jauk der neue Präsident. Mit großer Mehrheit wurde sein Team gestern angenommen. Ein ambitioniertes, aber noch vages, Arbeitsprogramm liegt auf dem Tisch. Man wird die neue Führungsriege erst nach ein paar weiteren Weichenstellungen messen können.

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© 2011 Sturm12.at

Christian Jauk also. Große Überraschung war es am Ende gestern keine mehr, dass der Banker und Ex-Finanzvorstand an die Spitze der Schwarz-Weißen gewählt wurde. Zu eindeutig waren die Vorzeichen und im Grunde gab es keine Alternativen im kolportierten Personenkreis, die das auch machen hätten wollen. Auch der Ausgang der “Freiheit für Sturm”-Abstimmung ist nicht wirklich überraschend, allerdings war das Ergebnis denkbar knapp an einem Erfolg vorbeigeschrammt. Zudem konnten sich die Vertreter der Initiative gegenüber den Sturm-Offiziellen bei ihren Vorträgen profilieren und durchaus Eindruck hinterlassen. Jauk bezeichnet die Zustimmung für “Freiheit für Sturm” von über 60 Prozent der anwesenden Mitglieder als Arbeitsauftrag, man wird sehen was hinter dieser noch vagen Aussage steckt. Der angesprochene Spagat zwischen Fan- und Sponsorinteressen wird sich diesbezüglich also fortsetzen. Es wird eine der ersten “Glaubensfragen” für den neuen Präsidenten sein, ob er seinem Vorschussvertrauen von Seiten der Fangruppen gerecht wird, oder ob er dem langjährigen Hauptsponsor am Ende doch näher steht. Hier einen Kompromiss zu finden, mit dem beide absolut zufrieden sind, wird nicht so ganz einfach werden.

Ansonsten wurde gestern noch auf den Tisch gelegt, dass Christian Jauk und sein Team einen Paradigmenwechsel für den Verein vorhaben, was in erster Linie durch eine Strukturänderung sichtbar werden soll. Der Profi-Betrieb der Blackies wird eine GmbH (Sturm WirtschaftsbetriebegesmbH) mit zwei hauptberuflichen Geschäftsführern, die sowohl das Tagesgeschäft leiten und auch erste Ansprechpartner für die Medien sein sollen. Ein zu begrüßender Schritt weg von der Ehrenamtlichkeit und persönlichen Haftungen von Vorstandsmitgliedern, hier hat Jauk das was von ihm erwartet wurde zumindest einmal in der Theorie wahr gemacht. Ideen für die beiden neuen leitenden Angestellten soll es schon geben und der Rekrutierungprozess soll so bald als möglich beginnen. Ob das nun als Vorstufe für eine AG bezeichnet werden kann, oder es vorerst einmal bei dieser Struktur bleibt, wird sich ebenfalls weisen. Jedenfalls ist ein erster wichtiger Schritt getan.

Kurz vor der Generalversammlung machte gestern schließlich das Gerücht die Runde, die Gruppe um den neuen Präsidenten hätte gar vor das Stadion in Graz zu kaufen und somit für einen wahren Knalleffekt zu sorgen. Ganz so heiß wurde die Suppe dann doch nicht gegessen, aber zumindest kursiert seit gestern die Sprachregelung, aus Liebenau ein “Sturm-Stadion” zu machen. Ein langfristiger Pachtvertrag soll ausverhandelt werden, einhergehend mit verbesserter Infrastruktur. Das klingt natürlich einmal nicht so schlecht, ist allerdings bis dato ein reines Lippenbekenntnis. Auch die weiteren großen Ziele, die gestern angekündigt wurden – eine Landes-Fußball-Akademie und Verbesserungen im Fanservice – liegen zwar seit gestern auf dem Tisch, müssen aber erst angegangen werden. Es sind Punkte, wo man natürlich aus derzeitiger Sicht kaum etwas dagegen haben kann und es bleibt abzuwarten, wie und in welcher Form diese umgesetzt werden.

Der neue Vorstand ist grundsätzlich gut ausbalanciert – da sind zunächst die Wirtschaftskapazunder Jauk, Schaller, Kois und Wustinger, mit Gerhard Goldbrich von der Graz Holding gibt es dazu einen Marketingmann und mit dem Gastronomen und sksturm.at-Verantwortlichen Bernd Kronawetter einen Vertreter für Fans. Die beiden letztgenannten sind noch schwer einzuschätzen, man wird sehen wie sie sich in diesem Umfeld schlagen werden. Und dann ist da auch noch der gute, alte Hans Fedl. Seine Rolle wird die gleiche bleiben wie schon bisher, eine die keiner so ganz durchschaut. Und er ist, gemeinsam mit Günter Niederl im Aufsichtsrat, so etwas wie das letzte Relikt des Provinziellen, die Brücke zum bisherigen SK Sturm. Exemplarisch dafür auch die Powerpointpräsentation zur Logo-Frage von Niederl und einige sehr deftige, am Thema vorbeizielende, Sager von Fedl bei der Generalversammlung. Solche Töne sind von Jauk und seinen neuen Kollegen eher nicht zu erwarten. Da dürfte es zumindest schon einmal in Stilfragen einen Schritt nach vorne geben.

Am Ende wird es aber zumindest genauso wichtig sein, welche Personen, die neuen Strukturen ausfüllen werden. Wer sind die beiden neuen Geschäftsführer? Wer wird die Verantwortung für das Fanservice tragen und wie wird diese Landesakademie aufgestellt? Hier wird sich zeigen, ob das neue Team ein Händchen für das richtige Personal hat und ob dieses Personal dann auch in seinem Verantwortungsbereich selbstständig arbeiten wird dürfen – was ja in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Und eine weitere Personalie schwebt unheilsschwanger im Raum. Chef-Coach Franco Foda. Der neue Präsident gilt nicht als größter Freund des Mainzers, in seinen ersten Aussagen zur Zukunft des Trainers gestern, ließ sich Jauk gestern aber noch alles offen. Auch wie mit derzeitigen anderen Angestellten verfahren wird, bleibt noch ungeklärt. Wer muss gehen, wer bleibt dem Verein erhalten?

Man sieht, es wurden gestern einige Weichen gestellt, die wesentlichen Fragen – Umsetzung und Personen – sind aber allesamt noch offen. Zudem schlägt Christian Jauk nicht aus jeder Ecke Wohlwollen und Vertrauen entgegen. Die Kollegen von sport10.at wollen von einem “Insider” folgendes wissen:  “Jauk wird ein schwieriger Präsident sein. Er ist macht- und profilierungssüchtig und will in allen Dingen mitreden, wirklich allen.” Dem steht gegenüber, dass Jauk sich gestern als absoluter Teamplayer gab, der sich nicht in den Vordergrund drängen möchte und auf sein “starkes Team” setzt. Im Tagesgeschäft wird sich bald herausstellen, wie sich die Dinge wirklich verhalten, speziell dann, wenn die anstehenden Personalfragen geklärt sind.

Noch ein Sidestep am Ende: Wie sich die ganze Geschichte bei Hans Rinner ausgehen soll, wird sich außerdem weisen. Bundesligapräsident und zugleich Aufsichtsrat bei einem Verein? Das erinnert sehr an Unvereinbarkeitsdiskussionen, die es schon bei Mattersburg-Chef Martin Pucher und seinerzeit bei Frank Stronach gegeben hat, die beide in ihren Vereinen aktiv waren und zugleich an der Spitze der Bundesliga standen. Diese Frage wird zu beobachten sein.

Christian Jauk sagte nach seiner Bestellung, der SK Sturm sei ihm eine Herzensangelegenheit. Das ist er allen Fans und auch uns hier bei Sturm12.at auch. Deshalb erwarten und verlangen wir, dass die Ankündigungen von gestern angegangen und umgesetzt werden. Daran werden wir dieses neue “starke Team” am Ende messen. Wir hoffen das Beste und wünschen viel Erfolg.