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Stadionpläne von Neo-Präsident Jauk

Was kostet das Stadion Liebenau?

Die Stadionübernahmepläne von Christian Jauk sorgten in den letzten Wochen für Aufregung und werfen vor allem die Frage auf, wieviel das Stadion Liebenau den Blackies kosten könnte. Sturm12.at fragte bei den diversen Stadionplayern nach, stieß aber dabei auf beharrliches Schweigen.

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Die Stadionpläne vom neuen Sturm-Graz-Präsidenten Christian Jauk haben in den vergangenen Wochen für einiges an Aufregung gesorgt. Obwohl Jauk im Sturm12.at-Antrittsinterview vergangene Woche nur von einem “langfristigen Projekt” sprach, deutete der 46-jährige Bankmanager bereits an, wie er sich die Zukunft des Stadion Liebenau vorstellt.

Sturm könnte laut Jauk in den nächsten Jahren das Stadion übernehmen und würde dafür den jährlichen 500.000-Euro-Zuschuss der Stadt Graz zahlen. In diesem Falle wäre eine Einigung mit dem Lokalrivalen GAK nötig, der wie Sturm das Stadion derzeit ebenfalls nützt. Das fortan alleinige Sturm-Stadion könnte nach Jauks Vorstellungen auch “Puntigamer-Arena” statt “UPC-Arena”  heißen; der jetzige Hauptsponsor würde also vom Namen und Vereinslogo zum Stadionnamen wechseln. Dann sind aber Verhandlungen mit UPC nötig, die zurzeit satte 165.000 Euro pro Jahr für den Schriftzug am Stadion zahlen und dafür noch einen gültigen Vertrag bis 2017 haben.

Nach jetzigem Stand bräuchte Jauk also einiges an Geld, um das Stadion Liebenau überhaupt in ein Sturm-Stadion verwandeln zu können. Dann stellt sich die Frage: Wieviel würde den Schwarz-Weißen das Stadion Liebenau im Jahr kosten? Schon jetzt müssen die Schwarz-Weißen (ebenso wie der rote Stadtrivale) pro Heimspiel eine variable Stadionmiete (hängt von Faktoren wie etwa Besucherzahl, Nützung der Infrastruktur, etc. ab) an den Betreiber, die Messe Congress Graz BetriebsGesmbH (MCG), zahlen.

Sturm und GAK schweigen zur Höhe ihrer Stadionmieten
Wieviel die Stadionmieten für Sturm und den GAK genau im Jahr ausmachen, wollten aus Vertragsgründen weder Sturms administrative Klubleiterin Karin Hambrusch noch GAK-Präsident Benedikt Bittmann gegenüber Sturm12.at bekanntgeben. GAK-Präsident Bittmann gab aber zumindest zu Protokoll, dass sein Verein pro Heimspiel nur das halbe Stadion sowie einen Teil des VIP-Klubs mieten würde. Für einen Regionalligaverein sei das bei der Nützung eines Bundesligastadions nicht anders möglich, fügte Bittmann hinzu.

Halbe Million Euro der Stadt ermöglicht Stadionbetrieb
Obwohl weder Sturm noch der GAK die genaue Höhe ihrer Stadionmieten nennen wollten, ist es anzunehmen, dass die Stadionnützung für beide Vereine nicht gerade billig sein dürfte. Stadion-Liebenau-Geschäftsführer und MCG-Vorstand Armin Egger sagte im Gespräch mit Sturm12.at, dass die Mieten beider Grazer Vereine 50 Prozent der jährlichen Betriebskosten finanzieren würden. Laut Egger muss die Stadt Graz die restlichen 50 Prozent mit ihrem 500.000-Euro-Zuschuss decken – die Stadt, besser gesagt der Steuerzahler, ermöglicht also den Grazer Vereinen derzeit die Austragung ihrer Heimspiele im Stadion Liebenau.

Wie sich diese 500.000 Euro der Stadt genau zusammensetzen, darüber wollten übrigens weder Egger noch das Büro des zuständigen Finanzstadtrats Gerhard Rüsch Auskunft geben. Auf Nachfrage teilte das Umfeld von Rüsch zumindest mit, dass ein Großteil des (Steuer-)Geldes in Personal, Energie, Instandshaltung, Rasenpflege und Reparaturen fließen würde.

Stadiongeschäftsführer Egger: “Betriebskosten von Jahr zu Jahr unterschiedlich”
Bei der für Sturm relevantesten Frage, den genauen jährlichen Kosten des Stadionbetriebs, gab sich Stadion-Liebenau-Geschäftsführer Egger zugeknöpft. “Dazu will ich nix sagen. Ich bin da laut Vertrag zwischen MCG und Sturm Graz zum Stillschweigen verpflichtet”, sagte Egger. Für den Tiroler sei es auch nicht möglich zu sagen, dass das Stadion Liebenau “so und so viel Geld im Jahr kostet. Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich”.

Beim “sehr hohen Kostenfaktor” Rasen etwa käme es laut Egger vor allem auf die Witterung an, da seien im letztjährigen kalten Winter mehr Kosten für die Rasenheizung angefallen als heuer. Außerdem würden nicht nur die Energiekosten sehr variabel sein, auch der Grad an Bespielung hätte einen Einfluss auf die Betriebskosten, fügte der MCG-Vorstand hinzu. Zwölf Angestellte, die sich im Schichtbetrieb um Tätigkeiten wie etwa die Instandssetzung/-haltung kümmern, seien auch noch ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, erklärte Egger.

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Was die genaue Höhe der Stadionmieten der beiden Grazer Vereine, die Zusammensetzung des 500.000 Euro teuren Zuschusses der Stadt Graz sowie die genauen jährlichen Stadionbetriebskosten anbelangt, schwiegen die Verantwortlichen von Sturm, GAK, Stadt Graz und MCG. In einem anderen Punkt gaben sich die Stadionplayer aber auskunftsfreudiger: die oben erwähnten Stadionpläne von Sturms neuem Präsidenten Christian Jauk.

GAK-Präsident Bittmann will in Liebenau bleiben
Für GAK-Präsident Bittmann etwa sind Jauks Pläne “nicht realistisch”. Das Stadion Liebenau sei für beide Grazer Vereine da, fügte er hinzu. Nach Ausweichmöglichkeiten gefragt, wischt Bittmann Standorte wie Kapfenberg oder Gratkorn vom Tisch. “Das kommt für uns nicht in Frage. Wir haben einen Zuschauerschnitt von 3500 Leuten, da ist das Stadion in Gratkorn etwa einfach zu klein”, sagte Bittmann.

Auf die Frage hin, ob Jauk denn schon ihm gesprochen habe, reagierte Bittmann leicht gereizt. “Nein. Herr Jauk soll zuerst mit der Stadt reden und wird dann sehen, dass Sturm das Stadion nicht übernehmen wird können”, sagte der GAK-Präsident, der andere Zukunftsvorstellungen vom Stadion Liebenau hat. Bittmann will statt einem Sturm-Stadion eine Kooperation mit dem Stadtrivalen, und verweist dabei auf ein Gespräch mit dem jetzigen Sturm-Aufsichtsrat Günter Niederl im Herbst 2010. “Damals haben wir darüber geredet, wie wir zusammenarbeiten könnten, um die Stadionkosten zu senken. Das wäre eine gute Sache”, sagte Bittmann.

Was aber, wenn Jauk seine Stadionpläne umsetzt? Bittmann bringt das nicht aus der Ruhe. Er ist sicher, dass der GAK eine Zukunft im Stadion Liebenau hat: “Falls Sturm das Stadion wirklich übernehmen sollte, müssten sie aber dann eine Klausel einbauen, dass wir dort weiter spielen dürfen. Anders wird es für Sturm nicht gehen”.

Stadt Graz für Jauk-Pläne offen
Im Gegensatz zum GAK steht Finanzstadtrat Gerhard Rüsch den Jauk-Plänen eher positiv gegenüber, wie auf der Onlineseite vom ORF Steiermark nachzulesen ist. Noch habe aber Jauk kein Gespräch mit Rüsch wegen der Übernahme des 500.000 Euro-Zuschusses geführt, heißt es aus dem Büro des Finanzstadtrates.

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Millionenschwere Betriebskosten fürs Stadion Liebenau?
Folgt man der Aussage Eggers, wonach die Stadionmieten von Sturm und Graz 50 Prozent der Betriebskosten finanzieren würden und die Stadt Graz mit ihrem Zuschuss die restlichen 50 Prozent deckt, könnte es sich bei den jährlichen Stadionbetriebskosten um einen Betrag in Millionenhöhe handeln. Das ist aus zwei Gründen nicht unrealistisch. Es gibt zum einen unzählige Kostenfaktoren beim Betrieb vom Stadion Liebenau zu bedenken, wie etwa Personal (zwölf Angestellte), Instandsetzung/-haltung, Verwaltung, Rasenpflege, Rasenheizung, Energie, Reparaturen, Renovierungen, etc. Zum anderen hat eine dem Stadion Liebenau ähnliche Arena, das umstrittene Ex-EM-Stadion in Klagenfurt, ebenfalls jährliche Betriebskosten in Millionenhöhe, wie die Kleine Zeitung berichtete.

Eggers Statement zeigt auch auf, dass es sich bei den derzeitigen jährlichen Stadionmieten von Sturm und dem GAK zusammengerechnet um rund eine halbe Million Euro handeln könnte. Über die genaue Höhe der jährlichen Stadionmieten der beiden Grazer Vereine  lässt sich zwar hier nur spekulieren, man kann aber annehmen, dass ein Bundesligaverein mit 16 Millionen Euro Budget wesentlich mehr Geld für Stadionmieten aufwendet, als ein Regionalligist mit 1,1 Millionen Euro Etat. Außerdem mietet der GAK, wie Bittmann gegenüber Sturm12.at sagte, pro Spiel nur das halbe Stadion und einen Teil des VIP-Klubs. Sturm hatte aufgrund der vielen internationalen Auftritte nicht nur mehr Heimspiele als der GAK, sondern nützt auch pro Heimspiel einen signifikant höheren Teil der Stadioninfrastruktur als der Lokalrivale.

Was Jauks Stadionpläne kosten könnten – und welche Vorteile es geben könnte (Update)
Sollte Sturm Graz das Stadion Liebenau in Zukunft übernehmen wollen, würde aus mehreren Gründen zunächst eine hohe Belastung auf das Budget der derzeit klammen Schwarz-Weißen zukommen. Die Schwarz-Weißen müssten nicht nur die (millionenschweren) jährlichen Betriebskosten stemmen, sondern müssten womöglich auch noch eine Entschädigung an den jetzigen Stadionschriftzuginhaber UPC zahlen, der noch einen gültigen Vertrag bis 2017 besitzt. Des Weiteren wäre eine Einigung mit dem GAK nötig, der wie Sturm ebenfalls das Stadion Liebenau nützt und laut Präsident Bittmann derzeit überhaupt nicht daran denkt, in einem anderen Stadion zu spielen.
Auf der anderen Seite sind gewisse Vorteile wie etwa höhere Einnahmen, weniger Abgaben oder bessere Vermarktungschancen bei einer Sturm-Stadionübernahme nicht von der Hand zu weisen. Genaueres lässt sich diesbezüglich aber noch nicht sagen, dass es vor allem darauf ankommt, was die Schwarz-Weißen aus der Stadionübernahme machen würden – zum Beispiel in punkto Umbauten, Ticketverkauf, Personal, etc.

Je nachdem von welcher Seite man es betrachtet – die Übernahme des Stadion Liebenau wäre für Sturm Graz und seinem neuen Präsidenten Christian Jauk zunächst einmal eine sehr kostspielige und aufwendige Angelegenheit.

David Donnerer