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Rubin Rafael Okotie

"Ich fühle mich nicht als Leiharbeiter"

Rubin Rafael Okotie ist zurück in Österreich. Im Sturm12.at-Interview spricht der 24-Jährige über Belgiens Supertalente, seine schwierige Zeit in Nürnberg und das Restrisiko bei seinem Knorpelschaden. Und: Er ist gekommen, um Meister zu werden.

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„Jetzt ist einer von euch Geschäftsführer. Super Sache, oder?“ Rubin weiß, wie man mit den Medien spricht. Und Rubin weiß auch, wie man das Eis bricht. Rubin Rafael Okotie beantwortet die Fragen professionell und sachlich, lässt sich nicht aus der Reserve locken.

Emotional wird der 24-Jährige Stürmer, wenn es um seine langwierigen Verletzungen geht. Auch die lange Odyssee, von Deutschland über Belgien bis hin zurück nach Österreich, hat an Okotie genagt.

Sein Selbstbewusstsein hat er jedoch nicht verloren. Sein Potential reicht für Deutschland, versichert er mir. Und sein ausgesprochenes Ziel ist der Meistertitel. „Darum bin ich ja gekommen.“

Im Sturm12.at-Interview spricht Rubin Okotie über die Folgen seines langwierigen Knorpelschadens, die belgische Liga und ihre Supertalente und sein ausgesprochenes Lieblingssystem.

Truiden, Sturm, Truiden, Sturm – am Schluss sind es die Grazer geworden. Bist du zufrieden?
Ja, auf jeden Fall! Aber das war eine komplizierte Sache.

Dann lass einmal die letzten Stunden vor Transferschluss Revue passieren.
Mein Berater hat mich nach dem Transfer von Roman Kienast zur Austria gefragt, ob ich mir einen Wechsel zu Sturm Graz vorstellen kann. Ich meinte zu ihm: „Ja, das wäre eine super Sache!“ Ich habe lange gehofft. Aber dann gab es ein ewiges hin und her und am 31. Jänner in der Früh hieß es, der Wechsel würde nicht mehr funktionieren. Zu Mittag habe ich dann nochmals nachgefragt, aber es hatte sich nichts geändert. Am Nachmittag dachte ich mir: „Schade, das klappt nicht mehr.“ Am Abend bin ich dann nach Hause. Um halb zehn hat mich mein Berater angerufen und meinte ich solle mich bereithalten, weil sich doch noch was ergeben könnte. Um halb elf war ich dann im Büro von St. Truiden und dort ist alles klar gegangen.

Haben sich mehrere österreichische Vereine um dich bemüht?
Nein, dieses Mal eigentlich nicht. Und während meiner Zeit in Nürnberg wäre das für mich nicht in Frage gekommen.

Wann hat Sturm mit dir erstmals Kontakt aufgenommen?
Am 30. letzten Monat, einen Tag vor Ende des Transferfensters hat Sturm das erste Mal bei mir angeklopft. Da hat mich Trainer Franco Foda kontaktiert, um mit mir über Sturm zu sprechen.

Nachdem das vermeintliche Scheitern deines Transfers bekanntgegeben wurde, holte Sturm Srdjan Pavlov. Hast du die Verpflichtung eines weiteren Konkurrenten noch vor deiner Unterschrift mitbekommen?
Ja, das habe ich indirekt mitbekommen.

War das für dich das Signal: Das war es jetzt?

Das habe ich mir sowieso gedacht. Das war gar kein Hauptindiz, mit dem Scheitern des Wechsels hatte ich mich sowieso schon abgefunden.

Wie schätzt du die Konkurrenz auf deiner Position ein?
Die Konkurrenz ist schon groß. Wir haben viele gute Stürmer die alle spielen wollen. Aber der Mannschaft tut der Konkurrenzkampf sicher gut, das pusht jeden einzelnen noch einmal.

Harmonierst du besser mit einem robusten, großen Stürmer à la Pavlov oder ergänzt du dich besser mit flinken, spielstarken Spielern wie beispielsweise Szabics oder Bodul?
Ob groß oder klein ist mir grundsätzlich egal. Man muss sich hauptsächlich an die Laufwege des anderen gewöhnen um sich nicht im Weg zu stehen und ergänzen zu können. Ob ich da einen großen oder kleinen Stürmer an meiner Seite habe, ist mir nicht wichtig. Der Trainer koordiniert das dann schon.

Du selbst bist zwar 1,88 Meter groß, deine Stärken liegen jedoch nicht in der Luft.
Stimmt. Mein Kopfballspiel ist ganz sicher verbesserungswürdig. Meine Stärken sind am Ball.

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Lass mich dir eine knifflige Frage stellen. Wie ist deine Auffassung von Fußball?
Meine Auffassung von Fußball?

Lass mich die Frage konkretisieren. Das beste System ist…?
Mein liebstes System ist sicher ein 4-4-2. Wie man das praktiziert ist Auslegungssache. Das kann ein klassisches, flaches 4-4-2 oder auch eine Raute mit einem offensiven Mittelfeldspieler sein. Die Reihen sind dadurch kompakt und wir Stürmer haben es mit einem Partner ebenfalls leichter. Bei der Austria habe ich im Tannenbaumsystem lange alleine vorne gespielt, was auch gut war, aber leichter habe ich es mit einem Sturmpartner.

Ein 4-3-3 mit zwei Flügelspielern um die Stoßspitze ist nichts für dich?
Das ist auch gut. Das kann man variabel immer an den Gegner anpassen. Durch die beiden Außenspieler ist das Ganze auch sehr flexibel. Aber am liebsten habe ich eine Spitze neben mir. Ob hängend oder parallel ist mir egal.

Warum hätte Rubin Okotie in Barcelonas berühmten La Masia landen können? Wie gut ist die belgische Liga wirklich? Und wie gefährlich ist seine Knorpelverletzung? Mehr dazu auf Seite 2!