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Kapfenberger SV

Geprägt vom Mythos und der Relegation

Die Geschichte des Kapfenberger SV ist lang und abwechslungsreich. Sturm12.at erzählt vom Brutalospiel gegen Simmering, dem echten Derby und der Rückkehr ins Oberhaus.

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Bevor es für Sturm Graz am Sonntag zum Kapfenberger SV geht, blickt Sturm12.at auf die Geschichte des steirischen Traditionsvereins. Von der Mutter aller steirischen Derbys, den Mythos Simmering, bis zum ewigen Begleiter – der Relegation.

Selbst in den besten Zeiten der Vereinsgeschichte spielte der KSV bestenfalls die dritte Geige im steirischen Fußball und auch jetzt kann das Spiel, trotz der medial groß aufgezogenen Steirer-Derbys in keinem Sturmfan ein echtes Derbygefühl erwecken. Sturm hat ganz einfach nur den GAK. Doch wen haben die Kapfenberger?

Das “wirkliche” Derby
15. April 2008 – Franz Fekete Stadion. Ein besonderer Tag für den steirischen Fußball. Der in der Vorsaison quasi bereits abgestiegene und nur durch die Zwangsrelegationen von Admira Wacker und GAK in der Liga verbliebene KSV empfängt in einem vorentscheidenden Spiel um den Aufstieg in die Bundesliga den DSV Leoben. Vorentscheidend deshalb, weil es ein Derby ist - DAS Derby um genau zu sein! Über 3.000 Besucher durften schließlich auch einen knappen, aber nie gefährdeten 1:0-Sieg ihrer Falken bejubeln, der einen wichtigen Teil zum späteren Aufstieg beitrug. Zudem war es aber auch das letzte “wirkliche” Derby in der Obersteiermark.

Donawitz gegen Kapfenberg. VÖEST Alpine gegen Böhler. Über Jahrzehnte war das neben dem Grazer Derby das wichtigste Spiel in der Steiermark und auch sportlich eine Zeit lang das beste, was es fußballerisch in unserem Bundesland gab. 1959 waren die Schwarz-Weißen in Liga zwei und der rote Stadtrivale in aussichtloser Mittelfeldposition der Staatsliga A, während sich die beiden obersteirischen Vereine den Verbleib in der höchsten Spielklasse untereinander ausmachten. Über 4.000 kamen zum Spiel der letzten Chance für die Leobener ins damalige Alpenstadion der Böhlerstädter. Die Gäste gewannen und zogen durch eine Serie von fünf Siegen aus den letzten sieben Partien doch noch vor der Ziellinie an den Kapfenbergern vorbei.

Es folgten noch viele weitere Derbys in der zweithöchsten Spielklasse, doch jenes 1959 blieb für immer das letzte auf höchster Ebene zwischen beiden Teams.

Mythos Simmering
“Simmering gegen Kapfenberg – das nenn’ i Brutalität!”
- Helmut Qualtinger

Der Kapfenberger SV zu Gast beim 1.Simmeringer SC. Der ehemalige Kabarettist und Schauspieler sah im Herbst 1956 eine recht ereignislose und nicht unfaire Partie, bis Kapfenberg-Stürmer Helmut Hauberger kurz vor Schluss das entscheidende 1:0 machte, bei seinem Abschluss allerdings mit dem Schlussmann der Simmeringer zusammenkrachte und einen offenen Beinbruch erlitt. Der Zusammenstoß erklang zusammen mit einem Raunen der 4.500 Besucher über die Simmeringer Had und bewog Qualtinger zu dieser längst legendären Aussage. Der Mythos “Simmering – Kapfenberg” war geboren.

Die Relegation als ständiger Begleiter
1919 als Kapfenberger Sportclub gegründet, ging es für den jungen Fußballklub rasant bergauf. Bereits 1940/41 spielten die Obersteirer mit Landesmeister Sturm gut mit und verpassten den Aufstieg in die höchste Liga (damals als Gauliga Ostmark geführt) nur knapp. Trotz zweier Landesmeistertitel danach durfte der KSC aufgrund der Relegationsspiele gegen die deutlich besseren Wiener Mannschaften nicht aufsteigen. Somit gelang erst nach dem zweiten Weltkrieg, 1954 unter dem heutigen Namen Kapfenberger Sportvereinigung, der Aufstieg in die Staatsliga A, in der man sich fünf Jahre lang gut halten konnte. Auch in den 60er Jahren bestimmte der KSV zusammen mit dem GAK und Sturm das Geschehen im steirischen Fußball. Dies war bis Ende des letzten Jahrzehnts die mit Abstand erfolgreichste Zeit der Klubhistorie.

Nachdem ein neuerlicher Aufstieg 1974 durch die sportlich höchst umstrittene Bundesligareform (GAK und Leoben mussten trotz einstelliger Tabellenplätze absteigen, Kapfenberg konnte abermals in der Relegation nicht aufsteigen) zunichte gemacht wurde, verlor sich der Klub im Schatten der Grazer Vereine, sowie des Lokalrivalen aus Leoben. Bundesligafußball wurde im Alpenstadion nur gespielt, als der GAK Mitte der 90er Jahre während des Neubaus in Liebenau umsiedeln musste. 15 Jahre lang spielten die Böhlerstädter nur in Regional- und Landesliga, ehe der Aufstieg 2002 durch ein 5:1 im Rückspiel (nach einer 0:2 Niederlage) gegen den SC Hard doch noch glückte. Weitere sechs Jahre später war man wieder in der Bundesliga.

Kapfenberg – Sturm ist kein Derby. Aber es ist ein Duell zweier Traditionsmannschaften aus dem selben Bundesland, zwei Vereine mit Geschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.