Mo's Corner

Kluger Leader oder zögerlicher Blender?

Die ersten 43 Tage von Neo-Präsident Christian Jauk. Ein smarter Macher kämpft um sein Image. Und ein Verein um den richtigen Weg. Eine erste Bestandsaufnahme.

© 2011 Sturm12.at

Bevor man sich der Kür – Stadionumbau, Sky-Boxen, Vergrößerung des VIP-Klubs und ähnliche Visionen – widmet, sollte man nach bestem Wissen und Gewissen seine Pflicht erfüllen. Der neue Sturm-Präsident Christian Jauk weiß das. Auch der mit vielen Vorschußlorbeeren bedachte Hoffnungsträger vieler Sturmsympathisanten wird daran gemessen werden, ob er in der Lage ist, vollmundige Ankündigungen auch entsprechend umzusetzen.

“Glück bedeutet, Gelegenheit trifft Vorbereitung.”
- Seneca

“Wir brauchen auch im Fußball eine moralische Diskussion.”
- Christian Jauk

“Es werden teilweise drastische Sparmaßnahmen sein, aber für eine möglichst große Eigenständigkeit der Fußballgesellschaft sind sie unumgänglich.”
- Dieter Schneider, Präsident von 1860 München

“Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert.”
- Fred Sinowatz

“Wir wollen den richtigen Mann finden. Da kommt es auf 14 Tage nicht an. Wir haben ja keinen Zeitdruck.”
- Christian Jauk

Der Großteil der Sturmfans war sich nach der Generalversammlung am 17. Jänner 2012 einig – Christian Jauk ist der richtige Mann an der Spitze dieses Traditionsvereines und ihm ist es zuzutrauen, den Verein auf gesunde wirtschaftliche Beine zu stellen. Jauk wird es in Zusammenarbeit mit Vorstand und Aufsichtsrat gelingen, auf den vereinsspezifisch rechten Weg zurückzukehren und so auch zu den richtigen Werten, die den Verein so unverwechselbar mach(t)en. Nach 43 Tagen ist es an der Zeit, eine erste Zwischenbilanz der Präsidentschaft Jauk zu ziehen.

Konzepte und Karriereplattform
Christian Jauk und sein Team traten mit dem Versprechen einer Neustrukturierung und Professionalisierung des SK Sturm Graz an und nannten das Austria-Wien-Modell der geteilten Geschäftsführung als Vorbild. Das Tagesgeschäft solle die Aufgabe der zwei Geschäftsführer sein, einer für den wirtschaftlichen Bereich, einer für den sportlichen, dem Präsidenten und dem Vorstand bliebe die wichtige Rolle der Hintergrundarbeit als Kontrollorgan mit repräsentativen Aufgaben. Die ersten Schritte waren schnell getan – mit Dr. Stefan Fattinger,  einer der Baumeister der Rettung des SK Sturm Graz im Jänner 2007, holte Jauk einen Experten für die so wichtige Frage der Ausgliederung und Umwandlung des Profibetriebes in eine Wirtschaftsbetriebe-GesmbH an Bord, mit Christopher Houben als wirtschaftlichem Geschäftsführer wurde eine unkonventionelle und mutige Personalentscheidung getroffen, die bewies, dass der neue Präsident gewillt ist, seine Ideen und Visionen als Präsident mit Gestaltungswillen auch umzusetzen.  Jauk betonte zu Beginn seiner Präsidentschaft, dass man nicht zwanghaft nach großen Namen suche, sondern einen Mann mit Konzept und dem unbedingten Willen mit und bei Sturm Graz etwas erreichen zu wollen. Jauk vermittelt bisher aber auch glaubhaft, dass er weiß, dass der gewünschte Erfolg nur über eine klare und strukturierte Aufgabenverteilung zu erreichen ist. Präsident und Vorstand mit der Verbindung zu Politik und Sponsoren (Stichwort: “Networking”) und Repräsentationsaufgaben, Christopher Houben als wirtschaftlicher Geschäftsführer für den geschäftlich-administrativen Bereich und der noch zu findende sportliche Geschäftsführer in Zusammenarbeit mit dem Trainer für den sportlichen Bereich. Es ist zu hoffen, dass die neuen Geschäftsführer mit den erforderlichen Kompetenzen, notwendigen Freiheiten und der erwünschten Rückendeckung ausgestattet werden und nicht vom Vorstand gnadenlos für deren Zwecke instrumentalisiert werden.

Doch wie es scheint, gelingt es Christian Jauk bisher die ihm so wichtigen Begriffe Tradition  und Emotion inhaltlich aufzuladen und in zeitgemäße moderne organisatorische Formen zu gießen und ein Gegensatzpaar wie es Fußballverein und Wirtschaftsunternehmen nun einmal darstellen stimmig unter einen Hut zu bringen. Der vom Neo-Präsidenten gerne gebrauchte Begriff der “Karriereplattform Sturm Graz” trifft aber nicht nur auf den ambitionierten jungen wirtschaftlichen Geschäftsführer Christopher Houben zu, sondern meint auch eine Art Rückbesinnung auf eine Vereinsphilosophie, jungen, steirischen und österreichischen Talenten eine sportliche Heimat zu bieten und eine Chance zu geben. Wieder, und mehr als das in den letzten sportlich erfolg-, aber wirtschaftlich risikoreichen Jahren der Fall war.

Kardinalfrage mit Signalwirkung
Christian Jauk weiß ganz genau, dass die Andersartigkeit im Fußballgeschäft, das Alleinstellungsmerkmal eines Fußballvereines – Christian Jauk würde wohl vom unique sales point sprechen – ein sehr wichtiger Faktor für die Positionierung des Vereines als unverwechselbare Marke ist und auch viele Personalentscheidungen unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten sind. Ein professioneller Vereinskörper mit sympathischem Antlitz schwebt dem Sturm-Präsident vor, wirtschaftlich auf soliden Beinen stehend, sportlich wettbewerbsfähig, aber auch die Rolle und Funktion als sozial-integrative Kraft und gesellschaftlich-kulturellem Wert wahrnehmend. Dieser Wunsch gleicht einem schwierigen Balanceakt und doch ist man versucht, Christian Jauk die Umsetzung zuzutrauen.

Die noch offene Besetzung des Postens des sportlichen Geschäftsführers wird wohl zur ersten Nagelprobe für den starken Präsidenten und sein Kabinett. Christian Jauk hat mit der Bestellung von Christopher Houben zum wirtschaftlichen Geschäftsführer Mut bewiesen und betonte auch im Zusammenhang mit der Suche nach einem sportlichen Geschäftsführer immer wieder, dass man einen qualifizierten Mann suche, der Feuer entfacht und mit Feuer und Eifer bei der Sturm-Sache ist. Dass er auch bereit sein muss, den Weg der “Karriereplattform Sturm Graz” mitzugehen und Sturm Graz wieder zu einem sportlich erfolgreichen, wirtschaftlich soliden UND sympathischen Konsensklub zu machen, sollte klar sein. Die Bestellung des sportlichen Geschäftsführers hat auch dahingehend Signalwirkung, weil Christian Jauk immer wieder betont, dass auch die Trainersuche in erster Linie zu dessen Aufgaben gehöre.

So bleibt es spannend. Spätestens in 14 Tagen sollten erste Antworten möglich sein – wie der sportliche Geschäftsführer nun heißt und ob Christian Jauk eher als kluger Leader oder als zögerlicher Blender zu gelten hat. Die in den “Hausblättern” publizierten angedachten Lösungen a la Franco Foda in einer Doppelfunktion Sportdirektor/Trainer würden auf zweiteres hindeuten. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass ein kluger Leader und visionärer Macher Werte wie Loyalität und Teamwork nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste stehen hat und Auffassungsunterschiede in der Akademiefrage ( Kooperation mit der HIB-Liebenau)  oder bei der Absetzung/Demissionierung von Ex-Jugendleiter Alfred Werner ganz vergessen sind.

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Heimo Mürzl (hm)

Jahrgang 1962, verbrachte seine Kindheit fern großer Fußballstadien in Mariahof, einem kleinen Ort in der Obersteiermark. Die Fußball-WM 1970 in Mexiko, die unvergessene Ajax-Jahrhundertmannschaft rund um Johan Cruijff und das so unglücklich endende Messestädte-Cup-Duell von Sturm Graz gegen Arsenal London machten den von Kleinauf selbst kickenden Buben zum späteren Fußballverrückten. Mit dem Studiumbeginn in Graz wurde es ihm auch endlich möglich, sein Fantum nicht nur vor dem Fernsehschirm auszuleben, sondern selbst im Liebenauer Stadion und in der Gruabn Teil der kollektiven Emotionen zu werden. So verbringt er auch heute noch sehr viel Zeit in den diversen Weihetempeln des runden Leders, wo Sehnsüchte erzeugt und mitunter auch gestillt werden. Mit großer Freude schreibt er für das Extra der Wiener Zeitung und das SturmEcho, das Klubmagazin des SK Sturm Graz.



Kommentare

madschi1988 says:

Also ich glaub schon das Jauk alles schafft was er such vornimmt!
Ein Geschäftsführer ist ja schon da und der Andere wird a bald kommen!
Die Umwandlungen in eine GmbH ist ja nur mehr Formsache!
Für den Stadionausbau wurden ja auch schon Gespräche geführt!
Die vorgeschlagenen Stadionpläne kommen mir so ähnlich vor wie bei da BayArena!
Ich glaub das der Jauk mit seinem Vorstand sehr gut für Sturm ist und somit eine rosige Zukunft sicher ist!

Auf der Sturm Homepage is die Kontaktadresse für die GmbH auch schon angegeben also ist sie vielleicht schon ausgelagert worden?

Uuups das is für den Fanartikelhandel..schon 1997 gegründet..mein fehler..

Bin schon auf Mo’s Reaktion gespannt nachdem die Kardinalsfrage entschieden sein wird!?

archaeopterix says:

Vorweg einmal – Jauk ist kein Zauderer ! Er hat in 3 Monaten schon sehr viel gemacht !- Alle Präsidenten der letzten 100 Jahre haben nach der Wahl den Verein weitergeführt & immer mit finanziellen Problemen gekämpft ! Ich habe viele davon persönlich gekannt.- Die Rettergruppe nach dem Kartnig – Konkurs 2006 versuchte auch neue Ideen & Pläne umzusetzen! Es gab schon zeitweise 2 Geschäftsführer, man versuchte den Verein nach der Mißwirtschaft der Kartnig -Ära nach wirtschaftlichen Grundsätzen zu führen !! Rinner arbeitete schon mit ausgeglichenen Budgets und bekam schon problemlos die Lizenzen !! Er baute nach dem 100 – Jahrjubiläum erstmals ein Trainingszentrum Messendorf zu einem Schmuckstück aus ! Der Verein wurde erstmals schuldenfrei ! Mit Stockenhuber machte der Verein erstmals 2 Bilanzen mit Gewinn !!– 2. Teil folgt …….

archaeopterix says:

2. Teil: Präsident Jauk kam, sah & siegte- veni, vidi, vici ! In Windeseile zauberte er über Nacht einen neuen Vorstand & Aufsichtsrat aus dem Hut !! Erfahrene, prominente & honorige Manager aus der Wirtschaft !- Dieses glaubwürdige Team will den für den Verein eine neue moderne Struktur realisieren- die ersten Schritte wurden schon realisiert für eine operative Kapitalgesellschaft mit 2 verantwortlichen Geschäftsführern ! Jauk hat viele kreative Pläne & neue Ideen und ich glaube ihm, daß er vieles davon erreichen wird!?- Ein Konzept von ihm ist ein Stadionausbau und – Erweiterung ! Mit Zuschauern nahe am Spielfeld wie in England und in der alten Gruabn würde auch die Atmosphäre der Vergangenheit wieder aufleben lassen und vielleicht auch neue Fans bringen !?- Ich war dabei, als sich ” über ” ! 20.000 Zuschauer ins Stadion drängten – tempi passati ?? Ich war bei einigen Sitzungen für die Planung des neuen Liebenauer Stadions dabei – Vertreter von Sturm & GAK waren keine dabei – hatten kein Interesse !!!!….Jauk muß bei der Realisierung der Stadion – Erweiterung nicht nur Politische Interessen überwinden ! Wie schon geschrieben war in der CL Real Madrid nicht ausverkauft und auch das letzte Rapidspiel nicht !!!?? Um neue Zuschauer zu generieren wird u.a. auch eine neue Preispolitik notwendig sein ! Ich erinnere mich an Spiele in Manchester, wo der Preis immer gleich hoch war und das über Jahre lang !!! Weiters muß ein völlig neues Marketingkonzept für neue Zuschauer sorgen ! -Events mit girl – groups & Nackt Models wären das wenigste …… ” Glück auf ” für ein rosige Sturm Zukunft mit Jauk ! –

Melvinuss says:

“Nacktmodells” freu ;) )

archaeopterix says:

.. 3. Teil : zum letzten Satz ” Events ” : NANA von Emile Zola wäre ein Drehbuch hiefür …

Ceterumcenseo says:

Jauk braucht sich nicht zu profilieren. Er hat entscheidend dazu beigetragen, dass Sturm 2007 den Ausgleich schaffen konnte, er hat den Verein finanziell in Ordnung gebracht, er hat ein hervorragendes Netzwerk, er hat in Kürze Persönlichkeiten für Vorstand und Aufsichtsrat rekrutiert, die Sturm in dieser Dichte nie hatte. Und er ist voller kreativer Ideen. Außerdem beweist er tagtäglich als Banker Führungs- und Entscheidungsstärke. Sturm muss sich glücklich schätzen ihn als Präsidenten zu haben. Jauk einen “zögerlichen Blender” zu nennen, sollte Foda Sportdirektor werden, ist eine gezielte und untergriffige Provokation des Foda-Gegners “Mo”. Man kann sicher sein, dass Jauk und sein Team die Wahl des Sportchefs gründlichst überlegen und nach fachlichen und finanziellen Kriterien treffen werden.
Mit Sicherheit wird die Entscheidung – ganz gleich in welche Richtung – wieder Kritiker auf den Plan rufen. Dass Franco Foda polarisiert, ist kein Geheimnis. Seine Gegner hoffen auf seinen Abgang, ebenso viele wenn nicht mehr hoffen, dass er bleibt. Vorstand und Aufsichtsrat müssen Entscheidungen treffen. Mo macht Druck in eine Richtung, mit der Wahl der Mittel (zögerlicher Blender) sollte er sorgsamer umgehen.

Ich stelle in meiner Kolumne berechtigte Fragen und wenn diese Fragen schon für Druck sorgen, beginne ich mir Sorgen zu machen! Wenn eine grundsätzliche Hommage mit ein paar kritischen Fragen “gewürzt” wird, hat der Kolumnist seine Schuldigkeit getan. “Untergriffig” könnte man es nennen, Jauk als “zögerlichen Blender” zu bezeichnen. Fragen zu stellen, sollte erlaubt sein und schließt sorgsamen Umgang mit der “Wahrheit” sogar ein. Antworten erhoffe ich mir von Präsident Jauk und seinem Team.

Ceterumcenseo says:

Die kritischen Fragen sind ja überhaupt nie zur Diskussion gestanden und o.k. Was merkwürdig und “untergriffig” wirkt, ist der Aufmacher mit dem “Blender” und die Junktimierung eines etwaigen Sportchefs Foda mit Jauk als “zögerlichen Blender”. Die Antwort der Klubführung muss ja nicht mit der subjektiven Meinung des Kolumnisten übereinstimmen – und sie kann langfristig genauso gut wie schlecht sein. Wir kennen sie noch nicht.
Kaum anzunehmen, dass sich Jauk und sein Team unter Druck gesetzt fühlt. Die Entscheidung – wie sie auch fällt – wird mit Sicherheit Gegner und Befürworter auf den Plan rufen. Den absoluten Idealzustand können sich auf dieser Welt nur Träumer erwarten.

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