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© SturmTifo.com

Paul Gludovatz

Grantler, Burgenländer, Ried

Paul Gludovatz ist Grantler, Burgenländer und Ried. Oder Ried ist Paul Gludovatz. Oder war. Gludovatz ist nämlich bald nicht mehr Trainer im Innviertel, sondern sportlicher Geschäftsführer bei Sturm Graz. Ein Portrait.

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Man kennt ihn mit Ried-Regenjacke und Ried-Kappe. Man kennt ihn als grantelnden Trainer, der Journalisten gerne und immer wieder auf dumme Fragen hinweist. Man kennt ihn als Verfechter des 3-3-3-1. Man kennt ihn als Mann, der aus einem Dorfverein einen Klub gemacht hat, der am internationalen Geschäft schnuppert. Im Grunde ist Paul Gludovatz Ried. Oder umgekehrt. Das ist aber bald Vergangenheit. Paul Gludovatz ist der neue sportliche Geschäftsführer von Sturm Graz.

Der 65-jährige Burgenländer hat sich früh gegen eine Karriere als Profifußballer entschieden (seine Fußballschuhe schnürte er für den SV Oberwart) und beschlossen sich auf das Traineramt zu konzentrieren. Jahrelang leitete er die Nachwuchs-Agenden im ÖFB. Mit Erfolg. Die großen Siege der österreichischen U-20-Auswahl um Kapitän Sebastian Prödl und Stürmer Rubin Okotie müssen nicht in Erinnerung gerufen werden. Der österreichische Fußballfan hat sich die WM-Spiele aus Kanada zu unchristlichen Zeiten im TV angeschaut. Er kennt Gludovatzs Leistungen im Nachwuchsbereich, weiß sie zu schätzen.

Und nicht nur er. Auch über Österreichs Grenzen hinaus nimmt man die Arbeit des Grantlers wahr, der sich ungern in den Mittelpunkt stellt. Wieviele österreichische Fußballer oder Funktionäre können von sich behaupten in “Die Zeit” portraitiert zu werden? Vom Feldwebel schreibt die angesehene deutsche Wochenzeitung. Vom erfolgreichen Nachwuchs-Trainer. Und darüber, dass er sich irgendwie ungern loben lässt. “So einer, ein Marktschreier in eigener Sache, ist Paul Gludovatz nicht. Keiner aus seiner Gegend kann das sein. Dort wurden die Menschen seit je noch mehr von herkunftsbedingten Minderwertigkeitsgefühlen geplagt, als es die Burgenländer insgesamt ohnehin werden. Dort, wo es schon ein Erfolg ist, über die Runden zu kommen, pflegt man Heldenlegenden eher nachlässig.

In Oberwart hat Gludovatz, der kroatische Wurzeln hat und nicht nur deswegen mit Spielern mit Migrationshintergrund bestens harmoniert, nicht nur selbst gespielt. Er hat in der Stadt an der Grenze zur Steiermark auch seine Trainerkarriere begonnen. In der burgenländischen Landesliga. 1981 wechselte er dann zum ÖFB, war 27 Jahre für die österreichischen Nachwuchs-Auswahlen verantwortlich, bevor er dann zur SV Ried wechselte, die er zum zweiten Cup-Sieg der Vereinsgeschichte führte und zum Serien-Herbstmeister coachte. Eines meidet Gludovatz aber wie der Steirer einen Salat ohne Kernöl oder der Burgenländer einen Herbst ohne Wein-Ernte: das Wort Meistertitel. Vielleicht fehlt ihm das aber. Vielleicht möchte er einmal sagen können, dass der Meistertitel erreicht werden kann.

Und doch verwundert es, dass der Mann, der seit mehr als 30 Jahren im Profigeschäft als Trainer tätig ist, sich nun den Job als sportlicher Geschäftsführer antut – noch dazu in einem Alter, wo man in anderen Berufsständen schon längst in Pension ist. Aber der Ehrgeiz packt ihn. Immer wieder und noch immer. Der Ehrgeiz, den er vielen österreichischen Fußballern abspricht. “Die Spieler sind zu satt, dieser bedingungslose Ehrgeiz fehlt. Wenn einer in Ried in der Kampfmannschaft ist, muss er Stammspieler werden wollen, dann zu Rapid, ins Ausland und ins Nationalteam. Nach zehn Länderspielen muss er sechzig wollen. Dieser Wille geht mir ab”, sagte Gludovatz einst in einem Interview zu Nullacht. Wenn man aus der Antwort den Rapid-Teil streicht, dann deckt sich das ziemlich genau damit, was Christian Jauk seit seinem Amtsantritt propagiert: Nämlich, dass Sturm Graz Karriereplattform (und nicht Ausbildungsverein) sein soll und wird.

Paul Gludovatz soll diese Philosophie nun also vorleben. Als der Mann, der, wie Christian Jauk mehrfach betont, den Verein nach außen vertreten soll. Als der Mann, der die sportlichen Agenden leiten wird. Wer ihm ab Sommer als Trainer beistehen wird, ist unklar. Franco Foda wird es wohl nicht mehr sein. Aber das ist eine andere Geschichte.