Gludo
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Paul Gludovatz

"Ich bin nicht der Alleinherrscher"

Im Gespräch mit Sturm12.at spricht Paul Gludovatz über die Grazer Vormachtstellung im Süden, den ersten Kontakt mit Präsidenten Christian Jauk und die geheimnisvolle Liste mit fünf Trainernamen. Zudem verrät Gludovatz, was der neue Trainer mitbringen muss.

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Sturm12.at erreichte am Dienstagnachmittag den designierten sportlichen Geschäftsführer des SK Sturm Graz. Trotz der “enormen Turbulenzen der vergangenen Tage” nahm sich Paul Gludovatz für ein Telefonat Zeit. Und der Eberauer legte los wie die Feuerwehr. Bevor man die erste Frage an den Neo-sportlichen Geschäftsführer richten konnte, beantwortete der Burgenländer in einem 10-minütigen Rede-Schwall den halben Fragenkatalog. Paul Gludovatz begann ganz von vorne.

Wie alles begann
„Vor drei Wochen kontaktierte mich Präsident Christian Jauk erstmals. Kurz vorher bekam ich eine Vorwarnung von Hans Fedl, der mich auf diesen Anruf vorbereitete“, so der designierte sportliche Geschäftsführer. „Jauk fragte mich, ob ich es mir vorstellen könne, dieses Amt zu übernehmen. Mit dem Verweis darauf, dass es noch drei bis vier andere Kandidaten gäbe.“ Auch Franco Foda? „Ja, Franco Foda mischte damals noch stark mit.“

Paul Gludovatz zweifelte nie, ob der Wechsel vom Trainer zum sportlichen Geschäftsführer der richtige sei. „Ich treffe solche Entscheidungen innerhalb von Stunden. Als ich von Sturm gehört hatte, wusste ich sofort was ich will. Das war schon damals so, als ich zum ÖFB ging. Stefan Reiter wird auch bestätigen können, das ich bei dem damaligen Wechsel zur Ried nie zweifelte“.

Entscheidung zur späten Stunde, dann Stillschweigen
Wie ging es weiter? „Drei Wochen später, letzten Mittwoch, hat mich Jauk erneut kontaktiert. Er meinte, es würde eine Vorstandssitzung geben. Da fällt dann die Entscheidung. Ich wäre noch Kandidat, aber Franco Foda sei auch anwesend.“ Da begann Paul Gludovatz zu zweifeln, ob nicht doch Franco Foda den Zuschlag erhalten würde. Weit gefehlt: „Um 22:30 sagte Jauk zu mir, dass ich der letzte Kandidat bin. Jauk hat dann auch sofort Stefan Reiter kontaktiert, den er auch schon vorher gefragt hatte, ob er mit mir reden dürfte. “

„Ich habe sofort vollstes Stillschweigen erbeten und mich mit Stefan Reiter in Kontakt gesetzt. Da haben wir alles geregelt.“ Alles? „Die Situation von gestern auf heute hat sich bekanntlich geändert. Ich habe mit der SV Ried mein Dienstverhältnis aufgelöst, womit ich vor dem mit Jauk vereinbarten 1. Juni verfügbar bin.“

Verhandlungen über Dienstantritt im Laufen
Vereinbart war der Dienstantritt mit dem 1. Juni, was sich nun nach der Vertragsauflösung in Ried doch ändern könnte. „Ich spreche in den nächsten Tagen noch mit dem Präsidenten, mit welchem Tag ich bei Sturm anfangen werde. Aktuell kann ich nicht sagen, ob das mit dem 1. April oder dem 1. Mai sein wird.“ Gestern hat sich Paul Gludovatz bei der Mannschaft verabschiedet und mit dem Neo-Trainer Team der Innviertler, Michael Angerschmid und Gerhard Schweitzer, ein Gespräch geführt.

Wieso Sturm Graz, Herr Gludovatz?
Über seinen neuen Verein findet Paul Gludovatz erwartungsgemäß nur positive Worte. Seinen Wechsel in die steirische Landeshauptstadt begründet der 65-Jährige so: „Sturm vertritt den ganzen Süden und hat das zweitgrößte Fanpotential in Österreich. Hier ist soviel zu erreichen, dass mich diese Aufgabe extrem reizt.“

Aber was genau ist zu erreichen, Herr Gludovatz? „Aus weniger mehr herauszuholen. Sturm ist Meister geworden, hat den Cup geholt. Vielleicht wird es nicht sofort der Titel, aber international zu spielen ist schon unser Anspruch. Auch mit weniger Mittel. Sturm muss einsparen. Ich schätze sehr, was in Graz erreicht wurde. Da will ich ansetzen.“ Seine Kompetenzen sprach Paul Gludovatz mit Christian Jauk genau ab. Auch eine Mitgestaltung vom Akademie-Bereich über die Amateure bis hin zur Kampfmannschaft lies sich Gludovatz zusichern.

„Ich mag die Sturm-Jugend. Ich habe schon immer gerne mit ihnen gearbeitet. Es ist schön, nach langer Zeit Jürgen Säumel und Rubin Okotie wiederzusehen. Und einige andere. Aber ich will jetzt nicht dezidiert Namen nennen. Von Sturm sind bei meiner Arbeit als ÖFB-Nachwuchstrainer immer die größten Talente gekommen. Sturm hat ein riesen Nachwuchs-Potential, das möchte ich ausschöpfen.“

Die fünf Namen am Zettel
Auf die Frage hin wer der nächste Trainer wird, ließ sich Paul Gludovatz keine Antwort entlocken. „Ich weiß, welche Namen da genannt werden. Die einen meinen, ich würde Schweitzer mitnehmen, die anderen sagen der Hauseigene Schopp wirds. Dann höre ich auch Darko Milanic ständig. Ich sag Ihnen eines: Ich habe fünf Namen am Zettel stehen und einer davon sollte es werden.

„Die Bestellung des neuen Trainers hat oberste Priorität. Noch vor etwaigen anderen Besetzungen in der Akademie und weiteren Positionen. Ich muss Sturm noch genau analysieren und mich mit einem Trainer verständigen, der selbständig arbeitet und aus Eigeninitiative ein neues Spielsystem und eine andere Philosophie präsentiert. Ich bin nicht der Alleinherrscher Gludovatz, damit das klar ist.“

Geht Foda früher als geplant?
Das Rätselraten um die fünf Namen auf Gludovatz’ Zettel können beginnen. Sport10.at zitierte heute Gludovatz’ ehemaligen Co-Trainer Gerhard Schweitzer mit der Aussage, er würde seinem Mentor vielleicht im Sommer nach Graz folgen. Auch Markus Schopp äußerte sich positiv über einen Wechsel innerhalb des Vereins und Darko Milanic ließ vor einigen Wochen im Sturm12.at-Interview mit der Aussage aufhorchen, früher oder später zu Sturm zurückkehren zu wollen.

Derweilen brodelt auch die Gerüchteküche um Franco Foda. Bei der Pressekonferenz versicherte der Deutsche zwar, seinen Vertrag bei Sturm zu erfüllen, mit dem Rauswurf von von Marco Kurz beim Bundesligisten Kaiserslautern könnte sich jedoch eine neue Option auftun. In deutschen Medien wird Foda bereits als potentieller Nachfolger gehandelt.