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12 Meter

Kapitaler Fehlstart

Totalversagen – so ist es wohl zu bezeichnen, wie Sturm gestern rund um die Beurlaubung von Franco Foda agiert hat. Von einer völlig verfehlt angesetzten PK, von Kommunikationspannen und einem unangemessenen Umgang mit einem verdienten Angestellten.

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© 2011 Sturm12.at

Gestern wurde am Vormittag in der Sturm-Geschäftsstelle in Messendorf die Antrittspressekonferenz von Paul Gludovatz als sportlichem Geschäftsführer abgehalten. Gemeinsam mit seinem wirtschaftlichen Pendant Christopher Houben trat er vor die Presse, um seine Ambitionen und Vorstellungen darzulegen. Ein paar Stunden später platzte die Bombe: Franco Foda wurde nach dem blamablen Cup-Aus gegen Hartberg mit sofortiger Wirkung als Chef-Trainer beurlaubt. Davon war in der Pressekonferenz davor kein Wort zu hören. Und das, obwohl die Entscheidung längst gefallen war.

Seit Jänner, dem Beginn der Präsidentschaft Christian Jauk, wurde bis zum Erbrechen von einem Paradigmenwechsel im Verein gesprochen. Man wolle eine neue Struktur schaffen, professionalisieren und vor allem auch nach außen einen anderen Auftritt hinlegen. Was allerdings am gestrigen Tag, der ersten wirklichen Bewährungsprobe in dieser Hinsicht, für eine kommunikative und administrative Fehlleistung hingelegt wurde, sucht ihresgleichen. Das war ein kollektives Totalversagen der Beteiligten und das glatte Gegenteil eines Paradigmenwechsels. Aber der Reihe nach:

Am Mittwoch, nach dem Cup-Spiel, wurde intern der Beschluss gefasst, man müsse Franco Foda sofort beurlauben und ihn nicht bis Saisonende im Amt weiterarbeiten lassen. “Das war eine gemeinschaftliche Entscheidung mit Einbeziehung beider Geschäftsführer und dem Vorstand”, sagt dazu heute der wirtschaftliche Geschäftsführer Christopher Houben gegenüber Sturm12.at. Franco Foda hat nach eigenen Angaben dann am Donnerstag in der Früh eine SMS erhalten, dass er sich um 13:00 in Messendorf einfinden solle, um ein Gespräch mit Houben und Gludovatz zu führen. “Es stimmt, dass Foda zum Gespräch gebeten wurde, allerdings hat er von der Beurlaubung dann erst im persönlichen Gespräch erfahren”, erklärt Houben weiter. Fakt ist jedenfalls, Gludovatz und Houben wussten, als sie um 10:30 vor die Presse traten bereits, dass sie im Anschluss den Trainer von seiner Entlassung unterrichten werden.

Bei der Pressekonferenz kam dann auch das Thema auf, ob Foda denn die Saison zu Ende machen werde. Gludovatz drückte sich nicht sehr klar dazu aus, allerdings wurden seine Aussagen so verstanden, als würde Foda bis zum Ende des Vertrages an der Linie bleiben. Die Unklarheit und missverständliche Ausdrucksweise waren zunächst offenbar ein Produkt der Überforderung von Gludovatz mit dieser für ihn ungewohnten Situation. Hinzu kam wohl das Unbehagen, dazu Stellung beziehen zu müssen, schon in dem Wissen, dass man im Anschluss Foda feuern wird. Unangenehm, schon klar. Was soll man sagen? Entweder dem Trainer über die Öffentlichkeit ausrichten, dass er gegangen wird oder eine glatte Lüge hinlegen – unterm Strich die beiden zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Beide nicht sehr erstrebenswert. Deswegen der erste kapitale Bock des gestrigen Tages: Warum um Himmels Willen verlegt man nicht die Pressekonferenz und unterrichtet zuerst den Trainer, wenn am Vorabend diese wichtige Entscheidung getroffen wurde?

“Jetzt im Nachhinein sind wir auch schlauer. Es wäre natürlich aus heutiger Perspektive besser gewesen, die Pressekonferenz nach hinten zu verschieben”, gesteht sich Christopher Houben nach einer überschlafenen Nacht ein. Man hätte aber in der Hektik rund um die Ereignisse nicht daran gedacht und in der allgemeinen Dynamik seien die Dingen da einfach ein wenig aus dem Ruder gelaufen, so Houben weiter. Die angedachten Neustrukturierung und die organisatorischen Kapazitäten des SK Sturm seien heute noch nicht so perfekt, wie man es in Zukunft erreichen will und es seien gestern einfach Fehler passiert, erklärt der wirtschaftliche Geschäftsführer weiter. Ich frage mich allerdings, hat es wirklich was mit Struktur oder Kapazitäten zu tun, sich die Frage zu stellen: “Ist es schlau eine Pressekonferenz anzusetzen, wenn ich weiß, ich muss unmittelbar danach den Trainer von seiner Entlassung unterrichten?”. Ist es nicht der umgekehrte Weg, der zu gehen gewesen wäre, unabhängig wie man die Entscheidung zu Foda inhaltlich bewertet? Würde einem das nicht der simple Verstand sagen?

Und nicht nur diese kapitale Fehlleistung war es, die man bemängeln kann. Auch das Kommunikationsverhalten des Vereins erinnerte eher an das Sturm Graz der letzten Jahre, denn an einen Paradigmenwechsel. Franco Foda sagte nach seinem Gespräch mit Houben und Gludovatz, er wäre über seine Beurlaubung informiert worden. Zudem hätte man ihm eröffnet, die Geschäftsführer seien nur die Überbringer der Botschaft, die Entscheidung käme vom Präsidium. Das widerspricht nicht nur vollinhaltlich der Aussage von Houben, der meinte, es sei eine gemeinschaftliche Entscheidung mit Einbeziehung der Geschäftsführung gewesen. Es widerspräche genauso der großspurig bei der Pressekonferenz verkündeten operativen Entscheidungsgewalt des Duos Houben-Gludovatz. Eine fürchterliche Optik, wäre der sportliche Geschäftsführer erst ein paar Tage im Amt und das Präsidium diktiert ihm schon die erste Verfügung. Dass hier die Aussage von Franco Foda ein wenig glaubwürdiger erscheint, wird durch ein TV-Interview von Paul Gludovatz verstärkt. Er sagte dem ORF in die Kamera, er sei vom Präsidium ausgewiesen worden, diese Freistellung Fodas zu vollziehen. Zudem dauerte es bis in die Abendstunden, ehe der Verein auf diese Behauptung Fodas reagierte und überhaupt konkret Stellung bezog.

Christian Jauk sprach gegenüber Sturm12.at von einer gemeinschaftlichen Entscheidung mit der Geschäftsführung, die Zeit der Alleingänge sei vorbei. Eine Partei spricht hier also die Unwahrheit, entweder Foda oder der Verein, oder bei der Übermittlung an den scheidenden Trainer ist unglaublich schlecht vermittelt worden. Kommunikativ jedenfalls ein glatter Bauchfleck, da es mehr als nur wahrscheinlich ist, dass sich Foda diese Aussage wohl nicht aus den Fingern gesaugt haben wird. Am Ende steht hier eine üble Optik und es scheint als würden die Außendarstellungsfettnäpfchen bei den Schwarz-Weißen nahtlos an die Präsidentschaften Rinner und Stockenhuber anknüpfen. Und es steht hier vor allem eine nagelneue Geschäftsführung, die ihre Amtszeit gleich mit einem ordentlichen Patzer beginnt. Besonders wenn man sich so weit hinauslehnt und gerade diesbezüglich so vieles neu und besser machen will, darf man sich bei der ersten Gelegenheit nicht eine solche Fehlleistung erlauben.

Nicht zuletzt ist es auch gegenüber der Person Franco Foda alles andere als angemessen, ihm einen solchen Abschied zu verpassen. Wie auch immer man zu ihm stehen mag, 15 Jahre im Dienst von Sturm Graz gepaart mit den zählbaren Erfolgen, die unterm Strich übrig bleiben – Foda hätte sich eine andere Art der Verabschiedung verdient. Und bei allen Kritikpunkten an seinem Auftreten und seiner Persönlichkeit, ich unterstelle ihm, immer das Beste für Sturm gewollt zu haben und ich würde ihm zu keinem Zeitpunkt ein wissentliches Fehlverhalten vorwerfen. Ja, es hat am Ende wahrscheinlich nicht mehr gepasst, aber ihn dann so vorzuführen, ist unangemessen. Und es ist nicht nur dem verabschiedeten Trainer Unrecht getan worden, der ganze Verein hat sich selbst und seinen ambitionierten Plänen keinen Gefallen gemacht. Präsident Jauk sprach immer von der Arbeit der Geschäftsführung, in die er sich nicht einmischen wolle. Jetzt schwebt dieser Vorwurf im Raum, er hätte das gleich bei der ersten Gelegenheit getan. Von einem Paradigmenwechsel hinsichtlich der Strukturen und Professionalisierung wurde schwadroniert. Jetzt galt es die Neustrukturierung zu vollziehen und gleich bei der Antrittspressekonferenz des sportlichen Geschäftsführers wird nach Noten gepatzt. Und man wollte die Außendarstellung des Vereines in ein anderes Licht rücken, professionell kommunizieren und sich hier ganz neu aufstellen. Jetzt gab es die erste schwierige Situation, die gemeistert hätte werden müssen und es ging so ziemlich alles schief, was an diesem Tage möglich war.

Meine Herren, da gibt es noch einiges zu tun, um die Botschaften in Taten umzusetzen. Ich vertrete nach wie vor die Meinung, die Weichenstellungen seit Jänner waren die richtigen und auch personell meine ich weiterhin, die installierten Leute sind im Grunde gut gewählt. Nichtsdestotrotz ging diese erste Bewährungsprobe gründlich in die Hose und die gestrige Angelegenheit scheut keine Vergleiche mit den Aussetzern früherer Tage. Einen Unterscheid gibt es allerdings dann doch: In seinen Aussagen und im persönlichen Gespräch mit Christopher Houben, konnte man eine ehrliche Einsicht erkennen, dass hier etwas schief gelaufen ist. Es scheint ein Problembewusstsein vorhanden und man scheint zu reflektieren, was falsch gelaufen ist. Das gab es in den Stockenhuberschen Zeiten nicht und das lässt hoffen. Fehler machen ist erlaubt, immer wieder die gleichen Fehler zu machen ist nicht erlaubt. Daran wird in den nächsten Monaten der “SK Sturm neu” gemessen werden müssen.