Interview des Monats

"Ich habe mich damals sehr viel eingemischt"

Zum Interview des Monats April hat sich Sturm12.at dieses Mal mit dem aktuellen Bundesligapräsident und dem ehemaligen Sturmpräsident Hans Rinner an einen Tisch gesetzt. Wir blicken gemeinsam zurück und er erzählt, warum der Titel auch ein bisschen ihm gehört.

SturmTifo.com

“Ich bin es gewohnt, Erfolg zu haben”, sagt Hans Rinner irgendwann während des Gesprächs im Hilton Danube Hotel in unmittelbarer Nähe zum Happel-Stadion. Erfolg ist ihm wichtig. Als Unternehmer, als Liga-Funktionär und früher als Sturm-Boss. Das spürt man, ihm gegenübersitzend. Das hört man, wenn er über seine Zeit bei Sturm und über seine Firma spricht. Nicht von ungefähr wird Rinner im Laufe des Gesprächs von seinem Anteil am Meistertitel berichten. Und er musste sich deshalb auch eine Zeit lang viel einmischen, im Verein, wegen dem Erfolg. Als er gar nicht mehr so sehr musste, gelang der Rückzug nicht recht. Auch davon erzählt der Multi-Funktionär.

Am Tag des Gesprächs ist Rinner als Bundesliga-Chef unterwegs, eine Sitzung zu Liga-Formaten wartet am Nachmittag. Viele Funktionen zugleich, die hat er schon seit Jahren. Er war zugleich Sturmpräsident und jener der Liga. Das ist er noch immer, bei Sturm war er ein bisschen weg, jetzt ist er wieder da. Als Aufsichtsrat. Und Unternehmer war er ohnehin schon fast immer. Warum er in gewissen Phasen ans Limit seines Zeitbudgets gestoßen ist, warum er denn nun wirklich als Sturm-Boss zurückgetreten ist und warum seine Funktionen in keinster Weise unvereinbar seien, das hat er während zwei Melange auch noch erklärt.

Herr Rinner, würden Sie sich als Fußballfachmann bezeichnen?
Der Begriff Fachmann ist relativ. Es gibt gute und schlechte Profis in diesem Geschäft, genauso gibt es gute und schlechte Funktionäre, hauptamtlich und ehrenamtlich, im Fußball. Ich bin sicher nicht der große Fußballfachmann, was man mir allerdings auf Funktionärsebene zugetragen hat, habe ich immer nach bestem Wissen und Gewissen gelöst.

Ich frage deshalb, weil Walter Hörmann unlängst in einem Interview unter anderem Ihre Person hart kritisiert hat. Sie hätten sich ständig in seine Arbeit als Sportdirektor eingemischt und das trotz mangelnder Fachkenntnis.
Ich möchte dazu eigentlich nicht viel sagen. Walter Hörmann hat genug mit sich selbst zu tun und große persönliche Probleme. Er hat gewisse Qualitäten, das möchte ich ihm nicht absprechen. Er hat es bei Sturm versucht, er hat es bei Altach versucht und er versucht es jetzt bei Hartberg. Ich wünsche ihm dafür alles Gute.

Ok. Dann lassen wir den Walter Hörmann weg und stellen die Frage neu: Haben Sie sich als Präsident viel eingemischt? Stimmt der Vorwurf, Sie seien machtbewusst und versuchen alle Dinge zu kontrollieren?
Es ist richtig, dass ich mich damals sehr viel eingemischt habe. Man muss dazu aber die Historie erklären. Als wir 2006 nach Hannes Kartnig übernommen haben, waren wir in Konkurs, die Unterlagen waren alle beschlagnahmt und Mitarbeiter hat es so gut wie keine gegeben. Deshalb waren zwei Punkte wichtig: Man musste einerseits alles hinterfragen und außerdem alles von Grund weg neu aufbauen. Das hat von außen niemand so direkt gesehen. Ich habe zu dieser Zeit ehrenamtlich quasi den Fulltime-Job eines Geschäftsführers erledigen müssen. Ob das rückblickend so richtig war, kann man diskutieren. Sieht man sich allerdings die Ergebnisse aus dieser Zeit an, war die Entscheidung am Ende wohl doch nicht so falsch.

Aber nach der Phase des Wiederaufbaus, wäre eine so starke Präsenz ihrer Person nicht mehr notwendig gewesen.
Dass dieser Übergang, sich wieder loszulösen, nicht so recht funktioniert hat, habe ich schon mehrmals betont und klargestellt. Wir haben das mit Christian Schmölzer seinerzeit versucht, ist leider schief gegangen. Manchmal braucht es mehrere Anläufe. Jetzt ist die Ausgangssituation ganz eine andere und ich hoffe deshalb, dass Christian Jauk und seinem Team dieser Schritt jetzt gelingt.

Sie sagen mit Christian Schmölzer hat es nicht geklappt. War das auch Ihre Schuld oder war er einfach nicht der richtige Mann?
Wenn etwas nicht funktioniert, sind meistens beide Seiten schuld daran. Das heißt, auch ich habe logischerweise meinen Anteil daran. Hätte ich damals etwas mehr Lockerheit und Gelassenheit gehabt und etwas weniger Angst um die finanzielle Zukunft des Vereins, dann hätte ich möglicherweise über einige Dinge hinwegsehen können. Dieses Thema der Finanzen war aber in meiner Präsidentschaft immer zentral. Auch darin begründet, unter welchen Voraussetzungen wir gestartet sind. Vielleicht haben wir es teilweise auch überbewertet und deshalb überzogen reagiert.

Es gibt auch wieder Anspielungen, Sie wären ein Mann der Alleingänge gewesen. Ein Mann, der immer wieder wichtige Entscheidungen ohne Einbindung des gesamten Vorstandes durchgeboxt hätte. Man sagt das etwa über die damalige Vertragsverlängerung von Franco Foda.
Zunächst einmal hat es in meiner Ära keinen einzigen Vertrag gegeben, den nicht mindestens zwei Vorstandsmitglieder gezeichnet haben. Richtig ist, dass das Thema Foda damals in Vorstandssitzungen kontroversiell diskutiert wurde. Einige waren keine Freunde von Franco. Ich bin allerdings bis heute der Meinung, diese Verlängerung war eine ganz wichtige Entscheidung für Sturm Graz. Er hat natürlich seine Eigenheiten, wie jeder Mensch. Er hat nach meiner Ansicht aber sicher den größten Anteil an der Erfolgsgeschichte nach dem Konkurs. Er war einfach ein Fachmann, der mit geringen Mitteln sehr viel bewegt hat.

Aber im Vorstand war damals das Votum zur Verlängerung kein einstimmiges?
Es muss legitim sein, dass in so einem Gremium nicht immer alle einer Meinung sind.

Ja, aber sind am Ende alle hinter dieser Entscheidung gestanden oder nicht?
Am Ende standen alle hinter dieser Entscheidung. Der Rest ist Spekulation.

Jetzt ist die Ära Foda nach dem Cup-Aus gegen Hartberg endgültig Geschichte. Wie sehen Sie dieses vorzeitige Ende?
Die Entscheidung halte ich für sachlich in Ordnung. Es geht für den Verein doch noch um einen internationalen Startplatz und deswegen kann ich nach so einem Spiel durchaus reagieren. Die Art und Weise, wie das vor sich gegangen ist, war natürlich äußerst unglücklich. Die Medien haben in den letzten Tagen dazu alles geschrieben, dem ist nichts hinzuzufügen. Besonders schmerzt dieser Vorfall, weil man eben gerade mit den Themen Transparenz und bessere Kommunikation angetreten ist und dann dieses Hoppala. Aber gut, Fehler passieren daraus muss man lernen, ein zweites Mal sollte es sowas nicht geben.

In der Nacht nach dem Cupspiel fiel die Entscheidung zur Entlassung des Trainers. Was war Ihre Rolle in dieser Diskussion? Welchen Standpunkt haben Sie vertreten?
Ich habe an diesem Abend schon am Rande mitbekommen, wohin sich die Sache entwickelt. Ich bin dann auch gefragt worden, was meine Position ist und ich habe meinen Standpunkt dargelegt, wie gerade eben erläutert. Ich habe allerdings keine aktive Rolle in dieser Diskussion gespielt.

Zu Ihrem eigenen „Ende“ unter Anführungszeichen: Was waren rückblickend, mit einigem Abstand betrachtet, die Gründe für das Ende der Präsidentschaft Rinner im Mai 2010?
Es waren im Wesentlichen drei Gründe. Der wichtigste war für mich, dass ich vier Jahre lang enorm viel Zeit investiert habe, in meiner Firma und im Fußball. Darunter hat auch mehr und mehr der Geschäftsgang meines Unternehmens gelitten. Das hat im Grunde fast bis zum heutigen Tage gedauert, das wieder vollständig zu reparieren. Zweitens war ich damals schon zusätzlich Präsident der Bundesliga und ich habe den insgesamten Zeitaufwand all meiner Tätigkeiten ein wenig unterschätzt. Und drittens bin ich der Meinung, der Zeitpunkt bei Sturm auszuscheiden, war gut gewählt.

Diese Punkte klingen plausibel und nachvollziehbar. Ich frage mich allerdings: Fehlt da nicht ein wichtiger Aspekt? Gab es nicht auch interne Unstimmigkeiten? Einen gewissen Druck anderer Vorstände, der Sie zurücktreten hat lassen?
Im Vorstand gab es durchaus immer wieder Diskussionen, wo ich kritisiert wurde, wo gesagt worden ist, das wäre so oder so besser gegangen. Das hat mir natürlich auch zu denken gegeben. Allerdings war es keineswegs so, dass ich gegangen wurde, wie das immer wieder behauptet wird. Es war allein meine Entscheidung. Ich kann das auch ganz offen erzählen: Günter Niederl und Gerald Stockenhuber sind auf mich zugekommen und haben mir in einem Gespräch erläutert, was Ihnen gefällt und was nicht. Wir sind so verblieben, dass ich mir Verbesserungsvorschläge überlegen werde und ob eine Weiterarbeit für mich möglich ist. In der folgenden Vorstandssitzung habe ich dann bekanntgegeben, dass ich nicht mehr weitermache.

In diesem Gespräch mit Stockenhuber und Niederl gab es keinerlei Druck oder Aufforderungen an Sie, das Amt zur Verfügung zu stellen?
Nein. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen: Es war ein Gespräch unter Freunden.

Und es hat Sie niemand jemals unter Druck gesetzt und Sie zum Rücktritt gedrängt?
Es gab keinen Druck.

Können Sie in der Retrospektive den größten Erfolg und den größten Fehler Ihrer Amtszeit benennen?
Der größte Erfolg ist sicher die Sanierung des SK Sturm nach dem Konkurs. Das wird immer auch als Rettung bezeichnet. Dieser Begriff gefällt mir nicht. Sturm wurde nicht durch den Zwangsausgleich gerettet, Sturm wurde in den drei Jahren danach durch eine höchst erfolgreiche Sanierungsarbeit wieder auf gesunde Beine gestellt. Wir haben in Graz zum Vergleich auch das Gegenbeispiel wie es anders laufen hätte können. Bei den Fehlern kann ich das nicht so eindeutig sagen, da sind mehrere Dinge zu nennen. Was allerdings vielleicht für mich am schwersten wiegt, ist das Scheitern bei der angedachten Geschäftsführerebene. Das ist kein neues Thema, das war von Anfang an Teil unserer Philosophie, diese Ebene einzuführen. Das ist nicht gelungen, ich hoffe es gelingt jetzt beim zweiten Anlauf.

Sie waren schon am Ende Ihrer Sturm-Zeit Präsident der österreichischen Bundesliga, sind das jetzt noch immer und gehen in anderer Funktion, als Aufsichtsrat, wieder zu Sturm Graz zurück. Warum?
Ich habe letzten Herbst mit Christian Jauk Gespräche geführt und wir waren uns einig, es gibt Handlungsbedarf bei Sturm. Ich bin sehr froh, dass er sich bereit erklärt hat an der Spitze zu stehen und die notwendigen Dinge umzusetzen. Ich habe ihm meine volle Unterstützung zugesagt, was auch in seinem Interesse war.

Waren die Positionen der neuen Führung damals schon klar?
Das war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so klar. Definitiv festgelegt haben wir das erst später. Für mich persönlich war nur klar, dass ich nie mehr in den Vorstand gehen werde. Dann stand der Aufsichtsrat zur Debatte und da habe ich mich nur dagegen verwehrt, nicht den Vorsitz übernehmen zu müssen. Ich wollte mit meiner Erfahrung einfach helfen so gut ich kann. Und damit das Kind einen Namen hat, kam dabei die Funktion des Aufsichtsrates heraus.

Unterstützung und Beratung, wozu braucht es da eine Funktion?
Weil sonst sofort wieder alle aufschreien würden, was denn der Rinner da mache und mit welchem Recht der sich da überhaupt einmischt. Inzwischen ist sehr viel weitergegangen, ich bin in manche Dinge involviert und bringe meine Erfahrungen ein. Aber ich treffe keine Entscheidungen. Das ist ganz wichtig festzuhalten.

Es ist aber schon richtig, dass Sie ein Mitglied des sogenannten Personalausschusses sind?
Ja, das ist richtig.

Bedeutet das nicht, Sie reden bei wichtigen Personalentscheidungen doch ein Wörtchen mit?
Es war ein Wunsch des Präsidiums, mich da dabei zu haben. Und es ist richtig, dass ich etwa vor der Bestellung des Christopher Houben mit ihm telefoniert und in Folge auch meine Einschätzung kundgetan habe. Mit Paul Gludovatz habe ich persönlich nicht geredet, habe aber auch dazu meine Meinung übermittelt.

Sind Sie in die Suche nach dem neuen Cheftrainer involviert?
Nein, in keinster Weise. Das ist Sache des sportlichen Geschäftsführers, der seine Vorschläge dann dem Präsidium präsentiert.

Das heißt, Sie sehen keinerlei Unvereinbarkeit zwischen Ihrer Funktion bei der Bundesliga und Ihren neuen Aktivitäten bei Sturm Graz?
Ganz im Gegenteil. Wenn man sich den Fußball ansieht, braucht man als Funktionär eine gewisse Affinität zu diesem Sport. Es wäre nicht sehr geschickt, würde ich Bundesligapräsident sein und zugleich verlautbaren, ich beschäftige mich mit dem Sport gar nicht, sondern spiele lieber Golf. Es braucht also einen Bezug und eine gewisse Klubnähe ist legitim, hat auch ein jeder. Das war immer so und wird auch immer so sein. Man muss das trennen. Den Job, den man hier macht und die Leidenschaft, die dort herrscht. Und eines ist auch wichtig: Ich bin Sturm-Fan, aber kein Fanatiker. Wenn ich ein solcher wäre, dann wäre es schwierig, da gebe ich Ihnen recht. Allerdings gälte das dann für jede Funktion.

Zum Thema Lizenzvergabe. Sie sind der Chef der Institution, die dem Verein, bei dem Sie Aufsichtsrat sind, die Lizenz erteilen oder verweigern kann. Auch hier gibt es keine Unvereinbarkeit?
Nein, weil die Senate unabhängig sind. Das ist eine große Errungenschaft. Und ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Mich interessieren die Details auch gar nicht. Ich frage auch nicht nach und schaue gar nicht hin.

Ginge das, wenn Sie wollten?
Nein, es ginge nicht.

Sie könnten nicht sagen: Ich will Einsicht haben?
Es geht nicht, als Präsident zu sagen, ich will mir die Papiere anschauen und dann entscheiden, wir erteilen hier eine Lizenz oder nicht.

Wir waren vorher schon beim Thema Trainer. Der neue Mann, der verpflichtet wird, was soll das aus Ihrer Sicht für ein Typ sein?
Ich habe keinen Wunschkandidaten. Ich würde es so formulieren: Es ist vielleicht wichtig für den Verein, wenn jemand kommt, der ein bisschen andere Charaktereigenschaften als Franco Foda hat. Das würde wahrscheinlich der Mannschaft und dem Klima gut tun.

Sie meinen die persönliche Art des Franco Foda?
Ja, es gibt unterschiedliche Trainer mit unterschiedlichen Charakteren. Foda ist ein sehr spezieller Typ mit einem gewissen Auftreten. Ein etwas anderer Charakter würde aus meiner Sicht in der jetzigen Situation gut sein. Und das sage ich, obwohl ich immer ein Fan des Franco Foda war. Nun muss es ohne ihn weitergehen und da gilt es das Beste daraus zu machen.

Derzeit kursieren häufig die Namen Darko Milanic und Markus Schopp als Favoriten auf den Posten des Chefs oder zumindest als Anwärter, Teil des von Gludovatz angekündigten Trainerteams zu werden.
Wie konkret diese beiden Personen als Kandidaten sind, kann ich nicht beantworten. Es gibt sicher auch noch andere. Ein Darko Milanic wäre aber sicher ein Top-Mann für den Verein. Er war erstens schon einmal als Co-Trainer bei Sturm, er kennt das Umfeld in Graz und wie man sieht hat er in Slowenien Erfolg.

Bis wann gibt es nach Ihrem Dafürhalten eine Entscheidung?
Das kann ich nicht sagen, ich schätze es wird innerhalb der nächsten paar Wochen so weit sein. Daran wird kein Weg vorbeiführen, die Meisterschaft ist Mitte Mai zu Ende.

Themenwechsel: Als Präsident der Bundesliga müssen Sie sich auch mit dem TV-Vertrag für die Liga befassen. Der aktuelle Vertrag läuft noch bis inklusive der Saison 2012/2013. Werden schon Vorbereitungen für die Verhandlungen getroffen? In Deutschland läuft der Vertrag zur gleichen Zeit aus und am Dienstag wurde der Vertrag bis 2017 bereits beschlossen.
Wir haben bei der letzten Aufsichtsratssitzung das Thema in Angriff genommen. Es wird so sein, dass wir im Herbst 2012 mit den Ausschreibungen und den ersten Gesprächen starten werden. Wir wollen in dieser Angelegenheit zügig vorankommen. Wir starten deshalb erst im Herbst, weil wir auf das Ende der Verhandlungen in Deutschland warten wollten. Der derzeitige Bundesliga-Partner Sky ist mit der Bitte an uns herangetreten, zuerst in Deutschland fertig zu verhandeln, um sich dann ganz auf Österreich konzentrieren zu können. Das ist legitim und diesem Wunsch kommen wir nach. Die Vorbereitungen sind aber in vollem Gange. Ob uns ein früherer Abschluss als die letzten beiden Male gelingen wird, kann ich allerdings nicht vorhersagen.

Was erwarten Sie sich an Mehreinnahmen für die Vereine? Kann man das ein bisschen festmachen?
Man muss hier zwei Dinge unterscheiden. In Österreich gibt es noch immer die Situation, dass einige Vereine und auch Sponsoren sehr stark auf einen Free-TV-Markt drängen. Die andere Seite ist das Pay-TV-Segment, wo andere Summen gezahlt werden. Wir wollen versuchen, am Ende das Maximum an Kohle für die Vereine herauszuholen. Wie die Lösung diesmal aussehen wird, ob das rein in die Pay-TV-Richtung geht oder wieder eine Mischlösung wird, kann ich derzeit noch nicht sagen. Aber ganz klar, unsere Erwartungshaltung beinhaltet einen höheren Betrag als beim letzten Mal.

Was sagen Sie dazu, wenn aus Hütteldorf immer wieder Rufe nach Einbeziehung des ORF als Bedingung kommen, ansonsten würde man die Rechte nicht zur Verfügung stellen?
Rapid Wien hat auch in unserer letzten Sitzung diesen Wunsch wieder geäußert. Allerdings nicht beschränkt auf den ORF, sondern es geht ihnen um einen Free-TV-Partner. Die Medienlandschaft in Österreich hat sich verändert, mittlerweile gibt es mehrere potente Free-TV-Anbieter. Dort gibt es zwar noch nicht die Einschaltquoten, die der ORF vorweisen kann. Es ist aber keineswegs gesagt, dass eine Lösung mit einem Free-TV-Segment unbedingt der ORF sein muss.

Wenn Sie sich derzeit am Sonntag ein ORF-Livespiel anschauen, wie würden Sie die Performance der Übertragungen bewerten?
Der ORF ist einer unserer Partner und ich werde sicher hier nichts Schlechtes über ihn sagen. Nur so viel: Nach oben hin sehe ich ein schönes Stück an Potential.

Gibt es von Seiten Servus TV, Puls4 oder ATV Signale, dass man an Rechten interessiert wäre?
Es gibt absolut Interesse und das wurde auch schon mehrfach in Gesprächen untermauert. Zumal ja mit einzelnen Übertragungen, etwa in der Europa League, gute Erfahrungen gemacht wurden. Ich glaube schon, dass aus dieser Ecke einiges während der Verhandlungen kommen wird. Für uns kann das nur gut sein, wenn sich das Interesse erweitert.

Fernsehen assoziiert Bilder. Schöne Bilder hat es im letzten Mai aus Liebenau gegeben. Sturm hat den Meisterteller überreicht bekommen. Aus den Händen von Hans Rinner. Was war das für Sie, als ehemaligem Präsidenten des Vereins, für ein Gefühl?
Für mich war das einer der schönsten und emotionalsten Momente meiner Laufbahn als Fußballfunktionär. Auch weil ein großes Stück Arbeit aus meiner Zeit in diesem Titel drinnengesteckt ist. Ich habe mich auch an das Jahr 1998 zurück erinnert, wo ich die Tellerübergabe von der Tribüne aus als Fan mit verfolgt habe. Damals habe ich mir gedacht, es muss schön sein dort unten zu stehen.

Kann man sagen, Sie würden sich selbst einen gewissen Anteil an diesem Titel zuschreiben?
Wenn man die letzten vier Jahre hernimmt, kann man glaube ich durchaus sagen, dass da ein Teil von mir dabei ist.

Ärgert einen das, wenn dann Gerald Stockenhuber der Präsident ist und er den Titel „geerbt“ hat?
Nein, das finde ich überhaupt nicht ärgerlich. Zum einen durfte ich den Teller übergeben, das ist vielleicht sogar noch schöner, als ihn in Empfang zu nehmen. Und zum anderen weiß ich, wie dieser Titel zustande gekommen ist. Und ich glaube sogar, mit ein bisschen Abstand kann man das sogar mehr genießen, als würde man noch im Amt sein und dort als Präsident stehen.

Zum Ende: Die heurige Saison. Was ist für Sturm noch drinnen?
Schwierig. Ich habe zunächst auf den Cup als Möglichkeit für einen internationalen Bewerb gesetzt, das ist ja nun leider nichts geworden. Mit einem hervorragenden Finish ist Platz drei möglich. Aber vom Gefühl her: Sturm wird gerne Vierter. Und ich glaube der Platz wird es am Ende wieder werden. Man kann immer noch hoffen, dass die Austria Cup-Sieger wird, dann wäre so auch der Europacup möglich.

Hat diese holprige Saison vielleicht auch etwas damit zu tun, dass man eher überraschend zur Meisterschaft gekommen ist? Liegen die Gründe im Kopf? Der Kader hat sich ja kaum verändert.
Die Meisterschaft war verdient, aber doch glücklich. Sturm hat nicht die Qualität, jedes Jahr besser als alle anderen zu sein. Und es ist schon richtig, dass das Jahr nach einem so großen Erfolg ein Schwieriges ist. Es fehlt ein bisschen Motivation, es fehlt ein bisschen an den Zielen und die Spieler haben noch ein bisschen zu viel den vergangenen Erfolg im Kopf. Das war über diese Saison spürbar.

Wäre es ein großes finanzielles Problem, wenn man den Europacup nicht schafft?
Sturm hat immer ohne Europacup budgetiert und so wie ich Christian Jauk kenne, macht er das jetzt nicht anders. Aber natürlich, wenn man sich weiterentwickeln möchte und wenn ein bisschen Spielraum und Bewegungsfreiheit im Bereich des Kaders gegeben sein soll, wird es ohne internationalen Startplatz sehr schwierig.

Wäre vielleicht eine Saison ohne Europa League sogar ganz gut für den Verein? Etwa hinsichtlich der Integration von jungen Spielern aus dem Nachwuchs?
Eine gute Frage. Aber ich glaube es ist beides möglich. Man kann trotz einer Europacup-Qualifikation junge Spieler integrieren. Wir haben genug Beispiele aus der Vergangenheit. Siehe Sebastian Prödl, Jakob Jantscher oder Daniel Beichler. Unlängst haben Florian Kainz oder Christian Klem dasselbe bewiesen. Und man darf eines nicht vergessen: Sturm Graz gehört zu den großen Klubs in Österreich. Wenn man länger hinten herum spielt, läuft man Gefahr, dass das ganze Werkl wieder nach unten geht. Ein Zuschauerschnitt von 11.000-12.000 wird dann wohl nicht zu erreichen sein.

Sehen Sie derzeit nachkommende Talente mit der Qualität der gerade angesprochenen?
Wir haben in den letzten Jahren ein bisschen einen Hänger gehabt, vielleicht haben wir den noch immer ein wenig. Speziell im U18-Bereich sehe ich aber einige sehr talentierte Spieler, da wird wieder was kommen.

Die auslaufenden Verträge, zum Beispiel von Joachim Standfest oder Thomas Burgstaller, die auch nicht mehr die jüngsten sind, sollte man die mit Einkäufen oder jungen Spielern kompensieren?
Ein Blick auf die finanzielle Situation beantwortet die Frage leider von selbst. Aber fast die gesamte Stammelf hat einen Vertrag oder der Verein hat eine Option. Es läuft nichts Gravierendes aus. Diese Lücken kann man durchaus mit den Jugendspielern auffüllen. Einzig in der Verteidigung braucht es vielleicht den einen oder anderen Transfer.

Schlussfrage: Sturm wird es heuer wohl nicht, da sind wir uns einig. Wer wird dann Meister?
Meister ist der geworden, dem ich am letzten Spieltag den Teller überreiche.

Das Gespräch führte Jürgen Pucher

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Kommentare

Weiß der gute Hans etwa schon, welche Verträge nicht mehr verlängert werden???

archaeopterix says:

Sehr gutes Interview, das auch hinter die Kulissen blicken läßt ! Man darf nicht vergessen, daß Rinner & sein Team nach dem Konkurs von Kartnig einen Sauhaufen übernommen haben & ein Trümmerfeld !! Mit den riesigen CL – Geldern wurde Null investiert !!! Umso positiver war es dann, daß unter Rinner ein in jeder Hinsicht vorbildliches Trainingszentrum Messendorf hingestellt – das man noch ” Osim Trainingszentrum Sturm ” zu seiner bleibenden Ehrung nennen sollte !! Wir Außenstehende haben vieles gar nicht gesehen oder erkannt – jedenfalls gilt Hans Rinner viel Dank ……

a propos trainingszentrum: gabs da nicht irgendwas mit einem millionenschweren sanierungsfall? das geisterte eine zeit lang durch die medien – wurde nicht dementiert, aber auch nicht weiter ausgeführt. hat da jmd background-infos?

@ dalamma

Das würde mich nämlich auch interessieren. Ich kann mich an einen kolportierten Sanierungsaufwand von 4 Mio. Euro erinnern…

Keine_Flaute says:

Rinner tut sich wieder nur hervor. Es gab weit wichtigere Personen die am Projekt Sturm neu federführend beteiligt waren, einer davon ist jetzt Präsident.

Die Aussage über Hörmanns Privatleben ist eine Frechheit! Wäre ich Hörmann, würde ich ernsthaft eine Klage in Erwägung ziehen.

was soll er klagen?

Hörmann hat doch vorm Duell gg Hartberg die Herren Rinner, Foda und Co ebenfalls persönlich angegriffen, von dem her ist es verständlich das da net alles eitel Wonne ist.

tool_king says:

die frage von jp ist berechtigt, und zwar nicht nur aus rechtlicher sicht, sondern vor allem auch aus menschlicher: wer austeilt, muss auch einstecken können.

klage wär wohl etwas übertrieben. die aussagen vom rinner waren etwas schwammig. trotzdem und da bin ich bei dir: die aussage hätt sich rinner sparen können.

Privates hat die Öffentlichkeit nicht zu kümmern.Stell dir vor, du stehst in der Öffentlichkeit und dein ehemaliger Chef schwaffelt was von persönlichen Problemen.

ja, darüber kann man eine meinung haben. aber noch einmal: was soll hörmann klagen? mit welcher begründung?

Persönliche Probleme lassen viel Spielraum offen. Man könnte ein Suchtproblem oder sonstiges vermuten. Die Aussage ist einfach nichts, was in die Öffentlichkeit gehört.

Keine_Flaute says:

Völlig richtig, aber das ist der Stil von Hans Rinner.

Danke, tolles Interview! Rinner hat aus meiner Sicht mit seinem Vorstand zusammen aus einem absoluten Sauhaufen einen konkurrenzfähigen Verein gemacht. Fast schon logisch erschien mir sein Rücktritt nach dem Cup- Titel. Seine Arbeit war einfach getan – vom Moment seiner Amtsübernahme bis zum Cuptitel ging es stetig bergauf! Der Verein stand, zumindest offiziell, auf finanziell gesunden Beinen.
Natürlich gibt es in einem Vereinsvorstand Meinungsverschiedenheiten, vor allem in der Gegenposition zum Präsidium – wäre es anders, könnte man sich den Vorstand wahrscheinlich sparen.
Genau aus dieser Opposition einiger Vorstandsmitglieder ist jetzt auch der neue Weg des Vereins entstanden und das ist auch gut so!

Einen Hans Rinner hat Sturm nie gebraucht. Den Zwangsausgleich hat Sturm Christian Jauk zu verdanken, Geschäftsführer hat es damals auch schon gegeben, nur den ließ Rinner nicht arbeiten, Mitarbeiter hat es auch gegeben, die von Rinner niedergemacht wurden und gegangen sind, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben und jetzt als Aufsichtsrat braucht ihn Sturm schon gar nicht, da gibt es bei Sturm zum Glück jetzt echte Kapazunder. Rinner hat Sturm gebraucht um vom absoluten nobody zu einem Sportpromi zu werden, die Liga-Präsidentschaft ohne Sturm absolut undenkbar. Deshalb sollte Jauk nach Foda auch Rinner verabschieden, dann schaut’s für die Zukunft auch personell nicht schlecht aus.

tool_king says:

Dein ausgewogener Kommentar zeugt von deinem Sachverstand. ;)

madschi1988 says:

Hans Rinner ist der Retter von Sturm Graz!
Er hat alles dafür getan das unser Klub überlebt und kein zweiter FC Tirol wird!
Man muss ihm einfach dankbar sein!
Sicherlich hat er auch Fehler gemacht, aber er ist auch nur ein Mensch!
Hans Rinner ist ein großartiger Mensch, den ein Denkmal gesetzt gehört!
Ohne ihn würde es keinen SK Sturm mehr geben und somit auch keinen Cupsieg und Meistertitel!

tool_king says:

Doch, den SK Sturm würde es auch ohne Rinner geben. Allerdings würde er sich dann nach wie vor mit dem GAK duellieren müssen. ;)

Sashlyrics says:

die sanierung des vereins lag mehr in den händen anderer als in jenen von rinner, sich dafür feiern.lassen braucht er sich also nicht. bis auf die stelle mit hörmann aber ein durchaus passables interview von rinner, fast schon professionell.

Keine_Flaute says:

Denkmal und Rinner, sehr witzig! Vielleicht sollten einige mal ein bisschen mehr nachdenken, bevor sie wichtig schreiben. Der aktuelle Präsident hat z.B. einen WESENTLICH höheren Anteil an der Rettung des SK Sturm. Ohne Jauk hätte es die 3 Geldgeber nicht gegeben, die jeweils 750000€ eingezahlt haben, Rinner hat damit nichts zu tun. Der hat lediglich wie andere auch Geld eingezahlt, was er später zurückbekommen hat.

Rinner wurde damals auch nur Präsident weil Jauk auf Grund seines Arbeitsgebers nicht konnte.

black_ghost says:

Ich wusste schon immer, dass der hörmann a klarer Giftzwerg ist. Hahahah, find ich lässig,, dass das jetzt einmal gesagt wird. Wer sooft aneckt, muss auch Schuld haben. Hahahaha.

black_ghost says:

Meinte klaner Giftzwerg!!!😂😂😂

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