Partizan Belgrad

Osims Erben und der Krieg

Was haben Heinz Schilcher und Ivica Osim mit Partizan Belgrad gemeinsam? Der eine war der Nachfolger einer Partizan-Legende, der andere der letzte Trainer vor dem Jugoslawien-Krieg. Doch was hatten die Fans damit zu tun? Vom Veciti Derbi bis zu Arkans Tiger.

© 2011 SturmTifo.com

Sturm Graz ist schwarz-weiß. Partizan Belgrad auch. Die Geschichten der beiden Traditionsmannschaften trennen sich aber strikt und verbinden sich in nur einem einzigen Punkt: Ivica Osim. Vor dem Duell zur Saisoneröffnung wirft Sturm12.at einen Blick auf den Gegner und die durch den Krieg und dessen Folgen gezeichnete Geschichte.

Veciti Derbi
Erst im November 1944 fand das erste – nicht offizielle – Aufeinandertreffen des “ewigen Derbys” statt. Als einige Studenten der kommunistischen Jugend gegen eine Auswahl der Partisanenarmee 3:1 gewann und sich beide Auswahlen kurz darauf dazu entschieden, einen Verein zu gründen, war dies der Anstoß einer mittlerweile knapp 60 Jahre andauernden Rivalität, die in Europa ihres Gleichen sucht. Crvena Zvezda (zu Deutsch: Roter Stern) gegen Partizan. Es ist das wichtigste und das am meisten durch Spielunterbrechungen und Abbrüchen gekennzeichneteste Derby am Balkan. Ein Duell, das 1999 sogar einen Toten forderte. Ein 17-jähriger Junge wurde im Zuge von schweren Ausschreitungen von einem Leuchtkörper getroffen. Zuvor gab es schon das ganze Jahr über Proteste beider Fanlager gegen die NATO-Bombardierung.

In den Jahren zuvor, im Jugoslawien-Krieg, hatten die beiden Klubs ebenso tragende Rollen. Mitglieder der Delije (größter und einflussreichster Fanklub von Roter Stern) wurden von Zeljko Raznatovic (in Resteuropa als “Arkan” bekannt) zur Serbischen Freiwilligengarde (“Arkans Tiger”) rekrutiert und kämpften für die Schaffung eines radikalen Großserbiens. Dennoch hatten die Schwarz-Weißen in dieser Zeit die größeren Erfolge. Als Armeeklub stand man hinter der starken Hand von Slobodan Milosevic und konnte in dieser Zeit fünf Meistertitel einheimsen. Auf der anderen Seite standen auch Partizans Grobari (“Totengräber”) den Taten der Delije nicht nach. Auch lange nach dem Krieg sorgten sie immer wieder für Unruhen. Im Oktober 2010 waren auch Grobari am Spielabbruch des WM-Qualifikationsspiels der Serben in Genua gegen Italien beteiligt. Im Nachhinein stellte sich hierbei heraus, dass dies wohl ein Zeichen gegen die serbische Regierung war, die einen EU-Beitritt anstrebte. Und 2007/08 verbannten sie nach schweren Ausschreitungen rund um das Europacup-Rückspiel bei Zrinjski Mostar ihren eigenen Klub aus dem Bewerb.

© 2010 SturmTifo.com

Vasovic, Schilcher und Osim
Schon drei Jahre zuvor zeigten sich die Grobari dafür verantwortlich, dass das Präsidium einem Fanboykott gegenüber stand. Partizan hatte kein Geld – die Armeegelder wurden nach den Kriegen gestrichen – und der Klub verkaufte alle jungen Spieler noch bevor diese in der Kampfmannschaft für Erfolge sorgen konnten. Dennoch schaffte es Lothar Matthäus 2003 die Mannschaft in die Gruppenphase der Champions League zu führen. Immerhin konnten Mateja Kezman und Co. dort Real Madrid und dem späteren Sieger FC Portozwei Remis abluchsen. Auch 2010 erreichte man die Gruppenphase, blieb aber ohne Punkt.

Real Madrid war auch der Gegner 1965/66 im Europacup der Landesmeister. Und zwar im Finale. Im Brüsseler Heysel-Stadion Obwohl Velibor Vasovic die Partisanen in Führung brachte, gewannen die Madrilenen noch mit 2:1. Der Torschütze Vasovic ist auch einer der größten Legenden im Verein. Und das, obwohl er als bisher berühmtester Spieler (neben dem späteren Hamburger SV und Bayern München-Erfolgstrainer Branko Zebec) 1963 für eine Saison zum großen Stadtrivalen wechselte. Der spätere Landesmeisterpokalsieger mit Ajax Amsterdam war zudem als Libero direkter Vorgänger von Heinz Schilcher bei Ajax und Nationalteamkollege von Ivica Osim.

Die beste Jugendarbeit Europas
Osim war nicht nur der letzte Teamchef einer gesamtjugoslawischen Mannschaft, sondern 1991/92 – nach dem Ausschluss der Jugoslawen bei der EM 1992 – auch Trainer von Partizan. Er holte zwar den heimischen Pokal, flüchtete danach aber vom Balkankrieg nach Athen zu Panathinaikos. Er war einer der ersten großen Trainerpersönlichkeiten, die danach die Schwarz-Weißen zu eher mäßigen Erfolgen brachte. Ihm folgten Größen, wie Matthäus, Jürgen Röber, Miroslav Djukic, oder Avram Grant. Mehr als drei UEFA Cup-Gruppenphasen 2006-2009 und acht Meistertitel in den letzten elf Jahren waren dennoch nicht drin. Der Mitropacupsieger von 1978 wurde 2006 zudem als Verein mit der besten europäischen Jugendarbeit ausgezeichnet. Der vielleicht wertvollste Titel in der Vereinsgeschichte.

Die aktuelle Mannschaft ist trotzdem gut aufgestellt. Rund um dem mittlerweile 34-jährigen Kapitän und Ex-Bullen Sasa Ilic steht ein Team, das mit jungen, serbischen Talenten und einigen exotischen Akteuren gespickt, die perfekte Plattform für die große europäische Bühne bietet. Alleine der 18-jährige Stürmer Lazar Markovic, der sierra-leonische Finne Medo und Rechtsaußen Nemanja Tomic sind fast so viel wert, wie der gesamte Sturm-Kader. Dazu hat man mit Vladimir Stojkovic den aktuellen serbischen Teamtorwart in den eigenen Reihen, der beim Spielabbruch in Genua übrigens – nach seinem Wechsel von Roter Stern – von beiden belgrader Fanlagern beschimpft und attackiert wurde.

Es geht um keine Punkte und es ist nur wenig Brisanz hinter dieser Partie. Dennoch wird es ein besonderes Spiel, wenn am Samstag die beiden schwarz-weißen Traditionsvereine aufeinander treffen. Im bisher einzigen Duell – im Trainingslager 2011 in Belek - verloren die Blackies übrigens knapp mit 1:2 (1:1). Den zwischenzeitlichen Ausgleich besorgte damals Patrick Wolf.

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Kommentare

Kommen auch Partizan Fans (Grobari)?

Siehe im übrigen auch einen der letzten Ballesterer wo Partizan und Roter Stern die Titelstory waren (Hammer Bericht)

11mariohaas11 says:

http://www.transfermarkt.at/de/lazar-markovic/profil/spieler_144303.html
dem könnte man dann gleich bei gelegenheit einen vertrag unterbreiten :D

Verweigerer says:

@.1909:
Sicher kommen ein paar Grobari! Zudem, Fans von Partizan im Inland gibt es auch zur Genüge. Warum sollte man mit einem Totengräber nicht auf ein Bier gehen können? :-) Grobari ist allerdings der Überbegriff für die Kurve (ähnlich der Nord oder dem Block West). Bekanntestes Grüppchen innerhalb der Grobari ist “Alcatraz”. Für die Pyro sind sie bekannt. Fanfreundschaft besteht von Seiten der Belgrader mit PAOK Saloniki. Uns gegenüber sind sie (lt. diversen Foren) Freundschaftlich gesinnt, es braucht sich also niemand ins Hemd zu machen. Die gleichen Farben, die gleichen Lieder… eh` schon wissen. In Wien besuche ich mit ein paar Grobari-Jungs des Öfteren Heimspiele des WSK, allesamt feine Kerle.

archaeopterix says:

Morgen die Nagelprobe – sicher ein schwerer Gegner ! Wäre schön zu sehen, wie Su Pasu gegen Belgrad Spielt !?? – es wäre höchste Zeit, daß der Kader bald komplett ist …… !!–

sturm1972 says:

Der Kader ist komplett.
SuPa werden wir noch oft genug sehen.

Ritter2011 says:

Super Artikel, danke! Da sieht man aber auch, wie die subjektive Wahrnehmung ist. Ihr schreibt von mäßigem Erfolg und nennt dann 8 Meistertitel in 11 Jahren. Für mich persönlich, ein toller Schnitt. Oder habe ich im Artikel etwas nicht ganz verstanden? Weil mir war auch nicht klar, warum man nun einen Bezug zu Heinz Schilcher hergestellt hat, der ja eigentlich… gar keinen hat? Außer, dass ein ehemaliger Partizan Spieler einmal beim gleichen Verein spielte wie Schilcher? Hilfe?? Ich bin überfordert…

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