Roland Kirchler

"Es gibt im Fußball keine Geheimnisse"

Roland Kirchler war vor mehr als zehn Jahren fast ein Sturm-Spieler. Er hat sich dann aber doch für den FC Tirol und gegen die Champions League entschieden. Heute trifft er als Trainer von Wattens auf Grazer, die er als Vorbild bezeichnet.

© 2009 WSG Wattens

Herr Kirchler, gerade zu der Zeit, als der FC Tirol die Mannschaft von Sturm Graz als österreichischer Meister abgelöst hat, stand ein Wechsel von Ihnen nach Graz im Raum. Können Sie sich noch erinnern woran das damals gescheitert ist?
Das war damals eine unheimlich knappe Sache. Osim wollte mich unbedingt haben. Ich war auch nicht uninteressiert. Wir sind mit Tirol zwar gerade Meister geworden, aber Sturm Graz hat sich für die Champions League qualifiziert. Die Gespräche waren schon ziemlich weit. Dann habe ich mich mit Hannes Kartnig und Christian Flick getroffen und wir haben intensiv über eine Verpflichtung gesprochen. Ich habe mich dann doch für Tirol entschieden, Kartnig meinte, ich hätte ihm schon fix zugesagt. Das mussten wir damals vor Gericht klären. Da habe ich dann Gott sei Dank Recht behalten. Aber viel hat nicht gefehlt und ich hätte für Sturm gespielt.

Wäre das als Tiroler Urgestein überhaupt denkbar gewesen? Die Rivalität zwischen den Sturm-Fans und den Tirolern ist ja keine kleine.
Das habe ich damals als Spieler nicht so wahr genommen, ich glaube das hat sich erst entwickelt, seit Wacker wieder oben ist. Früher war die Salzburger Austria da, die angefeindet wurde, jetzt ist es halt auch Sturm.

Ist da heute mit Zwischenfällen zu rechnen?
Unser sportlicher Leiter läuft seit einigen Tagen im Kreis. Es ist anzunehmen, dass Wacker-Fans kommen. Das war auch 2009 so, wo es dann den Platzsturm gegeben hat. Das ist dann immer teuer und wir kommen als unschuldiger Verein zum Handkuss. Wobei ich betonen möchte, dass die Sturm-Fans unseren Fans nie etwas tun würden.

Sie haben als Spieler eine positive Bilanz gegen Sturm (19-12-18), als Trainer nach der Niederlage vor zwei Jahren eine negative. Was muss heute passieren, damit die Bilanz als Trainer ausgeglichen ist?
Es muss der Spielverlauf absolut für uns sprechen, dann können wir überraschen. Aber es ist klar, Sturm Graz ist absoluter Favorit. Im Grunde spielen wir gegen unsere Vorbilder. Sturm spielt in Österreich mit den technisch schönsten Fußball. Das tun wir in der Regionalliga auch.

2009 hat Ihre Mannschaft denkbar knapp gegen Sturm verloren.
Stimmt. Das war ein unglücklicher Spielverlauf. Gleich in der Anfangsphase haben wir aus einem Elfmeter ein Gegentor erhalten. Danach hat Sturm das Ergebnis sehr gut verwaltet. Am Ende hatten wir zwar eine riesen Ausgleichsmöglichkeit, von einer ungerechten Niederlage zu sprechen, wäre aber maßlos übertrieben. Wenn wir heute auch so eine Leistung abrufen, dann wäre ich zufrieden.

Wie bereitet man sich denn als Regionalligist auf Sturm Graz vor?
Ich muss sagen, dass das Spiel für uns viel zu früh kommt. Wir hatten eine lange Relegation, eine sehr kurze Pause. Aufgrund von einigen Transfers befindet sich die Mannschaft noch im Umbau. Wir konnten auch erst zwei Testspiele spielen, haben uns also noch nicht einspielen können. Dazu kommt, dass einige Spieler verletzt oder krank sind, zwei sind noch auf Urlaub. Damit muss man sich als Trainer im Amateur-Bereich abfinden. Trotzdem sind wir stolz, dass Sturm als Gegner kommt. Wir werden elf Spieler aufstellen können, ohne dass sich an meiner positiven Bilanz gegen Sturm etwas ändert.

Für Sturm ist es das erste Pflichtspiel unter einem neuen Trainer. Erschwert das die Aufgabe von Wattens zusätzlich, weil sich die Spieler bei Peter Hyballa empfehlen möchten?
Auch ich habe neue Spieler, die sich beweisen wollen. Von Peter Hyballa habe ich bisher nur sehr spannende Dinge gehört. Ich habe gehört, dass Sturm sehr aggressiv spielt, den Gegner schnell unter Druck setzt. Wir rechnen damit, dass uns Sturm tief in der eigenen Hälfte anpresst. Ich hoffe wir werden die geeigneten Mittel finden.

Verraten Sie mir die?
Es gibt im Fußball keine Geheimnisse. Wir müssen den Ball sicher spielen, gut herausspielen und vorne unsere Tormöglichkeiten nutzen. Auf keinen Fall dürfen wir uns gegen Sturm nur hinten hineinstellen. Wir werden unser Heil in der Offensive suchen. Ich gehe davon aus, dass es eine spielerisch sehr hochwertige Partie wird. Und natürlich müssen wir hoffen, dass der Spielverlauf für uns spricht.

Das hat er in der Relegation gegen Horn sicher nicht. Da ist Ihre Mannschaft zwei Mal unter die Räder gekommen. Zwei schwarze Tage von Wattens oder ist der Osten besser als der Westen?
Das klingt bei den Ergebnissen (1:5, 0:4 aus Sicht von Wattens, Anm.) vielleicht blöd, aber der Unterschied war nicht so klar wie das Ergebnis. Wir sind zu Hause zur Halbzeit 0:3 hinten gewesen. Trotzdem war die Halbzeit okay – wir können nach 20 Minuten auch 2:0 führen. Der Spielverlauf war einfach beschissen. Horn ist aber eine sehr gute Mannschaft, die keine Probleme haben wird, die Klasse zu halten. Und ja, die Regionalliga im Westen ist deutlich schwächer als die im Osten.

Herr Kirchler, tippen Sie Spiele?
Nein. Damit habe ich aufgehört. Außerdem ist es in dem Fall sehr schwer, weil wenn ich sage, wir verlieren 0:2, dann bin ich als Trainer am falschen Posten. Ich kann sagen, dass Sturm Favorit ist. Dass wir es sehr sehr schwer haben werden. Und dass wir bei gutem Spielverlauf überraschen können.

Das Interview führte Clemens Ticar.

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Kommentare

Black Boy says:

Gelöscht aufgrund von Verstoß gegen Kommentarregel 5. http://www.sturm12.at/sturm12-at-kommentarregeln/

Black Boy says:

Ah geh. Im Grunde hab ich ihn ja eh lieb.

sturm1972 says:

Schuld daran,das Kirchler bei den Sturmfans keiner mag,war eigentlich H. Kartnig ! Dieser hat damals behauptet, Kirchler hätte zuerst bei Sturm und danach in Tirol unterschrieben,was ja offensichtlich gelogen war,wie das Gericht ja festgestellt hat.Nur sind die Worte Kartnigs,damals noch in der Transfer-zeit,in den Köpfen der Fans geblieben,während das Gerichtsurteil Monate später, nur mehr am Rande wahrgenommen wurde.

Sturmfan7 says:

Ist zwar ein bisschen offtopic aber ALTER 26.4MILLIONEN Förderung für Rapid? Und da wundern wir uns, dass unsere Hauptstadt Pleite ist? o0 Hier der Link… http://www.laola1.at/de/fussball/bundesliga/hintergrund/rapid-stadion-status-quo/page/30420-32-48-48-.html

sturm1972 says:

Stimmt !!! Fürs Stadion ?! Aber am ärgsten ist,das der Bund 15,5 Millionen Steuergeld in Klagenfurt investiert,um 32.000 Sitzplätze für einen RL-Verein zu erhalten !!!!!! In der Steiermark verschlingt im Moment Schladming die ganzen Mittel.Obwohl ein Stadion-umbau in Graz schon längst fällig wäre.

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