Morgen also startet die österreichische Bundesliga ins Spieljahr 2012/13. Und da wartet gleich ein Schlagerspiel, wenn Sturm Graz zu Hause auf den amtierenden Meister Red Bull Salzburg trifft. Und da die Mozartstädter einen neuen Trainer haben, hat Sturm12.at Neo-Coach Roger Schmidt zum Interview gebeten. Der Deutsche erzählt darin über seine Idee vom Fußball und über das attraktive Spiel, mit dem er die Zuschauer ins Stadion locken möchte. Außerdem verrät er, warum er trotz laufendem Vertrag beim SC Paderborn dem deutschen Fußball Ade gesagt und das Angebot aus Salzburg angenommen hat. Außerdem erwartet er beim morgigen Schlagerspiel ein “schwieriges und enges” Match und eine “aggressive” Elf seines alten und neuen Trainer-Kollegen Peter Hyballa.
Herr Schmidt, Sie sind seit knapp einem Monat in Salzburg. Was hat sich seit Ihrem Antritt als Cheftrainer alles getan?
Sehr viel. Es war mir vor allem wichtig, die Mannschaft kennenzulernen. Wir hatten nur sehr kurz Zeit, um uns auf unsere Pflichtaufgaben vorzubereiten. Da stecken wir jetzt mittendrin. Aber wie bereits gesagt, das Kennenlernen stand für mich im Vordergrund.
Ich kann mir vorstellen, dass Sie sich nicht nur intensiv mit Ihrer Mannschaft beschäftigt haben, sondern auch mit der österreichischen Bundesliga. Was wussten Sie vor Ihrem Salzburg-Engagment über den österreichischen Fußball?
Ein interessierter Trainer beobachtet Fußball überall in Europa. Natürlich habe ich das eine oder andere aus Österreich mitbekommen. Allerdings habe ich nicht konkret geplant einmal nach Österreich zu gehen. Daher habe ich mich im Vorfeld nicht gerade intensiv mit der österreichischen Bundesliga beschäftigt. Mein Fokus lag ganz klar am deutschen Fußball.
Das Bundesliga-Frühjahr 2012 war einheitlich von Torarmut und Langweilige geprägt. Sie dagegen stehen für eine offensive Spielweise. Wie lautet Ihre genaue Idee vom Fußball?
Wenn ich über Fußball nachdenke, dann denke ich natürlich in erster Linie an das Toreschießen. Man darf aber als Trainer nicht vergessen, dass man immer weniger reinkriegen darf, als man schießt. Das eine soll aber das andere nicht ausschließen. Ich will offensiv verteidigen, früh gegen den Ball arbeiten und dadurch auch früh den Ball gewinnen. So will ich die Defensive stabil machen. Und durch dieses aggressive Verteidigen will ich weit vom eigenen Tor weg kommen und offensiv gefährlich werden. Doch nicht nur Peter (Anm. d. Red.: Hyballa) und ich lassen so spielen, alle erfolgreichen Mannschaften zeichnet eine solche Spielweise aus. Doch es braucht alles seine Zeit.
Zumindest in Österreich werden die Trainer Schmidt und Hyballa hinsichtlich Ihrer Spielweise als ähnliche Typen beschrieben. Wo würden Sie sagen, liegen die Unterschiede zwischen Ihren Philosophien? Sie kennen sich ja von Ihrer Trainer-Arbeit in Deutschland.
Das kann ich nicht beurteilen. Wir haben in Deutschland gegeneinander gespielt, aber wie gesagt, diese Frage kann ich nicht seriös beantworten. Peter hat in Deutschland eine sehr gute Arbeit gemacht. Er ist ein prima Trainer, der den offensiven Fußball fördert. Er verdient meine absolute Anerkennung.
Wird der österreichische Fußball durch Sie und Hyballa ein wenig wachgerüttelt? Immerhin haben inzwischen auch Peter Schöttel von Rapid und Peter Stöger von der Austria Offensive angekündigt.
Es heißt ja nicht, nur weil man deutsche Trainer holt wird alles anders. Man sollte mit einer gewissen Demut herangehen. Ich kann nur für meine Mannschaft sprechen, und zwar, dass meine Spieler insgesamt als Mannschaft offensiver denken sollen. In meiner Spielweise soll meine Mannschaft Spaß und Erfüllung finden, denn wenn man gut gegen den Ball arbeitet, wird man auch mit vielen Offensivaktionen belohnt. Das müssen die Jungs verinnerlichen. Und wenn sich diese Spielidee verselbstständigt und auf den Platz gebracht wird, kann das dazu beitragen, die Qualität für die Zuschauer etwas zu verbessern.
In Österreich herrscht hinsichtlich Salzburg und Sturm eine gewisse Erwartungshaltung. Medial wird von den beiden “deutschen Konzepttrainern” und der “modernen deutschen Schule” geschwärmt. Was halten Sie von diesen Begriffen?
Prinzipiell hat jeder Trainer ein Konzept. Ich glaub, das wird ein bisschen hochgehangen, denn man sollte immer den Einzelfall beurteilen. Diese Begriffe sind mittlerweile modern geworden, aber Konzepte gibt es nicht erst seit heute, die gab es auch schon vor 20 Jahren. Der Fußball hat sich gewandelt, ja, aber ist doch nicht neu erfunden worden.
Sie waren zuletzt in der zweiten deutschen Liga beim SC Paderborn engagiert. Dort hatten Sie ursprünglich einen Vertrag bis 2014 und waren auch erfolgreich. Was hat Sie nun aber nach Österreich geführt?
Das Angebot aus Österreich war nicht vorhersehbar, es kam sehr überraschend für mich. Ich steckte komplett in der Vorbereitung bei Paderborn und bin davon ausgegangen, auch nächste Saison in der zweiten deutschen Liga zu sein. Ich habe mir die Idee und das Konzept von Red Bull angehört und es hat mich extrem gereizt, am Weg von Red Bull dabei zu sein. Ich habe mich also in relativ kurzer Zeit zu diesem Schritt entschlossen und fühle mich auch bestätigt. Red Bull Salzburg ist ein sehr guter Verein, es macht hier sehr viel Spaß. Ich glaube, man kann hier als Trainer sehr gut arbeiten.
Salzburg verfügt über sehr große finanzielle Mittel. Peter Hyballa meinte einmal gegenüber Sturm12.at, wenn sich bei Red Bull ein Spieler verletzen würde, könnten die ohne groß über das Geld nachzudenken am Transfermarkt zuschlagen. Dafür aber hätten Vereine wie Sturm Graz oder Alemannia Aachen mehr Fußballgeruch. Wie beurteilen Sie diese Aussage?
Bei Transfers sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insofern nicht das wichtigste, da man sich über jeden Transfer große Gedanken machen muss. Natürlich haben wir andere Möglichkeiten, aber es ist extrem wichtig, einen Spieler genau zu beobachten. Man muss herausfinden, ob er wirklich in das Konzept reinpasst. Vielleicht können wir in einer anderen Kategorie denken. Es ist immer so, dass uns andere Vereine beurteilen, Vereine mit anderen Rahmenbedingungen. Aber damit beschäftige ich mich nicht. Ich glaube, dass Red Bull Salzburg ein richtig guter Verein ist. Ich habe ihn sehr lebendig kennengelernt und bin überzeugt, dass hier alle Mitarbeiter gerne und mit Spaß arbeiten.
Die Zuschauerzahlen in Wals-Siezenheim haben sich in den vergangenen Spielzeiten nach unten entwickelt. Wie wollen Sie wieder mehr Fans ins Stadion locken?
Ich glaube, wenn wir den bereits angesprochenen attraktiven Fußball in die Tat umsetzen, für Torgefahr sorgen und auch Tore schießen, und mit Herz und Leidenschaft auftreten, dann wird sich dieses Problem von alleine lösen. Die Zuschauer wollen unterhalten werden. Dafür müssen wir eine dementsprechende Leistung bieten.
Salzburg hat in der vergangenen Saison das Double gewonnen. Wir lauten heuer die Ziele?
Natürlich ist es als Trainer nicht ganz so einfach zu einer Mannschaft zu stoßen, die gerade erst das Double gewonnen hat. Die Erwartungshaltung ist zurecht sehr hoch. Es wird eine große Herausforderung beide Titel zu verteidigen. Außerdem wollen wir trotz der Niederlage gegen Düdelingen so lange wie möglich in Europa dabei sein. Diesen Weg zu gehen ist eine große Herausforderung, der wir uns stellen werden.
Stichwort Champions League-Qualifikation. Nach dem Spiel meinten Sie, dass Sie dieses Gesicht Ihrer Mannschaft nicht kennen würden und es auch nicht akzeptieren werden. Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem Spiel in Luxemburg?
Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Mannschaft gegen einen kleineren Gegner verliert, das passiert im Fußball immer wieder. Naürlich gibt es die eine oder andere Erklärung, aber grundsätzlich haben wir uns die Schneid abkaufen lassen. So etwas darf uns nicht passieren. In der Vorbereitung haben wir hervorragende Spiele gemacht. Aber wenn es darauf angekommen ist, haben wir in den Basisbereichen nachgelassen und sind von unserer spielerischen Linie abgewichen. Aber das haben wir intern bereits besprochen.
Kann es sein, dass Ihre Mannschaft noch nicht bereit ist für diese Herausforderung, für die kommenden Aufgaben?
Doch, die Mannschaft ist bereit. Im Endeffekt müssen wir auch bereit sein. Wir suchen nach keinen einfachen Ausreden, denn wir haben insgesamt eine schlechte Leistung gezeigt. Doch das war nur das Hinspiel. Noch haben wir nichts verloren, das Rückspiel in Salzburg müssen wir eben mit zwei Toren Unterschied gewinnen.
Was für eine Reaktion Ihrer Mannschaft erwarten Sie am Samstag beim Auftakt gegen Sturm Graz?
Im Prinzip erwarte ich mir das, was wir vorher gezeigt haben, dass wir am Platz mutig sind und versuchen, unsere Spielweise durchzudrücken. Gegen Sturm Graz müssen wir also dementsprechen nach außen vermitteln, dass wir gewinnen wollen. Wir haben 90 Minuten Zeit, um besser als unser Gegner zu sein. Und genau das ist unser Ziel.
Und wie erwarten Sie Ihren Gegner aus Graz?
Sehr engagiert und aggresiv. Es ist ihr erstes Spiel daheim, noch dazu gegen Red Bull Salzburg, die als Favorit in die Saison gehen. Das ist ein optimaler Einstieg für Sturm. Wir erwarten ein sehr schwieriges und enges Spiel.
Das Interview führte Katharina Siuka

Sturm12.at ist ein privates und unabhängiges, journalistisches Medium, das seinen Fokus auf die Berichterstattung über den Fußballklub SK Sturm Graz gerichtet hat. Gegründet wurde Sturm12.at am 20. Februar 2009 von Christopher Houben und Julia Wendl. Das Hauptaugenmerk der Arbeit bei Sturm12.at liegt auf der tiefgreifenden Analyse von Sturm Graz und des österreichischen Fußballs.
Kommentar wegen Beleidigung gelöscht. noch eine Anmerkung dazu: Falls es dir bisher entging, vor jedem Spiel gibt es auch ein Interview mit dem Gegner.
Naja. Beleidigend war das nicht. Aber ist ok.
Dosendepp? Mit deiner Mama muss mal einer ein ernstes Wort reden…
geh bitte dosendepp is wohl wirklich net so schlimm wie manch anderes, was hier so herumkrakeelt wird!
Wegen Kommentarregel 6 gelöscht.
Wegen Kommentarregel 6 gelöscht.
Ist heute der “Kommentar lösch Tag”? ^^
anscheinend. Dabei hab ich mich so zurückgehalten
Österreich Land der Meinungsfreiheit!
Man merkt es!
Bin froh das es diese Regeln gibt
(werden eh sehr großzügig ausgelegt);-)
und i net jeden Senf lesen muss.
Voller Erwartung u Vorfreude können wir morgen in die Saison starten.
Ich würde ja uns favorisieren.
Du verwechselt Meinungsfreiheit mit dem Recht auf Dummheit bzw. dem Recht andere zu Beleidigen. Bei Meinungsfreiheit geht es weniger um das Gesagte, als um die Konsequenzen die daraus gezogen werden. Wenn hier ein Kommentar gelöscht wird, dann besitzt es schon eine andere Qualität als wenn jemand deine Bude auseinander nimmt und dich foltert. Außerdem sind jene die lautesten schreien, sowieso meist jene, die sich immer an der Grenze “des guten Geschmacks” befinden und in der Vergangenheit von ihnen, absolut zu recht, Posts gelöscht wurden.
Hä??? Wen hab ich denn beleidigt? Was’n da los?
6. Kommentare und Beiträge der User müssen einen Bezug zum darüberstehenden Artikel haben.
Ich gestehe. Schlimmes Vergehen.
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Haha, und solche Aussagen von einem Mann, dessen Mannschaft von einem Schwimmlehrer für Kinder besiegt wurde
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